Tag-Archiv | Magie

Forever. Das ewige Mädchen / Rebecca Hamilton

Cover Forever. Das ewige MädchenTitel: Forever. Das ewige Mädchen

Autor: Rebecca Hamilton

Seitenzahl: 411

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich bei DARKISS für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

„Forever. Das ewige Mädchen“ ist der erste Band der Forever Girl-Reihe. Im englischen Original ist neben Band 1 bereits ein Ebook bzw. Paperback  erschienen, dessen Handlung zwischen dem ersten und dem zweiten Teil angesiedelt ist. Band 2 soll in den USA noch diesen Winter erscheinen. Die Autorin selbst lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Florida. Der Autismus ihres Sohnes soll sie dazu inspiriert haben, Geschichten zu schreiben, die die Welt aus den Augen von Andersartigen betrachten. Das ist ihr in „Forever. Das ewige Mädchen“ mit Sophia durchaus gut gelungen.

Handlung:

Sophia weiß, dass die Menschen in ihrer Kleinstadt sie für eine böse Hexe halten und sie meiden, wo es nur geht. Dabei praktiziert die 22-Jährige einfach nur friedlich ihren Wicca-Glauben und würde keiner Fliege etwas zu leide tun. Nur ihre beiden Freundinnen Ivory und Lauren stehen Sophia zur Seite, sogar ihre Mutter hat sich den Anfeindungen durch die örtliche Kirchengemeinde angeschlossen und verurteilt den Lebensstil ihrer Tochter. Zu allem Überfluss hört Sophia seit ihrem 18. Geburtstag auch noch Stimmen, die in der letzten Zeit immer lauter zu werden scheinen. Wird sie etwa langsam verrückt oder was hat es mit diesen Geräuschen in ihrem Kopf auf sich? Als Sophia dann bei einem Club-Besuch mit Ivory Charles kennen lernt, wird ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Forever. Das ewige Mädchen“ fügt sich wunderbar in das Gesamtprogramm von DARKISS ein, übrigens ein Imprint von Mira Taschenbuch. Mit seinen düsteren Farben und der verschnörkelten Schrift stimmt es auf die Handlung ein, denn die ist wirklich dunkel und magisch zu gleich. Auch die junge Frau auf dem Titel ist gut gewählt, es könnte wirklich Sophia sein, die uns da ein wenig skeptisch, aber auch sehnsüchtig entgegen schaut. Im Inneren ist die Gestaltung, bis auf den ersten Buchstaben jedes Kapitels, recht schmucklos. Schade, man hätte hier ohne Weiteres noch mit den Schnörkeln und Ranken auf dem Titel weiterarbeiten können.

Die Geschichte wird aus Sophias Sicht in der Ich-Perspektive, mit einigen Rückblenden in die Vergangenheit, erzählt. So wird von Anfang an ein näherer Bezug zu der jungen Frau geschaffen und der Leser erfährt all ihre Gedanken, Ängste und Wünsche. Trotz aller Anfeindungen, ja all dem Hass, der ihr entgegen schlägt, ist Sophia außerordentlich sanftmütig geblieben. Der fanatischen Christin Mrs. Franklin, die sie zum Verkauf ihres Hauses bewegen will, tritt sie mit einer gehörigen Portion Gleichmut entgegen und auch mit ihrer Mutter zeigt sie eine Menge Geduld. Es ist wirklich bezeichnend, dass die „Dorfhexe“ sich hier, obwohl sie Wicca-Anhängerin ist, als eine bessere Christin präsentiert, als die beiden Katholikinnen zusammen. Aber gut, das hat religiöser Fanatismus wohl so an sich. Am meisten machen Sofia jedoch die Stimmen in ihrem Kopf zu schaffen, die sich als lautes Summen äußern. Niemandem kann sie davon erzählen, wenn sie nicht riskieren will, verlassen zu werden. Diese Angst lässt Sophia zu Beginn des Romans unglaublich einsam werden.

Die Situation ändert sich, als sie eines Abends Charles trifft. Der junge, gut aussehende Mann verhält sich ihr gegenüber sehr zwiegespalten: mal fühlt er sich von ihr verfolgt, mal sucht er ihre Nähe. Mal zieht er sie an sich, mal stößt er sie weg. Und weil die Handlung eben nur aus Sophias Perspektive erzählt wird, bleibt der Leser über Charles Absichten ebenso im Dunkeln wie sie. Nur eines ist relativ schnell klar: Charles ist kein gewöhnlicher Mensch und auch an Sophia hat er etwas Besonderes entdeckt. Schon bald nähern sich die beiden – trotz des anfänglichen Hin und Hers – an und geben zusammen ein wirklich starkes Paar ab. Doch noch ist nicht klar, ob die beiden in der Lage sein werden, die Hindernisse zu überwinden, die sich ihnen in den Weg stellen. Denn nicht alle sind den beiden Liebenden wohlgesonnen.

Es ist keine völlig neue Welt, die Rebecca Hamilton da erfindet. Einige Geschöpfe sind Fans von Paranormal Romance so oder ähnlich auch schon in anderen Reihen begegnet. Dennoch entwickelt die Autorin ein paar interessante Ideen, die auf den weiteren Verlauf der Reihe neugierig machen. Denn nach dem ersten Band ist zwar der Haupthandlungsstrang um Sophia und Charles abgeschlossen, doch einiges bleibt ungeklärt und weist darauf hinaus, was in den nächsten Bänden geschehen könnte. Alles in allem ist „Forever. Das ewige Mädchen“ auf jeden Fall ein gelungener Serienauftakt, nach dem es sich lohnt, auch die restlichen Bände im Auge zu behalten – in der Hoffnung, noch ein wenig mehr von den lieb gewonnenen Charakteren wie Sophia, Charles, Adrian, aber auch Lauren zu erfahren.

Fazit: ein interessanter erster Band, der Lust auf die gesamte Reihe macht

4K

Trix Solier. Odyssee im Orient / Sergej Lukianenko

Titel: Trix Solier. Odyssee im Orient (Neposeda / Непоседа)

Autor: Sergej Lukianenko

Seitenzahl: 589

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten.

Ich möchte mich recht herzlich beim Beltz Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Trix Solier“ ist der zweite Teil der Reihe um den jungen Zauberlehrling Trix und seine Freunde. Leider scheint dieser Band die Reihe auch schon abzuschließen, so lauten zumindest die Quellen, die ich im Internet dazu finden konnte. Schade, ich hätte gerne noch mehr von Trix, Tiana, Klaro und all den anderen gelesen. Aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist, nicht wahr?

Handlung:

Nach seinen Abenteuern in Band 1 ist Trix inzwischen wieder in den Turm seines Mentors Radeon Sauerampfer zurückgekehrt. Die Handlung setzt zur Jahreswende ein, genauer gesagt kurz vor dem Alten Neuen Jahr. Während Sauerampfer zu einer Neujahrsfeier gegangen und sogar Annette, Trix Blumenfee, ausgeflogen ist, um das Neue Jahr gebührend zu begrüßen, findet sich Trix allein und verlassen wieder. Doch diese Einsamkeit ist nur von kurzer Dauer, denn schon wenige Augenblicke später landet ein echter, wenn auch noch recht junger Drache auf dem Turmdach. Ilin Badulla Mummrich, so der wahre Name des Drachen, hat sich von zuhause fortgestohlen, um den großen Magier Sauerampfer um Hilfe zu bitten. Und da dieser verhindert ist, liegt es nun an seinem Lehrling Trix, an dessen Stelle nach Samarschan und den Drachen zur Hilfe zu heilen, denn der böse Zauberer Abrakadasab, genannt der Mineralisierte Prophet, will die gesamte Welt unterwerfen. So macht Trix sich auf Ilins Rücken auf eine abenteuerliche Reise, auf der er alte Freunde aber auch Feinde wiedersehen wird. Eine Reise, die ihn durch Wüsten und Oasen führen wird, auf der er sich auf Drachen, Kamelen, Besen und sogar in einem Automobil fortbewegt, eine Reise, die ihn so manchem Gegenspieler, aber vor allem sich selbst näherbringt.

Eigene Meinung:

Band 2 der Reihe um Trix setzt kurz nach den Geschehnissen von Band 1 ein und führt die Geschichte in gewohnter, wenn nicht noch höherer Qualität fort. Die liebevolle äußere Gestaltung der Bände spiegelt sich auch im Inneren wider und ich muss gestehen, dass ich keine Jugendbuchreihe kenne, deren Sprache und Stil mit „Trix Solier“ zu vergleichen sind. Sprachlich anspruchsvoll, gespickt mit Fremdworten und einem durchaus komplexen, kunstvollen Satzbau hebt sie sich deutlich von dem ab, was man als Leser dieses Genres sonst gewohnt ist. Ein Lob an die Übersetzerin Christiane Pöhlmann, der es gelungen ist, Lukinanenkos Wortwitz und seine phantasievollen Ideen so gekonnt ins Deutsche zu übertragen. Denn davon lebt „Trix Solier“ in meinen Augen, von den Anspielungen an das Fantasy-Genre, sei es an gängige Klischees oder bekannte Werke wie Tolkiens „Herr der Ringe“ oder Rowlings „Harry Potter“. Mit einem herrlich ironischen, humorvollen Unterton nimmt der Autor die phantastische Literatur aufs Korn, zeigt aber auch in jeder Szene, in jedem Satz gleichzeitig seine Liebe zum Genre. Einzig einige Fremd- bzw. etwas altmodisch anmutende Wörter wie „polken“, „bullern“ oder „barmen“ hätten doch durch etwas modernere Ausdrücke ersetzt werden können. Denn sie können zwar mehr oder minder aus dem Zusammenhang erschlossen werden, jedoch ist die eigentlich Zielgruppe des Romanes ja doch etwas jünger und wird vermutlich über diese Formulierungen stolpern. Zumindest ein Glossar am Ende des Romans wäre wünschenswert gewesen.

Neben Sprache und Stil ist ein weiteres großes Plus, dass nahezu alle lieb gewonnen Figuren aus dem ersten Band wieder auftauchen, seien es die Fürstin Tiana, der freche kleine Hallenberry oder der grausame Vitamant Gavar. Hinzukommt eine Reihe neuer Charaktere, die man ebenso sofort ins Herz schließt wie den Drachen Ilin, die Zwergin Gruja oder den Händler Wasab. Jede Figur ist bis ins Detail ausgearbeitet und so lebhaft beschrieben, dass man sie als Leser klar vor Augen hat. Darüber hinaus versteht Lukianenko es auch, seine Figuren nicht nur schwarz-weiß zu zeichnen, sondern auch Grautöne zuzulassen. So gibt es im Verlauf des Romans immer wieder Momente, in denen man Trix, einem absoluten Sympathieträger, gerne einmal einen Tritt verpassen möchte, denn seine intelligente, wortgewaltige Art schlägt doch leicht ins Besserwisserische um. Auf der anderen Seite ist es ein Leichtes, an eigentlich „bösen“ Protagonisten wie Gavar, Abrakadasab oder Trixs Cousin Derrick etwas Liebens- und Bewundernswertes zu finden. So bleibt die Geschichte stets spannend und abwechslungsreich.

Die Verlagerung der Handlung in das orientalische, wüstenhafte Samarschan gibt ihr einen Anstrich von Tausendundeiner Nacht. Man fühlt sich wie in ein Märchen versetzt und möchte gerne selbst durch Dachrians Basare streifen, sich mit einer Karawane auf die Reise begeben und einen echten Dschinn kennen lernen. Und die Geschichte hat ja auch wirklich alles, was ein guter Abenteuerroman braucht: verschiedene Völker (Drachen, Gnome, Nixen, Dschinns und Minotauren), Gegenspieler und echte Freunde, kluge Herrscher und Despoten, Kämpfe, Rätsel und natürlich auch ein wenig Liebe. Im Verlauf der Handlung ist jedoch deutlich zu spüren, dass unser Protagonist sich weiterentwickelt hat. War Trix noch im ersten Band ein verwöhnter, extrem selbstverliebter kleiner Zauberlehrling aus gutem Hause, so beginnt er sich doch auf seiner Reise zu verändern – und das liegt nicht nur an seiner zarten Liebe für die Fürstin Tiana. Trix ist erwachsener geworden, er beginnt sich über die Welt und ihre Zusammenhänge Gedanken zu machen.  Nicht umsonst hat Sergej Lukianenko „Trix Solier“ in einem Interview einmal einen Adoleszenzroman genannt und ich muss gestehen: der ernste, der bedachtere Trix, der bedingungslos für seine Freunde einsteht und auch einmal Fehler zugeben kann, gefällt mir klar besser.

Mit „Trix Solier. Odyssee im Orient“ ist dem Autor wirklich eine Fortsetzung gelungen, die dem Vorgängerband in nichts nachsteht – im Gegenteil; für mich war Band 2 noch phantasievoller, noch witziger, noch intelligenter als Band 1 und sogar mit dem Ende des Romans war ich vollauf zufrieden, obwohl ich da doch immer sehr kritisch bin. Schon lange nicht mehr habe ich über ein Jugendbuch so gelacht, vor allem die Szene vor den Toren der alten Hauptstadt (Wer den Roman bereits gelesen hat, wird wissen, was ich meine!) und die Geschehnisse in der Assassinenschule sind einfach grandios. Ich wünschte wirklich, es gäbe noch weitere Bände, denn ich bin so gespannt, was weiter mit Trix und seinen Freunden, aber auch seinen Feinden geschieht.

Fazit: ein außergewöhnliches Jugendbuch, das mit seinem Humor und seinen Charakteren begeistert!

Sixteen Moons / Kami Garcia & Margaret Stohl

Titel: Sixteen Moons. Eine unsterbliche Liebe (Beautiful Creatures)

Autoren: Kami Garcia & Margaret Stohl

Seitenzahl: 544

Woher ich es habe: bei Arvelle gekauft

„Sixteen Moons“ ist Band 1 der Reihe um Ethan und Lena. Auf Deutsch ist auch schon der zweite mit dem Titel „Seventeen Moons“ erschienen, im Original sind bereits 3 Bände erhältlich.

Handlung: 

Nach dem Tod seiner Mutter lebt der 16-jährige Ethan allein mit seinem Vater in dem kleinen amerikanischen Städtchen Gatlin. Ethans Vater, ein Schriftsteller, kann den Verlust seiner Frau einfach nicht ertragen und zieht sich deshalb tagelang in sein Arbeitszimmer zurück. Seinen Sohn nimmt er kaum noch wahr. Ethans Halt und seine einzigen festen Bezugspersonen sind die Haushälterin Amma, die für Ethan wie eine Großmutter ist, und sein bester Freund Link. Nachts träumt der Junge immer wieder denselben Traum, in dem er versucht, ein ihm unbekanntes Mädchen zu retten. Eines Tages sieht sich Ethan überraschender Weise genau diesem Mädchen gegenüber, denn Lena ist seine neue Mitschülerin. Doch Lena scheint etwas zu verbergen…

Eigene Meinung:

Die Handlung wird aus Ethans Perspektive in der Ich-Form erzählt. Er ist ein starker Charakter mit einer sehr sympathischen Art, die den Leser sofort für ihn einnimmt. Man kann aus jedem Wort, aus jeder Zeile einen intelligenten, jungen Mann herauslesen, der sich in seinem momentanen Leben gefangen fühlt. Denn Gatlin, die Kleinstadt, in der er lebt, bietet nicht gerade ein ereignisreiches Leben. Neuen Gesichtern begegnen die Bewohner grundsätzlich mit Argwohn. Das muss auch Lena feststellen, der noch dazu der Makel anhaftet, die Nichte des „verrückten“ Macon zu sein, der am Stadtrand in einer düsteren Villa haust. Mit Lenas Auftauchen wird Ethan noch deutlicher, wie unwohl er sich eigentlich in Gatlin fühlt und wie lange er die Grüppchenbildung und die Ablehnung Menschen gegenüber, die anders sind, schweigend hingenommen hat. Also stellt er sich auf die Seite von Lena und ihrer Familie und wird damit in der Kleinstadt immer mehr zum Außenseiter.

Ich muss gestehen, dass die Konstruktion der Handlung für mich doch etwas klischeehaft anmutet. Ethan lebt in einer amerikanischen Kleinstadt, in der es vor verbohrten und ignoranten Bewohnern nur so wimmelt. Noch dazu hat er seine Mutter unter seltsamen Bedingungen verloren, der Kontakt zu seinem Vater ist nahezu unmöglich. In dieser Situation beginnen auch seine Träume von Lena, aus denen er nachts oft aufschreckt, nur um dann festzustellen, dass Spuren des Traums in seinem Zimmer und an seiner Kleidung zurückgeblieben sind. Ein gängiges Motiv, das ich so oder so ähnlich schon in einer Vielzahl von Jugendbüchern gelesen habe. Noch dazu weiß Ethan natürlich schon bei der ersten Begegnung, dass Lena die Liebe seines Lebens ist, auch wenn die mit ihrem Verhalten und Charakter im Allgemeinen nicht unbedingt besticht.

Die Idee der hellen und dunklen Caster, die ihr Schicksal nicht selbst in die Hand nehmen können, war für mich zwar interessant, dennoch wurde für mich nur wenig greifbar, was einen Caster nun ausmacht und was ihn von anderen Fantasygestalten wie den Magiern oder Zauberern unterscheidet. Wie sind die Caster entstanden? Woher kommen sie? Was ist ihre Aufgabe in der Welt? All diese Fragen drängten sich mir im Verlauf der Handlung geradezu auf – beantwortet wurde nicht eine davon! Ebenfalls gestört hat mich, wie in der gesamten Handlung über Ethan gesprochen und wie er beurteilt wird. Immer wieder wird von den unterschiedlichsten Personen betont, dass Ethan im Gegensatz zu Lena „nur ein normaler Sterblicher“ sei, dass er zu schwach sein könnte, um Lenas Schicksal zu tragen. Eine Aussage, die mich wahnsinnig geärgert hat, zumal Ethan derjenige ist, der am meisten Aktion zeigt. Er ist derjenige, der handelt, wenn die versammelten Caster mit einer Situation überfordert sind. Er ist es, der Lena mit allen Mitteln zu schützen versucht, wenn die sich mal wieder in ein Häufchen Selbstmitleid verwandelt hat. Meiner Meinung nach sind es auch gerade die menschlichen Charaktere wie Link, Amma oder Marian, die die Handlung tragen und bestimmen, wenn man einmal von Macon absieht.

Der Schluss des Romans hat mich natürlich traurig gestimmt, auf der anderen Seite war ich aber auch enttäuscht. Ich hatte gehofft, dass das eine oder andere Rätsel der Handlung aufgeklärt wird, doch an sich haben die beiden Autorinnen das Meiste einfach nur in den nächsten Band aufgeschoben. Denn im Detail betrachtet hat sich die Situation der beiden Protagonisten nicht sehr verändert. Falls ich Band 2 also noch lesen werde, dann hoffe ich auf einige Erklärungen und auf eine stärkere Wertschätzung Ethans.

Fazit: Ein solides Jugendbuch, das jedoch an einigen Klischees krankt und nur durch einige starke Charaktere aufgewertet wird.

Die Flüsse von London / Ben Aaronovitch

Titel: Die Flüssen von London (Rivers of London)

Autor: Ben Aaronovitch

Seitenzahl: 478

Woher ich es habe: Selbst gekauft

„Die Flüsse von London“ ist der Debütroman des britischen Autors Ben Aaronovitch und Teil 1 der Reihe um den Constable Peter Grant. Der 2. Band – „Schwarzer Mond über Soho“ soll im Juli auf Deutsch erscheinen, bereits im Juni 2012 wird Gollancz den 3. Band mit dem Titel „Whispers under ground“ im Original herausgeben.

Handlung:

Peter Grant ist frisch ernannter Constable in London. Während  seine Kollegin und gute Freundin Lesley sich nach und nach zum Liebling ihres Vorgesetzten mausert, erscheint er selbst immer unkonzentriert und geistig abwesend. Deshalb soll er auch auf einen langweiligen Schreibtischposten abkommandiert werden, bis er eines Tages bei einer Mordermittlung in Covent Garden feststellt, dass er Geister sehen kann. Prompt erhält Peter ein Jobangebot: er soll bei Inspektor Thomas Nightingale in die Lehre gehen, dem letzten Zauberer Englands. Gemeinsam versuchen die beiden nun, den Mörder zu stellen, denn dieser macht nicht den Eindruck, als würde er sich mit einem Opfer zufriedengeben.

Eigene Meinung:

„Die Flüsse von London“ wird ausschließlich aus der Sicht des Protagonisten Peter erzählt und spielt im London der Gegenwart. Der Schreibstil ist witzig, fantasievoll und herrlich selbstironisch. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf andere Vertreter des Genres, zum Beispiel auf Harry Potter, und die Sprache ist eine sehr moderne. Gepaart mit den magischen Elementen und den Rückblenden in Londons Vergangenheit ergibt sich eine interessante Mischung, die den Leser zu unterhalten weiß.

Die Figuren sind von den Protagonisten bis zu den Nebencharakteren grandios entworfen. Allen voran Constable Peter Grant, der sein neues Leben als Zauberlehrling mit erstaunlicher Gelassenheit erträgt, anstatt alles zu hinterfragen. Sein Meister hingegen ist zwar sehr charismatisch, hält sich aber über seine Vergangenheit oft bedeckt. Zum Beispiel wird den ganzen Roman über das Rätsel nicht gelüftet, wie alt Nightingale denn nun tatsächlich ist. Zu meinen Lieblingsfiguren gehören weiterhin die strebsame, aber loyale Lesley, die Haushälterin Molly, die den gesamten Roman über kein einziges Wort spricht und natürlich Toby, der Hund.

Die Haupthandlung um die Serie von Mordfällen wird immer wieder von einem Nebenstrang unterbrochen. In diesem lässt Aaronovitch die Flussläufe der Themse personifiziert auftreteten, in Gestalt von Mutter Themse und ihren Töchtern sowie Vater Themse und seinen Söhnen. Und wie es sich für Vater und Mutter gehört, tun die beiden eines schon seit Jahren: sie streiten sich. Ich muss gestehen, dass mir dieser Handlungsstrang stellenweise zu skurril war. Mutter Themse und ihre Töchter werden stereotyp als dunkelhäutige, großbusige Damen dargestellt, Vater Themse und seine Söhne als langhaarige Zigeuner. Ich für meinen Teil hätte gerne viel mehr über die Kriminalhandlung und über die Magie im Allgemeinen gelesen, vielleicht auch über die Vergangenheit einiger Charaktere.

Leider fiel es mir aufgrund der verschiedenen Handlungsstränge manchmal recht schwer, den Überblick zu behalten. Ich musste viele Seiten sehr genau lesen, um den Anschluss nicht zu verpassen und der Aufklärung des Mordes noch folgen zu können. Ein bißchen weniger Skurrilität und Witz hätte dem Roman an manchen Stellen gutgetan. Generell muss festgehalten werden, dass „Die Flüsse von London“ auch nur für solche Leser geeignet ist, die bereit sind, sich auf diesen Stil einzulassen.

Trotz dieser Schwachstellen fällt meine Bewertung immer noch sehr gut aus, denn ich bin einfach zu gespannt, wie es mit Peter und seinem Meister Nightingale weitergeht und ich hoffe, dass einige Geheimnisse noch in den nächsten Bänden gelüftet werden. Aaronovitch hat es auf jeden Fall geschafft, sich mit seinem Debütroman von anderen Büchern des Genres abzuheben.

Fazit:

Ein witziger, höchst skuriller Lesespaß für denjenigen, der sich auf den Roman einzulassen vermag.