Tag-Archiv | Yrsa Sigurðardóttir

Die eisblaue Spur / Yrsa Sigurðardóttir

Titel: Die eisblaue Spur (Auðnin)

Autor: Yrsa Sigurðardóttir

Seitenzahl: 339

Woher ich es habe: gebraucht bei Rebuy gekauft

„Die eisblaue Spur“ ist nach „Das letzte Ritual“, „Das gefrorene Licht“ und „Das glühende Grab“ der vierte Band der Reihe um die isländische Anwältin Dóra und ihren deutschen Lebensgefährten Matthias Reich. Auf Deutsch ist noch ein weiterer Band mit dem Titel „Feuernacht“ erschienen.

Handlung:

In ihrem vierten Fall muss Dóra gemeinsam mit Matthias und der immer schlecht gelaunten Sekretärin Bella nach Grönland reisen. Dort soll sie herausfinden, warum und wohin in einem entlegenen Forschungscamp mehrere Menschen verschwunden sind. Das Team um die Anwältin wird in der eisigen Weite Grönlands nicht gut aufgenommen. Die Einheimischen stehen ihnen mißtrauisch gegenüber, niemand will mit den Fremden sprechen und so tappen sie weiter im Dunkeln. Zu allem Überfluss werden im Lager dann noch menschliche Knochen gefunden und die Teammitglieder wissen bald nicht mehr, ob sie sich gegenseitig noch vertrauen können oder ob der Feind ihnen draußen vor den Fenstern auflauert.

Eigene Meinung:

Ich habe mich wirklich auf den nächsten Band der Dóra Guðmundsdóttir-Reihe gefreut, denn bis jetzt mochte ich alle Teile sehr gerne. Bei „Die eisblaue Spur“ hatte ich jedoch das Gefühl, dass die Ereignisse sich wie Kaugummi ziehen und eine rechte Spannung wollte bei mir nicht aufkommen. Zunächst beginnt der Band mit endlosen Informationen über das Forschungscamp, die letzten Ereignisse und die beteiligte Firma. Nebenbei wird noch ein wenig aus Dóras Privatleben einschließlich Kinder, Enkelkind, Ex-Mann usw. erzählt. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, eine Ermittlerin vor sich zu haben, die ein ganz normales Familienleben führt, nicht zu perfekt und nicht zu tragisch. Dennoch wirken die Schilderungen irgendwie blass und können mich nicht richtig überzeugen. So vergehen also einige Seiten, bis sich das bunt zusammengewürfelte Team endlich nach Grönland aufmacht. Darüber, dass auch Bella erneut den Schreibtisch verlassen und ihrer Chefin den letzten Nerv rauben durfte, habe ich mich sehr gefreut. Denn trotz aller schlechten Laune und bissigen Kommentare ist die resolute Sekretärin mir doch ein wenig ans Herz gewachsen. Oft spricht sie einfach das aus, was der Leser denkt und das schätze ich an ihr.

Im Forschungscamp angekommen baut die Autorin schließlich einige gewollt gruselige Elemente in die Handlung ein. Natürlich fällt der Strom aus und natürlich schleicht jemand um die beiden Hütten herum. Noch dazu muss das Team fürchten, ein schrecklicher Virus hätte die verschwundenen Kollegen dahingerafft und so scheint die Szenerie perfekt zu sein. Nicht für mich, leider! Ich empfand das Geschilderte an keiner Stelle als gruselig und dabei bin ich jemand – mein armer Verlobter kann das bestätigen – der bei jeder kleinen gruseligen Szene aufschreckt. Alles wirkte für mich so aufgesetzt, so als habe die Autorin in einem Baukasten für Gruselstimmung gekramt. Und auch unsere Heldin Dóra verhält sich in meinen Augen wieder unrealistisch. Sobald der erste Schatten um das Gebäude schleicht, stürmt sie sofort nach draußen, um den Täter zu stellen. Und dabei ist sie doch einfach nur eine ganz durchschnittliche Anwältin und nun wirklich keine Privatdetektivin oder Hobbypolizistin.

In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wir den ehemaligen Campbewohner Arnar in seinem täglichen Leben. Er ist – zum wiederholten Mal – in einer Entzugsklinik, denn er ist Alkoholiker. Geschickt erhält der Leser so noch einen anderen Blick auf die Ereignisse, die sich vor einigen Wochen im Camp abgespielt haben. Vor allem von Mobbing unter Arbeitskollegen ist hier die Rede und Arnar deutet immer wieder an, dass er etwas getan hat, das niemand wissen darf und das sein Gewissen schwer belastet. So rätselt man natürlich von Anfang an mit, welcher Tat der Forscher sich schuldig gemacht hat und wann beide Handlungsstränge sich kreuzen werden.

Gut gefallen haben mir die Nebenfiguren: eine sehr interessante und durchaus explosive Mischung, die im Verlauf der Handlung und abgeschnitten von der Zivilisation natürlich zu Streitereien führt. Ebenfalls positiv und wichtig war in meinen Augen die Darstellung der Einheimischen und ihrer Probleme, wie sie mit dem Alkoholismus und dem Wegzug ihrer Kinder aus der Gegend zu kämpfen haben und an was sie glauben. Die gesamte Hintergrundgeschichte um die mysteriöse Auslöschung eines ihrer Dörfer war eines meiner Highlights im gesamten Roman.

Überrascht war ich vom Schluss des Romans, denn ich hatte mich die ersten 300 Seiten in der Sicherheit gewähnt, den Täter längst entlarvt zu haben und doch war am Ende alles ganz anders, als ich es erwartet hatte. Für mich ist aber genau dieser Effekt ein weiterer Pluspunkt dieses ansonsten nicht allzu spannenden Island-Krimis. Ich hoffe und wünsche mir, dass der fünfte Band wieder zur alten Qualität zurückfindet, denn eigentlich ist diese Reihe einer meiner liebsten unter den Krimis.

Fazit: Ein Roman mit einigen Schwächen, den sich Fans der Reihe aber nicht entgehen lassen sollten.

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Das glühende Grab / Yrsa Sigurðardóttir


Titel:  Das glühende Grab (Aska)

Autor: Yrsa Sigurðardóttir

Seitenzahl: 363

Woher ich es habe: Selbst gebraucht gekauft

„Das glühende Grab“ ist schon der dritte Band in der Reihe um die  isländische Anwältin Dóra Guðmundsdóttir. Nachdem ich von den ersten beiden Bänden – „Das letzte Ritual“ und „Das gefrorene Licht“ – bereits begeistert war, habe ich mich auf die Fortsetzung sehr gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Handlung:

Dóra hat sich gerade erst von ihren letzten Fall erholt. Inzwischen ist ihr Sohn Gylfi mit 15 Jahren Vater geworden und die junge Anwältin kümmert sich neben ihren beiden Kindern nun auch noch um ihren kleinen Enkel. Die Beziehung zu dem Deutschen Matthias Reich, die sie seit dem ersten Band pflegt, steht indes unter einem unsicheren Stern, denn Matthias hat ein Jobangebot seiner Bank erhalten, für das er nach Island ziehen möchte. Dóra steht jetzt also vor der Entscheidung, ob sie sich ein Leben mit dem Deutschen in Island vorstellen kann. So sieht also die private Situation der Anwältin aus, als sie ihren Mandanten Markús auf den isländischen Westmännerinseln zu einer Ausgrabungsstätte begleitet. Markús versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass sein bei einem Vulkanausbruch vor mehr als 30 Jahren verschüttetes Elternhaus ausgegraben wird. Und als Dóra gemeinsam mit ihm den Keller des Hauses betritt, wird auch klar, weshalb: Dort unten finden die beiden einen abgetrennten Kopf und drei Leichen. Markús schwört, nichts von all dem gewusst zu haben und bittet Dóra, ihn zu verteidigen. Er beschuldigt sogar seine Jugendfreundin Alda, für den abgetrennten Kopf verantwortlich zu sein, doch noch bevor Dóra Alda befragen kann, wird die Krankenschwester ermordet.

Meine Meinung:

Im Verlauf der Handlung gerät Dóra bereits wie in den vorherigen Romanen in einen Strudel aus Lügen, Intrigen und Gewalt. Vor allem die Atmosphäre auf den Westmännerinseln hat die Autorin gut eingefangen. Die Menschen erscheinen als ruhig und zurückgezogen, manche von ihnen schon fast eigenbrödlerisch. Und obwohl einige von ihnen sich feindlich gesinnt zu sein scheinen, bilden sie doch eine fast undurchdringliche Mauer gegen die junge Anwältin. Nur nach und nach kann sie sich das Vertrauen einiger Inselbewohner erkämpfen und das Geschehen aufklären. Gut gefallen hat mir an diesem Band, dass Matthias seiner Freundin nicht wie ein Schatten folgt. Es war interessant, Dóra mal wieder ganz auf eigene Faust ermitteln zu sehen. Aufgrund seiner Sprachprobleme konnte der Deutsche bisher nur wenig in die Handlung eingreifen und erschien so oft fehl am Platz.

Auch in diesem Band gelingt es der Autorin, die Figuren greifbar zu machen. Es sind Menschen wie Du und Ich, mit ganz normalen alltäglichen Problemen. Dóra zum Beispiel ist geschieden, weiß oft nicht, wie sie die Miete aufbringen und die Betreuung ihrer beiden Kinder organisieren soll. Nun ist sie auch noch Oma geworden und muss den Spagat zwischen Familie und Beruf wagen, ohne dabei ihre eigenen Bedürfnisse zu vergessen. Ich fand es auch sehr angenehm, dass wieder die grimmige Sekretärin Bella mit auf die Reise gehen durfte. Musste man über sie in den ersten beiden Bänden noch verständnislos den Kopf schütteln, nimmt ihr Charakter jetzt immer mehr Form an und man fragt sich unweigerlich, was hinter der Fassade dieser jungen Frau steckt.

Die Haupthandlung des Romans besteht auch dieses Mal aus einigen losen Fäden, die erst am Ende miteinander verknüpft werden. Und ich muss zugeben, dass ich der Autorin auf den Leim gegangen bin und den wahren Täter nicht durchschaut habe. Ich habe also wenig zu beanstanden, was „Das glühende Grab“ betrifft. Nur eines wirkt auf mich schon seit Band 1 etwas befremdlich: wieso ist eine junge Anwältin der Polizei immer einen Schritt voraus? Warum findet sie allein Beweise, wo zahlreiche Polizisten im Dunkeln tappen? Warum sind wichtige Zeugen immer nur bereit, Dóra ihre Geschichte anzuvertrauen, nicht aber der Polizei? Und wie schafft sie es, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein? Nun, das muss als wichtiges Handlungsmoment wohl einfach so hingenommen werden – schließlich waren auch Miss Marple, Hercule Poirot und Sherlock Holmes der Polizei stets überlegen.

Fazit:

Ein solider, unterhaltsamer Kriminalroman, der den Zauber Islands einzufangen vermag und mit seinen aus dem Leben gegriffen Charakteren überzeugt.