Tag-Archiv | Ursula Poznanski

Gewinnspiel zu „Die Verratenen“ von Ursula Poznanski

Der Loewe-Verlag hat auf Facebook mal wieder ein tolles Gewinnspiel gestartet. Wer den Trailer zum neuen Roman von Ursula Poznanski – „Die Verratenen“ – auf seinem Blog präsentiert, der kann eines von 10 Vorab-Rezensionsexemplaren gewinnen. Und da ich den Erscheinungstermin sowieso nur schwer erwarten kann, weil mir wirklich alle Romane der Autorin gut gefallen haben, muss ich natürlich mitmachen.

Handlung:

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich — Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.

„Die Verratenen“ ist der erste Band einer Trilogie und erscheint offiziell am 15. Oktober. Weitere Informationen gibt es auf der neuen Homepage von Ursula Poznanski.

Knochenfinder / Melanie Lahmer

Titel: Knochenfinder

Autor: Melanie Lahmer

Seitenzahl: 459

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Bastei Lübbe-Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Knochenfinder“ ist der erste Roman der Autorin Melanie Lahmer; er wurde von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen mit einem Stipendium ausgezeichnet. In der Autorenbeschreibung vorne im Roman konnte ich außerdem lesen, dass sie selbst Geocacherin ist, Frau Lahmer weiß also, wovon sie spricht.

Handlung:

Im Rothaargebirge verschwindet der 17-jährige Schüler René spurlos. Noch während sich die Kommissarin Natascha Krüger auf die Suche nach dem jungen Mann macht, werden in 2 Geocaching-Verstecken in der Gegend abgetrennte Finger entdeckt. Schon bald darauf ist klar, dass zwischen beiden Ereignissen eine Verbindung besteht und Renés Leben ernsthaft in Gefahr ist. Natascha und ihre Kollegen Lorenz und Winterberg dringen immer tiefer in die Geocaching-Szene vor, machen aber auch an der Schule des verschwundenen Jungen grausige Entdeckungen. Vor allem Winterberg belastet der Fall sehr, schließlich gehen seine beiden Söhne auf die selbe Schule wie René und so fühlt er sich zwischen seiner Rolle als Vater und seinem Beruf hin- und hergerissen. Weiß sein älterer Sohn Niklas mehr als er zugeben will? Und wird das Team den verschwundenen Schüler rechtzeitig finden können, bevor der Täter sein schreckliches Werk vollenden kann?

Eigene Meinung:

„Knochenfinder“ wird in personaler Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mal erlebt der Leser hautnah die polizeilichen Ermittlungen mit, mal nimmt der Erzähler die Perspektive des Opfers oder des Täters ein. So gewinnt die Handlung zwar auf der einen Seite an Dimension, auf der andere Seite ist so aber auch schnell das Geschlecht des Täters verraten und der Verdächtigenkreis zumindest um einige wenige Personen verringert. Mit dem Schreibstil hatte ich zu Beginn meine Probleme. Einige Szenen waren in meinen Augen recht unbeholfen und nicht stimmig beschrieben, an anderen Stellen waren die verwendeten Begrifflichkeiten fast schon stereotyp. Auch die wörtliche Rede ist zum Teil nur wenig authentisch, so dass ich oft das Gefühl hatte, die betreffende Person würde so einfach nicht sprechen. Trotz allem liest sich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten aber flüssig und die Handlung nimmt an Fahrt auf.

Die Kommissarin Natascha Krüger ist zwar durchaus sympathisch beschrieben, dennoch blieb sie für mich den Roman über recht blass. Auf der einen Seite mochte ich ihren tierlieben Charakter, auf der anderen Seite fiel es mir aber schwer, darüber hinaus eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Generell gilt das leider für die meisten Personen: Winterbergs Umgang mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen konnte ich nicht nachvollziehen, ebenso war für mich die Stimmung im Team nicht greifbar. Handelt es sich hier tatsächlich um treu sorgende Kollegen oder um einen bunt zusammengewürfelten Haufen, in dem sich keiner für den anderen interessiert? Ein wenig Emotion kommt eigentlich erst in den Handlungsverlauf, als auch eines der Teammitglieder verschwindet.

Im Großen und Ganzen hatte Melanie Lahmer wohl einfach das Pech, dass ich kurz vor ihrem „Knochenfinder“ Ursula Poznanskis Geocaching-Roman „Fünf“ gelesen hatte. Das Grundgerüst ist nun wirklich sehr ähnlich: in Geocaching-Verstecken werden Körperteile gefunden, eine Ermittlerin macht sich mit ihrem Team auf die Suche, eine zarte Liebesgeschichte bahnt sich an usw. Natürlich geht die Handlung an vielen Punkten auch stark auseinander; so erweitert Melanie Lahmer ihren Roman noch um das Themengebiet „Gewalt(verherrlichung) an Schulen“, während Ursula Poznanski sich ganz auf das Geocaching konzentriert. Dennoch fällt mir im direkten Vergleich deutlich auf, dass in „Fünf“ einiges besser gelungen ist, so zum Beispiel die Tiefe der Charaktere oder der aufgebaute Spannungsbogen.

Am Schluss des Romans folgt dann auch der obligatorische Showdown, leider wurde ich aber auch hier enttäuscht. Im Verlauf der Handlung hatte ich die verschiedensten Theorien entwickelt, wer der Täter sein könnte und aus welchen Gründen er handeln könnte. Dabei war für mich grundsätzlich jeder verdächtig, denn von Sebastian Fitzek und ähnlichen Autoren bin ich gewohnt, dass alles immer ganz anders ist, als es erscheint. Deshalb war ich von der Auflösung des „Knochenfinders“ auch recht ernüchtert und auch das Motiv des Täters schien mir nur bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Wäre der Roman vielleicht meine erste Lektüre zu diesem Thema gewesen, hätte ich möglicherweise einen größerem Lesespaß verspürt – so hält sich meine Begeisterung aber leider in Grenzen.

Fazit: ein durchschnittlicher Lesegenuss für Geocaching-Fans

Fünf / Ursula Poznanski

Titel: Fünf

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: selbst gebraucht gekauft

„Fünf“ ist nun schon mein drittes Buch der Österreicherin Ursula Poznanski und nach 2 Jugendbüchern ihr erster Roman für Erwachsene. Was das Genre betrifft, scheiden sich ja die Geister. Die Autorin selbst bezeichnet „Fünf“ als Thriller, während einige treue Fans des Genres bemerken, man könne hier maximal von einem Krimi besprechen; es gäbe einfach zu wenig Thrillerelemente. Ich als zart besaitete Leserin kann aus meiner Sicht jedoch nur sagen, dass „Fünf“ für mich stellenweise wirklich gruselig genug war und ich doch etwas schlechter geschlafen habe. (Mag sein, dass solche Schilderungen den hart gesottenen Cody McFadyen-Fan nicht hinter dem Ofen hervorlocken können – mir haben sie aber durchaus gereicht.)

Handlung:

Auf einer Kuhweide im Salzburger Umland wird die Leiche einer Frau entdeckt. Das herbeigerufene Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger entdeckt auf den nackten Füßen des Opfers seltsame eintätowierte Zahlen, die sich schon bald als Koordinaten herausstellen. Der Täter scheint ein perfides Geocaching-Spiel mit der Polizei zu spielen, denn am angegebenen Ort finden die Ermittler ein menschliches Ohr und ein Rätsel, das den Weg zum nächsten Cache weisen soll. Auf der Suche nach dem Täter geraten Beatrice und Florin an ihre Grenzen: es tauchen immer weitere Leichenteile auf, Zeugen verschwinden nach ihrer Befragung und schließlich geraten sie selbst ins Kreuzfeuer, denn der Täter nimmt Kontakt zu Beatrice auf.

Eigene Meinung:

Obwohl „Fünf“ einem anderen Genre als „Erebos“ und „Saeculum“ angehört, ist Ursula Poznanskis Handschrift im Roman sofort zu erkennen. Wie in ihren beiden Jugendbüchern schafft sie auch hier von Seite 1 an eine spannende Atmosphäre, die den Leser in seinen Bann zieht. Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler in der dritten Person geschildert. Geschickt streut die Autorin so immer wieder Passagen ein, die berichten, was parallel zu den Ermittlungen der Polizei geschieht. Sie geben einen Einblick in die Denkweise des Täters, zeigen aber  auch die letzten Momente der gefangenen Opfer. Erst nach und nach wird so ein Licht in die Geschichte gebracht und obwohl man sich als Leser so oft sogar einen Schritt voraus glaubt, bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten.

Die beiden Ermittler Beatrice und Florin (nein, das ist kein Schreibfehler) sind wirklich angenehme und authentische Charaktere. Beatrice hat als allein erziehende Mutter nicht nur mit ihrem penetranten Ex-Mann und ihrer Familie zu kämpfen, sondern es lastet auch die Erinnerung an ein schreckliches Ereignis vor vielen Jahren auf ihr. Dieses Ereignis ist es, das die Ermittlerin dazu brachte, ihr Psychologie-Studium aufzugeben und sich bei der Kriminalpolizei zu bewerben. Nach all diesen Jahren hat sie immer noch furchtbare Schuldgefühle – eine Tatsache, die den Täter anzuziehen scheint, denn immer wieder kontaktiert er Beatrice, gibt ihr versteckte Hinweise, quält sie aber auch mit seinen Bemerkungen. Florin hingegen ist es fröhlicher, hilfsbereiter Kollege, der seiner Partnerin aus der Klemme hilft, wo immer er kann. Und obwohl er sich gerade am Beginn einer neuen Beziehung befindet, wird man als Leser doch den Gedanken nicht los, dass Beatrice und er ein schönes Paar abgeben würden. Hier rechne ich es der Autorin übrigens hoch an, dass sie den beiden keine heiße Affäre angedichtet hat, sondern es bei kleinen Gesten und kurzen Szenen einer tiefen Verbundenheit zueinander belassen hat.

Geocaching als Thema des Romanes fand ich sehr interessant und gelungen. Für mich als jemanden, der nur ein paar kurze Artikel darüber gelesen hat, war trotz des doch sehr spezifischen Wortschatzes alles gut verständlich. Mit Hilfe des Computer- und Geocachingexperten Stefan, eines Kollegen von Beatrice und Florin, gelingt es der Autorin geschickt zu erklären, wie Geocaching funktioniert, welche Begrifflichkeiten es gibt und wie die Cacher untereinander vernetzt sind. Die Suche nach dem Täter wird im Roman somit zu einer einzigen gruseligen Schnitzeljagd und die eingebauten Rätsel laden zum Mitdenken ein. Ursula Poznanski schafft es so trotz aller Grausamkeit der Taten auch das einzufangen, was für Fans den Reiz von Geocaching ausmacht. Man möchte am liebsten gleich morgen selbst mit dem Navigationsgerät losziehen und nach versteckten Caches suchen.

Der Schluss des Romanes war für mich überraschend, aber auch durch und durch schlüssig. Endlich waren alle kleinen Mosaiksteinchen des Falles an ihrem Platz und ergaben ein Gesamtbild, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. „Fünf“ ist in sich abgeschlossen, die Geschichte um Beatrice und Florin bleibt aber an vielen Stellen offen. Mir ist leider nicht bekannt, ob Ursula Poznanski möglicherweise hier eine Reihe plant, ich würde es mir aber wünschen, denn ich möchte gern mehr von dem sympathischen Ermittlerduo lesen. Aber auch so warte ich gespannt auf den nächsten Roman der Autorin. Egal welchem Genre er angehören wird, ich werde ihn lesen!

Fazit: Ein grandioser Thriller, der Lust auf Geocaching macht.

Erebos / Ursula Poznanski

Titel: Erebos

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 486

Woher ich es habe: gebraucht bei Ebay ersteigert

„Erebos“ ist nach „Saeculum“ nun schon mein zweiter Roman von Ursula Poznanski und ich muss sagen, dass mich beide gleichermaßen begeistert haben. Sie waren packend von der ersten Seite an und deswegen freue ich mich schon wahnsinnig auf „Fünf“ und muss dann auf weitere spannende Lektüre von Frau Poznanski warten und hoffen.

Handlung:

Nick Dunmore ist ein typischer Jugendlicher. Er trifft sich mit seinen Freunden, spielt leidenschaftlich gern Basketball und ist unglücklich verliebt in seine Mitschülerin Emily Carver. Doch diese Normalität verändert sich schlagartig, als eine geheimnisvolle CD die Runde an der Schule macht. Denn darauf befindet sich Erebos, ein ganz besonderes Computerspiel mit einer Vielzahl von Regeln. Alle Mitspieler müssen über Erebos schweigen, sie dürfen sich nicht untereinander austauschen und müssen stets nur allein spielen. Schon bald ist Nick, wie die meisten seiner Mitschüler, von Erebos regelrecht besessen. Mit seinem Dunkelelf Sarius zieht er durch die düstere Onlinewelt, trifft an Lagerfeuern neue Verbündete und schlägt tapfere Kämpfe. Doch dann beginnt Erebos, sich auch in die reale Welt einzumischen.

Eigene Meinung:

Wie bei „Saeculum“ gefällt mir auch das Cover von „Erebos“ sehr gut. Vom Titel blickt den Leser ein schwarzes Auge auf rotem Grund an, ganz wie Erebos seine Spieler zu beobachten scheint. Autoren- und Romanname sind in den Buchdeckel eingestanzt, wirken aber durch die „verwaschene“ Gestaltung des Covers eher geheimnisvoll als klar und deutlich. Generell kann man sagen, dass Titel und Inhalt eine gelungene Einheit bilden. „Erebos“ wird in der dritten Person aus Nicks Perspektive erzählt. So bleibt der Leser immer ganz nah beim Protagonisten und weiß daher selbst immer nur so viel, wie dieser bereits über Erebos herausgefunden hat. Nur hin und wieder finden sich Einschübe, die eindeutig nicht von Nick stammen, doch erst ganz gegen Ende kann der Leser diese sicher einer bestimmten Quelle zuordnen.

Nick als Protagonist war mir weder sympathisch noch unsympathisch. Er ist ein ganz normaler Jugendlicher, mit einer normalen Familie ohne tragischen Hintergrund, wie es ihn in so vielen anderen Jugendbüchern stets zu geben scheint. Auf der einen Seite gefiel mir dieser Umstand sehr gut, auf der anderen Seite führt diese Durchschnittlichkeit dazu, dass Nick für mich lange Zeit sehr flach blieb und erst gegen Ende des Romans etwas an Profil gewann. Interessanter waren da für mich Charaktere wie Emily, Jamie, Victor oder sogar der unausstehliche Colin, denn sie alle hatten Ecken und Kanten, Macken und Vorzüge. Vor allem die stets etwas traurig wirkende Emily, die Gedichte und Geschichten schreibt und sich vehement von Erebos fernhält, hat es mir angetan. Sie hat eine eigene, gefestigte Persönlichkeit und Prinzipien, an denen sie sich festhält.

Die Onlinewelt von Erebos ist sehr detailreich geschildert und es wird deutlich, dass Ursula Poznanski hier genau recherchiert hat. Von der grundsätzlichen Idee und der enormen Sogwirkung, die das Spiel entwickelt, erinnert es an Rollenspiele der Gegenwart und an die immer wieder geführte Debatte über die Gefahr von Computerspielen, seien es nun Shooter oder Fantasy-Rollenspiele. Doch Erebos hat diesen Spielen etwas voraus: es greift in die Realität ein, verteilt Aufgaben, belohnt den einen und bestraft den anderen Spieler. Auch Nick erhält nach und nach Aufträge. Mal soll er eine versiegelte Kiste von A nach B befördern, mal eine ihm unbekannte Person beschatten und Fotos davon schießen. Nick wundert sich zwar und fühlt sich auch zunehmend beobachtet und verfolgt, doch Skrupel machen sich bei ihm erst bemerkbar, als das Spiel von ihm verlangt, einen Menschen zu töten.

„Erebos“ ist nicht nur ein Roman über die Welt der Computerspiele, sondern auch darüber, wie einfach vor allem junge Menschen zu manipulieren sind. Getarnt als Quests im Spiel müssen Nick und seine Mitschüler andere bespitzeln, bedrohen und sogar Gewalt ausüben. Nur wenige haben den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen Erebos zur Wehr zu setzen. Alle anderen verhalten sich wie Herdentiere und tun das, was die anderen um sie herum eben auch tun. Denn eines schafft Erebos: es verbindet die Jugendlichen. Obwohl sie nicht miteinander über das Spiel kommunizieren dürfen, wird deutlich, dass allein das Wissen um Erebos einen zu einem gefragten, beliebten Menschen macht, wer ablehnt oder – noch schlimmer – gar nicht erst ins Spiel eingeladen wird, ist als Außenseiter abgestempelt. Diese Spaltung in 2 Gruppen ist so deutlich, dass sogar beste Freunde wie Nick und Jamie sich darüber entzweien. Trotz all dieser Themen, die angesprochen werden, ist „Erebos“ kein moralisches Buch. Es will nicht warnen oder appellieren, es zeichnet einfach nur nach, was geschehen könnte und zwar überall, nicht nur in London, wo der Roman spielt.

Der Schluss des Buches kam für mich nicht unerwartet, auch wenn ich die Details im Verlauf nicht voraussehen konnte. Und obwohl mir klar war, was hinter Erebos stecken muss, war ich von der Auflösung doch etwas ernüchtert. Außerdem ergaben sich für mich nach dem Lesen einige Ungereimtheiten, die nicht erklärt wurden, auf die ich hier aber auch nicht näher eingehen kann, ohne zu viel zu verraten. Trotz dieser kleinen Kritikpunkte ist „Erebos“ aber ein Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Fazit: Ein Jugendbuch, das von der ersten Seite an in seinen Bann zieht!

Saeculum / Ursula Poznanski

Titel: Saeculum

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 493

Woher ich es habe: bei Ebay ersteigert

„Saeculum“ ist nach „Erebos“ der zweite Jugendthriller der Österreicherin Ursula Poznanski, die zuvor bereits einige Kinderbücher veröffentlicht hatte. Ihren ersten Erwachsenenthriller „Fünf“ werde ich auf Fall auch noch lesen, denn ich habe sowohl „Saeculum“ als auch „Erebos“ verschlungen.

Handlung:

Bastian, Sohn aus gutem Hause und fleißiger Medizinstudent, hat vor kurzem die hübsche Sandra an der Uni kennengelernt. Schon bald erzählt diese ihm von ihrer Rollenspielgruppe „Saeculum“ und lädt ihn zu einem Live-Rollenspiel in einer verlassenen Gegend in Österreich ein. Gemeinsam mit 11 anderen jungen Rollenspielern machen sich die beiden auf, um 5 Tage in der Wildnis zu verbringen: ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne Handy und völlig eins mit ihrer Rolle, denn während des Spiels ist jede Erwähnung der modernen Welt verboten. Am Spielort angekommen entwickelt sich jedoch alles anders als geplant: Sandra ist auf einmal seltsam abweisend zu Bastian und zu allem Überfluss scheint auf der Landschaft auch noch ein Fluch zu lasten. Als nach und nach immer mehr Gruppenmitglieder verschwinden, muss Bastian sich fragen, wem er noch vertrauen kann und ob es sich bei dem unsichtbaren Feind tatsächlich um einen Geist oder doch um einen Verräter aus Fleisch und Blut handelt.

Eigene Meinung:

„Saeculum“ ist für einen Thriller einfach perfekt gestaltet. Das Cover ist mit seinen dunklen, laublosen Bäumen auf weißem Grund recht simpel, aber doch sehr passend, denn es fängt die Stimmung, die unter den Rollenspielern im Buch herrscht, sehr gut ein. Auffallend ist auch der schwarze Schnitt und der leicht erhöht eingestanzte Buchtitel. Schlägt man die ersten Seiten auf, so wird der Blick sofort auf die verzierten Anfangsbuchstaben eines jeden Kapitels und auf die weiß auf schwarz gedruckten Einschübe gelenkt, in denen immer wieder Dialoge zweier unbekannter Personen eingeflochten werden. Diese ergeben jedoch erst ganz am Ende des Romans einen Sinn, zumindest mir konnten sie während des Lesens keine brauchbaren Hinweise geben.

Bastian ist ein Protagonist, der mir von Beginn an sehr sympathisch war. Äußerlich und auch charakterlich ist er (zumindest am Anfang) der Inbegriff eines Strebers: ein fleißiger Medizinstudent mit guten Noten und einem wohlhabenden Vater, der sich natürlich wünscht, dass der Sohn später einmal in seine Fußstapfen tritt. Dabei ist ihm jedoch gleichgültig, was sein Sohn eigentlich mit seinem Leben anfangen möchte – Bastians Vater ist ein wirklich unangenehmer, eiskalter Geschäftsmann, dem ich nur ungern begegnen würde. Als Bastian Sandra und damit auch ihre Rollenspielclique kennenlernt, ist er sofort fasziniert. Der Gedanke, 5 Tage völlig frei in der Natur zu verbringen, ohne Pflichten und ohne Zwänge, gefällt ihm und so nimmt er Sandras Einladung zu dem Rollenspielwochenende an. In einem Telefonat mit seinem Vater, der von dieser Idee alles andere als begeistert ist, wagt Bastian zum ersten Mal in seinem Leben den Schritt, sich dafür zu entscheiden, was er selbst gerne möchte. Hier bekommt der Leser schon einen kurzen Blick darauf, was noch so alles hinter der Fassade des folgsamen Strebers steckt. Ebenso interessant war für mich Iris. Zu Beginn teilte ich Sandras Meinung über die verschlossene, oft schroffe junge Frau, die so verletzlich wirkt, wenn sie auf ihrer Harfe spielt. Im Verlauf der Handlung entwickelte sie sich aber zu einem meiner liebsten Charaktere. Ich bewundere die Stärke, die trotz allem, was sie erlebt hat, noch in ihr wohnt und dass sie es schafft, all das hinter sich zu lassen und neu anzufangen.

Der Autorin ist es gelungen, mich von der ersten Seite an in ihren Bann zu ziehen, denn ihr Roman hat wirklich alles, was ein guter Jugendthriller haben muss. Die Personen sind alle sehr gut durchdacht – einige von ihnen, so wie Steinchen, wachsen einem sofort ans Herz, andere lernt man erst im Verlauf der Handlung lieben bzw. hassen. Die Atmosphäre auf Mittelalterjahrmärkten und in einer solchen Rollenspielgruppe hat Ursula Poznanski wirklich gut eingefangen, man merkt, dass hier ausführlich und sauber recherchiert wurde. Ich hatte immer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, mit den Spielern durch den Wald zu pirschen und Aufgaben und Rätsel zu lösen.

Als die ersten Personen aus dem Lager verschwinden, scheint ein Ruck durch die Gruppe zu gehen. Einige sind völlig entsetzt und vor Angst beinahe gelähmt, andere wachsen über sich hinaus und wagen viel, um die Gruppe zu schützen. Freunde werden zu Verrätern, es werden Allianzen gebildet und Pläne geschmiedet. Bei den Spielern liegen die Nerven blank, sie misstrauen einander und beschuldigen sich gegenseitig. Jede Bewegung, jede Handlung, jede Aussage wird kritisch beäugt, denn die Spieler müssen befürchten, den Täter mitten unter sich zu haben. Als Leser ist man fasziniert und schockiert zu gleich, wie weit einige Personen gehen, um sich selbst zu retten und wie manipulierbar einige der jungen Leute sind. Doch ich habe mich selbst auch immer wieder gefragt: wie würde ich handeln? Was würde ich glauben? Wem würde ich noch vertrauen?

Ein exzellenter Schachzug der Autorin ist auf jeden Fall das Einbauen der Legende um die verfluchte Blutgruft. Den kompletten Roman über tappte ich wie Bastian im Dunkeln. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Überzeugung, dass alle Ereignisse doch wohl eine völlig logische Erklärung haben müssten und dem Glauben an den Fluch, der so plastisch in die Geschichte eingewebt war. Zwischendurch hatte ich zwar immer wieder meine Verdächtigungen und Theorien, doch erst ganz am Ende setzten sich all die Mosaiksteinchen für mich zu einem Gesamtbild zusammen. Die Auflösung hat mir überaus gut gefallen, auch wenn ich mit ihr am allerwenigsten gerechnet hatte. Was für mich aber den Roman noch lesenswerter macht, sind 2 Dinge: einmal die Beschreibung der Dynamik, die eine solche Gruppe in extremen Situationen entwickelt und auf der anderen Seite Bastians unglaubliche Entwicklung von einem Ja-Sager hin zu einem jungen Mann, der weiß, was er will.

Fazit: Ein toller Jugendthriller, der Erwachsene gleichermaßen begeistern wird und Lust auf weiteren Lesestoff von Ursula Poznanski macht.