Tag-Archiv | Flavia de Luce

Flavia de Luce. Vorhang auf für eine Leiche / Alan Bradley

Cover Flavia de Luce 4Titel: Flavia de Luce. Vorhang auf für eine Leiche (I am half-sick of shadows)

Autor: Alan Bradley

Seitenzahl: 308

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim penhaligon Verlag  für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier oder hier. Außerdem möchte ich euch auch die wirklich toll gestaltete Website zur gesamten Reihe nicht vorenthalten.

„Vorhang auf für eine Leiche“ ist (nach „Mord im Gurkenbeet“, „Mord ist kein Kinderspiel“ und „Halunken, Tod und Teufel“) bereits der vierte Roman um die findige kleine Giftmischerin Flavia de Luce. Ihr Schöpfer ist der sympathische Kanadier Alan Bradley, dem mit knapp 70 Jahren der schriftstellerische Durchbruch gelang. Für den ersten Band um Flavia erhielt er sogar den begehrten Dagger Award und kann sich daher nun nur noch seiner größten Leidenschaft widmen: dem Schreiben. Dieser Leidenschaft verdankt seine treue Fangemeinde auch, dass für Flavia vorerst kein Ende in Sicht ist. Im englischen Original sind für Anfang 2013 und 2014 jeweils die Bände 5 und 6 angekündigt.

Handlung:

Der Winter hat auf Buckshaw Einzug gehalten, es sind nur noch wenige Tage bis zum Weihnachtsfest. Flavia de Luce hat alle Hände voll zu tun, denn sie hat ihre ganz eigenen Pläne für die Festtage. Da passt es ihr so gar nicht in den Kram, dass ihr Vater aus Geldnot das ganze Anwesen an eine Filmfirma vermieten muss und sie die Hälfte der Räume auf einmal nicht mehr betreten soll. Doch Flavia wäre nicht Flavia, wenn sie nicht dennoch ein wenig hinter der Kulissen herumschnüffeln würde. Als dann auch noch die berühmte Schauspielerin Phyllis Wyvern auf Buckshaw eintrifft, ist das ganze Örtchen Bishop’s Lacey in Aufregung. Mit seinem unbestechlichen Charme gelingt es dem Vikar sogar, die Diva zu einer Vorführung von „Romeo & Julia“ zu überreden, zu der alle Dorfbewohner eingeladen sind. Doch nach der Vorstellung müssen die begeisterten Zuschauer zu ihrem Entsetzen feststellen, dass Buckshaw völlig eingeschneit und somit von der Außenwelt abgeschnitten ist. Und genau in dieser Nacht geschieht ein Mord…

Eigene Meinung:

Die Kriminalhandlung in Flavias neuestem Fall erinnert ein wenig an einen Agatha Christie-Roman. Eine Gruppe von Personen ist in einem alten Herrenhaus vom Rest der Welt abgeschnitten. Niemand kann herein, niemand kann nach draußen fliehen. Als in dieser Situation ein Mitglied des Filmteams erdrosselt aufgefunden wird, ist eines sofort klar: der Mörder oder die Mörderin muss sich unter den Anwesenden befinden. Diesen Schluss zieht Flavia natürlich auch sofort und stürzt sich mit Begeisterung in die Ermittlungen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bänden spielt dieser also einzig und allein auf Buckshaw und nicht, wie sonst üblich, in der gesamten Umgebung von Bishop’s Lacey. Diese Veränderung stellt eine willkommene Abwechslung dar und auch wenn Flavia in diesem Band nicht auf ihrem treuen Fahrrad Gladys herumsausen kann, muss der Leser dank der Schneemassen dennoch auf keinen der inzwischen ans Herz gewachsenen Dorfbewohner verzichten.

Was sich ebenfalls nicht verändert hat, ist, dass auch dieser Band mit der Protagonistin Flavia steht und fällt. In gewohnt sachlicher, manchmal auch herrlich selbstkritischer Manier widmet sich die 11-Jährige ihren chemischen Experimenten und treibt ihre Schwestern mit kleinen Sticheleien zur Weißglut. In „Vorhang auf für eine Leiche“ lernt der Leser, noch mehr als in den vorherigen Bänden, jedoch auch eine nachdenkliche, traurige Flavia kennen, die sich als das präsentiert, was sie ist: ein kleines Mädchen, das ihre Mutter vermisst und täglich um die Zuneigung ihrer Schwestern und die Anerkennung ihres Vaters kämpfen muss. Umso herzlicher muss man über Flavia schmunzeln, wenn sie den Schornstein auf dem Dach mit Vogelleim einpinselt, um dieses Jahr endlich einmal den Weihnachtsmann zu fangen.

Gut gefallen hat mir ebenfalls, dass auch dieser Band Verknüpfungen zu den vorherigen herstellt. So spinnt sich die Familiengeschichte der de Luces mit jedem Band konsequent fort, in jedem Buch erfährt man mehr über die einzelnen Charaktere; in diesem Band sind das vor allem Dogger und Tante Felicity. Aber auch auf die vergangenen Kriminalfälle wird immer wieder angespielt, was zum einem das Gedächtnis ein wenig auffrischt, wenn die Lektüre des letzten Bandes schon einige Zeit zurückliegt. Auf der anderen Seite fühlt sich der Leser Flavia umso mehr verbunden – schließlich hat man schon eine Menge Abenteuer miteinander erlebt.

Die Welt des Films, die sich in diesem vierten Band der Reihe darstellt, ist voller Glanz und Glamour, aber auch voller Schatten und Intrigen. Einigen dieser Geheimnisse kommt Flavia im Laufe der Handlung auf die Spur, denn so einige Personen am Set haben etwas zu verbergen. Doch auch die geschichtliche Entwicklung des Landes mit all ihren Folgen hat ihren Platz in der Reihe – eine Tatsache, die für mich persönlich die Romane noch einmal aufwertet. Vor allem an Dogger, dem Hausdiener der de Luces wird deutlich, was der Krieg aus einem Menschen machen kann. Erschreckend und rührend zugleich sind die Szenen, in denen Flavia ihn aus einem seiner heftigen Anfälle zurück in die Gegenwart holt – und das obwohl die kleine Giftmischerin nicht unbedingt für ihre Empathie bekannt ist. Die beiden scheinen sich auf eine ganz besonders Art und Weise zu verständigen, was auch wichtig ist, wenn man bedenkt, wie wenige Bezugspersonen Flavia eigentlich hat.

Vom Ausgang des Romans war ich dieses Mal völlig überrascht. Konnte ich in den vorherigen Bänden noch fleißig mitraten, tappte ich dieses Mal eine wirklich lange Zeit im Dunkeln. Mit der Auflösung bin ich aber völlig zufrieden, auch wenn für mich die Geschichte ruhig noch ein wenig länger hätte andauern können. So bleibt mir nun nichts weiter übrig, als mich auf die kommenden Bände zu freuen, in denen ich dann vielleicht endlich erfahre, wie es mit den de Luces und ihrer finanziellen Situation weitergeht. Eine kleine Wendung am Ende dieses Buches macht mir aber Hoffnung, dass Buckshaw doch nicht verkauft werden muss.

Fazit: ein großartiger Lesespaß, der wunderbar in die Advents- und Weihnachtszeit passt

5K

Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet / Alan Bradley

Titel: Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet (The sweetness at the bottom of the pie)

Autor: Alan Bradley

Seitenzahl: 379

Woher ich es habe: gebraucht gekauft

„Mord im Gurkenbeet“ ist der erste Teil der Reihe um die kleine Giftmischerin Flavia de Luce. Auf Deutsch sind inzwischen schon 2 weitere Teile erschienen – „Mord ist kein Kinderspiel“ und „Halunken, Tod und Teufel“ – im Original sind es schon vier Bände, geplant sind aber noch einige weitere.

Handlung:

Die 11-jährige Flavia ist anders als andere Kinder im selben Alter, denn sie hegt ein großes Interesse für die Chemie und verbringt am liebsten den ganzen Tag in ihrem eigenen Labor. Mit ihren beiden Schwestern Ophelia und Daphne verbindet sie eine leidenschaftliche Hassliebe. Während die beiden Flavia regelmäßig gefesselt und geknebelt in den Wandschrank sperren, experimentiert die kleine Giftmischerin gerne mit Ophelias Lippenstift oder macht sich über die Leseratte Daphne lustig. Harriet, die Mutter der drei Mädchen ist leider bereits gestorben, und so leben sie nur mit ihrem schweigsamen und unnahbaren Vater und dem Angestellten Dogger auf dem Anwesen Buckshaw. Als Flavia eines Nachts einen Sterbenden im hauseigenen Gurkenbeet findet und der Verdacht sofort auf ihren Vater fällt, ist ihr eines klar: sie selbst muss den Mörder dingfest machen, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen.

Meine Meinung:

Als erstes möchte ich auf das Cover der deutschen Ausgabe eingehen, denn die gefällt mir wirklich gut. Genau so wie das Mädchen auf dem Titel habe ich mir Flavia vorgestellt, ein wenig wie Wednesday aus der „Addams Family“ – unscheinbar, fast schon ein wenig gruselig mit dunklen Haaren und definitiv ein kleines Mädchen, das man gerne unterschätzt. Und mit diesem kleinen Mädchen steht und fällt die gesamte Handlung. Ich denke, man kann die altkluge, sehr erwachsene und intelligente Flavia nur lieben oder hassen, etwas dazwischen gibt es wohl nicht. Ich für meinen Teil liebe Flavia – ich liebe ihre trockene Art, ihre Begeisterung für alles Chemische und ihre bedingungslose Loyalität zu denen, die sie liebt. In anderen Rezensionen habe ich immer wieder gelesen, dass sie vielen  zu intelligent, zu wagemutig war, aber für mich macht gerade das den Reiz des Buches aus. Und es geht ja nun nicht darum, wie realistisch es ist, dass sich eine 11-Jährige so verhält. Da muss man sich  – meiner Meinung nach – einfach auf die Handlung einlassen.

„Mord im Gurkenbeet“ ist, wie der Titel schon verrät, ein Kriminalroman, der sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche geeignet ist. Und an Flavia ist wirklich eine Detektivin verloren gegangen, denn als sie eines Nachts völlig überraschend einen Unbekannten im Gurkenbeet findet, der ihr nur noch das Wort „Vale“ zuraunen kann, erschreckt oder ekelt sie sich nicht. Im Gegenteil: Sie ist fasziniert und beginnt auf der Stelle in guter alter Sherlock Holmes-Manier zu ermitteln. Sie ist es auch, die den zum Tatort gerufenen Inspektor Hewitt zur Leiche führt und ihn mit dem Geständnis überrascht, sie habe den mysteriösen Mann getötet. Denn der hatte sich am Tag zuvor heftig mit ihrem Vater gestritten und Flavia versucht nun, ihren Vater vor einer Mordanklage zu beschützen. Überhaupt zeigt sich immer wieder deutlich in der Geschichte, dass Flavia nicht immer nur die kluge, kleine Giftmischerin ist, sondern auch ein ganz normales Mädchen, das seine Nase gerne in Dinge steckt, die es nichts angehen, sich aber manchmal auch am liebsten in den Arm ihres Vater werfen möchte. Doch der scheint in seiner eigenen Welt zu leben, was vielleicht erklärt, warum Flavia sich eben mit anderen Dingen beschäftigen musste.

Die Sprache des Romans ist einfach herrlich. Vor allem Flavia hat eine sehr ehrliche, trockene und witzige Sprache. Sie analysiert gerne Menschen und Situationen um sich herum und gibt dann die passenden Kommentare dazu ab. Aber auch die anderen Charaktere sind wundervoll gestaltet, vor allem die Bewohner von Buckshaw. Egal, ob das die eitle Ophelia oder die ruhigere Daphne ist, der wenig intelligente Dogger oder die Haushälterin Mrs. Mullet, deren Backkünste gefürchtet sind – alle sind authentisch und ab der ersten Zeile sympathisch. Die Handlung an sich ist sehr spannend erzählt, wie es sich eben für einen richtigen Krimi gehört. Da die Geschichte aus Flavias Perspektive in Ich-Form geschildert wird, weiß man als Leser immer nur genau so viel, wie diese inzwischen aufgedeckt hat. Man sieht sich selbst auf ihrem geliebten Fahrrad, das sie Gladys nennt, die Hügel hinabrasen, recherchiert mit ihr in alten Zeitungen und befragt die Dorfbewohner. Am meisten hat mich die Szene bewegt, als Flavia ihren inzwischen als Hauptverdächtigen festgenommenen Vater im Gefängnis besucht und er ihr seine Lebensgeschichte erzählt. Hier lernt man eine ganz andere Seite der kleinen Chemikerin kennen, mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Die Auflösung des Kriminalfalls in der Geschichte kam für mich nicht allzu überraschend, denn sie hatte sich in den letzten Kapitel doch recht deutlich abgezeichnet. Aber das ist ja auch nicht ausschlaggebend – wichtig war für mich nämlich eher zu erfahren, wie Flavia es schaffen würde, den wahren Täter zu finden und ihn dingfest zu machen. Gut gefallen hat mir auch, dass es sich bei „Mord im Gurkenbeet“ zwar um den ersten Teil einer Reihe handelt, die Geschichte an sich aber in sich abgeschlossen ist. Dennoch liegt bereits der zweite Teil auf meinem SUB, denn ich möchte unbedingt wissen, wie es mit Flavia und ihrer Familie weitergeht und welche mörderischen Abenteuer sie noch erlebt.

Fazit: Ein wundervoller Kriminalroman für Erwachsene und Jugendliche, der von seiner charmanten Protagonistin lebt.