Tag-Archiv | Thriller

Boy Nobody / Allen Zadoff

SAM_1900_1Titel: Boy Nobody

Autor: Allen Zadoff

Seitenzahl: 333

Woher ich es habe: von Blogg Dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich bei bloomoon für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Mit „Food, girls and other things I can’t have“, seinem ersten Young Adult-Roman, gewann Allen Zadoff 2010 den Sid Fleischman Humor Award. Seitdem sind einige weitere Romane des US-Amerikaners erschienen, „Boy Nobody“ ist jedoch der erste Titel, der auch in Deutschland aufgelegt wird. Zurzeit schreibt der in Boston lebende Autor an Band 2 der Reihe um den jungen Auftragskiller Zach. Es lohnt sich definitiv, sein weiteres Schaffen im Auge zu behalten.

Handlung:

Nach außen hin ist der 16-jährige Zach Abram ein Junge wie jeder andere. Doch niemand ahnt, dass der junge Mann, der immer wieder an einer neuen Highschool auftaucht und dort sehr schnell Freundschaften schließt, eigentlich ein eiskalter Auftragskiller ist. Genau das ist aber Zachs Alltag, seit seine Eltern von einem eben jener jugendlichen Assassinen getötet wurde, als er gerade einmal 11 Jahre alt war. Fortan ist Zach Teil eines streng geheimen Programms, das Kinder zu Auftragsmördern ausbildet. Die Leiter des Programm nennt er Mum und Dad, statt Liebe und Fürsorge zu erfahren, lernt er zu kämpfen und zu töten. Doch Zachs neuester Auftrag ist nicht so einfach, wie die bisherigen, denn zum ersten Mal kommt ihm etwas ganz Unerwartetes in die Quere: seine Gefühle.

Eigene Meinung:

„Boy Nobody“ besticht schon auf den ersten Blick durch sein stimmiges Cover. In düsteren Hintergrundfarben erhebt sich da die Silhouette einer Stadt; den größten Raum aber nimmt ein Fadenkreuz ein, in dessen Inneren jemand um sein Leben zu Laufen scheint. Die Schrift ist als Kontrast hierzu klar und übergroß dargestellt, der Titel ist mit seinem von rot zu orange wechselnden Farbverlauf gewollt dramatisch und unterstreicht das thrillerhafte des Romans. Autorenname und Untertitel sind bis auf das Wort „Mörder“ wieder in unscheinbarem Grau gehalten. Nimmt man den Schutzumschlag ab, so setzt sich die gekonnte Gestaltung auch dort fort. Die eigentliche Buchoberfläche ist orange und auch hier prangt das Fadenkreuz; jedoch schon mit einem Einschussloch. Eine weitere Besonderheit sind die Kapitelüberschriften, die – anders als bei den meisten Romanen – fest zum jeweiligen Kapitel gehören und es nicht bloß überschreiben. So bildet jeder erste Satz eines Kapitel quasi auch dessen Titel – ein geschickter Schachzug, wie ich finde.

Zach ist ein Protagonist, wie man ihn nicht oft erlebt. In der Ich-Form erzählt er aus seinem Leben und man hat als Leser ständig das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Denn Zach hat natürlich nicht den typischen Alltag eines Teenagers, sondern erledigt mit einer Vielzahl an tödlichen Waffen seinen Job. Mit seinen Auftraggebern steht er durch die neueste Technik in Verbindung – Technikfans werden an dem Roman wirklich ihre Freude haben. Und obwohl Zach ein eiskalter Killer ist, der vor nichts zurückschreckt, gelingt es dem Autor doch, den Leser für seinen Antihelden einzunehmen. Denn nach und nach erfährt man jede Menge über die Vergangenheit des Jungen und entwickelt fast so etwas wie Verständnis dafür, wie er in diese Lage kommen konnte.

Sein neuester Auftrag stellt Zach jedoch vor eine ungewohnt schwierige Aufgabe: über Sam, die Tochter des Bürgermeisters, soll er sich eben jenem nähern und ihn schließlich aus dem Weg räumen. Doch an Sam beißt auch Zach sich die Zähne aus, denn sie scheint ebenso misstrauisch und kühl wie er selbst zu sein. Nur langsam nähern sich die beiden an und auch zu ihrem Vater findet Zach nach und nach einen Draht. Ein wenig erinnert er ihn sogar an seinen eigenen Vater, den er kurz vor seinem Tod das letzte Mal gesehen hat. Die Zeit scheint dem jungen Auftragsmörder davon zu rennen und seine eigentliche Aufgabe will ihm so gar nicht von der Hand gehen. Schließlich werden auch „Mum“ und „Dad“ auf Zachs Zögern aufmerksam und drängen ihn, seine Loyalität zum Programm zu beweisen: indem er nun nicht den Bürgermeister, sondern Sam selbst eliminieren soll, zu der er gerade erst ein zartes Band geknüpft hat.

Allen Zadoffs Schreibstil ist eindringlich und reißt den Leser von der ersten Seite an mit. In kurzen, gedrungenen Sätzen hetzt er durch die Ereignisse, die sich beinahe überschlagen. Bald weiß man selbst nicht mehr, wem man noch Vertrauen schenken kann und was richtig und was falsch ist. Der Schluss des Romans kommt plötzlich und mir persönlich ein wenig zu schnell. Die Handlung, die mühsam aufgebaut wurde, wird in wenigen Kapiteln komplett gedreht und der Leser erlebt eine Vielzahl von Überraschungen. Vieles muss deshalb auch unabgeschlossen bleiben, Details erfährt man wohl erst in Band 2 – sicherlich vom Autor so gewollt, für den Leser aber einfach nur unbefriedigend. Lieber hätte sich Allen Zadoff hier noch 100 Seiten mehr gegönnt, dafür aber nicht so überstürzt geendet. Dennoch ist „Boy Nobody“ eine Reihe, die es sich zu verfolgen lohnt.

Fazit: ein durchaus spannender Jugendthriller, der am Ende leider etwas schwächelt

4K

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Hautnah / Julia Crouch

Titel: Hautnah (Every vow you break)

Autor: Julia Crouch

Seitenzahl: 587

Woher ich es habe: von Vorablesen zur Rezension erhalten

„Hautnah“ ist nach „Angsthauch“ bereits der zweite Thriller aus der Feder der Engländerin Julia Crouch. Nach eigenen Angaben arbeitet die gelernte Bühnenschriftstellerin und Regisseurin bereits an Nummer 3.

Handlung:

Laras Leben hat sich grundlegend verändert, seit sie ihre eigene Schauspielkarriere aufgab, um ihrem Mann Marcus eine treu sorgende Ehefrau und den Zwillingen Bella und Olly sowie Nesthäkchen Jack eine gute Mutter zu sein. Als Marcus immer weniger Engagements erhält, muss die Familie froh und dankbar sein, als er für einige Wochen als Schauspieler an einem kleinen Theater im Bundesstaat New York eine Anstellung findet. Von der pulsierenden Metropole weit entfernt, dafür umso ländlicher gelegen ist Trout Island nicht gerade das, was sich Lara und die Kinder unter einem Ferienort vorstellen. Nur Marcus ist in seinem Element und sonnt sich in dem neu erwachten Interesse an seiner Person. Doch dann trifft Lara auf eine Person aus ihrer Vergangenheit und alles, was sie kennt und liebt, scheint sich auf einen Schlag zu verändern.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans knüpft in seiner Gestaltung an den Vorgänger „Angsthauch“ an. Dabei passt die dargestellte Herbstidylle so gar nicht zum Inhalt des Romans, denn 1. spielt der Roman im Sommer und 2. vermutet man hinter dem Titelbild eher einen Liebesroman anstatt einen Thriller. Mit dieser Feststellung ist aber auch schon eines der beiden großen Probleme dieses Buches erreicht: es ist kein Thriller – zumindest in den ersten 400 Seiten kommt nicht annähernd etwas auf, was man Spannung nennen könnte. Danach gewinnt die Handlung zwar an Fahrt, der Klappentext, der eine Lara verspricht, die mutig ihre Familie rettet, könnte dabei aber nicht weiter von der Realität entfernt sein.

Überhaupt ist die Protagonistin Lara ein Charakter, wie er mir fremder nicht sein könnte und das zweite große Manko des Romans. Zum einem versteht sie sich selbst als liebende Mutter, die für ihre Kinder alles aufgeben würde, zum anderen scheint sich das jedoch nur auf ihren jüngsten Sprössling Jack zu beziehen, den sie ständig umsorgt und verhätschelt. Im Gegensatz dazu bemerkt sie nicht, wie sich die Zwillinge immer häufiger und immer heftiger streiten und wie sehr ihre Tochter Bella unter der Situation und einem gewalttätigen Bruder leidet. Aber schließlich ist Lara ja zunächst auch damit beschäftigt, den Verlust ihres vierten Kindes zu verkraften – ihr Mann Marcus hatte sie zur Abtreibung gezwungen – später hat sie nichts anderes mehr im Kopf, als eine neu aufkeimende alte Liebe. Marcus ist dabei eine noch unsympathischere Figur. Seine ruhmreichen Zeiten als Theaterschauspieler sind zwar längst vergangen, dennoch hält er eisern an der Rollenverteilung in der Familie fest. Er ist der Ernährer und Versorger, Lara hat sich um die Kinder und natürlich um sein körperliches und seelisches Wohl zu kümmern.

Nach und nach tauchen im Handlungsverlauf immer wieder mysteriöse Elemente auf. Mal sind es Blumen, die wie von Geisterhand im Haus auftauchen, mal Kleidungsstücke, die aus dem Waschsalon verschwinden. Hinzu kommt die Tatsache, dass es im Haus, das der Familie über den Sommer zur Verfügung gestellt wurde, spuken soll, denn vor vielen Jahren ist dort eine Frau auf grausame Art ums Leben gekommen. Trotz all dieser Handlungselemente will die rechte Gruselstimmung über den gesamten Roman hinweg nicht aufkommen. Stattdessen begleitet der Leser Lara und ihre Familie bei zahlreichen Gartenfesten, Theatervorstellungen, Freibadbesuchen und Einkaufstouren. Einzig positiv an „Hautnah“ ist dabei, dass die Autorin es trotz der schwachen Handlung und unsympathischen Charaktere gelingt, den Leser bei der Stange zu halten. Interessant wird es überhaupt erst, als Stephen auf den Plan tritt, seines Zeichens ein überaus bekannter und natürlich reicher Schauspieler, der einst Marcus Freund und Laras große Liebe war. An diesem Punkt möchte man nun zum ersten Mal wirklich wissen, wie es mit den Figuren weitergeht.

Die Auflösung des Plots überrascht nur wenig, denn sie hatte sich über den gesamten Roman hinweg angedeutet. Das wäre ja auch nicht weiter schlimm, wenn nicht die übrigen Handlungsstränge allesamt ein unbefriedigendes, ja sogar absolut realitätsfernes Ende nehmen würden. Mit ihren Taten am Schluss des Buches setzt die naive Lara dem Ganzen noch einmal die Krone auf. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber für mich war dieses Verhalten wirklich völlig unverständlich. Leid tut mir dabei vor allem Bella, die mit einem unmöglichen Bruder und einer Mutter gestraft ist, die ihre Augen wohl bewusst vor den Problemen ihrer Tochter verschließen will oder einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist.

Fazit: Ein Thriller, der mindestens 400 Seiten lang keiner ist und den Leser mit einer grauenhaft naiven Protagonistin quält

Knochenfinder / Melanie Lahmer

Titel: Knochenfinder

Autor: Melanie Lahmer

Seitenzahl: 459

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Bastei Lübbe-Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Knochenfinder“ ist der erste Roman der Autorin Melanie Lahmer; er wurde von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen mit einem Stipendium ausgezeichnet. In der Autorenbeschreibung vorne im Roman konnte ich außerdem lesen, dass sie selbst Geocacherin ist, Frau Lahmer weiß also, wovon sie spricht.

Handlung:

Im Rothaargebirge verschwindet der 17-jährige Schüler René spurlos. Noch während sich die Kommissarin Natascha Krüger auf die Suche nach dem jungen Mann macht, werden in 2 Geocaching-Verstecken in der Gegend abgetrennte Finger entdeckt. Schon bald darauf ist klar, dass zwischen beiden Ereignissen eine Verbindung besteht und Renés Leben ernsthaft in Gefahr ist. Natascha und ihre Kollegen Lorenz und Winterberg dringen immer tiefer in die Geocaching-Szene vor, machen aber auch an der Schule des verschwundenen Jungen grausige Entdeckungen. Vor allem Winterberg belastet der Fall sehr, schließlich gehen seine beiden Söhne auf die selbe Schule wie René und so fühlt er sich zwischen seiner Rolle als Vater und seinem Beruf hin- und hergerissen. Weiß sein älterer Sohn Niklas mehr als er zugeben will? Und wird das Team den verschwundenen Schüler rechtzeitig finden können, bevor der Täter sein schreckliches Werk vollenden kann?

Eigene Meinung:

„Knochenfinder“ wird in personaler Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mal erlebt der Leser hautnah die polizeilichen Ermittlungen mit, mal nimmt der Erzähler die Perspektive des Opfers oder des Täters ein. So gewinnt die Handlung zwar auf der einen Seite an Dimension, auf der andere Seite ist so aber auch schnell das Geschlecht des Täters verraten und der Verdächtigenkreis zumindest um einige wenige Personen verringert. Mit dem Schreibstil hatte ich zu Beginn meine Probleme. Einige Szenen waren in meinen Augen recht unbeholfen und nicht stimmig beschrieben, an anderen Stellen waren die verwendeten Begrifflichkeiten fast schon stereotyp. Auch die wörtliche Rede ist zum Teil nur wenig authentisch, so dass ich oft das Gefühl hatte, die betreffende Person würde so einfach nicht sprechen. Trotz allem liest sich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten aber flüssig und die Handlung nimmt an Fahrt auf.

Die Kommissarin Natascha Krüger ist zwar durchaus sympathisch beschrieben, dennoch blieb sie für mich den Roman über recht blass. Auf der einen Seite mochte ich ihren tierlieben Charakter, auf der anderen Seite fiel es mir aber schwer, darüber hinaus eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Generell gilt das leider für die meisten Personen: Winterbergs Umgang mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen konnte ich nicht nachvollziehen, ebenso war für mich die Stimmung im Team nicht greifbar. Handelt es sich hier tatsächlich um treu sorgende Kollegen oder um einen bunt zusammengewürfelten Haufen, in dem sich keiner für den anderen interessiert? Ein wenig Emotion kommt eigentlich erst in den Handlungsverlauf, als auch eines der Teammitglieder verschwindet.

Im Großen und Ganzen hatte Melanie Lahmer wohl einfach das Pech, dass ich kurz vor ihrem „Knochenfinder“ Ursula Poznanskis Geocaching-Roman „Fünf“ gelesen hatte. Das Grundgerüst ist nun wirklich sehr ähnlich: in Geocaching-Verstecken werden Körperteile gefunden, eine Ermittlerin macht sich mit ihrem Team auf die Suche, eine zarte Liebesgeschichte bahnt sich an usw. Natürlich geht die Handlung an vielen Punkten auch stark auseinander; so erweitert Melanie Lahmer ihren Roman noch um das Themengebiet „Gewalt(verherrlichung) an Schulen“, während Ursula Poznanski sich ganz auf das Geocaching konzentriert. Dennoch fällt mir im direkten Vergleich deutlich auf, dass in „Fünf“ einiges besser gelungen ist, so zum Beispiel die Tiefe der Charaktere oder der aufgebaute Spannungsbogen.

Am Schluss des Romans folgt dann auch der obligatorische Showdown, leider wurde ich aber auch hier enttäuscht. Im Verlauf der Handlung hatte ich die verschiedensten Theorien entwickelt, wer der Täter sein könnte und aus welchen Gründen er handeln könnte. Dabei war für mich grundsätzlich jeder verdächtig, denn von Sebastian Fitzek und ähnlichen Autoren bin ich gewohnt, dass alles immer ganz anders ist, als es erscheint. Deshalb war ich von der Auflösung des „Knochenfinders“ auch recht ernüchtert und auch das Motiv des Täters schien mir nur bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Wäre der Roman vielleicht meine erste Lektüre zu diesem Thema gewesen, hätte ich möglicherweise einen größerem Lesespaß verspürt – so hält sich meine Begeisterung aber leider in Grenzen.

Fazit: ein durchschnittlicher Lesegenuss für Geocaching-Fans

Tödliche Gaben / verschiedene Autoren

Titel: Tödliche Gaben

Autor: verschiedene

Seitenzahl: 215

Woher ich es habe: selbst gebraucht gekauft

Für eine meiner Challenges musste ich im Juli ein Buch mit Kurzgeschichten lesen. Und obwohl es eigentlich ein Weihnachtsbuch ist, fiel meine Wahl auf „Tödliche Gaben“ – eine Sammlung von Kurzkrimis der verschiedensten Autoren, darunter zwei meiner Lieblinge: Sebastian Fitzek und Simon Beckett. Weihnachtskrimis mitten im Sommer? Nun ja, eine rechte Weihnachtsstimmung kam beim Lesen sowieso nicht auf. Nur die wenigsten der 11 Geschichten spielen tatsächlich an Weihnachten und für einige davon ist das Fest eigentlich nur „schmückendes Beiwerk“ und fließt sonst kaum in die Handlung ein. Schade eigentlich, aus dem Thema hätte man mehr machen können.

Eigene Meinung:

Von den insgesamt 11 Kurzgeschichten konnten mich, ehrlich gesagt, nur wenige begeistern. Im Gegenteil: die meisten waren enttäuschend. Vor allem von Simon Beckett hätte ich mir wirklich mehr erwartet, zumal er nicht nur die Sammlung eröffnet, sondern es sich sogar um eine Erzählung aus seiner David Hunter-Reihe handelt. So wird der forensische Anthropologe im tiefsten Schneefall zu einem Leichenfund gerufen, diskutiert kurz mit den Anwesenden, wirft einen schnellen Blick auf die Tote und schon ist die Geschichte vorbei. Mehr als unspektakulär, kann ich da nur sagen – eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Die Folgegeschichte von Oliver Bottini um einen Mörder, der nach 15 Jahren Gefängnis Rache an denjenigen nimmt, die ihn hinter Gitter gebracht haben, hat schon mehr Potenzial, erscheint dann aber doch zu konstruiert.

Chris Mooney hingegen macht mit seiner Geschichte um seine Darby McCormick-Reihe Lust auf mehr. Eine interessante Ermittlerin sowie ein spannender, wenn auch nur kurz angerissener Fall machen neugierig auf die Romane. Auch der Deutsche Friedrich Ani überzeugt mit „Wo es dem Verbrecher schmeckt“.  Die Geschichte um ein geplantes Verbrechen, das sich auf einmal völlig anders entwickelt, ist extrem spannend und gut konstruiert und somit wandert der Autor mit auf meine Merkliste. Linwood Barclay steuert mit „Wichteltod“ einen der wenigen Kurzkrimis bei, die tatsächlich auch etwas mit Weihnachten zu tun haben. Der Autor war mir zwar vorher schon namentlich bekannt, gelesen hatte ich aber noch nichts von ihm. Gut gefallen hat mir an der Erzählung auf jeden Fall, dass sie auch humorvolle Züge hat.

Ein weiterer Favorit aus dem Sammelband ist Erzählung der Finnin Leena Lehtolainen um ihre Ermittlerin Maria Kallio und ein kleines Mädchen, das während der Feiertage entführt wird. Skandinavische Krimis interessieren mich ja schon eine Weile und die Reihen der beiden Autorinnen Viveca Sten (Schweden) und Yrsa Sigurðardóttir (Island) gehören zu meinen absoluten Lieblingsreihen. Schön, dass ich nun noch eine Finnin mit auf die Liste setzen kann, denn auf die Mario Kallio-Reihe habe ich dank der Kurzgeschichte richtig Lust bekommen. Leider machen bereits die nächsten beiden Geschichten von Felicitas Mayall und Jay Bonansinga den guten Eindruck wieder zunichte. Ein naiver, selbstverliebter Pater auf Verbrecherjagd und ein Landstreicher, der sein Gedächtnis verloren hat und von Elfen verfolgt wird – nein, das konnte mich nun wirklich nicht überzeugen.

Veit Heinichens Kurzgeschichte „Der Baum“ verdient zwar die Bezeichnung Krimi nicht, zeichnet aber immerhin recht amüsant die Freuden der Vorweihnachtszeit nach. So hat der Kommissar Proteo Laurenti in dieser Erzählung nicht etwa mit Verbrechern zu kämpfen, sondern – und das ist möglicherweise noch viel schlimmer – mit seinen beiden Töchtern, die kurzer Hand den Fiat Punto ihrer Mutter zum Diebstahl eines riesigen Weihnachtsbaumes missbraucht haben. Dass das nicht ohne Schelte des Herrn Papa und vor allem nicht ohne Kratzer im Lack von Statten gehen kann, ist natürlich klar. Sehr komisch! Reihe und Autor landen ebenfalls auf dem Muss-ich-lesen-Zettel.

Nach einer durchschnittlichen Erzählung von Kate Pepper über eine Sekretärin, die zu viel weiß und ihren kriminellen, aber immerhin gut aussehenden Chef, bin ich dann endlich bei dem Kurzkrimi angelangt, auf den ich schon das gesamte Buch über gewartet habe: „Allein“ von Sebastian Fitzek. Zum Glück enttäuscht er im Gegensatz zu Simon Beckett den Leser hier nicht. Die Geschichte um Jacob Sinner, seine Frau Katharina und einen schrecklichen Albtraum wird in gewohnt spannender Fitzek-Manier erzählt und natürlich folgt am Ende wieder einmal die überraschende Wendung.

Das Buch schließt mit einer kurzen Vorstellung aller im Band versammelten Autoren, was durchaus hilfreich ist, denn so erhält man einen guten Überblick und kann sich die Reihen der neu entdeckten Autoren notieren. Begeistert bin ich nach der Lektüre von „Tödlich Gaben“ zwar nicht, aber immerhin habe ich den ein oder anderen Autor kennengelernt, den ich mir gerne näher ansehen möchte. Für jemanden, der die meisten Autoren des Bandes schon kennt, dürfte das Ganze jedoch keine lohnende Anschaffung sein.

Fazit: Eine eher durchwachsene Krimi-Sammlung mit einigen wenigen Highlights

Fünf / Ursula Poznanski

Titel: Fünf

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: selbst gebraucht gekauft

„Fünf“ ist nun schon mein drittes Buch der Österreicherin Ursula Poznanski und nach 2 Jugendbüchern ihr erster Roman für Erwachsene. Was das Genre betrifft, scheiden sich ja die Geister. Die Autorin selbst bezeichnet „Fünf“ als Thriller, während einige treue Fans des Genres bemerken, man könne hier maximal von einem Krimi besprechen; es gäbe einfach zu wenig Thrillerelemente. Ich als zart besaitete Leserin kann aus meiner Sicht jedoch nur sagen, dass „Fünf“ für mich stellenweise wirklich gruselig genug war und ich doch etwas schlechter geschlafen habe. (Mag sein, dass solche Schilderungen den hart gesottenen Cody McFadyen-Fan nicht hinter dem Ofen hervorlocken können – mir haben sie aber durchaus gereicht.)

Handlung:

Auf einer Kuhweide im Salzburger Umland wird die Leiche einer Frau entdeckt. Das herbeigerufene Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger entdeckt auf den nackten Füßen des Opfers seltsame eintätowierte Zahlen, die sich schon bald als Koordinaten herausstellen. Der Täter scheint ein perfides Geocaching-Spiel mit der Polizei zu spielen, denn am angegebenen Ort finden die Ermittler ein menschliches Ohr und ein Rätsel, das den Weg zum nächsten Cache weisen soll. Auf der Suche nach dem Täter geraten Beatrice und Florin an ihre Grenzen: es tauchen immer weitere Leichenteile auf, Zeugen verschwinden nach ihrer Befragung und schließlich geraten sie selbst ins Kreuzfeuer, denn der Täter nimmt Kontakt zu Beatrice auf.

Eigene Meinung:

Obwohl „Fünf“ einem anderen Genre als „Erebos“ und „Saeculum“ angehört, ist Ursula Poznanskis Handschrift im Roman sofort zu erkennen. Wie in ihren beiden Jugendbüchern schafft sie auch hier von Seite 1 an eine spannende Atmosphäre, die den Leser in seinen Bann zieht. Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler in der dritten Person geschildert. Geschickt streut die Autorin so immer wieder Passagen ein, die berichten, was parallel zu den Ermittlungen der Polizei geschieht. Sie geben einen Einblick in die Denkweise des Täters, zeigen aber  auch die letzten Momente der gefangenen Opfer. Erst nach und nach wird so ein Licht in die Geschichte gebracht und obwohl man sich als Leser so oft sogar einen Schritt voraus glaubt, bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten.

Die beiden Ermittler Beatrice und Florin (nein, das ist kein Schreibfehler) sind wirklich angenehme und authentische Charaktere. Beatrice hat als allein erziehende Mutter nicht nur mit ihrem penetranten Ex-Mann und ihrer Familie zu kämpfen, sondern es lastet auch die Erinnerung an ein schreckliches Ereignis vor vielen Jahren auf ihr. Dieses Ereignis ist es, das die Ermittlerin dazu brachte, ihr Psychologie-Studium aufzugeben und sich bei der Kriminalpolizei zu bewerben. Nach all diesen Jahren hat sie immer noch furchtbare Schuldgefühle – eine Tatsache, die den Täter anzuziehen scheint, denn immer wieder kontaktiert er Beatrice, gibt ihr versteckte Hinweise, quält sie aber auch mit seinen Bemerkungen. Florin hingegen ist es fröhlicher, hilfsbereiter Kollege, der seiner Partnerin aus der Klemme hilft, wo immer er kann. Und obwohl er sich gerade am Beginn einer neuen Beziehung befindet, wird man als Leser doch den Gedanken nicht los, dass Beatrice und er ein schönes Paar abgeben würden. Hier rechne ich es der Autorin übrigens hoch an, dass sie den beiden keine heiße Affäre angedichtet hat, sondern es bei kleinen Gesten und kurzen Szenen einer tiefen Verbundenheit zueinander belassen hat.

Geocaching als Thema des Romanes fand ich sehr interessant und gelungen. Für mich als jemanden, der nur ein paar kurze Artikel darüber gelesen hat, war trotz des doch sehr spezifischen Wortschatzes alles gut verständlich. Mit Hilfe des Computer- und Geocachingexperten Stefan, eines Kollegen von Beatrice und Florin, gelingt es der Autorin geschickt zu erklären, wie Geocaching funktioniert, welche Begrifflichkeiten es gibt und wie die Cacher untereinander vernetzt sind. Die Suche nach dem Täter wird im Roman somit zu einer einzigen gruseligen Schnitzeljagd und die eingebauten Rätsel laden zum Mitdenken ein. Ursula Poznanski schafft es so trotz aller Grausamkeit der Taten auch das einzufangen, was für Fans den Reiz von Geocaching ausmacht. Man möchte am liebsten gleich morgen selbst mit dem Navigationsgerät losziehen und nach versteckten Caches suchen.

Der Schluss des Romanes war für mich überraschend, aber auch durch und durch schlüssig. Endlich waren alle kleinen Mosaiksteinchen des Falles an ihrem Platz und ergaben ein Gesamtbild, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. „Fünf“ ist in sich abgeschlossen, die Geschichte um Beatrice und Florin bleibt aber an vielen Stellen offen. Mir ist leider nicht bekannt, ob Ursula Poznanski möglicherweise hier eine Reihe plant, ich würde es mir aber wünschen, denn ich möchte gern mehr von dem sympathischen Ermittlerduo lesen. Aber auch so warte ich gespannt auf den nächsten Roman der Autorin. Egal welchem Genre er angehören wird, ich werde ihn lesen!

Fazit: Ein grandioser Thriller, der Lust auf Geocaching macht.