Tag-Archiv | Trilogie

Schattenblüte. Die Erwählten / Nora Melling

SAM_1986_1Titel: Schattenblüte. Die Erwählten

Autor: Nora Melling

Seitenzahl: 398

Woher ich es habe: bei Lovelybooks für eine Leserunde gewonnen – vielen Dank! (Übrigens auch an die Autorin für die schöne Leserunde!)

„Schattenblüte. Die Erwählten“ ist nach „Schattenblüte. Die Verborgenen“ und „Schattenblüte. Die Wächter“ nun der dritte und abschließende Band der Trilogie um Thursen und Luisa. Nora Melling selbst lebt in Berlin und hat so einen sehr speziellen und detailverliebten Blick auf die Handlungsorte ihrer Romane. Die meisten Schauplätze existieren tatsächlich und machen so Lust auf einen spontanen Ausflug in den Grunewald und seine Umgebung. Ich bin sehr gespannt, was wir nach dem Abschluss der Schattenblüte-Reihe als nächstes von der Autorin erwarten dürfen!

Band 1 und 2 setze ich in meiner Rezension übrigens als bekannt voraus. Wer die beiden Vorgängerromane also noch nicht gelesen hat, sollte jetzt lieber wegklicken. 😉

Handlung:

Nach einer schweren Verletzung durch Elias‘ Bruder Nick ist Luisa zur Werwölfin geworden. Und das ausgerechnet jetzt, wo Thursen für sie endgültig zum Menschsein zurückgekehrt ist und sich nie wieder in einem Wolf verwandeln kann. Das neue Leben ist ungewohnt und seltsam für Luisa – so viele neue Geräusche und Gerüche, neue Instinkte, die erwachen und Erinnerungen aus einem anderen Leben, die nach und nach verblassen. Doch das Wolfsein übt auf sie auch eine unbändige Anziehungskraft aus. Kann Luisa auf Dauer dem Drang, sich zu verwandeln, widerstehen oder wird sie für immer zum Wolf werden? Doch auch dem Rudel droht Gefahr, denn die Shinanim haben sich auf die Jagd nach den Wölfen gemacht; mit nur einem Ziel: sie ein für alle Mal auszurotten.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Schattenblüte. Die Erwählten“ ist, wie bereits die beiden vorherigen Bände, ein echter Augenschmaus und macht neugierig auf den Inhalt des Romans. Es ist wieder das Gesicht einer Frau abgebildet, die düster und – aufgrund ihrer Augen – auch ein wenig animalisch wirkt. Im Vordergrund ist eine Kerze zu sehen und egal, ob man diese als „letzten Hoffnungsschimmer“ oder konkret als eine der Kerzen deutet, die an den Trauerbäumen der Wölfe brennen – so oder so passt das Bild perfekt. Auch der haptische Effekt, den bereits die ersten beiden Cover hatten, ist wieder vorhanden. Streicht man mit der Hand über den vorderen oder hinteren Einband, so spürt man dort leicht erhabene Wassertropfen und auch der Titel selbst ist aufgeprägt. Mit der Titelgebung, die nun – nach der Lektüre aller 3 Bände – einen tieferen Sinn ergibt, und den schön gestalteten Kapitelanfängen ist das Gesamtkunstwerk komplett. So muss ein Buch aussehen, Hut ab!

Die Handlung knüpft quasi nahtlos an Band 2 an und setzt mit Luisas Verwandlung zum Wolf ein. Nora Melling gelingt es hier auf wunderbare Weise, die Gedanken des Mädchens in seiner Wolfsform einzufangen. Man spürt förmlich die erwachten Instinkte, die Verbundenheit zur Natur und den ungebrochenen Drang nach Freiheit. Auch im Sprachstil schlägt sich das nieder, die Sätze werden kürzer, abgehackter, assoziativer. Generell ist es der Autorin wirklich gut gelungen, den Wölfen im Grunewald ihre eigene Welt zu schaffen – eine Welt, wie sie eben nicht schon mehrfach in anderen Werwolfromanen erzählt wurde. So ist zum Beispiel ihre Idee der Wolf-  – oder wie Nora Melling sie nennt – der Nichtnamen besonders schön und innovativ, denn bei der Verwandlung zum Wolf vergisst der Mensch seinen alten, wirklichen Namen, erhält dafür aber intuitiv einen neuen, der oft lautmalerisch an Töne erinnert, wie sie auch Wölfe produzieren können; sei es ein Knurren oder ein Heulen. Und auch die Idee der Trauerbäume finde ich wunderschön.

Leider jedoch liegt der Fokus in Band 3 nicht länger auf der Geschichte von Thursen und Luisa bzw. des Rudels, sondern dreht sich zu einem Großteil um das Ränkespiel in den Reihen der Shinanim. Die Handlung wird nämlich dieses Mal entweder aus Elias Perspektive oder der von Thursen oder Luisa geschildert. Während mir der Shinan in Band 2 noch recht sympathisch war, konnte ich sein Handeln in diesem Band zum großen Teil nicht nachvollziehen. Der liebenswerte junge Mann, der sich hingebungsvoll um kranke Kinder kümmert, will für mich nicht recht zu einem Halbengel passen, der seinen gewalttätigen Bruder beschützt – selbst wenn der das Mädchen beinahe tödlich verletzt hat, in das er verliebt ist. Und auch die Machtspiele und das zum Teil fanatische Verhalten in den Reihen der Shinanim zerstörten für mich ein wenig den Zauber des Grunewalds und des Wolflebens, der mich in Band 1 so gefangen nahm.

Einige Dinge, vor allem in dem Handlungsstrang um Elias und die Ratsmitglieder, werden sehr stark elaboriert, andere Ereignisse haben eine dermaßen schnelle Abfolge, dass alles nur noch so am Leser vorbeifliegt. Gerade am Ende hätte ich mir mehr Ausführlichkeit gewünscht und einige Geschehnisse wurden nur in der Mauerschau erzählt, obwohl ich da doch gerne „dabei“ gewesen wäre. Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden: ich bin ein glühender Fan von Band 1 der Trilogie und auch Band 2 konnte mich durchaus begeistern, doch manchmal denke ich, die Geschichte um Thursen und Luisa hätte auch eine solche bleiben können. Ich weiß nicht, ob die Handlung an den Shinanim wirklich gewinnt, denn obwohl sie ja eigentlich die Guten sein sollten, kann ich an ihnen nicht viel Positives entdecken. Nur der Charakter von Edgar bildet hier eine Ausnahme – ein starke Figur, von der ich gerne noch mehr gelesen hätte. Das Ende des Romans kommt dann auch recht plötzlich und überraschend. In einem bestimmten Punkt gefällt mir der Schluss ausgesprochen gut (kleiner Tipp: der Titel!), andere Aspekte waren mir doch zu einfach gelöst. Insgesamt kann ich „Schattenblüte. Die Erwählten“ jedoch zufrieden zuschlagen, auch wenn mir Thursen, Luisa, Edgar und das Wolfsrudel wirklich fehlen werden!

Fazit: ein durchaus runder Abschluss der Trilogie, der an einigen Stellen ausführlicher sein dürfte

3K

Advertisements

Insel der Nyx. Die Prophezeiung der Götter / Daniela Ohms

Cover Insel der NyxTitel: Insel der Nyx. Die Prophezeiung der Götter

Autor: Daniela Ohms

Seitenzahl: 357

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Planet Girl Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Insel der Nyx. Die Prophezeiung der Götter“ ist nach „Harpyienblut“ und „Der geheime Name“ der dritte Roman aus der Feder der in Berlin lebenden Autorin Daniela Ohms und Band 1 einer Trilogie. Daniela Ohms schreibt ebenfalls unter dem Pseudonym Daniela Winterfeld. Ich muss gestehen: Nach der Lektüre von „Insel der Nyx“ bin ich wirklich neugierig auf ihre anderen Bücher geworden!

Handlung:

Schon früh musste die 13-jährige Eleni feststellen, dass sie nicht wie die anderen Kinder ist. In Deutschland und Griechenland aufgewachsen, immer zwischen zwei Orten pendelnd führt sie ein ganz anderes Leben als die Jugendlichen in ihrer Klasse. Und als Eleni dann auch noch auf einer Klassenfahrt schlafwandelt und ihren Kameraden schreckliche Dinge vorhersagt, kann die Familie nicht länger in Berlin bleiben. Gemeinsam mit ihrer Mutter Arjana und ihrer großen Schwester Leándra zieht sie in ein kleines Dorf auf der Insel Kreta. Arjana will sich dort mit der Ausgrabung eines antiken Tempels beschäftigen, der Eleni auf magische Weise anzieht. Immer stärker wird in ihr auch der Wunsch, ihre Wurzeln kennen zu lernen. Denn eigentlich weiß Eleni nur, dass Leándra einen anderen Vater hat als sie selbst und ihre Mutter über beide Männer nicht sprechen möchte. Als dann eines Tages auch noch eine Insel am Horizont auftaucht, die nur Eleni sehen kann, ist es für sie endgültig an der Zeit, etwas über ihre Herkunft herauszufinden.

Eigene Meinung:

„Insel der Nyx“ ist sehr schön gestaltet. Auf dem Cover ist ein Mädchen zu sehen, vor ihr schwimmen Delfine im Meer und im Hintergrund ist eine idyllische Insel zu sehen. Über der Insel schweben bedrohliche dunkle Wolken, die sich zu gruseligen Fratzen auftürmen. Im Prinzip zeigt das Titelbild die Handlung in Kurzform und passt  – in meinen Augen – so perfekt zum Inhalt. Von der grafischen Gestaltung her, vor allem in Bezug auf Farben und Aufmachung, erinnert das Buch an die Percy Jackson-Reihe und dürfte Fans dieses Genres direkt ansprechen. Im Inneren unterstreichen griechische ineinander verschlungene Linien an den Kapitelanfängen das mythologische Thema  und machen „Insel der Nyx“ somit zum stimmigen Gesamtpaket.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Elenis Perspektive in der dritten Person erzählt, sie ist die klare Protagonistin. Immer wieder wechselt die Autorin jedoch geschickt den Blickwinkel, um die Handlung auch von anderen Seiten zu beleuchten. Gleich im Prolog wird so zum Beispiel aus Arjanas Jugend berichtet oder Dinge geschildert, die geschehen, während Eleni nicht anwesend ist. Die Grundidee des Buches ist dabei nicht unbedingt neu: ein Mädchen, das nur wenig über ihre Herkunft weiß, entdeckt an sich seltsame Fähigkeiten, die ihr eine komplett andere Welt eröffnen, die anderen unzugänglich bleibt. In Elenis Fall ist diese Besonderheit die Fähigkeit, Dinge vorher zu sagen. Leider geschieht das immer nur, während das Mädchen schlafwandelt, so dass sie auf der einen Seite ständig Gefahr läuft, sich zu verletzen oder irgendwo herunter zu stürzen. Und auf der anderen Seite kann Eleni sich oft selbst nicht mehr an ihre Prophezeiungen im Schlaf erinnern – ihre Gabe ist also eher ein Fluch als ein Segen.

Die Menschen um Eleni herum, vor allem aber ihre Familie sind es, die ihr helfen, mit diesem Schicksal umzugehen. Vor allem ihre große Schwester Leándra hat sich bereits daran gewöhnt, auf den Schlaf von Eleni zu achten und auf sie aufzupassen, wenn es nötig ist. Leándra ist ihr wirklich eine große Stütze, das enge Verhältnis zwischen den Geschwistern ist rührend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Leándra, die im Gegensatz zu ihrer Schwester ein völlig „normales“ junges Mädchen ist, sicherlich oft in Elenis Schatten steht. Ihretwegen muss sie beispielsweise ihre erste große Liebe in Berlin zurücklassen, dennoch verliert sie nie ein böses Wort über ihre kleine Schwester. Im Laufe der Handlung gewinnt Eleni in Philine zusätzlich nicht nur ihre erste wirkliche Freundin, sondern auch so etwas wie eine Seelenverwandte, denn auch sie hat ein Geheimnis und eine bestimmte Fähigkeit. Und dann ist da noch der mysteriöse Junge auf der Insel, der Elenis Herz schneller schlagen lässt…

„Insel der Nyx“ ist spannend erzählt und die Seiten fliegen nur so dahin. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, zwar der Zielgruppe entsprechend etwas einfacher, dennoch aber mit vielen bildhaften Ausdrücken und Beschreibungen. Die besonderen „Talente“ der beiden Freundinnen machen die Handlung interessant und treiben sie voran. Man möchte selbst unbedingt wissen, welches Geheimnis die Herkunft der beiden Mädchen umgibt und was es mit der geheimnisvollen Insel auf sich hat. Das Ende schließt zwar grob einen Erzählstrang ab, lässt aber noch eine Menge offen und macht umso neugieriger auf den nächsten Band. Insgesamt ist das Buch eine wirklich gelungene Mischung aus Sommergeschichte und Mythologie, die auch die großen Themen Liebe und Freundschaft nicht vernachlässigt.

Fazit: ein schönes Jugendbuch, das nicht nur weibliche Percy Jackson-Fans begeistern dürfte

4K

Gewinnspiel zu „Die Verratenen“ von Ursula Poznanski

Der Loewe-Verlag hat auf Facebook mal wieder ein tolles Gewinnspiel gestartet. Wer den Trailer zum neuen Roman von Ursula Poznanski – „Die Verratenen“ – auf seinem Blog präsentiert, der kann eines von 10 Vorab-Rezensionsexemplaren gewinnen. Und da ich den Erscheinungstermin sowieso nur schwer erwarten kann, weil mir wirklich alle Romane der Autorin gut gefallen haben, muss ich natürlich mitmachen.

Handlung:

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich — Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.

„Die Verratenen“ ist der erste Band einer Trilogie und erscheint offiziell am 15. Oktober. Weitere Informationen gibt es auf der neuen Homepage von Ursula Poznanski.

Unearthly / Cynthia Hand

Titel: Unearthly

Autor: Cynthia Hand

Seitenzahl: 433

Woher ich es habe: selbst gekauft

Auf „Unearthly“ wurde ich durch eine Leseprobe von Vorablesen aufmerksam. Bei der Verlosung selbst hatte ich dann leider kein Glück, aber da hatte mich das Buch schon so gepackt, dass ich es unbedingt lesen musste und so fiel meine Wahl auf die englische Version. (Was sich als Vorteil erweisen sollte, da ich anschließend gleich mit Band 2 fortfahren konnte.) „Unearthly“ ist das Debüt der Amerikanerin Cynthia Hand und Band 1 meiner allerersten Reihe über Engel. Auf Englisch ist Band 2 – „Hallowed“ – schon erschienen, Band 3 soll „Boundless“ heißen und im Januar 2013 erhältlich sein.

Handlung:

Die sechzehnjährige Clara ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Ihre Eltern leben schon seit einigen Jahren getrennt und so ganz kann Clara ihrem Vater nicht verzeihen, dass er ihre Mutter, ihren 13-jährigen Bruder Jeremy und sie selbst so plötzlich verlassen hat. Was nach einer ganz normalen Familiengeschichte klingt, wird durch eine Sache jedoch kompliziert: Claras Mutter ist eine Nephilim und auch in ihrem Adern und denen ihres Bruders fließt Engelblut. Schon als Teenager muss Clara also nicht nur damit leben, anders zu sein, sondern sie erfährt auch, dass jeder Engel einen bestimmten Zweck auf Erden zu erfüllen, sozusagen eine Mission vor sich hat. Diese Aufgabe kündigt sich in Visionen an und so muss Clara mit ansehen, wie in ihrer ein junger Mann von einem Feuer bedroht wird. Kann es ihr Zweck sein, diesen Unbekannten zu retten?

Eigene Meinung:

Die Handlung setzt genau zu der Phase in Claras Leben ein, als ihre Visionen beginnen. Und diese sind letztendlich auch der Grund, weshalb sie und ihre Familie von einem Tag auf den anderen alles verlassen müssen, was ihnen lieb und bekannt ist. Während Clara noch versucht, sich mit ihrem Schicksal und der großen Veränderung in ihrem Leben zu arrangieren, ist ihr Bruder Jeremy über den Umzug aus dem sonnigen Kalifornien ins verschneite Wyoming geschockt und wütend zugleich. Die beiden Teenager Clara und Jeremy sind dabei sehr authentisch gezeichnet. Ich konnte mich in beide gut hineinversetzen, auch wenn sie sehr unterschiedlich reagieren. Wie unendlich schwer muss es für einen jungen Menschen sein, eine so große Verantwortung auf den Schultern zu spüren? Gerade wenn man so jung ist, möchte man doch tun und lassen, was man will – für Clara und ihre Familie ist das unmöglich.

Bereits am ersten Tag in ihrer neuen Schule trifft Clara auf Christian, den Unbekannten aus ihrer Vision. Wie es sich für so einen Jugendroman gehört, ist er nicht nur unglaublich gut aussehend, sondern scheint zugleich von einem Geheimnis umgeben zu sein. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, nähert Clara sich ihm an und zieht damit nicht nur den Hass seiner Freundin auf sich, sondern fühlt sich auch mehr und  mehr zu ihm hingezogen. Schon bald kann sie den Wunsch, die Geschehnisse in der Vision zu verhindern, nicht mehr von ihren wahren Gefühlen unterscheiden. Und dann ist da noch Tucker, der so ganz anders ist als Christian: bodenständig, loyal, herzlich – ein Charakter, bei dem man sich wünscht, er wäre real. Eine Figur, bei der man sich glücklich schätzen würde, ihn zu kennen. Auch wenn die Ausgestaltung der Figuren (vor allem durch das Liebesdreieck) etwas klischeehaft anmuten mag, so fand ich doch alles sehr glaubwürdig geschildert. Gut gefallen hat mir auch, dass Clara mit dieser Situation so ganz anders umgeht, als man es aus ähnlichen Geschichten gewohnt ist. Sie bleibt sich selbst treu, hat ihre Prinzipien und lässt sich auch nicht verbiegen.

Der Schreibstil des Romanes ist sehr angenehm und leicht verständlich, dabei stellenweise aber auch sehr bildhaft und beinahe poetisch. Man hat als Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, dieselbe Luft zu atmen und dieselben Landschaften vor sich zu sehen. Geschickt baut die Autorin auch von der ersten Seite an Spannung auf, denn Claras Vision wird nur nach und nach deutlicher und gibt Details frei. Dennoch hat die Geschichte auch ihre humorvollen, selbstironischen Seiten, zum Beispiel dann, wenn Clara erzählt, dass sie am liebsten „Ein Engel auf Erden“ im Fernsehen sieht. Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser auch immer mehr über die Welt der Engel, ihre verschiedenen Arten, wie sie leben und dass es sowohl gute (weiße) als auch böse (schwarze) Engel gibt. Ob Cynthia Hand hier nur bereits Vorhandenes aufgegriffen hat, das kann ich nicht beurteilen, da „Unearthly“ für mich – wie gesagt – mein erster Engelroman war. Für mich waren die Hintergründe aber sehr interessant und stimmig.

Das Ende des ersten Bandes schließt einen der Handlungsstränge zwar ab, wirft aber gleichzeitig so viele Fragen auf, dass man unweigerlich einfach weiterlesen muss. „Unearthly“ war für mich eine der größten Überraschungen 2012; ich habe das Buch in einer Nacht zu Ende gelesen, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen wollte. In einigen Rezension wurde immer wieder der Vergleich mit der Bis(s)-Reihe gezogen, was inzwischen schon fast zum Standard geworden zu sein scheint. Dazu kann ich nur sagen, dass – bis auf ganz wenige Parallelen – beide Werke nichts miteinander gemein haben und solche Vereinfachungen dem Roman wirklich nicht gerecht werden. Ich hoffe deshalb stark, dass Fans des Genres „Unearthly“ trotzdem eine Chance geben: es lohnt sich!

Fazit: Eine gelungener Auftakt einer Trilogie über Liebe, Freundschaft und das Gefühl, dass eigene Leben nicht selbst in die Hand nehmen zu können.

Tribute von Panem – Die Verfilmung

Am Sonntag habe ich es auch endlich mal wieder ins Kino geschafft und mir dort natürlich die „Tribute von Panem“ angesehen. Zusammenfassend hat mir der Film recht gut gefallen, ich möchte aber noch auf einige Dinge gesondert eingehen.

Die Schauspieler

Zum größten Teil fand ich die Rollen grandios besetzt. Ich muss ja gestehen, dass ich zunächst mit Lenny Kravitz als Cinna nichts anfangen konnte, aber er passt wirklich perfekt zu seiner Rolle. Auch Katniss, Snow, Effi und die restlichen Tribute finde ich gut so. Haymitch war mir hingegen aber noch zu „schön“, ich hatte ihn mir weitaus ungepflegter und beleibter vorgestellt und seine aüßerst einnehmende Persönlichkeit (*zwinker*) kam in der Verfilmung nicht wirklich rüber. Er durfte sich ja noch nicht mal auf Effis Schuhe übergeben. Noch unzufriedener war ich mit Gale – warum musste das denn bitte so ein Surferboy-Typ von Mann sein? Gale jagt, er ist den ganzen Tag draußen, da müsste sein Gesicht doch etwas wettergegerbter sein und generell hat er auf mich nicht erwachsen genug gewirkt. Im Buch hatte ich immer das Gefühl, Gale ist bereits ein Mann, während Peeta noch ein richtiger Bubi ist. Im Film sind mir beide zu bubihaft.

Die Kulisse

Mit der Darstellung der Distrikte und des Kapitols mit ihren jeweiligen Bewohnern bin ich sehr zufrieden. In meiner Vorstellung waren die Menschen im Kapitol zwar nicht alle solch bunte Vögel, ich finde das aber durchaus passend. Es symbolisiert, was für eine Gesellschaft das ist, die sich dem Leid der anderen ergötzt und selbst auf großem Fuße lebt, während in den Distrikten der Hunger regiert. Auch die Arena ist sehr gut gelungen, eine perfekte Mischung aus modernster Technik und unberührter Natur.

Die Umsetzung der Handlung

An sich ist der Film ja sehr nah an der Textvorlage und das schätze ich auch an ihm. Einige Dinge wurden aber dennoch weggelassen oder verändert – und während mich manche Änderungen nicht gestört haben, stören mich einige Details umso mehr. Zunächst hätte ich mir ein wenig mehr Hintergrundgeschichte gewünscht, etwas mehr Informationen darüber, warum die Hungerspiele entstanden sind und wie die Situation der Menschen in den Distrikten ist. Es wurde zum Beispiel in einem Nebensatz erwähnt, dass Gale 42 Lose im Topf hat, aber dabei nicht erklärt, dass er den Großteil dieser Lose gegen Waren getauscht hat, um seiner Familie das Überleben zu sichern. Katniss schärft Prim zwar ein, auf keinen Fall Dinge gegen Lose zu handeln, aber deutlich wird die verzweifelte Situation der Familien nicht. Schade fand ich auch, dass in der Verfilmung nicht erzählt wird, wie Katniss eigentlich an die Spotttölpelbrosche kam, denn dass die Tochter des Bürgermeisters und damit eine Person, die dem Kapitol treu ergeben sein sollte, ihr diese schenkt, das ist ja bereits eine erste und sehr wichtige Form des Widerstands.

Und mein größter Kritikpunkt: Die Dreiecksgeschichte um Katniss, Gale und Peeta. Im Buch werden Katniss verwirrte Gefühle und ihre Zweifel daran, ob Peeta nun die Wahrheit sagt oder nur ein Spiel für die Zuschauer mit ihr treibt, sehr detailliert dargestellt. Im Film wirkt es so, als würde Katniss Gale einfach durch Zufall im Wald treffen. Es wird nicht deutlich, wie lange und wie tief sie befreundet sind, dass sie in der Schuld des jeweils anderen stehen und dass ihre Beziehung kurz davor steht, sich für immer zu verändern. Stattdessen wird uns eine Liebesgeschichte zwischen Katniss und Peeta präsentiert, die aus dem Nichts heraus entsteht. Nur am Ende, als Katniss und Peeta in ihr Distrikt zurückkehren, wird in dem Blick, den sie Gale zuwirft wenigstens etwas deutlich, was sie wohl fühlen mag. Von dem Bruch, der zwischen Katniss und Peeta am Ende von Band 1 entsteht, weil sie zugibt, die Liebesgeschichte nur „mitgespielt“ zu haben, ist nichts zu sehen.

Fazit

Eine durchaus gelungene Umsetzung, die ich mir an einigen Stellen noch etwas buchtreuer gewünscht hätte.