Tag-Archiv | Krimi

Drowning. Tödliches Element / Rachel Ward

SAM_2110_1Titel: Drowning. Tödliches Element (The Drowning)

Autor: Rachel Ward

Seitenzahl: 329

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich beim Carlsen Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Nach ihrer erfolgreichen Numbers-Reihe ist „Drowning. Tödliches Element“ nun das neuste Jugendbuch aus der Feder der Britin Rachel Ward. „Numbers – Den Tod im Blick“, für das sie 2011 sogar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, steht schon seit langem dringend auf meiner Wunschliste. Im Gegensatz zu der Vorgängerreihe ist „Drowning. Tödliches Element“ aber nun ein abgeschlossener Roman, der ganz für sich steht.

Handlung:

Als Carl zu sich kommt, ist er völlig entkräftet und durchnässt. Rettungskräfte kümmern sich um ihn. Doch wer ist der Junge, der leblos neben ihm aus dem Wasser gezogen wird? Und warum reagiert das Mädchen im Rettungswagen so verängstigt auf ihn? An all das kann sich der 15-Jährige nicht mehr erinnern. Nur nach und nach kehrt sein Gedächtnis zurück und die unfassbare Wahrheit kommt ans Licht: Carl und sein großer Bruder Rob waren mit dessen Freundin Neisha im See schwimmen, als ein großes Unwetter aufzog. Rob ertrank und seitdem scheint Neisha unglaubliche Angst vor Carl zu haben. Doch ist das wirklich die ganze Geschichte? Carl selbst ist zwischen Trauer und Erleichterung hin- und hergerissen, denn zumindest an eines erinnert er sich: Rob war nicht immer nur der liebe große Bruder für ihn.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Drowning“ ist durchaus ansprechend gestaltet. Die Wellen passen gut zum Thema des Buches und auch die halb im Wasser versinkende Schrift des Titels ist gelungen. Unterstützt wird der Effekt von leicht erhöhten Buchstaben und einer sehr glatten und glänzenden Oberfläche, die tatsächlich an Wasser erinnert. Im Inneren hingegen kommt das Buch mit klaren, schnörkellosen Kapitelüberschriften und Seitenzahlen recht nüchtern daher. Generell ist dem Carlsen Verlag hier aber ein Gesamtbild gelungen, das junge Leser sehr wohl ansprechen dürfte; auch (oder vor allem) männliche.

Die Geschichte wird aus Carls Sicht und in der Ich-Perspektive erzählt. Der Leser bleibt so immer ganz nah bei seiner Hauptfigur, was die Handlung natürlich sehr spannend macht, denn man weiß immer nur genau so viel, wie Carl selbst. Der erinnert sich nur langsam an den schrecklichen Unfall und muss das Geschehene aus seinen Erinnerungen und mit Hilfe anderer mühsam zusammen puzzlen. Seine Mutter ist ihm dabei leider keine große Hilfe. Überhaupt wird im Verlauf der Geschichte schnell deutlich, dass wir es hier mit einer zerrütteten Familie zu tun haben: eine allein erziehende Mutter, die viel zu häufig dem Alkohol zuspricht, ein gewalttätiger großer Bruder und dazwischen Carl, der sich danach sehnt, geliebt zu werden. Er selbst ist schon seit längerem unglücklich in Neisha verliebt, die Freundin seines großen Bruders Rob.

Mit dem Tod seines Bruders weiß Carl nicht so recht umzugehen. Seine Erinnerungen sind bruchstückhaft, ja, er hält es sogar für möglich, seinen eigenen Bruder getötet zu haben. Denn warum sollte Neisha sonst so viel Angst vor ihm haben? Es gibt niemanden, mit dem Carl diese Gedanken und Ängste teilen kann, niemanden, der für ihn da ist. Und so entwickelt er Wahnvorstellungen. Immer, wenn er nass ist, sieht er seinen Bruder Rob vor sich, der ihm Dinge zuruft. Am liebsten würde er sich nicht einmal mehr die Hände waschen, geschweige denn baden, doch irgendwann muss Carl sich all dem stellen. Und auch zu seiner Mutter und Neisha knüpft er vorsichtig neue Bande.

Die Grundidee der Geschichte hat mir gut gefallen und am Anfang ist sie auch noch recht spannend. Doch dann beginnen sich die immer gleichen Szenen zu wiederholen: Carl wird aus irgendeinem Grund nass, sieht dann überall seinen toten Bruder und rastet völlig aus. Er pendelt wild zwischen Schuldgefühlen gegenüber seiner Mutter und Rob und seiner Zuneigung zu Neisha hin und her. Immer häufiger wiederholt er die selben Fragen: Habe ich meinen Bruder getötet? Oder bin ich zumindest für seinen Tod verantwortlich? Darf ich Gefühle für die Freundin meines Bruders haben? Das ermüdet nach kurzer Zeit schon ungemein, weil einfach nichts Neues mehr passiert. Der Schluss war, in meinen Augen, dann völlig absurd und brachte keinerlei spannende Erkenntnisse. Dafür, dass die gesamte Zeit über eine gewisse Spannung aufgebaut wurde, verlief alles doch sehr unspektakulär im Sande. Zum Glück liegt hier keine Reihe vor – mehr muss man hiervon wirklich nicht lesen!

Fazit: eine spannende Grundidee, leider schlecht umgesetzt

2K

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Verflucht seist du / Inge Löhnig

Cover Verflucht seist duTitel: Verflucht seist du

Autor: Inge Löhnig

Seitenzahl: 430

Woher ich es habe: bei Vorablesen gewonnen

Reihenfolge:

1. Der Sünde Sold
2. In weißer Stille
3. So unselig schön
4. Schuld währt ewig

„Verflucht seist du“ ist schon der fünfte Band der Reihe um den sympathischen Münchner Kommissar Tino Dühnfort. Neben ihrer Krimireihe hat die, wie ihr Kommissar aus München stammende, Autorin Inge Löhnig übrigens auch schon 2 Jugend-Thriller im Arena Verlag veröffentlicht, die ich auf jeden Fall noch lesen möchte – 2013 wird ein dritter folgen. Weitere Informationen gibt es auf ihrer Homepage.

Handlung:

Es ist Hochsommer in München und eine wahre Hitzewelle rollt über die Stadt. An einem dieser drückenden Sommerabende beobachtet Ricarda Nowotny bei einer Flasche Wein, wie auf der Baustelle gegenüber ein Mann erschossen wird. Das Opfer ist Daniel, ein junger Kfz-Mechaniker. In seiner Hosentasche wird Ecstasy gefunden und so liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei der Tat um einen Mord im Drogenmilieu handelt. An diese Theorie wollen Tino Dühnfort, der ermittelnde Kommissar und Daniels Ex-Freundin Mika aber nicht so recht glauben. Voneinander getrennt forschen sie nach und stoßen dabei auf Hinweise, die Daniels Tod mit dem Selbstmord von Mikas bester Freundin Isa vor einigen Monaten in Verbindung bringen. Und so kommt nach und nach die schreckliche Wahrheit ans Tageslicht.

Eigene Meinung:

Obwohl bereits 4 Bände der Reihe vorliegen, war „Verflucht seist du“ für mich der Einstieg in die Welt von Kommissar Dühnfort und seinen Kollegen. Für das Verständnis des Kriminalfalls stellte das kein Problem dar, allerdings schienen sowohl in seinem Team, als auch im Leben des sympathischen Tino so einige Dinge geschehen zu sein. Ich würde daher jedem empfehlen, die Reihe von Band 1 an zu lesen; ich werde das jetzt auch nachholen. In Band 4 ist Tino Dühnfort jedenfalls gerade mit seiner Lebensgefährtin Gino zusammengezogen. Er wirkt glücklich und zufrieden, wenn es da nur nicht in seinem Team zu Spannungen käme. „Die Neue“, Kirsten, fällt durch ihre ruppige, kühle Art auf, während Kollege Alois oft unzuverlässig und schlampig wirkt. So geraten beide häufig in einen Streit, den Dühnfort schlichten muss. Der Kommissar selbst ist ein durch und durch sympathischer Zeitgenosse, der guten Kaffee und Süßigkeiten liebt. Gut gefallen hat mir auch, dass alle Figuren eine gewisse Tiefe erhalten; so kümmert sich Alois liebevoll um seinen kranken Sohn Simon und auch Kirsten hat ihr Päckchen zu tragen, was ihre Verschlossenheit gegenüber anderen erklärt.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Manchmal bleibt die Autorin ganz nah an Tino Dühnfort und seinen Kollegen und begleitet sie bei ihren Ermittlungen, mal erleben wir die Handlung aus Mikas Sicht oder aus der von Isas Eltern, die sich nach dem Tod ihrer Tochter völlig entfremdet haben. So fügen sich die einzelnen Handlungsstränge nach und nach wie ein Puzzle zusammen, bis sie am Ende für den Leser und natürlich auch für Kommissar Dühnfort ein Gesamtbild ergeben. Inge Löhnigs Schreibstil ist dabei sehr angenehm und an das, was gerade geschieht, angepasst. Mal wirken ihre kurzen Sätze beinahe gehetzt und die Handlung nimmt merklich an Fahrt auf, mal folgen längere, eingehende Beschreibungen, die dem Leser den Eindruck vermitteln, mitten im Geschehen zu sein.

Die Handlung ist von der ersten Seite an spannend. Was zunächst wie eine Geschichte über einen kleinen Drogendealer klingt, weitet sich zunehmend auf andere Themen aus. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass Mikas Freundin Isa unglücklich über ihre Figur war, von ihrer Mutter zu Höchstleistungen in der Schule getrieben wurde und kurz vor ihrem Selbstmord noch glaubte, die große Liebe gefunden zu haben. Auf Facebook hatte sie Sascha kennengelernt, der sie erst mit liebevollen Worten eingelullt und dann bloßgestellt hatte. Doch seit Isas Selbstmord ist er wie vom Erdboden verschluckt. Hat Sascha überhaupt existiert oder steckt am Ende jemand aus Isas und Mikas Clique dahinter? Vielleicht Lukas,  der sie jahrelang vergeblich anhimmelte und immer übersehen wurde? Und auch Mikas Bruder Phillip scheint etwas zu verbergen.

Die Auflösung des Falles war für mich so nicht vorauszusehen. Im Laufe der Handlung wurde quasi jeder meiner Verdachtsmomente zerschlagen und ungeahnte Abgründe taten sich auf. „Verflucht seist du“ ist wirklich ein Roman mit vielen Schichten. Ein Roman, der zeigt, wie einfach es dank Facebook ist, einen Menschen an den Pranger zu stellen. Ein Roman, der auf erschreckende Weise darstellt, was geschieht, wenn Menschen zu sehr lieben. Am Ende des Buches ergeben sich außerdem auch einige interessante Dinge, die das Privatleben des Teams um Tino Dühnfort betreffen und Lust auf Band Nr. 6 machen.

Fazit: ein spannender Krimi mit durchaus ernstem Hintergrund

5K

Flavia de Luce. Vorhang auf für eine Leiche / Alan Bradley

Cover Flavia de Luce 4Titel: Flavia de Luce. Vorhang auf für eine Leiche (I am half-sick of shadows)

Autor: Alan Bradley

Seitenzahl: 308

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim penhaligon Verlag  für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier oder hier. Außerdem möchte ich euch auch die wirklich toll gestaltete Website zur gesamten Reihe nicht vorenthalten.

„Vorhang auf für eine Leiche“ ist (nach „Mord im Gurkenbeet“, „Mord ist kein Kinderspiel“ und „Halunken, Tod und Teufel“) bereits der vierte Roman um die findige kleine Giftmischerin Flavia de Luce. Ihr Schöpfer ist der sympathische Kanadier Alan Bradley, dem mit knapp 70 Jahren der schriftstellerische Durchbruch gelang. Für den ersten Band um Flavia erhielt er sogar den begehrten Dagger Award und kann sich daher nun nur noch seiner größten Leidenschaft widmen: dem Schreiben. Dieser Leidenschaft verdankt seine treue Fangemeinde auch, dass für Flavia vorerst kein Ende in Sicht ist. Im englischen Original sind für Anfang 2013 und 2014 jeweils die Bände 5 und 6 angekündigt.

Handlung:

Der Winter hat auf Buckshaw Einzug gehalten, es sind nur noch wenige Tage bis zum Weihnachtsfest. Flavia de Luce hat alle Hände voll zu tun, denn sie hat ihre ganz eigenen Pläne für die Festtage. Da passt es ihr so gar nicht in den Kram, dass ihr Vater aus Geldnot das ganze Anwesen an eine Filmfirma vermieten muss und sie die Hälfte der Räume auf einmal nicht mehr betreten soll. Doch Flavia wäre nicht Flavia, wenn sie nicht dennoch ein wenig hinter der Kulissen herumschnüffeln würde. Als dann auch noch die berühmte Schauspielerin Phyllis Wyvern auf Buckshaw eintrifft, ist das ganze Örtchen Bishop’s Lacey in Aufregung. Mit seinem unbestechlichen Charme gelingt es dem Vikar sogar, die Diva zu einer Vorführung von „Romeo & Julia“ zu überreden, zu der alle Dorfbewohner eingeladen sind. Doch nach der Vorstellung müssen die begeisterten Zuschauer zu ihrem Entsetzen feststellen, dass Buckshaw völlig eingeschneit und somit von der Außenwelt abgeschnitten ist. Und genau in dieser Nacht geschieht ein Mord…

Eigene Meinung:

Die Kriminalhandlung in Flavias neuestem Fall erinnert ein wenig an einen Agatha Christie-Roman. Eine Gruppe von Personen ist in einem alten Herrenhaus vom Rest der Welt abgeschnitten. Niemand kann herein, niemand kann nach draußen fliehen. Als in dieser Situation ein Mitglied des Filmteams erdrosselt aufgefunden wird, ist eines sofort klar: der Mörder oder die Mörderin muss sich unter den Anwesenden befinden. Diesen Schluss zieht Flavia natürlich auch sofort und stürzt sich mit Begeisterung in die Ermittlungen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bänden spielt dieser also einzig und allein auf Buckshaw und nicht, wie sonst üblich, in der gesamten Umgebung von Bishop’s Lacey. Diese Veränderung stellt eine willkommene Abwechslung dar und auch wenn Flavia in diesem Band nicht auf ihrem treuen Fahrrad Gladys herumsausen kann, muss der Leser dank der Schneemassen dennoch auf keinen der inzwischen ans Herz gewachsenen Dorfbewohner verzichten.

Was sich ebenfalls nicht verändert hat, ist, dass auch dieser Band mit der Protagonistin Flavia steht und fällt. In gewohnt sachlicher, manchmal auch herrlich selbstkritischer Manier widmet sich die 11-Jährige ihren chemischen Experimenten und treibt ihre Schwestern mit kleinen Sticheleien zur Weißglut. In „Vorhang auf für eine Leiche“ lernt der Leser, noch mehr als in den vorherigen Bänden, jedoch auch eine nachdenkliche, traurige Flavia kennen, die sich als das präsentiert, was sie ist: ein kleines Mädchen, das ihre Mutter vermisst und täglich um die Zuneigung ihrer Schwestern und die Anerkennung ihres Vaters kämpfen muss. Umso herzlicher muss man über Flavia schmunzeln, wenn sie den Schornstein auf dem Dach mit Vogelleim einpinselt, um dieses Jahr endlich einmal den Weihnachtsmann zu fangen.

Gut gefallen hat mir ebenfalls, dass auch dieser Band Verknüpfungen zu den vorherigen herstellt. So spinnt sich die Familiengeschichte der de Luces mit jedem Band konsequent fort, in jedem Buch erfährt man mehr über die einzelnen Charaktere; in diesem Band sind das vor allem Dogger und Tante Felicity. Aber auch auf die vergangenen Kriminalfälle wird immer wieder angespielt, was zum einem das Gedächtnis ein wenig auffrischt, wenn die Lektüre des letzten Bandes schon einige Zeit zurückliegt. Auf der anderen Seite fühlt sich der Leser Flavia umso mehr verbunden – schließlich hat man schon eine Menge Abenteuer miteinander erlebt.

Die Welt des Films, die sich in diesem vierten Band der Reihe darstellt, ist voller Glanz und Glamour, aber auch voller Schatten und Intrigen. Einigen dieser Geheimnisse kommt Flavia im Laufe der Handlung auf die Spur, denn so einige Personen am Set haben etwas zu verbergen. Doch auch die geschichtliche Entwicklung des Landes mit all ihren Folgen hat ihren Platz in der Reihe – eine Tatsache, die für mich persönlich die Romane noch einmal aufwertet. Vor allem an Dogger, dem Hausdiener der de Luces wird deutlich, was der Krieg aus einem Menschen machen kann. Erschreckend und rührend zugleich sind die Szenen, in denen Flavia ihn aus einem seiner heftigen Anfälle zurück in die Gegenwart holt – und das obwohl die kleine Giftmischerin nicht unbedingt für ihre Empathie bekannt ist. Die beiden scheinen sich auf eine ganz besonders Art und Weise zu verständigen, was auch wichtig ist, wenn man bedenkt, wie wenige Bezugspersonen Flavia eigentlich hat.

Vom Ausgang des Romans war ich dieses Mal völlig überrascht. Konnte ich in den vorherigen Bänden noch fleißig mitraten, tappte ich dieses Mal eine wirklich lange Zeit im Dunkeln. Mit der Auflösung bin ich aber völlig zufrieden, auch wenn für mich die Geschichte ruhig noch ein wenig länger hätte andauern können. So bleibt mir nun nichts weiter übrig, als mich auf die kommenden Bände zu freuen, in denen ich dann vielleicht endlich erfahre, wie es mit den de Luces und ihrer finanziellen Situation weitergeht. Eine kleine Wendung am Ende dieses Buches macht mir aber Hoffnung, dass Buckshaw doch nicht verkauft werden muss.

Fazit: ein großartiger Lesespaß, der wunderbar in die Advents- und Weihnachtszeit passt

5K

Knochenfinder / Melanie Lahmer

Titel: Knochenfinder

Autor: Melanie Lahmer

Seitenzahl: 459

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Bastei Lübbe-Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Knochenfinder“ ist der erste Roman der Autorin Melanie Lahmer; er wurde von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen mit einem Stipendium ausgezeichnet. In der Autorenbeschreibung vorne im Roman konnte ich außerdem lesen, dass sie selbst Geocacherin ist, Frau Lahmer weiß also, wovon sie spricht.

Handlung:

Im Rothaargebirge verschwindet der 17-jährige Schüler René spurlos. Noch während sich die Kommissarin Natascha Krüger auf die Suche nach dem jungen Mann macht, werden in 2 Geocaching-Verstecken in der Gegend abgetrennte Finger entdeckt. Schon bald darauf ist klar, dass zwischen beiden Ereignissen eine Verbindung besteht und Renés Leben ernsthaft in Gefahr ist. Natascha und ihre Kollegen Lorenz und Winterberg dringen immer tiefer in die Geocaching-Szene vor, machen aber auch an der Schule des verschwundenen Jungen grausige Entdeckungen. Vor allem Winterberg belastet der Fall sehr, schließlich gehen seine beiden Söhne auf die selbe Schule wie René und so fühlt er sich zwischen seiner Rolle als Vater und seinem Beruf hin- und hergerissen. Weiß sein älterer Sohn Niklas mehr als er zugeben will? Und wird das Team den verschwundenen Schüler rechtzeitig finden können, bevor der Täter sein schreckliches Werk vollenden kann?

Eigene Meinung:

„Knochenfinder“ wird in personaler Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mal erlebt der Leser hautnah die polizeilichen Ermittlungen mit, mal nimmt der Erzähler die Perspektive des Opfers oder des Täters ein. So gewinnt die Handlung zwar auf der einen Seite an Dimension, auf der andere Seite ist so aber auch schnell das Geschlecht des Täters verraten und der Verdächtigenkreis zumindest um einige wenige Personen verringert. Mit dem Schreibstil hatte ich zu Beginn meine Probleme. Einige Szenen waren in meinen Augen recht unbeholfen und nicht stimmig beschrieben, an anderen Stellen waren die verwendeten Begrifflichkeiten fast schon stereotyp. Auch die wörtliche Rede ist zum Teil nur wenig authentisch, so dass ich oft das Gefühl hatte, die betreffende Person würde so einfach nicht sprechen. Trotz allem liest sich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten aber flüssig und die Handlung nimmt an Fahrt auf.

Die Kommissarin Natascha Krüger ist zwar durchaus sympathisch beschrieben, dennoch blieb sie für mich den Roman über recht blass. Auf der einen Seite mochte ich ihren tierlieben Charakter, auf der anderen Seite fiel es mir aber schwer, darüber hinaus eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Generell gilt das leider für die meisten Personen: Winterbergs Umgang mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen konnte ich nicht nachvollziehen, ebenso war für mich die Stimmung im Team nicht greifbar. Handelt es sich hier tatsächlich um treu sorgende Kollegen oder um einen bunt zusammengewürfelten Haufen, in dem sich keiner für den anderen interessiert? Ein wenig Emotion kommt eigentlich erst in den Handlungsverlauf, als auch eines der Teammitglieder verschwindet.

Im Großen und Ganzen hatte Melanie Lahmer wohl einfach das Pech, dass ich kurz vor ihrem „Knochenfinder“ Ursula Poznanskis Geocaching-Roman „Fünf“ gelesen hatte. Das Grundgerüst ist nun wirklich sehr ähnlich: in Geocaching-Verstecken werden Körperteile gefunden, eine Ermittlerin macht sich mit ihrem Team auf die Suche, eine zarte Liebesgeschichte bahnt sich an usw. Natürlich geht die Handlung an vielen Punkten auch stark auseinander; so erweitert Melanie Lahmer ihren Roman noch um das Themengebiet „Gewalt(verherrlichung) an Schulen“, während Ursula Poznanski sich ganz auf das Geocaching konzentriert. Dennoch fällt mir im direkten Vergleich deutlich auf, dass in „Fünf“ einiges besser gelungen ist, so zum Beispiel die Tiefe der Charaktere oder der aufgebaute Spannungsbogen.

Am Schluss des Romans folgt dann auch der obligatorische Showdown, leider wurde ich aber auch hier enttäuscht. Im Verlauf der Handlung hatte ich die verschiedensten Theorien entwickelt, wer der Täter sein könnte und aus welchen Gründen er handeln könnte. Dabei war für mich grundsätzlich jeder verdächtig, denn von Sebastian Fitzek und ähnlichen Autoren bin ich gewohnt, dass alles immer ganz anders ist, als es erscheint. Deshalb war ich von der Auflösung des „Knochenfinders“ auch recht ernüchtert und auch das Motiv des Täters schien mir nur bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Wäre der Roman vielleicht meine erste Lektüre zu diesem Thema gewesen, hätte ich möglicherweise einen größerem Lesespaß verspürt – so hält sich meine Begeisterung aber leider in Grenzen.

Fazit: ein durchschnittlicher Lesegenuss für Geocaching-Fans

Tödliche Gaben / verschiedene Autoren

Titel: Tödliche Gaben

Autor: verschiedene

Seitenzahl: 215

Woher ich es habe: selbst gebraucht gekauft

Für eine meiner Challenges musste ich im Juli ein Buch mit Kurzgeschichten lesen. Und obwohl es eigentlich ein Weihnachtsbuch ist, fiel meine Wahl auf „Tödliche Gaben“ – eine Sammlung von Kurzkrimis der verschiedensten Autoren, darunter zwei meiner Lieblinge: Sebastian Fitzek und Simon Beckett. Weihnachtskrimis mitten im Sommer? Nun ja, eine rechte Weihnachtsstimmung kam beim Lesen sowieso nicht auf. Nur die wenigsten der 11 Geschichten spielen tatsächlich an Weihnachten und für einige davon ist das Fest eigentlich nur „schmückendes Beiwerk“ und fließt sonst kaum in die Handlung ein. Schade eigentlich, aus dem Thema hätte man mehr machen können.

Eigene Meinung:

Von den insgesamt 11 Kurzgeschichten konnten mich, ehrlich gesagt, nur wenige begeistern. Im Gegenteil: die meisten waren enttäuschend. Vor allem von Simon Beckett hätte ich mir wirklich mehr erwartet, zumal er nicht nur die Sammlung eröffnet, sondern es sich sogar um eine Erzählung aus seiner David Hunter-Reihe handelt. So wird der forensische Anthropologe im tiefsten Schneefall zu einem Leichenfund gerufen, diskutiert kurz mit den Anwesenden, wirft einen schnellen Blick auf die Tote und schon ist die Geschichte vorbei. Mehr als unspektakulär, kann ich da nur sagen – eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Die Folgegeschichte von Oliver Bottini um einen Mörder, der nach 15 Jahren Gefängnis Rache an denjenigen nimmt, die ihn hinter Gitter gebracht haben, hat schon mehr Potenzial, erscheint dann aber doch zu konstruiert.

Chris Mooney hingegen macht mit seiner Geschichte um seine Darby McCormick-Reihe Lust auf mehr. Eine interessante Ermittlerin sowie ein spannender, wenn auch nur kurz angerissener Fall machen neugierig auf die Romane. Auch der Deutsche Friedrich Ani überzeugt mit „Wo es dem Verbrecher schmeckt“.  Die Geschichte um ein geplantes Verbrechen, das sich auf einmal völlig anders entwickelt, ist extrem spannend und gut konstruiert und somit wandert der Autor mit auf meine Merkliste. Linwood Barclay steuert mit „Wichteltod“ einen der wenigen Kurzkrimis bei, die tatsächlich auch etwas mit Weihnachten zu tun haben. Der Autor war mir zwar vorher schon namentlich bekannt, gelesen hatte ich aber noch nichts von ihm. Gut gefallen hat mir an der Erzählung auf jeden Fall, dass sie auch humorvolle Züge hat.

Ein weiterer Favorit aus dem Sammelband ist Erzählung der Finnin Leena Lehtolainen um ihre Ermittlerin Maria Kallio und ein kleines Mädchen, das während der Feiertage entführt wird. Skandinavische Krimis interessieren mich ja schon eine Weile und die Reihen der beiden Autorinnen Viveca Sten (Schweden) und Yrsa Sigurðardóttir (Island) gehören zu meinen absoluten Lieblingsreihen. Schön, dass ich nun noch eine Finnin mit auf die Liste setzen kann, denn auf die Mario Kallio-Reihe habe ich dank der Kurzgeschichte richtig Lust bekommen. Leider machen bereits die nächsten beiden Geschichten von Felicitas Mayall und Jay Bonansinga den guten Eindruck wieder zunichte. Ein naiver, selbstverliebter Pater auf Verbrecherjagd und ein Landstreicher, der sein Gedächtnis verloren hat und von Elfen verfolgt wird – nein, das konnte mich nun wirklich nicht überzeugen.

Veit Heinichens Kurzgeschichte „Der Baum“ verdient zwar die Bezeichnung Krimi nicht, zeichnet aber immerhin recht amüsant die Freuden der Vorweihnachtszeit nach. So hat der Kommissar Proteo Laurenti in dieser Erzählung nicht etwa mit Verbrechern zu kämpfen, sondern – und das ist möglicherweise noch viel schlimmer – mit seinen beiden Töchtern, die kurzer Hand den Fiat Punto ihrer Mutter zum Diebstahl eines riesigen Weihnachtsbaumes missbraucht haben. Dass das nicht ohne Schelte des Herrn Papa und vor allem nicht ohne Kratzer im Lack von Statten gehen kann, ist natürlich klar. Sehr komisch! Reihe und Autor landen ebenfalls auf dem Muss-ich-lesen-Zettel.

Nach einer durchschnittlichen Erzählung von Kate Pepper über eine Sekretärin, die zu viel weiß und ihren kriminellen, aber immerhin gut aussehenden Chef, bin ich dann endlich bei dem Kurzkrimi angelangt, auf den ich schon das gesamte Buch über gewartet habe: „Allein“ von Sebastian Fitzek. Zum Glück enttäuscht er im Gegensatz zu Simon Beckett den Leser hier nicht. Die Geschichte um Jacob Sinner, seine Frau Katharina und einen schrecklichen Albtraum wird in gewohnt spannender Fitzek-Manier erzählt und natürlich folgt am Ende wieder einmal die überraschende Wendung.

Das Buch schließt mit einer kurzen Vorstellung aller im Band versammelten Autoren, was durchaus hilfreich ist, denn so erhält man einen guten Überblick und kann sich die Reihen der neu entdeckten Autoren notieren. Begeistert bin ich nach der Lektüre von „Tödlich Gaben“ zwar nicht, aber immerhin habe ich den ein oder anderen Autor kennengelernt, den ich mir gerne näher ansehen möchte. Für jemanden, der die meisten Autoren des Bandes schon kennt, dürfte das Ganze jedoch keine lohnende Anschaffung sein.

Fazit: Eine eher durchwachsene Krimi-Sammlung mit einigen wenigen Highlights