Tag-Archiv | Homosexualität

So oder so / Anja Kömmerling & Thomas Brinx

SOS_DualCover_1Titel: So oder so

Autoren: Anja Kömmerling & Thomas Brinx

Seitenzahl: 230

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich ganz herzlich bei Beltz & Gelberg für die Übersendung des Buches bedanken!

Handlung:

Jella und ihre beste Freundin Bella haben schon seit langem ihr erstes Festivalwochenende bei Rock am Ring geplant. Auch Lasse, Mc Fitti, Bellas Cousine Soleil und die zahme Ratte Sportsfreund sind mit von der Partie. Doch dann kommt auf einmal alles anders und es ist die Wahl zwischen Salami und Marmelade auf Jellas Frühstückstoast, die das Wochenende völlig verändern soll. Entscheidet sie sich für die Salami, fährt Jella mit ihren Freunden im Zug zu Rock am Ring und trifft dort auf den gutaussehenden Goran. Wählt sie aber die Marmelade, muss sie auf einmal mit ihrer nervigen kleinen Halbschwester Violetta im Schlepptau zum Festival trampen – ungewiss, ob sie überhaupt pünktlich zum Konzert ihrer Lieblingssängerin PerLe dort ankommen wird.

Eigene Meinung:

„So oder so“ ist wirklich ansprechend und vor allem passend zum Inhalt gestaltet. Das Buch lässt sich von beiden Seiten her lesen – die beiden unterschiedlichen Versionen der Handlung treffen sich in der Mitte des Buches, wo Schemen einer begeisterten Menge bei einem Konzert zu sehen sind. Und auch die Cover sind dem Inhalt des Buches angepasst: auf dem einen ist Jellas Frühstücksbrot mit Salami, auf dem anderen das mit Marmelade zu sehen. Die Herzform macht nochmal deutlich, worum es in dieser Geschichte hauptsächlich geht: die Liebe. Diese Gestaltung dürfte der Zielgruppe sicher gefallen und auch auf mich wirkt sie sehr stimmig.

Jellas Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven in der Gegenwartsform erzählt. Meistens ist es Jella, die wir als Leser begleiten, aber auch andere Charaktere wie Soleil oder Violetta kommen zu Wort. Dabei wird auch auf vieles eingegangen, was sich nur im Inneren der Figuren abspielt: Gedanken und Gefühle werden unvermittelt eingeflochten – so weiß man stets, was in ihnen vorgeht und durch das Präsens wirkt alles so, als geschehe es jetzt gerade, in diesem Moment. Sprachlich ist alles an die jeweiligen Personen angepasst. Jella spricht also nur von ihrer „Sis“ und kreischt ständig „Wir sind Ringrocker“. Das soll wohl authentisch wirken und den Schulterschluss zu den Teenie-Lesern bringen, aber ganz ehrlich: auf mich wirkt es einfach nur aufgesetzt. Aber vielleicht bin ich einfach nur alt und spießig und will es nicht wahrhaben, dass 16-Jährige alle so reden und denken.

Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist tatsächlich die Wahl des Toastbelags, mit der sich für Jella das ganze Wochenende ändert. Die Salami-Geschichte verläuft, alles in allem, etwas harmonischer, auch wenn Jella erstmal vor ihrer Mutter fliehen muss, die ihr zu gerne Violetta aufs Auge drücken würde. Überhaupt macht Mutter Stine auf mich einen recht überforderten und selbst wenig erwachsenen Eindruck – in beiden Geschichten ist sie kein Vorbild. Violetta hingegen war mir sofort sympathisch, auch wenn sie natürlich eine kleine Nervensäge ist. Die Marmeladen-Geschichte schlägt dann doch deutlich ernstere Töne an und mir persönlich wäre es lieber gewesen, ich hätte diese zuerst gelesen. (Wer das Buch liest, dem wird vielleicht auffallen, was ich meine. Ich sage nur so viel: Johannes.)

In „So oder so“ werden durchaus einige ernste Themen angesprochen: es geht um Alkoholismus, um psychische Krankheiten, aber auch um Homosexualität. Das alles wird recht geschickt in die Handlung verpackt, ohne dass zu sehr die moralische Keule geschwungen wird. Dennoch bleibt die Geschichte darüber hinaus ziemlich belanglos und verliert sich in Teeniesprache und banalen Handlungselementen. Nur der Strang über Jella und Soleil konnte mich wirklich überzeugen, davon hätte ich gerne mehr gelesen. Doch an der spannendsten Stelle ist dann auch schon Schluss. Naja, immerhin umfasst jede Version auch nur 115 Seiten – da kann schon fast von Kurzgeschichten gesprochen werden. Und dafür hat das Buch mit 12,95 Euro einen mehr als stolzen Preis!

Fazit: Grundsätzlich eine nette Idee, an deren Umsetzung es dann aber deutlich hapert

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Wanted. Ja. Nein. Vielleicht / Lena Hach

SAM_2218_1Titel: Wanted. Ja. Nein. Vielleicht

Autor: Lena Hach

Seitenzahl: 153

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich bei Beltz & Gelberg für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

„Wanted. Ja. Nein. Vielleicht“ ist das erste Jugendbuch der in Berlin lebenden Autorin Lena Hach. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Kreatives Schreiben und arbeitet heute als freie Journalistin und Schriftstellerin. Es lohnt sich definitiv, Lena Hach im Auge zu behalten. Nähere Informationen zu ihr gibt es auf ihrer Homepage.

Handlung:

Liebeskummer der Stufe zehn, das ist die Diagnose von Finns bestem Freund Moritz. Denn der versucht gerade mit einem ausgeklügelten Anti-Liebeskummer-Plan, Finn über die Trennung von Sofie hinwegzuhelfen. Fast ein Jahr waren die beiden zusammen und Finn, der von einem Tag auf den anderen verlassen wurde, weiß so gar nicht, wie er mit dieser Situation umgehen soll. Doch dann trifft er eines Tages auf Lara, die wahnsinnig lustige und kreative Abrisszettel in ganz Berlin aufhängt. Dieses Mädchen muss Finn unbedingt kennen lernen und so macht er sich, natürlich mit Moritz‘ Hilfe, auf die Suche. Und als sich sich für Finn endlich das Blatt zu wenden scheint, passieren auf einmal einige unvorhergesehene Dinge. Wie wird er damit zurechtkommen? Und kann es ein Happy End für Finn und Lara geben?

Eigene Meinung:

Cover und Titel sind, in meinen Augen, sehr gut auf den Inhalt abgestimmt. Auf dem vorderen Einband sind die Köpfe eines Jungen und eines Mädchen zu sehen, die beide perfekt zu den Beschreibungen von Finn und Lara passen. Er mit seinen auffallenden roten Locken und sie mit dem dunklen Haar und dem leicht geheimnisvollen Aussehen. Der Titel des Romans spielt auf die Abrisszettel an, die das treibende Element der Handlung darstellen. Auch das Layout ist in diesem Fall sehr gelungen, denn die Worte Ja, Nein und Vielleicht sind wie die kleinen Abriss-Abschnitte auf einem von Laras Zetteln gestaltet – wirklich eine schöne Idee! Im Inneren kommt das Buch dann eher schlicht daher, bildet aber glücklicherweise Laras kleine Kunstwerke ab. Und die machen einem wirklich Lust darauf, selbst solche Abrisszettel aufzuhängen oder zumindest welche in der eigenen Heimatstadt zu entdecken.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Lara und Finn jeweils in der Ich-Form erzählt. Wer gerade an der Reihe ist, das verrät die Kapitelüberschrift. Die beiden sind auf ihre Art jeweils sehr sympathische und witzige Figuren. Lara fällt durch ihre Unangepasstheit und ihre Kreativität auf. Sie ist anders, als die anderen Mädchen in ihrem Alter und dessen ist sie sich auch bewusst. Finn hingegen ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, der unter dem Verlust seiner ersten großen Liebe leidet. Von der lässt er sich leider auch gerne einmal manipulieren, so dass man ihn am liebsten an den Schultern packen und schütteln möchte. Ein Highlight ist Finns bester Freund Moritz. Äußerlich ein völliger Nerd, der natürlich auch Mitglied im Schachclub ist, zieht er seltsamerweise die Blicke der Mädchen mehr auf sich, als Finn mit seinem feuerroten Schopf. Dem gegenüber ist er absolut loyal und hat für sich beschlossen, ihm schnellstmöglich aus seinem Liebeskummer zu helfen.

Was sich eigentlich nur nach einer ganz normalen Liebesgeschichte für junge Leser anhört, entwickelt im Lauf der Handlung eine ungeahnte Tiefe. Neben Beziehungsproblem und Freundschaft tauchen auf einmal andere Themen wie Homosexualität, Verlust eines Kindes, Depression und Scheidung auf. Diese fügen sich gut in den Plot ein, ohne allzu aufgesetzt oder übertrieben zu wirken. Und in solchen Situationen geschieht es auch, dass Finn zeigt, was in ihm steckt und was ihn vielleicht von anderen Jungs in seinem Alter unterscheidet. Obwohl er oft nicht weiß, was er sagen soll, wenn Lara ihm von ihrem Leben erzählt, so ergreift er doch nicht die Flucht und tut, was er am besten kann: Zuhören.

Am Ende muss Finn für sich eine wichtige Entscheidung treffen – eine Entscheidung, nicht nur zwischen zwei Mädchen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Nein, es ist auch eine Entscheidung, zwischen zwei Arten von Beziehungen, zwei Arten, in Zukunft weiter zu leben. Will er lieber die sorglose, aber doch einseitige Beziehung mit Sofie fortsetzen, für die er immer noch etwas empfindet oder will er mit Lara etwas ganz Neues, Ernsthafteres, aber auch Schwieriges wagen. Mit dem Schluss bin ich so zufrieden, wie er ist, auch wenn er doch recht abrupt kommt und eine Menge Dinge offen lässt. Generell sind knappe 150 Seiten natürlich etwas kurz für einen Roman und haben für mich eher einen Novellen-Charakter, weil sie eigentlich nur einen Ausschnitt präsentieren. Dieser Ausschnitt hat mich aber sehr gut unterhalten und macht mich neugierig darauf, was wir sonst noch von Lena Hach erwarten können.

Fazit: ein schönes Jugendbuch für Leser ab 12, das gut und gerne noch ein paar Seiten mehr hätte vertragen können

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The coincidence of Callie & Kayden / Jessica Sorensen

Cover Callie & KaydenTitel: The coincidence of Callie & Kayden

Autor: Jessica Sorensen

Seitenzahl: 276

Woher ich es habe: selbst gekauft

„The coincidence of Callie & Kayden“ ist einer der zahlreichen Romane der Amerikanerin Jessica Sorensen, die bisher vorwiegend Ebooks veröffentlicht hat. Neben der Reihe um Callie & Kayden, die am 28. Februar endlich mit Band 2 fortgesetzt werden soll, hat die Autorin noch 5 weitere Reihen und einen Einzelroman auf Lager. Mir war Jessica Sorensen ja überhaupt kein Begriff, bis ich von der lieben Elskamin mit der Nase darauf gestoßen wurde – vielen Dank dafür! Nach der Lektüre von „The coincidence of Callie & Kayden“ war mir sofort klar, dass ich eine neue Autorin für mich entdeckt hatte, deren weitere Reihen ich unbedingt noch lesen muss. Und für alle diejenigen, die keinen Ebook-Reader besitzen: die Buchausgabe ihres Ebooks „The secret of Ella and Micha“ erscheint Ende März.

Handlung:

Callie und Kayden kennen sich seit ihrer Kindheit, doch sie hatten nie wirklich etwas miteinander zu tun. Das ändert sich schlagartig, als Callie ihrer Bruder von einer Party im Haus von Kaydens Eltern abholen will und dabei Zeugin einer dramatischen Szene wird: Kayden wird von seinem Vater geschlagen, zu Boden geworfen und mit Fußtritten traktiert. Callie zögert keinen Moment und greift ein, womit sie Kayden vermutlich das Leben rettet. Hin und her gerissen zwischen Scham und einer unglaublichen Zuneigung zu dem Mädchen, das sich schützend vor ihn gestellt hat, obwohl er sie all die Jahre kaum beachtet hat, weiß Kayden nicht, wie er reagieren soll. Denn in Nachbarschaft und der Schule ist Callie als seltsam verschrien, seit sie sich an ihrem 12. Geburtstag die Haare abgeschnitten hat und seitdem in der seltsamsten Kleidung zur Schule kommt. Zunächst trennen sich die Wege der beiden also wieder, bis der Zufall sie ein weiteres Mal zusammenführt.

4 Monate später. Callie ist inzwischen auf dem College und beginnt ganz zaghaft den Weg in ein neues Leben. In dem lebenslustigen Seth hat sie ihren besten Freund gefunden, der immer für sie da ist und sie versteht wie kein anderer. Nur ihm hat sie anvertraut, was damals an ihrem 12. Geburtstag geschehen ist. Und auch Seth ist nicht auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsen. Da taucht auf einmal Kayden vor Callie auf und es stellt sich heraus, dass die beiden sich, ohne es zu ahnen, für dasselbe College entschieden haben. Endlich hat er die Chance, sich bei Callie zu bedanken und zwischen den beiden entwickelt sich erst Freundschaft und dann eine zarte Liebe. Doch Callie ist es nicht gewohnt, einem anderen zu vertrauen und auch Kayden hat nie gelernt, mit Gefühlen umzugehen. Können die beiden es gemeinsam schaffen?

Eigene Meinung:

Die Handlung wird wechselnd aus der Sicht von Callie und Kayden erzählt. Ein Prolog schildert zunächst das Ereignis, das die beiden zum ersten Mal zusammenbringt: den Vorfall in Kaydens Elternhaus und Callies beherztes Eingreifen. Die Geschichte wird 4 Monate später fortgesetzt. Um Callie den Weg zurück ins Leben zu erleichtern, hat Seth für sie eine Liste mit Dingen erstellt, die sie unbedingt tun muss. Jedes Kapitel trägt als Überschrift eine dieser Aufgaben, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen. An ihnen hangelt sich Callie entlang; erst sind es Kleinigkeiten wie ein farbiges T-Shirt oder ein Abendessen mit einem Fremden, dann geht es um elementare Dinge wie Selbstbewusstsein, Vertrauen und Liebe. Aber „The coincidence of Callie & Kayden“ ist  – wie der Titel schon sagt – vor allem eine Geschichte über die Zufälle im Leben, Zufälle, die alles verändern können.

In the existence of our lives, there is a single coincidence that brings us together and for a moment, our hearts beat as one. (Kapitel 5)

In einigen Rezensionen habe ich die Kritik gelesen, die Häufung der Schicksalsschläge, die die Protagonisten in dem Roman durchmachen mussten, sei völlig unrealistisch. Doch für mich persönlich sind es gerade diese Charaktere, die es nicht immer nur gut gehabt haben im Leben, die das Buch so authentisch und bewegend machen. Denn auch wenn wir gerne die Augen davor verschließen möchten, gibt es noch viel zu viele Callies, Kaydens und Seths da draußen. Trotz ihrer Vergangenheit sind alle drei absolute Sympathieträger, vor allem Seth hat es mir mit seiner lustigen Art angetan; seine Fürsorge für Callie war unglaublich rührend. Doch auch Callie und Kayden wachsen dem Leser schnell ans Herz. Eigentlich sind sie sich unheimlich ähnlich, auch wenn beide mit ihrem Schicksal völlig unterschiedlich umgehen. Mit Argusaugen verfolgt man jeden Schritt, den die beiden aufeinander zugehen und ist traurig über jeden Rückschritt und jedes Hindernis, das sich den beiden in den Weg stellt. Und wenn die beiden sich endlich finden und sich wie Ertrinkende aneinander klammern, freut man sich unbändig mit ihnen, auch wenn natürlich die Angst bleibt, dass die beiden sich gegenseitig in die Tiefe ziehen könnten.

Jessica Sorensen gelingt es, trotz aller Widrigkeiten eine wunderschöne Liebesgeschichte zu erschaffen. Ihre Sprache ist klar und ehrlich, aber manchmal auch leise und poetisch. Wenn sie beschreibt, wie Callie und Kayden wie Kinder aufeinander zutapsen, rührt es einen immer wieder zu Tränen. Ihre Geschichte ist denjenigen gewidmet, die nicht gerettet wurden und der Handlungsverlauf macht deutlich, dass es reine Glückssache ist, ob man selbst auf der Schatten- oder auf der Sonnenseite des Lebens steht.

Life is full of luck, like getting dealt a good hand, or simply by being in the right place at the right time. Some people get luck handed to them, a second chance, a save. It can happen heroically, or by a simple coincidence , but there are those who don’t get luck on a shiny platter, who end up in the wrong place at the wrong time, who don’t get saved. (Prolog)

Das Ende kommt überraschend und doch auch wieder nicht, denn an sich war es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Ähnliches passieren musste. Dennoch war ich geschockt über den Lauf, den die Geschichte genommen hat und über diesen riesigen Cliffhanger, mit dem man als Leser nun leben muss. Meine Gedanken waren auch nach dem Lesen noch lange Zeit bei Callie und Kayden. Wie werden sie mit dieser neuen Hürde in ihrer Beziehung umgehen? Was wird aus Kayden werden? Wird Callie nun wieder in alte Muster zurückfallen? Und ist Seth auch endlich die große Liebe vergönnt?

Fazit: eine wunderschöne, aber auch bedrückende Geschichte über 2 Menschen, die es im Leben nie leicht hatten

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