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Falling into you. Für immer wir / Jasinda Wilder

Cover "Falling into you"Titel: Falling into you. Für immer wir (Falling into you)

Autor: Jasinda Wilder

Seitenzahl: 314

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich ganz herzlich beim Mira Taschenbuch Verlag für die Übersendung des Buches bedanken!

Handlung:

Schon seit ihrer Kindheit sind Nell und Kyle die besten Freunde. Doch als Nell mit 16 endlich ihr erstes Date mit Kyles bestem Freund Jason haben soll, geschieht schließlich das, worauf das Umfeld der beiden schon seit langem gewartet hat: Nell und Kyle gestehen sich ihre Liebe und sind von nun an ein Paar. Alles könnte perfekt sein, doch dann stirbt Kyle 2 Jahre später bei einem Unfall. Nell ist am Boden zerstört und gibt sich die Schuld am Tod ihres Freundes. Auf der Beerdigung trifft sie auf dessen großen Bruder Colton und zwischen den beiden besteht sofort eine magische Anziehungskraft. Doch Nell darf diesem Drang nicht nachgeben, denn – so findet sie – Glücklichsein hat sie nicht mehr verdient.

Eigene Meinung:

Über das Cover des letzten Mira-Titels, den ich rezensiert habe, konnte ich mich ja nur mäßig begeistert zeigen. Die Gestaltung von „Falling into you“ finde ich aber extrem gelungen, das Cover spricht mich wirklich an. Das geschmackvolle, an den Rändern leicht verschwommene Titelbild drückt wunderbar die Stimmung des Romans aus und dürfte die Zielgruppe sicherlich auf Anhieb ansprechen. Raffiniert ist auch, dass das Cover auch auf der Buchrückseite fortgesetzt wird und erst dort zu sehen ist, dass die junge Frau auf dem Bild ein Herz in der Hand hält. Hier stimmt wirklich alles: Bildauswahl, Farbschema, Schriftart – super! Im Inneren kommt das Buch dann allerdings recht schmucklos daher, aber es kommt ja auch auf den Inhalt an, nicht wahr?

Gerührt hat mich gleich zu Beginn die Widmung der Autorin an all diejenigen, die wissen, was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren. Das schafft sofort einen viel persönlicheren Zugang zur Handlung und die gewählten Worte sind so traurig wie wahr. Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen zeitlichen Ebenen. Es beginnt zunächst mit der Vergangenheit und erzählt, wie Kyle und Nell zueinander gefunden haben. Anschließend springt die Handlung in die Gegenwart, etwa 2 Jahre nach einer schicksalhaften Begegnung zwischen Nell und Colton. Diese beiden sind es auch, die abwechselnd ihre Geschichte erzählen – ein gelungener Aufbau, wie ich finde, denn so ist der Leser bei allen wichtigen Ereignissen hautnah dabei.

Die Protagonisten, zumindest die der Gegenwart, mochte ich sehr. Nell ist ein sympathisches Mädchen, das eigentlich so voller Leben und Energie steckt, das sich seit dem Tod ihres Freundes aber mit furchtbaren Geistern herumschlägt. An Colton gefiel mir, dass er nicht der typische Bad Boy ist. Natürlich hat er Tattoos und macht Musik, auf der anderen Seite ist es ihm aber gelungen, seiner Gang-Vergangenheit den Rücken zuzuwenden. Und seine Schwäche, die man im Verlauf des Romans kennen lernt, macht ihn für mich noch liebenswerter und greifbarer. Kyle hingegen blieb für mich blass und unnahbar. Vielleicht lag es daran, dass ich ihm nur in wenigen Szenen begegnet bin oder daran, dass er damals noch ein Teenager war, aber ich konnte zu ihm keine Beziehung aufbauen. Er wirkte auf mich sehr naiv und, ehrlich gesagt, ein wenig spießig.

Die Handlung an sich hat mich im Verlauf der Geschichte mehrmals zu Tränen gerührt und ich konnte wirklich mit beiden Beteiligten mitfühlen. Nell trägt so unglaublich große Schuld mit sich herum und auch Colton ist im Leben bisher nur wenig Gutes widerfahren. Umso verständlicher, dass die beiden sich zueinander hingezogen fühlen und – wie Colton im Roman sagt – sie sind gut für einander. Dennoch kann ich auch nachvollziehen, wie schwer es ihnen fällt, diese Tatsache zu akzeptieren, denn schließlich waren Kyle und Colton Brüder, wenn auch so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der Schluss der Geschichte kam für mich sehr plötzlich und unerwartet und wenn ich etwas an diesem Roman kritisieren kann, dann wohl dieses. Der Schicksalsschlag, der die beiden ereilt und Coltons Geheimnis, das schließlich ans Licht kommt, waren mir ein wenig zu viel. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn „Falling into you“ ist wirklich das Highlight unter den New Adult-Romanen der letzten Zeit und ich freue mich deshalb schon sehr auf „Falling into us. Dein für immer“, welches im Oktober erscheint und die Geschichte von Jason und Nells Freundin Becca erzählt.

Fazit: eine ganz besondere Liebesgeschichte, die zu Tränen rührt

5K

 

Neu im Bücherregal

Auch dieses Mal habe ich einen wirklich guten Rechtfertigungsgrund, denn es galt mal wieder einen Gutschein zu verbraten und schließlich duften dann diese Schätzchen bei mir einziehen:

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  • Soul Beach. Schwarzer Sand / Kate Harrison
  • Zeitenzauber. Das verborgene Tor / Eva Völler
  • Sieh mich an / Natasha Friend
  • Verliebt in Holly Hill / Alexandra Pilz
  • Dark Village. Zurück von den Toten / Kjetil Johnsen

Wie man sieht, sind es eigentlich fast nur Fortsetzungen zu Reihen. Nur „Sieh mich an“ sticht als Standalone heraus, aber das musste ich nach der begeisterten Meinung einer guten Freundin auch einfach haben. Genauso freue ich mich aber auch, in den anderen Büchern alte Bekannte wieder zu treffen. „Dark Village 04“ ist schon ausgelesen, als nächstes folgt wohl „Soul Beach 02“.

Lieblingsserien #1: Summer Series by Jenny Han

Jenny Han gehört für mich zu den absoluten Neuentdeckungen in diesem Sommer. Im Büchertreff stieß ich schon vor einiger Zeit auf die „Summer Series“ der sympathischen Amerikanerin, doch es sollte noch ein Weilchen dauern, bis ich die wunderschöne, sommerliche englische Ausgabe der Trilogie von meinem SuB befreite. In wenigen Tagen hatte ich schließlich alle drei Bände verschlungen und die Reihe und ihre Charaktere haben einen festen Platz in meinem Herzen erobert.

Handlung:

Die 16-jährige Belly kennt die beiden Brüder Conrad und Jeremiah Fisher schon ihr gesamtes Leben, denn Bellys Mutter Laurel und Susannah, die Mutter der beiden Jungs, sind seit je her beste Freundinnen. Und so verbringt Belly alle Sommer, seit sie denken kann, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Steven im Sommerhaus der Fishers in Cousin’s Beach. Schon seit sie ein kleines Mädchen war, bewundert sie Conrad, den älteren der beiden Brüder, der allerdings in ihr nie etwas anderes gesehen hat, als eine kleine Schwester. Doch diesen Sommer ist auf einmal alles anders: es ist der Sommer, in dem Belly sich von einem hübschen kleinen Mädchen zu einer schönen jungen Frau entwickelt, ein Sommer, in dem ihre Gefühle für Conrad immer wieder auf eine harte Probe gestellt werden. Es ist aber auch der Sommer, in dem Belly erfährt, dass Susannah unheilbar krank ist und dies vielleicht der letzte Sommer ist, den beide Familien so miteinander verbringen werden.

Eigene Meinung:

Beim Kauf standen mir zwei Ausgaben zur Wahl: die weiße, eher schlichte mit den Fotocovern von Simon & Schuster Books for Young Readers und die farbenfrohe von Razor Bill (Penguin). Meine Wahl fiel auf letztere, da sie in meinem Augen das sommerliche Thema perfekt herausstellt. Jeder Band der Reihe hat eine andere Grundfarbe und ein anderes Basismotiv: Band 1 ist himmelblau mit Blumen, Band 2 orange mit Herzen und Band 3 hellrot mit Hufeisen und Glöckchen. Die knallig pinke Schrift lässt dabei an der Zielgruppe keinen Zweifel, es sind ganz klar Bücher für Mädchen bzw. jungen Frauen.

    

Die „Summer Series“ lebt von ihren wunderbaren Charakteren. Mit Belly konnte ich mich von Anfang an identifizieren; in Band 1 ist sie ein typischer Teenager, der zwischen dem Drang erwachsen zu sein und dem Wunsch, für immer Kind bleiben zu können, hin- und herschwankt. Sie ist eine treue Seele, ihr Herz hat sie schon seit Jahren an Conrad verschenkt, auch wenn der ihre Gefühle bisher nicht erwidert hat. Zu Jeremiah hingegen verbindet sie eine tiefe Freundschaft, die beiden sind sich in vielen Dingen ähnlich und verstehen sich oft ohne Worte. Die „Fisher Boys“ sind ebenfalls sehr interessante Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Conrad der stillere, zurückgezogenere von beiden ist, hat Jeremiah stets einen Scherz auf den Lippen und sprüht nur so vor Energie. Da sind Konflikte natürlich vorprogrammiert und Belly gerät immer wieder zwischen die Fronten. Tolle Figuren sind darüber hinaus auch die beiden Mütter Laurel und Susannah. Selbst die besten Freundinnen lieben sie die Kinder der jeweils anderen wie die eigenen und bilden so eine einzige große Familie.

Die Handlung wird immer abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt, mal von Belly, mal von Jeremiah oder Conrad. So erlebt der Leser die Geschichte nicht nur aus einem Blickwinkel, sondern hat die Chance, jeden der 3 Protagonisten besser kennen zu lernen und die Dinge aus seiner Sichtweise zu betrachten. Dementsprechend ist die Sprache, an die jugendlichen Erzähler angepasst, eine einfache und schnörkellose, die dennoch oft eine unglaubliche Tiefe hat und Sätze hervorbringt, die einem die Tränen in die Augen treiben. Vor allem diese Stelle ist mir im Gedächtnis geblieben:

It was a summer I’d never, ever forget. It was the summer everything began. It was the summer I turned pretty. Because for the first time, I felt it. Pretty, I mean. Every summer up to this one, I believed it’d be different. Life would be different. And that summer it finally was. I was. 

Die Reihe begleitet die beiden Familien über mehrere Jahre hinweg, in denen viele schöne, aber auch traurige Dinge geschehen. Susannahs Krankheit spielt ebenso eine Rolle wie die Dreiecksgeschichte zwischen Belly, Conrad und Jeremiah. Als Leser erlebt man hautnah mit, wie die Teenager erwachsen werden, wie sie sich durch Schicksalsschläge verändern, wie sie ihren Abschlussball erleben und aufs College gehen. Aber auch die Erwachsenen haben ihr Päckchen zu tragen. Während Susannah von ihrem Mann betrogen und allein gelassen wird, haben Bellys Eltern sich auseinandergelebt. Im Zentrum all dieser Handlungselemente steht dabei immer der Sommer und das Haus in Cousin’s Beach, das zu einem Symbol für eine Zeit geworden ist, in der beide Familien noch glücklich waren. In den Abschnitten, die nicht dort, sondern im Alltag spielen wird deutlich, wie viel dieser Ort eigentlich bedeutet und wie fehl am Platze sich vor allem Belly oft fühlt, wenn sie wieder in New York ist. In Cousin’s Beach ist sie zuhause, hier ist ihr Rückzugsort, wenn sie vor der Welt da draußen fliehen will.

Die eigentlich Liebesgeschichte ist sehr einfühlsam geschildert. Auch wenn jeder Leser unter den beiden Brüdern sicher einen Favoriten hat, so sind Bellys Gefühle und ihre Verwirrtheit stets nachvollziehbar und wirken nicht übertrieben. Ich konnte gut verstehe, was sie an Conrad fasziniert, ebenso aber, was sie in Jeremiah sieht. Gerührt hat mich dabei immer wieder ihr Bruder Steven, der trotz der tiefen Freundschaft zu beiden immer wieder klarstellt: „Du bist meine kleine Schwester, Dein Glück kommt an erster Stelle für mich.“ Am Ende des dritten Bandes steht eine Hochzeit, ich will hier aber natürlich nicht verraten, für welchen Bruder sich Belly entscheidet und ob vielleicht nicht doch noch ein anderer Mann ihr Leben tritt. Nur so viel: ich war mit Schluss zufrieden, auf der anderen Seite aber auch wehmütig, weil ich gerne mehr von Belly und den „Fisher Boys“ gelesen hätte.

Reihenfolge:

1. The summer I turned pretty / Der Sommer, als ich schön wurde
2. It’s not summer without you / Ohne Dich kein Sommer
3. We’ll always have summer / Der Sommer, der nur uns gehörte

Fazit: Die perfekte Trilogie für den Sommer, die durch großartige Charaktere besticht.

Die Toten von Sandhamn / Viveca Sten

Titel: Die Toten von Sandhamn (I grunden utan skult)

Autor: Viveca Sten

Seitenzahl: 349

Woher ich es habe: bei Vorablesen gewonnen

„Die Toten von Sandhamn“ ist nach „Tödlicher Mittsommer“ und „Tod im Schärengarten“ der dritte Band der Reihe um den Kommissar Thomas Andreasson und seine Jugendfreundin Nora Linde. Immer, wenn ich einen neuen Band der Reihe nach dem Lesen zuschlage, wünsche ich mir, ich würde die schwedische Sprache beherrschen, denn im Original sind bereits 4 Bände erschienen und die Autorin schreibt an Band 5.

Handlung:

Auf Sandhamn verschwindet eines Winterabends die 20-jährige Lina. Thomas nimmt mit seinen Kollegen die Ermittlungen auf, doch die junge Frau bleibt verschwunden. Einige Monate später machen ausgerechnet Noras Söhne beim Spielen im Wald eine grausame Entdeckung: Linas abgetrennten Arm. Während Nora nun neben der Trennung von Henrik auch noch mit den Ängsten ihrer Kinder zurechtkommen muss, folgt Thomas der Spur des Täters, die ihn weit in die Vergangenheit zurückführen wird. Und auch im Privatleben des sympathischen Kriminalkommissars geht es turbulent zu, denn ihm steht das erste Treffen mit seiner Ex-Frau Pernilla bevor, seit die beiden ihre gemeinsame Tochter zu Grabe tragen mussten.

Eigene Meinung:

Endlich gibt es neuen Lesestoff von Thomas und Nora! Die beiden sind mir im Verlauf der Reihe wirklich ans Herz gewachsen, weil sie keine Übermenschen sind, sondern wie Du und Ich mit alltäglichen Problemen zu kämpfen haben. So muss Nora beispielweise in diesem Band erfahren, dass ihr Ehemann Henrik sie ganz klischeehaft mit einer Krankenschwester betrügt. Das versetzt der Beziehung, die bereits seit Band 2 gebröckelt hatte, den Gnadenstoß und Nora sieht sich bereits als allein erziehende Mutter. Zu allem Überfluss mischt sich auch noch Noras herrische Schwiegermutter in alles ein – ich fühle wirklich mit ihr! Thomas hingegen hatte sich schon im letzten Band von seiner Freundin Carina getrennt. Noch immer hat er unter dem Tod seiner kleinen Tochter zu leiden, für den er indirekt seine Ex-Frau verantwortlich macht. Doch als er Pernilla bei einem gemeinsamen Essen zum ersten Mal seit Jahren wiedersieht, muss er sich eingestehen, dass er ihr gegenüber vieles falsch gemacht hat. Und auch Pernilla kann Thomas einfach nicht vergessen. Es ist den beiden wirklich zu wünschen, dass sie wieder zueinander finden, auch wenn ich noch nicht recht daran glauben kann.

Die Kriminalhandlung ist dieses Mal relativ unspektakulär: ein Mädchen aus gutem Elternhaus verschwindet und Monate später wird ein Körperteil von ihr vergraben im Wald gefunden. Die Ermittlungen stagnieren jedoch, das Team um Thomas findet einfach nicht die richtigen Hinweise und ausgerechnet der Hauptverdächtige hat ein Alibi für die Tatzeit. In Einschüben wird außerdem die Geschichte des jungen Gottfrid und seiner Frau Vendela erzählt. Vom Tod seines Vaters an begleitet der Leser Gottfrid durch die Jahre und muss erleben, wie dieser seine Frau und seinen Sohn misshandelt, die Tochter aber vergöttert. Lange Zeit werden die Handlungsstränge parallel geschildert und erst am Schluss des Romanes wird eine Verbindung zur Gegenwart hergestellt.

Persönlich fand ich die Reise in die Vergangenheit Sandhamns zwar interessant, aber irgendwie fehlte mir der Charme und die einzigartige Atmosphäre auf der kleinen Schäreninsel. In den ersten beiden Bänden war diese so perfekt eingefangen, dass man als Leser das Gefühl hatte, selbst dort zu sein und jeden Bewohner und jedes Fleckchen der Insel zu kennen. In diesem Band bleibt Sandhamn für mich sehr blass und wenig greifbar. Eigentlich ist die Insel auch nur schmückendes Beiwerk, denn die Handlung hätte so an jedem Ort der Welt geschehen können und das ist leider nicht das, was ich von Viveca Sten gewohnt bin. Bei der Stange hielt mich so vor allem die Neugier, wer für Linas Tod verantwortlich ist und wo die Verbindung zu den Einschüben aus der Vergangenheit liegt. Und natürlich wollte ich ebenso wissen, wie es Thomas und Nora weiter ergehen würde.

Die Auflösung war für mich dann auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Erzählte tatsächlich der Grund für solch ein grausames Verbrechen sein kann, aber vielleicht kann ich mich auch nicht ausreichend in die Figuren hineinversetzen. Ihr Leben ist mir doch recht fremd. Und natürlich ist es auch wieder Nora, die die entscheidenden Impulse gibt, den Täter zu stellen. Manchmal fragt man sich doch, wozu die Kriminalpolizei noch gebraucht wird, wenn es doch immer Laien sind, die die Lösung des Falles herbeiführen. Was meine beiden Lieblingsprotagonisten angeht, so endet der Roman zumindest für einen von beiden mit einem riesigen Cliffhanger, der mich verzweifeln lässt, denn auf die deutsche Übersetzung von Band 4 werde ich wohl noch ein gutes Jahr warten müssen. Und dann hoffe ich auch, dass Viveca Sten zu ihrer alten Form zurückgefunden hat.

Fazit: Der schwächste Band der Reihe, der Fans der Reihe aber sicherlich trotzdem in seinen Bann ziehen wird.

Die Stadt der Toten / Sara Gran

Titel: Die Stadt der Toten (Claire DeWitt and the City of the Dead)

Autor: Sara Gran

Seitenzahl: 361

Woher ich es habe: Im Rahmen einer Testlesteraktion wurde es mir vom Droemer Verlag zugeschickt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken!

„Die Stadt der Toten“ ist der Debütroman der Amerikanerin Sara Gran und damit der Auftakt zu einer ganzen Reihe um „die beste Ermittlerin der Welt“ Claire DeWitt.

Handlung:

Der Hurricane Katrina hat ganz New Orleans verwüstet und seine Bewohner in den Trümmern ihrer Existenz zurückgelassen. In dieser unwirklichen Szenerie ermittelt Claire DeWitt, die sich als die beste Detektivin der Welt bezeichnet. In ihrem neuesten Auftrag soll Claire den verschollenen Staatsanwalt Vic Willing finden, der seit dem Tag nach Katrina verschwunden ist. Und so macht sich unsere Ermittlerin auf den Weg durch das Chaos New Orleans, immer begleitet von „Détection“, ihrer Detektiv-Bibel und ihren I-Ging-Münzen. Doch noch ahnt Claire DeWitt nicht, in welche Abgründe sie die Suche nach dem bekannten Anwalt führen wird.

Eigene Meinung:

Die Gestaltung des Romans fällt auf jeden Fall sofort ins Auge. „Die Stadt der Toten“ wartet mit einem farbenfrohen Cover in knalligen Rot- und Orangetönen auf, die Schrift ist klar und modern. Was mir ebenfalls sehr gut gefällt, sind die abgerundeten Ecken und oben leicht angeschnittenen Kapitelnummern. Das gesamte Buch wirkt einfach sehr frisch und unkonventionell. Im Inneren geht es ebenso unkonventionell weiter. Claire DeWitt ist eine seltsame Heldin, die man nicht unbedingt auf den ersten Blick ins Herz schließt. Sich selbst bezeichnet sie als die beste Detektivin der Welt, was von vielen anderen Figuren im Roman auch so bestätigt wird. Wie Claire zu eben jenem Ruhm gekommen ist, wird für mich leider nicht deutlich. Ihre Methoden sind mehr als wunderlich – hauptsächlich Esoterik und Drogen – und zur Lösung ihres Falles gelangt sie nur durch Hinweise, die andere für sie hinterlassen haben. Darüber hinaus hat sie oft ein sehr unangenehmes, fast herrisches Wesen, aber ich denke, sie wurde von der Autorin bewusst als Widerspruch gestaltet: die erfolgreiche Detektivin auf der einen und die verzweifelte junge Frau auf der anderen Seite, die ihren eigenen, wichtigsten Fall bisher nicht lösen konnte.

Die sprachliche Gestaltung des Romans ist gewöhnungsbedürftig. Oftmals wird eine Vielzahl von kurzen Sätzen einfach stakkatohaft aneinandergereiht, so dass das Geschehen sehr gedrängt und gehetzt wirkt. Allerdings werden auch immer wieder Dinge in beinahe epischer Breite erzählt, von denen man lange Zeit nicht weiß, wo sie hinführen sollen. Manche Schilderungen ergeben erst nach vielen weiteren Kapiteln einen Sinn, andere sind mir auch nach Abschluss des Romans nicht klarer geworden. Generell ist die Sprache eine sehr karge, wenig schmucklose, was aber gut zur Gesamtstimmung des Romans passt. Einige Szenen sind hingegen sehr eindringlich beschrieben und gehen dem Leser wirklich nahe.

Der Kriminalfall, der die Handlung bestimmt, ist durchaus interessant. Claire versucht mit Hilfe von Zeugen, die sie nach und nach befragt, den letzten Tag im Leben des Anwalts zu rekonstruieren. Dabei gerät sie selbst in die Schusslinie und muss sich aus einigen brenzligen Situationen retten. Doch Claire wäre nicht die beste Ermittlerin der Welt, wenn sie nicht auch diese Probleme mit viel Alkohol, Drogen und einem Gespräch mit ihrer toten Lehrmeisterin Constance lösen würde. Mir persönlich hätte hier etwas mehr Realismus gut gefallen, denn es erschließt sich mir nicht, wie man mit einem solchen Lebenswandel angeblich so gute detektivische Arbeit leisten kann. Zumindest wurde mir jedoch klar, weshalb Claire so wenige Freunde hat und ohne Partner ist – sie ist wirklich sehr….speziell.

Trotz aller Skurrilität werden doch auch einige wichtige Themen angesprochen; für mich waren das die Highlights des Romans. Es gelingt Sara Gran nämlich auf sehr eindringliche Weise zu schildern, was Katrina mit New Orleans und einen seinen Bewohnern angestellt hat. Sie beschreibt die Angst der Menschen vor den nicht enden wollenden Fluten, den Verlust von Habe und Familie. Sie schildert eine Ausnahmesituation, in der Feiglinge zu Helden werden, die vielen, vielen Menschen das Leben retten und andere wieder zu selbstsüchtigen Verbrechern macht. Ebenso wird von der schwarzen Jugend in New Orleans erzählt, die vergeblich versucht einen Ausweg aus dem Sumpf von Kriminalität, Gewalt und Drogen zu finden. Besonders das Schicksal von Andray und Terrell ist mir sehr zu Herzen gegangen.

Der Schluss des Romans kam für mich nicht allzu plötzlich, denn er hatte sich über lange Strecken des Romans hinweg bereits angedeutet. Dennoch ließ er mich ernüchtert zurück, so als dürfe die Geschichte jetzt und vor allem so noch nicht zu Ende sein. Aber genau diese Ernüchterung ist es, die dem Roman seine Tiefe verleiht. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Bänden noch einige Rätsel für mich lösen werden und ich vielleicht noch einen etwas besseren Zugang zu Claire DeWitt finden werde.

Fazit: Ein skurriler, stellenweise wirrer Kriminalroman, der seine Tiefgründigkeit hinter einer verschrobenen Protagonistin und absurden Handlungselementen versteckt.