Tag-Archiv | London

Das Mädchen mit dem Stahlkorsett / Kady Cross

Titel: Das Mädchen mit dem Stahlkorsett (The girl in the steel corset)

Autor: Kady Cross

Seitenzahl: 368

Woher ich es habe: selbst gekauft

Nachdem ich „Books & Braun“ gelesen hatte, packte mich das Steampunkfieber und so zog „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ bei mir ein. Es ist der erste Band einer Reihe, der „Steampunk Chronicles“ und die Autorin ist keine geringere als Kathryn Smith, unter anderem bekannt für ihre Schattenritter-Reihe. Im Original ist bereits im Mai Band 2 – „The girl in the clockwork collar“ erschienen.

Handlung:

Die 16-jährige Finley Jane besitzt ein ausgesprochen ungezügeltes Temperament. Immer wenn sie wütend wird, vergisst sie alles andere um sich herum und oft kann sie sich am nächsten Tag oder sogar schon einige Augenblicke später nicht mehr erinnern, was sie in ihrem Zorn angerichtet hat. Es ist, als würde sich Finleys dunkle Seite ihrer bemächtigen, so dass sie sich immer mehr wie Dr. Jekyll in seinem Kampf gegen Mr. Hyde fühlt. Eines Tages wird das junge Mädchen von dem Sohn ihrer Arbeitgeber bedrängt. Wieder verliert Finley die Kontrolle, richtet ihren Angreifer übel zu und flieht schließlich. Kopflos rennt sie davon und läuft direkt dem jungen Duke Griffin und seinem Freund Sam in die Arme. Unter den lauten Protesten Sams nimmt Griffin Finley mit nachhause, um ihr zu helfen. Nur nach und nach gelingt es dem Mädchen, ihr Misstrauen gegenüber dem jungen Adligen und den Menschen, mit denen er zusammenlebt, abzulegen und herauszufinden, wer und was sie wirklich ist.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans sprach mich sofort an, vor allem, weil ich mich gerade in einer absoluten Steampunk-Phase befinde. Denn in dieser Hinsicht bedient es wirklich alle Klischees: ein schönes, leicht geheimnisvoll wirkendes Mädchen mit einem viktorianischen Zylinder und Fliegerbrille und den obligatorischen Zahnrädern an ihren Handschuhen. Die pinke, leicht verschnörkelte Schrift legt klar die Zielgruppe und das Genre fest, denn „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ ist im Gegensatz zu „Books & Braun“ ganz klar ein Jugendbuch.

Die Handlung spielt im London des Jahres 1897. Dabei ist die Stadt grundsätzlich dieselbe geblieben, aber natürlich um einige Steampunk-Elemente erweitert. London ist eine meiner liebsten Städte und deshalb kann ich nur schwer einen Bogen um Romane machen, die in dieser fantastischen Metropole spielen. Dass in ihren Gassen dabei noch die verschiedensten Maschinen unterwegs sind, tut dem Ganzen in diesem Fall keinen Abbruch. Im Gegenteil: die Mischung aus dem viktorianischen Zeitalter, wie man es aus den guten alten Sherlock Holmes-Geschichten kennt und modernsten technischen Errungenschaften, macht für mich gerade den Reiz dieses Genres aus.

Finley ist eine Protagonistin, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Sie ist eine starke Person, sehr impulsiv und immer bereit, für sich selbst einzustehen. Es fällt ihr schwer, anderen Menschen zu vertrauen und somit steht sie in komplettem Gegensatz zu dem jungen Duke Griffin, der ein unerschütterliches Grundvertrauen in alle Menschen zu besitzen scheint, auch wenn er selbst seine Mutter und seinen Vater früh verloren hat. Gemeinsam mit seinem besten Freund Sam und der Technikerin Emily erforscht er die übernatürlichen Fähigkeiten, die in jedem von ihnen stecken. So kann Griffin zum Beispiel in den Äther eintauchen und Emily mit Maschinen kommunizieren. Am interessantesten war für mich jedoch die Figur des Sam, der seit einem schrecklichen Unfall halb Mensch und halb Maschine ist. Der Konflikt, in dem er sich befindet, einerseits dankbar zu sein, dass er noch am Leben ist, andererseits aber nicht mehr zu wissen, wie viel Menschliches noch in ihm steckt, ist von der Autorin sehr eingehend dargestellt.

Den Hauptteil der Handlung machen jedoch tatsächlich die Beziehungen der 4 Jugendlichen untereinander aus. Während Griffin und Emily Finley offen und warmherzig gegenübertreten, ist Sam voller Mißtrauen und Abneigung. Der eigentliche Haupthandlungsstrang erzählt hingegen von Griffins Suche nach dem Mörder seiner Eltern und seinen Ermittlungen gegen den Maschinisten, einen Verbrecher, der Maschinen für seine Taten benutzt. Wer „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ liest, der muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass diese Geschichte nur einen kleinen Teil des Romanes ausmacht, denn es geht eher um „Mädchenthemen“ wie Freundschaft und Liebesdreiecke. Denn sowohl Emily als auch Finley werden jeweils von 2 jungen Männern verehrt, von denen natürlich jeweils einer der Bad Guy und der andere der fröhliche und sympathische ist. Klischeehafter geht es wohl kaum und da wird auch wieder deutlich, dass das Zielpublikum eben ein jüngeres ist.

Mit Band 1 ist ein Teil der Handlung abgeschlossen, aber die letzten Seiten zeigen schon ganz klar, wohin die Reise in Band 2 gehen soll: leider nach Amerika. Ich hoffe, dass mir die Geschichte auch noch gefallen wird, wenn sie nicht mehr im edwardianischen London spielt, das mir so ans Herz gewachsen ist. Ich weiß allerdings schon jetzt, dass ich trotz kleiner Schwächen auch den nächsten Band noch lesen möchte.

Fazit: Ein schöner Roman, der vor allem den jüngeren, weiblichen Steampunkfans gefallen dürfte.

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Books & Braun. Das Zeichen des Phönix / Pip Ballantine & Tee Morris

Titel: Books & Braun. Das Zeichen des Phönix (Phoenix Rising – A Ministry of Peculiar Occurences Novel)

Autoren: Pip Ballantine & Tee Morris

Seitenzahl: 506

Woher ich es habe: selbst gekauft

„Das Zeichen des Phönix“ ist der erste Band der Steampunk-Reihe um die Agentin Eliza D. Braun und den Archivar Wellington Books. Sowohl die Neuseeländerin Pip Ballantine, die eigentlich Philippa  heißt, als auch der US-Amerikaner Tee Morris haben beide bereits Romane veröffentlicht, bevor sie sich an ihr erstes gemeinsames Werk wagten. Nach langer Suche fand ich übrigens heraus, dass die beiden verheiratet sind – das scheint aber mehr oder minder ein Geheimnis zu sein, denn weder in der Autorenvorstellung im Buch selbst, noch bei Wikipedia oder auf Philippas Website ist davon auch nur eine Silbe zu lesen. Band 2 der Reihe wird übrigens „Die Janus-Affäre“ heißen und im Dezember in Deutschland erscheinen. Im Original ist er bereits veröffentlicht und ich muss doch sagen, dass die Versuchung für mich extrem groß ist.

Handlung:

Die Agentin Eliza D. Braun reist mit dem Auftrag nach Sibirien, den dort gefangenen Archivar Wellington Books zu eliminieren. Doch als sie ihm begegnet, beschließt sie stattdessen, ihn zu befreien und unter Einsatz einer großen Menge Dynamit gelingt den beiden die Flucht. Zur Strafe für ihr rebellisches Verhalten wird Agentin Braun in den Innendienst versetzt. Und den muss sie nicht irgendwo ableisten, sondern ausgerechnet in Books Archiv. Der ist zunächst empört und fühlt sich von der direkten Art der Kolonistin – denn Eliza stammt aus Neuseeland – und ihrer Vorliebe für Abenteuer abgestoßen. Auch Agentin Braun sieht zu Beginn in Wellington Books nur einen langweiligen Bücherwurm. Doch als die beiden gemeinsam einen ungelösten Fall aufrollen und Eliza ihren „Welly“ dazu überreden kann, sich mit ihr in die Ermittlungen zu stürzen, wachsen die beiden immer mehr zu einem (wenn auch ungleichen) Team zusammen.

Eigene Meinung:

Als ich das Buch in den Neuerscheinungen des Lyx-Verlages entdeckte, fiel mir zunächste das Cover auf, dass sich doch sehr von den üblichen „Nackenbeißern“ unterscheidet. (Das meine ich übrigens nicht böse, ich lese ja auch wahnsinnig gerne die Midnight-Reihe von Lara Adrian. Dennoch ist man vom Lyx-Verlag doch eher andere Cover gewohnt.) Vor allem der Big Ben in Kombination mit dem Zahnrad und dem Paar in viktorianisch anmutender Kleidung weckten sofort mein Interesse. Schon lange wollte ich den Einstieg in das Genre des Steampunk wagen und mit „Books & Braun“ habe ich eine wirklich gute Wahl getroffen. Gut gefallen mir auch die warmen Brauntöne des Covers, ein rundum gelungenes Titelbild!

Die Handlung kommt als eine Mischung zwischen Kriminalroman und Agententhriller daher. Gleich zu Beginn ist der Leser mitten im Geschehen und begleitet Eliza D. Braun auf ihrem waghalsigen Rettungsmanöver, in guter James Bond-Manier mit einer Menge Waffen und Sprengstoff. Wellington Books ist eher für die Kopfarbeit zuständig und darf auf der Flucht nach draußen zumindest ein kompliziertes Schloss knacken, dennoch stiehlt Agentin Braun ihm eindeutig die Show. Im Verlauf der Handlung, als immer wieder ausgeblutete und verstümmelte Leichen am Ufer der Themse angespült werden und unsere beiden Helden sich wilde Verfolgungsjagden und Duelle mit ihren Feinden liefern, erinnert der Roman eher an eine guten alte Sherlock Holmes-Geschichte. Überhaupt finden sich im Buch so einige literarische Anspielungen, so zum Beispiel auf Kapitän Nemo und seine Nautilus.

Was „Books & Braun“ aber Leben einhaucht, sind eindeutig die beiden Protagonisten. Eliza Braun ist eine absolut starke Persönlichkeit, die das Abenteuer und vor allem den Umgang mit Waffen und Sprengstoff liebt. Fern von ihrer Heimat Neuseeland, die sie schmerzlich vermisst, muss sie allein unter ihren vorwiegend männlichen Kollegen zurechtkommen. An ihr gefiel mir besonders, dass sie zum einen niemals aufgibt, zum anderen aber durchaus verletzliche Moment hat, die sie sich auch selbst zugesteht. Wellington Books ist das genaue Gegenteil von seiner unfreiwilligen Partnerin. Seine Liebe gilt dem Archiv, seinen verschiedensten technischen Wunderwerken und natürlich der englischen Krone. Die Sicherheit seines Archivs verlässt er nun selten und auch zur Teamarbeit ist er nicht wirklich gemacht. Im Verlauf der Handlung wird jedoch deutlich, dass auch in ihm das Herz eines Löwen steckt; wenn es darauf ankommt, kann man sich zu 100 Prozent auf „Welly“ verlassen.

So gegensätzlich diese beiden Protagonisten erscheinen mögen, so sehr ergänzen sie sich. Wo Eliza gerne kopf- und planlos vorprescht, behält Books in jeder Situation einen kühlen Kopf. Seine Erfindungen sind den beiden in ihren Ermittlungen eine große Hilfe; überhaupt verfügt der Archivar über ein unglaubliches Wissen und technisches Geschick. Und mit Agentin Braun an seiner Seite traut er sich selbst auch immer mehr zu und findet Gefallen an der Welt außerhalb seinen kleinen Archivs. Es ist wirklich schön anzusehen, wie die beiden sich immer mehr annähern, sich kennenlernen und aufeinander zugehen. Dabei rechne ich es den Autoren hoch an, dass der Roman nicht zu einer Liebes- oder Bettgeschichte verkommt, hier ist ihnen wirklich eine gute Ballance zwischen Action und Momenten fürs Herz gelungen.

Der eigentliche Haupthandlungsstrang ist spannend und mitreißend erzählt, so dass man als Leser eigentlich nur mitfiebern kann. Grob ist der erste Teil auch in sich abgeschlossen, deutet aber bereits darauf hin, womit wir es im zweiten Band zu tun haben werden. Ich für meinen Teil bin schon sehr gespannt und freue mich sehr auf „Die Janus-Affäre“, denn Eliza und „Welly“ sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Fazit: Ein Muss für alle Steampunk-Fans oder solche, die es noch werden wollen!

Die Flüsse von London / Ben Aaronovitch

Titel: Die Flüssen von London (Rivers of London)

Autor: Ben Aaronovitch

Seitenzahl: 478

Woher ich es habe: Selbst gekauft

„Die Flüsse von London“ ist der Debütroman des britischen Autors Ben Aaronovitch und Teil 1 der Reihe um den Constable Peter Grant. Der 2. Band – „Schwarzer Mond über Soho“ soll im Juli auf Deutsch erscheinen, bereits im Juni 2012 wird Gollancz den 3. Band mit dem Titel „Whispers under ground“ im Original herausgeben.

Handlung:

Peter Grant ist frisch ernannter Constable in London. Während  seine Kollegin und gute Freundin Lesley sich nach und nach zum Liebling ihres Vorgesetzten mausert, erscheint er selbst immer unkonzentriert und geistig abwesend. Deshalb soll er auch auf einen langweiligen Schreibtischposten abkommandiert werden, bis er eines Tages bei einer Mordermittlung in Covent Garden feststellt, dass er Geister sehen kann. Prompt erhält Peter ein Jobangebot: er soll bei Inspektor Thomas Nightingale in die Lehre gehen, dem letzten Zauberer Englands. Gemeinsam versuchen die beiden nun, den Mörder zu stellen, denn dieser macht nicht den Eindruck, als würde er sich mit einem Opfer zufriedengeben.

Eigene Meinung:

„Die Flüsse von London“ wird ausschließlich aus der Sicht des Protagonisten Peter erzählt und spielt im London der Gegenwart. Der Schreibstil ist witzig, fantasievoll und herrlich selbstironisch. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf andere Vertreter des Genres, zum Beispiel auf Harry Potter, und die Sprache ist eine sehr moderne. Gepaart mit den magischen Elementen und den Rückblenden in Londons Vergangenheit ergibt sich eine interessante Mischung, die den Leser zu unterhalten weiß.

Die Figuren sind von den Protagonisten bis zu den Nebencharakteren grandios entworfen. Allen voran Constable Peter Grant, der sein neues Leben als Zauberlehrling mit erstaunlicher Gelassenheit erträgt, anstatt alles zu hinterfragen. Sein Meister hingegen ist zwar sehr charismatisch, hält sich aber über seine Vergangenheit oft bedeckt. Zum Beispiel wird den ganzen Roman über das Rätsel nicht gelüftet, wie alt Nightingale denn nun tatsächlich ist. Zu meinen Lieblingsfiguren gehören weiterhin die strebsame, aber loyale Lesley, die Haushälterin Molly, die den gesamten Roman über kein einziges Wort spricht und natürlich Toby, der Hund.

Die Haupthandlung um die Serie von Mordfällen wird immer wieder von einem Nebenstrang unterbrochen. In diesem lässt Aaronovitch die Flussläufe der Themse personifiziert auftreteten, in Gestalt von Mutter Themse und ihren Töchtern sowie Vater Themse und seinen Söhnen. Und wie es sich für Vater und Mutter gehört, tun die beiden eines schon seit Jahren: sie streiten sich. Ich muss gestehen, dass mir dieser Handlungsstrang stellenweise zu skurril war. Mutter Themse und ihre Töchter werden stereotyp als dunkelhäutige, großbusige Damen dargestellt, Vater Themse und seine Söhne als langhaarige Zigeuner. Ich für meinen Teil hätte gerne viel mehr über die Kriminalhandlung und über die Magie im Allgemeinen gelesen, vielleicht auch über die Vergangenheit einiger Charaktere.

Leider fiel es mir aufgrund der verschiedenen Handlungsstränge manchmal recht schwer, den Überblick zu behalten. Ich musste viele Seiten sehr genau lesen, um den Anschluss nicht zu verpassen und der Aufklärung des Mordes noch folgen zu können. Ein bißchen weniger Skurrilität und Witz hätte dem Roman an manchen Stellen gutgetan. Generell muss festgehalten werden, dass „Die Flüsse von London“ auch nur für solche Leser geeignet ist, die bereit sind, sich auf diesen Stil einzulassen.

Trotz dieser Schwachstellen fällt meine Bewertung immer noch sehr gut aus, denn ich bin einfach zu gespannt, wie es mit Peter und seinem Meister Nightingale weitergeht und ich hoffe, dass einige Geheimnisse noch in den nächsten Bänden gelüftet werden. Aaronovitch hat es auf jeden Fall geschafft, sich mit seinem Debütroman von anderen Büchern des Genres abzuheben.

Fazit:

Ein witziger, höchst skuriller Lesespaß für denjenigen, der sich auf den Roman einzulassen vermag.

Bartimäus. Das Amulett von Samarkand / Jonathan Stroud

Titel: Bartimäus. Das Amulett von Samarkand (The Amulet of  Samarkand)

Autor: Jonathan Stroud

Seitenzahl: 540

Woher ich es habe: Bände 1 bis 3 im Schuber als Mängelexemplar bei Arvelle gekauft

Mit der Reihe um den Dämon Bartimäus lag mir mein Verlobter schon lange in den Ohren. Und nachdem er bei der Lektüre der Bände mehrmals laut losgelacht und noch häufiger breit gegrinst hat, war ich doch sehr gespannt. „Das Amulett von Samarkand“ ist übrigens der erste Band einer Reihe, die noch 2 Nachfolgebände und eine Vorgeschichte umfasst.

Handlung:

Der Dämon Bartimäus ist über 5000 Jahre alt und stand schon dem mächtigen König Salomo mit Rat und Tat zur Seite.  Als er jedoch eines Tages erneut beschworen wird, traut er seinen Augen kaum: sein neuer Herr und Meister ist der 11-jährige Nathanael, Lehrling des nur mäßig begabten Zauberers Arthur Underwood. Dem Jungen gelingt es tatsächlich, Bartimäus seinen Willen aufzuzwingen und so schickt er ihn los, für ihn einen magischen Gegenstand großer Macht zu stehlen – das Amulett von Samarkand. Dem Dämon gelingt es tatsächlich, das Artefakt an sich zu bringen und in Underwoods Arbeitszimmer zu verstecken, doch ahnen er und Nathanael nicht, mit welchen Mächten sie sich damit angelegt haben.

Meine Meinung:

„Das Amulett von Samarkand“ ist ein Jugendbuch mit einer Vielzahl von klassischen Fantasyelementen. Die Handlung ist in einem fiktiven London der Gegenwart angesiedelt, in dem Magier über die „Gewöhnlichen“, wie Bürger wie Du und Ich dort genannt werden, herrschen. Ich finde es sehr angenehm, dass hier zur Abwechslung einmal Zauberer und Magie im Allgemeinen nicht stereotyp – entweder als rettend und weise oder abgrundtief böse – dargestellt werden. So gibt es unter der magischen Bevölkerung Sympathieträger und Verräter, Dummköpfe und Genies, freundliche und gerechte sowie herrschsüchtige und arrogante Individuen. Vor allem die letztere Kategorie führte dazu, dass sich in den letzten Monaten in London eine Widerstandsbewegung gegen die Zauberer bildete, die bereits mehrere Anschläge verübt hat.

Mitten in diesem Chaos wird nun der junge Nathanael, wie es üblich ist, seinen Eltern weggenommen und dem Zauberer Arthur Underwood als Lehrling zur Seite gestellt. Während Mrs. Underwood den Jungen mit offenen Armen aufnimmt, gibt sich sein Meister selbst reserviert. Es scheint, als könne er mit Kindern im Allgemeinen nichts anfangen und Nathanaels Intelligenz weiß er ebenso nicht recht einzuschätzen. Schon bald ist Nathanael frustriert und bringt sich im Selbststudium Magie bei, die Underwood erst in einigen Jahren für ihn vorgesehen hatte. Nach und nach verliert er immer mehr den Respekt vor seinem Meister und dessen Zauberkollegen und entwickelt sich zu einem arroganten kleinen Schnösel. Zum Glück ist da aber noch der Namensgeber der Reihe: Bartimäus, ein Dämon mittlerer Macht. Mit seinen Sticheleien, Anekdoten und Kommentaren erobert er das Herz des Lesers im Sturm. Er ist es auch, der Nathanael immer wieder in seine Schranken weist und wenn der unerträgliche, besserwisserische Knabe von ihm so richtig den Kopf gewaschen bekommt, muss man einfach nur schadenfroh grinsen.

Die eigentliche Haupthandlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, einerseits bleibt der Autor dicht an Nathanael und enthüllt so dessen Leben bei seinem Meister Underwood, auf der anderen Seite wird das Geschehen aus der Sicht des Dämons (mit vielen amüsanten Fußnoten) geschildert. Das namensgebende Amulett steht dabei immer im Zentrum der Handlung, denn mit seiner Hilfe will sich Nathanael an Simon Lovelace rächen, einem Zauberer, der ihn vor einigen Jahren gedemütigt hatte. Hier wird, meiner Meinung nach, auch deutlich, wie kindisch der junge Zauberlehrling sich verhält. Von seinem Können ist er so überzeugt, dass er über die Schmähung durch Lovelace einfach nicht  hinwegsehen kann und allein deswegen wird er im Verlauf der Handlung einigen Menschen den Tod bringen. Denn auch Nathanaels Gegenspieler ist bereit, für das Amulett und seine dunklen Pläne über Leichen zu gehen.

Mit Band 1 ist die Kernhandlung an sich abgeschlossen, was ich angenehm finde. So wird zwar bereits angedeutet, wie sich die Geschichte in den folgenden Bänden entwickeln könnte, dennoch gibt es aber keinen großen Cliffhanger, der einen quasi zum Weiterlesen zwingt. Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer von Bartimäus und Nathanael.

Fazit:

Ein spannend geschriebenes Jugendbuch, das auch Erwachsene fesseln dürfte und Lust auf die restlichen Bände der Reihe macht.

Die Flüsse von London / Ben Aaronovitch

Titel: Die Flüsse von London (Rivers of London)

Autor: Ben Aaronovitch

Seitenzahl: 478

Woher ich es habe: Selbst gekauft

Nach zahlreichen überschwänglichen Rezensionen im Büchertreff musste ich es mir einfach zulegen. (Immer dieser Gruppenzwang…^^) Und schließlich ist es auch so verlockend, eine Amazon-Bestellung versandkostenfrei werden zu lassen, indem man sich ganz selbstlos noch ein Taschenbuch in den Einkaufswagen legt. Zu allem Überfluss ist „Die Flüsse von London“ auch noch der erste Teil einer Reihe, Band 2 „Schwarzer Mond über Soho“ erscheint im Juli. Für mich als Brecht-Fan (Siehst Du den Mond über Soho aus „Die Dreigroschenoper“) ist natürlich allein schon dieser Titel eigentlich ein Grund, den Roman zu kaufen. Aber wir werden sehen…

Auch das Cover ist bereits ein Augenschmaus und die Stichworte Vampire und London versprechen, 2 meiner Lieblingsthemen miteinander zu verknüpfen. Ich freu mich drauf!

Handlung:

Peter Grant ist frischgebackener Police Constable, als man ihm einen unerwarteten Karrierevorschlag macht: Er soll Zauberlehrling werden, der erste in England seit fünfzig Jahren. Jetzt muss er sich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin aushandeln, Leichen in Covent Garden ausgraben… Alles ziemlich anstrengend. Und der Papierkram! (Klappentext)