Tag-Archiv | Trauer

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß / Christoph Wortberg

SAM_3054_1Titel: Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Autor: Christoph Wortberg

Seitenzahl: 190

Woher ich es habe: Für eine autorenbegleitete Leserunde im Büchertreff von Beltz & Gelberg erhalten. Vielen Dank!

Handlung: 

Bisher wurde Lenny immer von seinem großen Bruder Jakob beschützt, doch dann, eines Tages, ist Jakob nicht mehr da. Ein tragischer Unfall, so heißt es. Aber Lenny will sich mit dieser Wahrheit nicht einfach so abfinden und forscht weiter. Dabei stößt er bei seinen Eltern, die in der eigenen Trauer völlig erstarrt sind, auf Unverständnis und Ablehnung. Trotzdem wagt der Junge sich daran, die letzten Geheimnisse im Leben seines Bruders zu lüften: Was machte Jakob so ganz allein in den Bergen? Und wer ist das mysteriöse Mädchen, das einfach so auf seiner Beerdigung auftaucht?

Eigene Meinung:

Äußerlich kommt der Roman recht einfach daher – der Titel prangt in einer Art Handschrift orangefarben vor einem blauen Hintergrund. Die Silhouette einer Bergkette ist zu sehen. Auch im Inneren ist alles eher schmucklos gehalten, die Kapitel sind einfach mit der jeweiligen Zahl überschrieben. Doch dafür wird mit dem Inhalt umso mehr gesagt. Gleich zu Beginn wird der Leser mitten in die Geschichte geworfen und begleitet die Familie zum geplanten Tod ihres ältesten Sohnes, der nach einem Unfall im Koma liegt. Schon diese erste Szene ist bezeichnend für den Rest der Handlung, denn ausgerechnet der kleine Bruder Lenny ist es, der die finale Anweisung geben muss, die lebenserhaltenden Instrumente abzuschalten. Denn beide Elternteile sind dazu nicht in der Lage.

Überhaupt erleben wir im Buch eine schwierige Familiensituation. Auf Jakob, dem Älteren und Liebling der Eltern, lastete sein Leben lang ein enormer Druck. Alles war für ihn bereits verplant, seine gesamte berufliche Zukunft und auch in der Liebe hatte die Mutter ein Wörtchen mitzureden. Jetzt, da Jakob fort ist, werden die beiden Erwachsenen völlig von ihrer Trauer zerfressen. Während die Mutter sich mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln betäubt, reagiert der Vater mit Wut und Aggression gegen den noch verbleibenden Sohn.

Doch Lenny zeigt, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist, als sein Bruder. Denn neben einer Geschichte über Tod und Verlust ist „Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ die Geschichte einer Emanzipation. Eine Geschichte über den Mut eines ewigen Zweiten, sich aus dem Schatten des Bruders zu kämpfen und für die Wahrheit einzustehen. Denn der will sich in der Familie sonst keiner stellen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dabei sprechen bald alle Anzeichen eine deutliche Sprache: Jakob hat sich das Leben genommen.

Was auf den ersten Blick wie eine knappe Kurzgeschichte daherkommt, entwickelt in kurzen klaren Sätzen eine unglaubliche Tiefe. Die Emotionen schlagen einem quasi aus den Seiten entgegen: enttäuschte Liebe, vereitelte Freiheit, geraubte Hoffnung – all das ist hier zu spüren. Die Handlung an sich gibt dabei jede Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren her. War Jakob, wie sein Bruder ihn am Anfang nennt, ein Held, der sich aus einem goldenen Käfig befreit hat? Oder ist er einfach nur ein Teenager, der den Mut nicht aufbringen konnte, seinen fordernden und wenig liebevollen Eltern entgegenzutreten? Wir alle spielen im Leben eine Rolle, aber es ist an uns, wie wir sie anlegen wollen.

Fazit: ein kurzer Roman, der einen lange Zeit nicht mehr loslässt

5K

 

Falling into you. Für immer wir / Jasinda Wilder

Cover "Falling into you"Titel: Falling into you. Für immer wir (Falling into you)

Autor: Jasinda Wilder

Seitenzahl: 314

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich ganz herzlich beim Mira Taschenbuch Verlag für die Übersendung des Buches bedanken!

Handlung:

Schon seit ihrer Kindheit sind Nell und Kyle die besten Freunde. Doch als Nell mit 16 endlich ihr erstes Date mit Kyles bestem Freund Jason haben soll, geschieht schließlich das, worauf das Umfeld der beiden schon seit langem gewartet hat: Nell und Kyle gestehen sich ihre Liebe und sind von nun an ein Paar. Alles könnte perfekt sein, doch dann stirbt Kyle 2 Jahre später bei einem Unfall. Nell ist am Boden zerstört und gibt sich die Schuld am Tod ihres Freundes. Auf der Beerdigung trifft sie auf dessen großen Bruder Colton und zwischen den beiden besteht sofort eine magische Anziehungskraft. Doch Nell darf diesem Drang nicht nachgeben, denn – so findet sie – Glücklichsein hat sie nicht mehr verdient.

Eigene Meinung:

Über das Cover des letzten Mira-Titels, den ich rezensiert habe, konnte ich mich ja nur mäßig begeistert zeigen. Die Gestaltung von „Falling into you“ finde ich aber extrem gelungen, das Cover spricht mich wirklich an. Das geschmackvolle, an den Rändern leicht verschwommene Titelbild drückt wunderbar die Stimmung des Romans aus und dürfte die Zielgruppe sicherlich auf Anhieb ansprechen. Raffiniert ist auch, dass das Cover auch auf der Buchrückseite fortgesetzt wird und erst dort zu sehen ist, dass die junge Frau auf dem Bild ein Herz in der Hand hält. Hier stimmt wirklich alles: Bildauswahl, Farbschema, Schriftart – super! Im Inneren kommt das Buch dann allerdings recht schmucklos daher, aber es kommt ja auch auf den Inhalt an, nicht wahr?

Gerührt hat mich gleich zu Beginn die Widmung der Autorin an all diejenigen, die wissen, was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren. Das schafft sofort einen viel persönlicheren Zugang zur Handlung und die gewählten Worte sind so traurig wie wahr. Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen zeitlichen Ebenen. Es beginnt zunächst mit der Vergangenheit und erzählt, wie Kyle und Nell zueinander gefunden haben. Anschließend springt die Handlung in die Gegenwart, etwa 2 Jahre nach einer schicksalhaften Begegnung zwischen Nell und Colton. Diese beiden sind es auch, die abwechselnd ihre Geschichte erzählen – ein gelungener Aufbau, wie ich finde, denn so ist der Leser bei allen wichtigen Ereignissen hautnah dabei.

Die Protagonisten, zumindest die der Gegenwart, mochte ich sehr. Nell ist ein sympathisches Mädchen, das eigentlich so voller Leben und Energie steckt, das sich seit dem Tod ihres Freundes aber mit furchtbaren Geistern herumschlägt. An Colton gefiel mir, dass er nicht der typische Bad Boy ist. Natürlich hat er Tattoos und macht Musik, auf der anderen Seite ist es ihm aber gelungen, seiner Gang-Vergangenheit den Rücken zuzuwenden. Und seine Schwäche, die man im Verlauf des Romans kennen lernt, macht ihn für mich noch liebenswerter und greifbarer. Kyle hingegen blieb für mich blass und unnahbar. Vielleicht lag es daran, dass ich ihm nur in wenigen Szenen begegnet bin oder daran, dass er damals noch ein Teenager war, aber ich konnte zu ihm keine Beziehung aufbauen. Er wirkte auf mich sehr naiv und, ehrlich gesagt, ein wenig spießig.

Die Handlung an sich hat mich im Verlauf der Geschichte mehrmals zu Tränen gerührt und ich konnte wirklich mit beiden Beteiligten mitfühlen. Nell trägt so unglaublich große Schuld mit sich herum und auch Colton ist im Leben bisher nur wenig Gutes widerfahren. Umso verständlicher, dass die beiden sich zueinander hingezogen fühlen und – wie Colton im Roman sagt – sie sind gut für einander. Dennoch kann ich auch nachvollziehen, wie schwer es ihnen fällt, diese Tatsache zu akzeptieren, denn schließlich waren Kyle und Colton Brüder, wenn auch so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der Schluss der Geschichte kam für mich sehr plötzlich und unerwartet und wenn ich etwas an diesem Roman kritisieren kann, dann wohl dieses. Der Schicksalsschlag, der die beiden ereilt und Coltons Geheimnis, das schließlich ans Licht kommt, waren mir ein wenig zu viel. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn „Falling into you“ ist wirklich das Highlight unter den New Adult-Romanen der letzten Zeit und ich freue mich deshalb schon sehr auf „Falling into us. Dein für immer“, welches im Oktober erscheint und die Geschichte von Jason und Nells Freundin Becca erzählt.

Fazit: eine ganz besondere Liebesgeschichte, die zu Tränen rührt

5K

 

Drowning. Tödliches Element / Rachel Ward

SAM_2110_1Titel: Drowning. Tödliches Element (The Drowning)

Autor: Rachel Ward

Seitenzahl: 329

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich beim Carlsen Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Nach ihrer erfolgreichen Numbers-Reihe ist „Drowning. Tödliches Element“ nun das neuste Jugendbuch aus der Feder der Britin Rachel Ward. „Numbers – Den Tod im Blick“, für das sie 2011 sogar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, steht schon seit langem dringend auf meiner Wunschliste. Im Gegensatz zu der Vorgängerreihe ist „Drowning. Tödliches Element“ aber nun ein abgeschlossener Roman, der ganz für sich steht.

Handlung:

Als Carl zu sich kommt, ist er völlig entkräftet und durchnässt. Rettungskräfte kümmern sich um ihn. Doch wer ist der Junge, der leblos neben ihm aus dem Wasser gezogen wird? Und warum reagiert das Mädchen im Rettungswagen so verängstigt auf ihn? An all das kann sich der 15-Jährige nicht mehr erinnern. Nur nach und nach kehrt sein Gedächtnis zurück und die unfassbare Wahrheit kommt ans Licht: Carl und sein großer Bruder Rob waren mit dessen Freundin Neisha im See schwimmen, als ein großes Unwetter aufzog. Rob ertrank und seitdem scheint Neisha unglaubliche Angst vor Carl zu haben. Doch ist das wirklich die ganze Geschichte? Carl selbst ist zwischen Trauer und Erleichterung hin- und hergerissen, denn zumindest an eines erinnert er sich: Rob war nicht immer nur der liebe große Bruder für ihn.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Drowning“ ist durchaus ansprechend gestaltet. Die Wellen passen gut zum Thema des Buches und auch die halb im Wasser versinkende Schrift des Titels ist gelungen. Unterstützt wird der Effekt von leicht erhöhten Buchstaben und einer sehr glatten und glänzenden Oberfläche, die tatsächlich an Wasser erinnert. Im Inneren hingegen kommt das Buch mit klaren, schnörkellosen Kapitelüberschriften und Seitenzahlen recht nüchtern daher. Generell ist dem Carlsen Verlag hier aber ein Gesamtbild gelungen, das junge Leser sehr wohl ansprechen dürfte; auch (oder vor allem) männliche.

Die Geschichte wird aus Carls Sicht und in der Ich-Perspektive erzählt. Der Leser bleibt so immer ganz nah bei seiner Hauptfigur, was die Handlung natürlich sehr spannend macht, denn man weiß immer nur genau so viel, wie Carl selbst. Der erinnert sich nur langsam an den schrecklichen Unfall und muss das Geschehene aus seinen Erinnerungen und mit Hilfe anderer mühsam zusammen puzzlen. Seine Mutter ist ihm dabei leider keine große Hilfe. Überhaupt wird im Verlauf der Geschichte schnell deutlich, dass wir es hier mit einer zerrütteten Familie zu tun haben: eine allein erziehende Mutter, die viel zu häufig dem Alkohol zuspricht, ein gewalttätiger großer Bruder und dazwischen Carl, der sich danach sehnt, geliebt zu werden. Er selbst ist schon seit längerem unglücklich in Neisha verliebt, die Freundin seines großen Bruders Rob.

Mit dem Tod seines Bruders weiß Carl nicht so recht umzugehen. Seine Erinnerungen sind bruchstückhaft, ja, er hält es sogar für möglich, seinen eigenen Bruder getötet zu haben. Denn warum sollte Neisha sonst so viel Angst vor ihm haben? Es gibt niemanden, mit dem Carl diese Gedanken und Ängste teilen kann, niemanden, der für ihn da ist. Und so entwickelt er Wahnvorstellungen. Immer, wenn er nass ist, sieht er seinen Bruder Rob vor sich, der ihm Dinge zuruft. Am liebsten würde er sich nicht einmal mehr die Hände waschen, geschweige denn baden, doch irgendwann muss Carl sich all dem stellen. Und auch zu seiner Mutter und Neisha knüpft er vorsichtig neue Bande.

Die Grundidee der Geschichte hat mir gut gefallen und am Anfang ist sie auch noch recht spannend. Doch dann beginnen sich die immer gleichen Szenen zu wiederholen: Carl wird aus irgendeinem Grund nass, sieht dann überall seinen toten Bruder und rastet völlig aus. Er pendelt wild zwischen Schuldgefühlen gegenüber seiner Mutter und Rob und seiner Zuneigung zu Neisha hin und her. Immer häufiger wiederholt er die selben Fragen: Habe ich meinen Bruder getötet? Oder bin ich zumindest für seinen Tod verantwortlich? Darf ich Gefühle für die Freundin meines Bruders haben? Das ermüdet nach kurzer Zeit schon ungemein, weil einfach nichts Neues mehr passiert. Der Schluss war, in meinen Augen, dann völlig absurd und brachte keinerlei spannende Erkenntnisse. Dafür, dass die gesamte Zeit über eine gewisse Spannung aufgebaut wurde, verlief alles doch sehr unspektakulär im Sande. Zum Glück liegt hier keine Reihe vor – mehr muss man hiervon wirklich nicht lesen!

Fazit: eine spannende Grundidee, leider schlecht umgesetzt

2K

Vier Beutel Asche / Boris Koch

Titel: Vier Beutel Asche

Autor: Boris Koch

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: Innerhalb der NotizBuch-Aktion von der lieben Hannah erhalten – danke nochmal! 🙂

Für die „Contemporary Young Adult-Challenge“ fehlte mir noch ein Buch für meine Leseliste und da kam mir die NotizBuch-Aktion von Hannah gerade recht. „Vier Beutel Asche“ ist nun schon mein drittes NotizBuch und jedes Mal hatte ich viel Spaß daran. Es ist unglaublich interessant zu lesen, welche Gedanken sich die anderen zu einer bestimmten Person oder Situation gemacht haben. Manchmal sind da alle einer Meinung, manchmal entwickelt sich aber auch eine richtige kleine Diskussion im Buch – wirklich toll! Den Autor Boris Koch kannte ich übrigens vor der Aktion noch nicht, aber ich werde ab jetzt seine Veröffentlichungen im Auge behalten und  mir auch mal seine vorherigen Veröffentlichungen ansehen.

Handlung:

Seit Jan seinen besten Freund Christoph bei einem Unfall verloren hat, ist er voller Wut. Auf den Fahrer des Unfallautos, auf Christophs Eltern, auf die Welt im Allgemeinen und auf sich selbst. An Christophs Geburtstag beschließt er, die Party zu dessen Ehren früh zu verlassen und stattdessen dem Grab seines besten Freundes einen Besuch abzustatten. Dort trifft er tatsächlich, mitten in der Nacht, noch 3 weitere Menschen aus Christophs Leben: seine Freundin Selina, seinen Kumpel Maik und die geheimnisvolle Lena, von der niemand weiß, in welcher Beziehung sie eigentlich zu Christoph stand. Gemeinsam beschließen die 4 Jugendlichen, sich mit 2 Motorrollern auf den Weg nach Frankreich zu machen, an die Küste. Denn Christoph wollte seine Asche über dem Meer ausgestreut und nicht auf dem düsteren Dorffriedhof begraben wissen.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans passt hier extrem gut zum Inhalt. Es zeigt die verschwommene Silhouette eines jungen Mannes, der sich in voller Bewegung zu befinden scheint. Hier könnte es sich um Christoph auf seinem Fahrrad handeln oder auch um Jan auf einer der beiden Motorroller. Diese Bewegung und auch die Farben suggerieren auf der einen Seite eine gewisse Lebendigkeit, auf der anderen Seite strahlt das Cover auch etwas Unruhiges aus. Die Geschichte wird aus Jans Perspektive in der Ich-Form erzählt, so dass man als Leser ganz dicht an dem Protagonisten klebt. Man weiß selbst also immer nur so viel, wie Jan in der Geschichte bereits erfahren hat. Mit ihm als Protagonisten hatte ich zunächst auch meine Schwierigkeiten. Jan ist am Anfang so voller Wut und Aggression, dass niemand wirklich einen Zugang zu ihm findet. Am liebsten würde er sich an dem Verursacher des Unfalls rächen, denn der trägt – das findet zumindest Jan – die alleinige Schuld an dem Unfall. Doch letztendlich kann er hierzu nie den Mut finden und reagiert seinen Zorn daher in kindischen kleinen Drohbriefchen ab. Generell ist er ein sehr unnahbarer, unsympathischer Charakter, mit dem man sich als Leser nur schwer identifizieren kann.

Auch die Reise der 4 Jugendlichen nach Frankreich erweist sich als schwierig. Anstatt Christophs letzten Wunsch in Frieden zu erfüllen, gibt es ständig Streit. Vor allem Christophs Freundin Selina lässt ihren Unmut an den anderen aus und zeigt sich vor allem von Lenas Anwesenheit verunsichert und provoziert. Hatte Christoph etwa eine Affäre? Doch auch Jan ist enttäuscht, weil sein bester Freund ihm nie erzählt hat, dass er näher mit Lena zu tun hatte. Allein der übermütige Maik ist immer zu Mutproben und Dummheiten aufgelegt und raubt den anderen 3 den letzten Nerv. Zu allem Überfluss werden die 4 in Frankreich schließlich noch ausgeraubt und die Küste scheint in unendliche Ferne gerückt.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite ist das Thema ein sehr trauriges und man hätte aus der Grundidee der Handlung wirklich einiges machen können. Doch anstatt einer sensibel erzählten Geschichte zum Thema Trauer erwarten den Leser zunächst nur Jans Hasstiraden und kindische Streitereien darüber, wer nun Christophs Asche transportieren und wer überhaupt das Recht hat, an dieser irrsinnigen Fahrt nach Frankreich teilzunehmen. Auch die Reise selbst hätte ich mir ein wenig ausführlicher beschrieben gewünscht bzw. wäre es angenehmer gewesen, anstatt von den 4 Streithähnen mehr von der Landschaft zu lesen, durch die sie fahren. Denn eigentlich bin ein großer Fan von Roadtrips, aber hier hat mir einfach das nötige Flair gefehlt.

An Tiefe gewinnt der Roman erst, als die 4 sich am Lagerfeuer nach und nach erzählen, wie sie Christoph kennengelernt haben. Es wird viel geweint, aber auch gelacht und endlich, so scheint es, ist der Schmerz für jeden von ihnen etwas einfacher zu tragen. Danach hat man als Leser nicht nur einen besseren Bezug zu den 4 Jugendlichen, sondern auch der verstorbene Christoph nimmt Profil an. Erst jetzt konnte ich richtig nachvollziehen, was ihn als Freund ausgemacht hat und warum die anderen so um ihn trauern. Und auch Jan kann etwas von seiner Wut ablegen und sich wieder dem Leben zuwenden. Auf einmal tritt hinter der harten Schale ein sensibler, freundlicher Kern zu Tage, der mich mit dem unsympathischen Hauptcharakter aussöhnt. Das Ende ist hoffnungsvoll und verdeutlicht die Botschaft des Buches: Egal wie groß die Trauer auch ist, es lohnt sich immer weiterzuleben!

Fazit: nach anfänglichen Schwierigkeiten ein durchaus berührendes Buch über die Hilflosigkeit der Hinterbliebenen und darüber, wie man mit so einem schrecklichen Verlust weiterleben kann

3K

Amy on the summer road / Morgan Matson

Cover Amy on the Summer RoadTitel: Amy on the Summer Road (Amy & Roger’s Epic Detour)

Autor: Morgan Matson

Seitenzahl: 480

Woher ich es habe: im Rahmen der NotizBuch-Aktion von der lieben Steffie erhalten – vielen Dank nochmal dafür!

„Amy on the Summer Road“ ist das Debüt der Amerikanerin Morgan Matson, aber es wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch bleiben, das ich von der Autorin lesen werde. Inzwischen hat sie auch schon ihren zweiten Roman mit dem Titel „Second Chance Summer“ im Original veröffentlicht. Auch er steht schon ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

Handlung:

Amy Curry freut sich in diesem Jahr nicht wirklich auf die Sommerferien. Erst vor wenigen Monaten ist ihr Vater bei einem Autounfall ums Leben gekommen und zu allem Überfluss will Amys Mutter nun auch noch das Haus, in dem die Familie gemeinsam gelebt hat, verkaufen. Weil Pamela Curry die schmerzlichen Erinnerungen nicht länger erträgt, soll Amy nun mit ihrer Mutter einmal quer durch das Land umziehen, von Kalifornien nach Conneticut. An der Sache gibt es nur einen Haken: das Familienauto muss ebenfalls dorthin transportiert werden. Und da sich Amy seit dem Autounfall nicht mehr hinter das Steuer eines Wagens traut, muss der Sohn von Pamelas bester Freundin diese Aufgabe übernehmen. So machen sich Amy und Roger auf einen abenteuerlichen Road Trip durch zig verschiedene Bundesstaaten auf, der sich schließlich so ganz anders entwickeln wird, als die beiden es am Anfang vermuten.

Eigene Meinung

Dass „Amy on the Summer Road“ ein ganz besonderes Buch ist, fällt schon beim ersten Durchblättern auf. Ich bin übrigens sehr erfreut darüber, dass die deutsche Ausgabe das Originalcover behalten durfte – es ist nämlich sehr stimmungsvoll und passt wundervoll zum Inhalt des Romans. Im Inneren zeigen sich sofort die grafischen Besonderheiten. „Amy on the Summer Road“ ist wie ein Scrap Book gestaltet, übrigens jenes Scrap Book, dass Amy von ihrer Mutter als Geschenk für den bevorstehenden Road Trip bekommt, um dort alle ihren wichtigen Erinnerungen festzuhalten. Und obwohl die zunächst gar nicht begeistert von der Idee ist, füllt sich das Buch und damit auch der Roman nach und nach mit den interessantesten Dingen: Kassenzettel, Restaurantrechnungen, Fotos, E-Mails und Prospekte von Sehenswürdigkeiten zieren die Seiten. Zudem ist die gesamte Reiseroute von Amy und Roger nachvollziehbar, jeder Bundesstaat, jede Station ist beschrieben. Man spürt dabei in jeder Zeile, dass die Autorin selbst diesen Road Trip unternommen hat; man fühlt sich als Leser selbst so, als sitze man mit den beiden sympathischen jungen Menschen im Auto und ließe sich den Fahrtwind um die Ohren brausen.

Getragen wird die Handlung von den beiden Protagonisten, Amy und Roger. Während Amy zu Beginn sehr verschlossen und traurig ist, präsentiert sich Roger als aufgeschlossener junger Mann, der Freude am Leben hat. In Gesprächen nähern sich die beiden nach und nach einander an und Roger gelingt es, mit Hilfe eines Frage- und Antwortspiels Amy ihre Gedanken und Gefühle zu entlocken. Doch auch Roger hat mit der Vergangenheit zu kämpfen und gemeinsam finden die beiden einen Weg zurück ins Leben, auch wenn sie dafür auf ihrer Reise durch die USA immer wieder einen Umweg nehmen müssen.

Notizen im Buch

Wie man sieht, wurde das NotizBuch kräftig genutzt 😉

Ein bedeutendes Thema im Roman ist außerdem die Musik. Immer wieder sind im Buch handgeschriebene Playlists zu finden, die Roger für die Fahrt durch die verschiedenen Bundesstaaten zusammengestellt hat. Wer möchte, der kann also noch tiefer in die Handlung und in die beiden Protagonisten eintauchen und sich die entsprechenden Songs anhören. Am Ende des Romans ist sogar eine Playlist von Amy zu finden, eine Tatsache, die im Roman eine große Wende darstellt und einiges über die Beziehung der beiden zueinander aussagt.

„Amy on the Summer Road“ ist ein Buch, wie das Leben es nicht besser schreiben könnte. Die ernsten Seiten und Themen des Lebens finden hier ebenso Platz wie unbeschwerte, fröhliche Momente. Von schmerzlichen Verlusten und Schuldgefühlen ist hier ebenso die Rede, wie von Liebe und Glück. Auf ihrer Reise begegnen Amy und Roger einer Reihe von hilfsbereiten Menschen und finden dabei auch zu sich selbst. Das Ende ist natürlich traurig, aber hoffnungsvoll zugleich. Der Leser kann so vieles mitnehmen aus diesem Buch, es ist gespickt mit wunderschönen Zitaten, Lebensweisheiten und einer großen Portion Freiheitsgefühl. Man möchte am liebsten selbst ins Auto steigen, um sich auf Amys und Rogers Spuren zu begeben.

Fazit: definitiv mein Jahreshighlight 2012 und einer meiner liebsten Romane überhaupt