Tag-Archiv | Fantasy

Linkshänderland. Der Auftrag / Lara de Simone

SAM_3055_1Titel: Linkshänderland. Der Auftrag

Autor: Lara de Simone

Seitenzahl: 351

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten.

Ich bedanke mich herzlich bei Bastei Lübbe für die Übersendung des Buches!

Handlung:

Liam ist gerade einmal 16 Jahre alt, als sein Mentor Francis ihm angekündigt, dass er selbst einen Schützling unter seine Fittiche nehmen soll. Sein „Mentee“ ist die 13-jährige Trix, ein aufgewecktes, mutiges Mädchen. Und dann ist da noch Jannick, ein junger Medizinstudent, der von einem alten Freund zu einem Treffen in eine zwielichtige Kneipe bestellt wird. Alle drei haben eines gemeinsam: sie sind Linkshänder und haben somit Zugang zu einer Computersimulation, die das „Linkshänderland“ genannt wird. Eine Welt, parallel zu der unseren, in der nicht weniger Geheimnisse und Verrat existieren.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans fiel mir zuerst ins Auge und war, ehrlich gesagt, auch der Grund, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte. Noch begeisterter war ich, als sich nach etwa der Hälfte der Lektüre die doppelte Bedeutung des Bildes offenbarte. Im Gegensatz dazu kommt das Innere eher schlicht daher, mit einer klaren Schrift und Überschriften in Großbuchstaben. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und somit auch aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Da ist die lebenslustige, freche Trix, der nachdenkliche, aber mutige Liam und der zurückhaltende, manchmal etwas ängstliche Jannick. Leider bleiben die Charaktere etwas blass, ich hätte mir hier mehr Tiefe, mehr Emotionen gewünscht.

Die Grundidee des Romans ist nicht schlecht, dennoch blieb für mich die Frage nach der Motivation offen. Es wird zwar erklärt, dass die „Bestimmung“ und damit das Gründungsdokument des Linkshänderlands verloren gegangen ist, aber dennoch hätte ich mir etwas mehr Hintergrund gewünscht. Schön und gut: es gibt da also eine zweite Welt neben der unseren, in der dieselben Regeln gelten und in der es dieselben Probleme gibt. Zugänglich ist sie nur den Linkshändern. Aber warum genau ist das so? Da muss man sich schon wie Trix fragen, ob sich denn die Linkshänder für überlegen halten oder warum sie eigentlich diesen Ort des Austausches brauchen. Denn wenn ich, ganz naiv, meinen Freundeskreis betrachte, erschließt sich mir nicht, was Links- und Rechtshänder so sehr unterscheiden soll, dass es das Linkshänderland rechtfertigt. Vermutlich erfahren wir in einem weiteren Band mehr darüber, aber dieses Fehlen eines für mich wichtigen Handlungselements führt dazu, dass ich Teil 2 schon nicht mehr lesen mag.

Überhaupt erscheint mir einiges an dieser Computersimulation fragwürdig. Allein die Tatsache, dass Menschen gegen ihren Willen zwei Computerchips implantiert werden, stört mich doch gewaltig. Und dann soll ich als Leser noch hinnehmen, dass eine 13-Jährige, die bisher nicht mal wusste, dass sie Linkshänderin ist, das einfach so hinnimmt? Noch dazu führt das zweite Leben im LHL dazu, das anderes vernachlässigt wird. Es ist ja sehr schön für Trix, dass sie in Liam einen neuen Mentor und Freund erhält, aber dass sie darüber beinahe ihre Freundin Maike und ihre Familie vergisst, das kann und will ich auch gar nicht verstehen. Und wozu? Um in einer Simulation eine Art Hogwarts für Agenten zu besuchen.

Auch die Sprache konnte mich leider nur wenig überzeugen. Mal sprechen die Figuren so geschwollen, dass man ihnen ihr junges Alter nicht abnehmen kann, mal so schnodderig, dass es kaum zu ertragen ist. Und bei Sätzen wie „Das Wenige, das diese matten, beschädigten oder vollgekritzelten Scheiben noch reflektieren konnten, war ebenfalls matt, beschädigt oder vollgekritzelt.“ (Seite 50) muss ich mich doch etwas gruseln. Nach etwa der Hälfte des Romans werden dann endlich die Handlungsstränge zusammengeführt und die Frage nach dem „Was soll das eigentlich alles?“ beantwortet. Fortan werden Waffen gekauft, Treffen mit der Mafia abgehalten und spioniert und infiltriert, was das Zeug hält und wo Agenten sind, ist natürlich James Bond auch nicht weit. (Wenn auch nur in Gestalt von Jannick, dem man diese Rolle nun wirklich nicht abkauft.) Kurz gefasst: hier wurde viel gewollt, aber leider mangelhaft umgesetzt.

Fazit: eine halbgare Agentengeschichte mit blassen Charakteren – schade!

2K

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Forever. Das ewige Mädchen / Rebecca Hamilton

Cover Forever. Das ewige MädchenTitel: Forever. Das ewige Mädchen

Autor: Rebecca Hamilton

Seitenzahl: 411

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich bei DARKISS für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

„Forever. Das ewige Mädchen“ ist der erste Band der Forever Girl-Reihe. Im englischen Original ist neben Band 1 bereits ein Ebook bzw. Paperback  erschienen, dessen Handlung zwischen dem ersten und dem zweiten Teil angesiedelt ist. Band 2 soll in den USA noch diesen Winter erscheinen. Die Autorin selbst lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Florida. Der Autismus ihres Sohnes soll sie dazu inspiriert haben, Geschichten zu schreiben, die die Welt aus den Augen von Andersartigen betrachten. Das ist ihr in „Forever. Das ewige Mädchen“ mit Sophia durchaus gut gelungen.

Handlung:

Sophia weiß, dass die Menschen in ihrer Kleinstadt sie für eine böse Hexe halten und sie meiden, wo es nur geht. Dabei praktiziert die 22-Jährige einfach nur friedlich ihren Wicca-Glauben und würde keiner Fliege etwas zu leide tun. Nur ihre beiden Freundinnen Ivory und Lauren stehen Sophia zur Seite, sogar ihre Mutter hat sich den Anfeindungen durch die örtliche Kirchengemeinde angeschlossen und verurteilt den Lebensstil ihrer Tochter. Zu allem Überfluss hört Sophia seit ihrem 18. Geburtstag auch noch Stimmen, die in der letzten Zeit immer lauter zu werden scheinen. Wird sie etwa langsam verrückt oder was hat es mit diesen Geräuschen in ihrem Kopf auf sich? Als Sophia dann bei einem Club-Besuch mit Ivory Charles kennen lernt, wird ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Forever. Das ewige Mädchen“ fügt sich wunderbar in das Gesamtprogramm von DARKISS ein, übrigens ein Imprint von Mira Taschenbuch. Mit seinen düsteren Farben und der verschnörkelten Schrift stimmt es auf die Handlung ein, denn die ist wirklich dunkel und magisch zu gleich. Auch die junge Frau auf dem Titel ist gut gewählt, es könnte wirklich Sophia sein, die uns da ein wenig skeptisch, aber auch sehnsüchtig entgegen schaut. Im Inneren ist die Gestaltung, bis auf den ersten Buchstaben jedes Kapitels, recht schmucklos. Schade, man hätte hier ohne Weiteres noch mit den Schnörkeln und Ranken auf dem Titel weiterarbeiten können.

Die Geschichte wird aus Sophias Sicht in der Ich-Perspektive, mit einigen Rückblenden in die Vergangenheit, erzählt. So wird von Anfang an ein näherer Bezug zu der jungen Frau geschaffen und der Leser erfährt all ihre Gedanken, Ängste und Wünsche. Trotz aller Anfeindungen, ja all dem Hass, der ihr entgegen schlägt, ist Sophia außerordentlich sanftmütig geblieben. Der fanatischen Christin Mrs. Franklin, die sie zum Verkauf ihres Hauses bewegen will, tritt sie mit einer gehörigen Portion Gleichmut entgegen und auch mit ihrer Mutter zeigt sie eine Menge Geduld. Es ist wirklich bezeichnend, dass die „Dorfhexe“ sich hier, obwohl sie Wicca-Anhängerin ist, als eine bessere Christin präsentiert, als die beiden Katholikinnen zusammen. Aber gut, das hat religiöser Fanatismus wohl so an sich. Am meisten machen Sofia jedoch die Stimmen in ihrem Kopf zu schaffen, die sich als lautes Summen äußern. Niemandem kann sie davon erzählen, wenn sie nicht riskieren will, verlassen zu werden. Diese Angst lässt Sophia zu Beginn des Romans unglaublich einsam werden.

Die Situation ändert sich, als sie eines Abends Charles trifft. Der junge, gut aussehende Mann verhält sich ihr gegenüber sehr zwiegespalten: mal fühlt er sich von ihr verfolgt, mal sucht er ihre Nähe. Mal zieht er sie an sich, mal stößt er sie weg. Und weil die Handlung eben nur aus Sophias Perspektive erzählt wird, bleibt der Leser über Charles Absichten ebenso im Dunkeln wie sie. Nur eines ist relativ schnell klar: Charles ist kein gewöhnlicher Mensch und auch an Sophia hat er etwas Besonderes entdeckt. Schon bald nähern sich die beiden – trotz des anfänglichen Hin und Hers – an und geben zusammen ein wirklich starkes Paar ab. Doch noch ist nicht klar, ob die beiden in der Lage sein werden, die Hindernisse zu überwinden, die sich ihnen in den Weg stellen. Denn nicht alle sind den beiden Liebenden wohlgesonnen.

Es ist keine völlig neue Welt, die Rebecca Hamilton da erfindet. Einige Geschöpfe sind Fans von Paranormal Romance so oder ähnlich auch schon in anderen Reihen begegnet. Dennoch entwickelt die Autorin ein paar interessante Ideen, die auf den weiteren Verlauf der Reihe neugierig machen. Denn nach dem ersten Band ist zwar der Haupthandlungsstrang um Sophia und Charles abgeschlossen, doch einiges bleibt ungeklärt und weist darauf hinaus, was in den nächsten Bänden geschehen könnte. Alles in allem ist „Forever. Das ewige Mädchen“ auf jeden Fall ein gelungener Serienauftakt, nach dem es sich lohnt, auch die restlichen Bände im Auge zu behalten – in der Hoffnung, noch ein wenig mehr von den lieb gewonnenen Charakteren wie Sophia, Charles, Adrian, aber auch Lauren zu erfahren.

Fazit: ein interessanter erster Band, der Lust auf die gesamte Reihe macht

4K

Schattenblüte. Die Erwählten / Nora Melling

SAM_1986_1Titel: Schattenblüte. Die Erwählten

Autor: Nora Melling

Seitenzahl: 398

Woher ich es habe: bei Lovelybooks für eine Leserunde gewonnen – vielen Dank! (Übrigens auch an die Autorin für die schöne Leserunde!)

„Schattenblüte. Die Erwählten“ ist nach „Schattenblüte. Die Verborgenen“ und „Schattenblüte. Die Wächter“ nun der dritte und abschließende Band der Trilogie um Thursen und Luisa. Nora Melling selbst lebt in Berlin und hat so einen sehr speziellen und detailverliebten Blick auf die Handlungsorte ihrer Romane. Die meisten Schauplätze existieren tatsächlich und machen so Lust auf einen spontanen Ausflug in den Grunewald und seine Umgebung. Ich bin sehr gespannt, was wir nach dem Abschluss der Schattenblüte-Reihe als nächstes von der Autorin erwarten dürfen!

Band 1 und 2 setze ich in meiner Rezension übrigens als bekannt voraus. Wer die beiden Vorgängerromane also noch nicht gelesen hat, sollte jetzt lieber wegklicken. 😉

Handlung:

Nach einer schweren Verletzung durch Elias‘ Bruder Nick ist Luisa zur Werwölfin geworden. Und das ausgerechnet jetzt, wo Thursen für sie endgültig zum Menschsein zurückgekehrt ist und sich nie wieder in einem Wolf verwandeln kann. Das neue Leben ist ungewohnt und seltsam für Luisa – so viele neue Geräusche und Gerüche, neue Instinkte, die erwachen und Erinnerungen aus einem anderen Leben, die nach und nach verblassen. Doch das Wolfsein übt auf sie auch eine unbändige Anziehungskraft aus. Kann Luisa auf Dauer dem Drang, sich zu verwandeln, widerstehen oder wird sie für immer zum Wolf werden? Doch auch dem Rudel droht Gefahr, denn die Shinanim haben sich auf die Jagd nach den Wölfen gemacht; mit nur einem Ziel: sie ein für alle Mal auszurotten.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Schattenblüte. Die Erwählten“ ist, wie bereits die beiden vorherigen Bände, ein echter Augenschmaus und macht neugierig auf den Inhalt des Romans. Es ist wieder das Gesicht einer Frau abgebildet, die düster und – aufgrund ihrer Augen – auch ein wenig animalisch wirkt. Im Vordergrund ist eine Kerze zu sehen und egal, ob man diese als „letzten Hoffnungsschimmer“ oder konkret als eine der Kerzen deutet, die an den Trauerbäumen der Wölfe brennen – so oder so passt das Bild perfekt. Auch der haptische Effekt, den bereits die ersten beiden Cover hatten, ist wieder vorhanden. Streicht man mit der Hand über den vorderen oder hinteren Einband, so spürt man dort leicht erhabene Wassertropfen und auch der Titel selbst ist aufgeprägt. Mit der Titelgebung, die nun – nach der Lektüre aller 3 Bände – einen tieferen Sinn ergibt, und den schön gestalteten Kapitelanfängen ist das Gesamtkunstwerk komplett. So muss ein Buch aussehen, Hut ab!

Die Handlung knüpft quasi nahtlos an Band 2 an und setzt mit Luisas Verwandlung zum Wolf ein. Nora Melling gelingt es hier auf wunderbare Weise, die Gedanken des Mädchens in seiner Wolfsform einzufangen. Man spürt förmlich die erwachten Instinkte, die Verbundenheit zur Natur und den ungebrochenen Drang nach Freiheit. Auch im Sprachstil schlägt sich das nieder, die Sätze werden kürzer, abgehackter, assoziativer. Generell ist es der Autorin wirklich gut gelungen, den Wölfen im Grunewald ihre eigene Welt zu schaffen – eine Welt, wie sie eben nicht schon mehrfach in anderen Werwolfromanen erzählt wurde. So ist zum Beispiel ihre Idee der Wolf-  – oder wie Nora Melling sie nennt – der Nichtnamen besonders schön und innovativ, denn bei der Verwandlung zum Wolf vergisst der Mensch seinen alten, wirklichen Namen, erhält dafür aber intuitiv einen neuen, der oft lautmalerisch an Töne erinnert, wie sie auch Wölfe produzieren können; sei es ein Knurren oder ein Heulen. Und auch die Idee der Trauerbäume finde ich wunderschön.

Leider jedoch liegt der Fokus in Band 3 nicht länger auf der Geschichte von Thursen und Luisa bzw. des Rudels, sondern dreht sich zu einem Großteil um das Ränkespiel in den Reihen der Shinanim. Die Handlung wird nämlich dieses Mal entweder aus Elias Perspektive oder der von Thursen oder Luisa geschildert. Während mir der Shinan in Band 2 noch recht sympathisch war, konnte ich sein Handeln in diesem Band zum großen Teil nicht nachvollziehen. Der liebenswerte junge Mann, der sich hingebungsvoll um kranke Kinder kümmert, will für mich nicht recht zu einem Halbengel passen, der seinen gewalttätigen Bruder beschützt – selbst wenn der das Mädchen beinahe tödlich verletzt hat, in das er verliebt ist. Und auch die Machtspiele und das zum Teil fanatische Verhalten in den Reihen der Shinanim zerstörten für mich ein wenig den Zauber des Grunewalds und des Wolflebens, der mich in Band 1 so gefangen nahm.

Einige Dinge, vor allem in dem Handlungsstrang um Elias und die Ratsmitglieder, werden sehr stark elaboriert, andere Ereignisse haben eine dermaßen schnelle Abfolge, dass alles nur noch so am Leser vorbeifliegt. Gerade am Ende hätte ich mir mehr Ausführlichkeit gewünscht und einige Geschehnisse wurden nur in der Mauerschau erzählt, obwohl ich da doch gerne „dabei“ gewesen wäre. Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden: ich bin ein glühender Fan von Band 1 der Trilogie und auch Band 2 konnte mich durchaus begeistern, doch manchmal denke ich, die Geschichte um Thursen und Luisa hätte auch eine solche bleiben können. Ich weiß nicht, ob die Handlung an den Shinanim wirklich gewinnt, denn obwohl sie ja eigentlich die Guten sein sollten, kann ich an ihnen nicht viel Positives entdecken. Nur der Charakter von Edgar bildet hier eine Ausnahme – ein starke Figur, von der ich gerne noch mehr gelesen hätte. Das Ende des Romans kommt dann auch recht plötzlich und überraschend. In einem bestimmten Punkt gefällt mir der Schluss ausgesprochen gut (kleiner Tipp: der Titel!), andere Aspekte waren mir doch zu einfach gelöst. Insgesamt kann ich „Schattenblüte. Die Erwählten“ jedoch zufrieden zuschlagen, auch wenn mir Thursen, Luisa, Edgar und das Wolfsrudel wirklich fehlen werden!

Fazit: ein durchaus runder Abschluss der Trilogie, der an einigen Stellen ausführlicher sein dürfte

3K

Wildwood / Colin Meloy

Titel: Wildwood

Autor: Colin Meloy

Seitenzahl: 591

Woher ich es habe: von der lieben Martina als Wanderbuch erhalten – danke nochmal! 🙂

„Wildwood“ ist das erste Jugendbuch aus der Feder von Colin Meloy, seines Zeichens übrigens Leadgitarrist und Songwriter der Band „The Decemberists„. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Carson Ellis, die die zauberhaften Illustrationen beisteuerte, schuf er die Welt von Wildwood. Während auf Deutsch bisher nur Band 1 veröffentlicht ist, erschien vor wenigen Tagen der 2. Band „Under Wildwood“ im Original. Laut Meloy selbst sollen die „Wildwood-Chroniken“ insgesamt mindestens drei Bände umfassen – wir können uns also noch auf weitere Abenteuer mit Prue und Curtis freuen.

Handlung:

Die 12-jährige Prue McKeel lebt mit ihren Eltern und ihrem 1 Jahr alten Bruder Mac in dem beschaulichen Ort St John’s in Portland. Doch als sie eines Tages mit Mac einen Ausflug auf den Spielplatz unternimmt, muss sie auf einmal hilflos mit ansehen, wie ihr Bruder von einem Schwarm Krähen in die Luft gehoben und davon getragen wird. Auf ihrem Fahrrad verfolgt Prue die Krähen bis an die Grenzen des großen und dunklen Waldes, der jenseits des Flusses beginnt. “ Die undurchdringliche Wildnis“ wird dieser seltsame Ort genannt, vor dem jedes Kind im Dorf schon seit klein auf gewarnt wird. Denn wer in dem wirren Dickicht aus Bäumen und Sträuchern verschwindet, so sagt man, kehrt nie mehr nachhause zurück. Prue macht sich trotz allem auf die Suche nach ihrem geliebten Bruder, denn es muss ihr einfach gelingen, den kleinen Mac zu ihren Eltern zurück zu bringen.

Eigene Meinung:

„Wildwood“ ist im Hardcover erschienen und hebt sich durch sein Format von knapp 19 zu 15 cm stark von anderen gebundenen Ausgaben ab, da es sich einer quadratischen Form annähert. Auf dem Cover ist der Krähenschwarm zu sehen, der den kleinen Mac bereits im ersten Kapitel entführen wird. Die äußerliche Gestaltung des Jugendbuchs wird jedoch im Innenteil noch übertroffen – es besticht durch Karten, liebevoll gezeichnete Kapitelanfänge und weitere zahlreiche Illustrationen. Besonders ins Auge fallen dabei die 6 farbigen, ganzseitigen Bildtafeln, die wichtige Szenen aus dem Roman wiedergeben. Man merkt es den Zeichnungen an, dass Carson Ellis hier mit viel Liebe zum Detail und zur Welt von „Wildwood“ ans Werk gegangen ist. Das Buch ist ein wahrer Augenschmaus!

Die Protagonistin Prue ist ein aufgewecktes Mädchen, das ihrem eigenen Kopf hat. Schon mit 12 ist sie überzeugte Vegetarierin und zeichnet für ihr Leben gerne Vögel. Ihren liebsten Band über heimische Vogelarten hat sie schon seit Wochen in der Bibliothek überzogen, doch Prue kann sich einfach nicht von den wunderschönen Zeichnungen trennen. Ihren kleinen Bruder Mac liebt sie sehr und die beiden ziehen oft den ganzen Tag zusammen durch das Dorf; Prue auf ihrem Fahrrad, ihr kleiner Bruder im knallroten Anhänger. Als Mac dann eines Tages von einem Krähenschwarm entführt wird, beschließt Prue sofort, ihren kleinen Bruder zu retten. Begleitet wird sie dabei von Curtis, einem Klassenkameraden, der gerne vor sich hinträumt und eine Schwäche für Superhelden hat. Beide Charaktere schließt man als Leser sofort ins Herz, sie sind authentisch und aufrichtig.

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, zumeist begleitet der personale Erzähler entweder Prue oder Curtis, manchmal werden aber auch kursive Passagen aus Sicht der Gouverneurswitwe Alexandra geschildert, die in „Wildwood“ quasi das Böse verkörpert. Überhaupt hat die Welt, die im undurchdringlichen Dickicht parallel zur unsrigen existiert, eine Menge an Überraschungen zu bieten. Es ist eine magische Welt, in der technischer Fortschritt nur langsam Einzug hält. Ein Welt, in der Tiere und Menschen zusammen leben, allerdings nicht immer friedlich. So durchstreift die Kojotenarmee der Gouverneurswitwe die Wälder, um nach und nach die Herrschaft über Wildwood zu erlangen. Eine Räuberbande, regiert vom Räuberkönig Brendan überfällt regelmäßig die Bauern und Händler und in einem Abschnitt des Walds lebt das Vogelvolk unter der Herrschaft des großen Uhu Rex. Und noch während Prue und Curtis den kleinen Mac zurückbringen können, finden sie sich mitten in einem Krieg zwischen den unterschiedlichen Fraktionen in der „undurchdringlichen Wildnis“ wieder. Es ist jetzt an ihnen, sich für eine Seite zu entscheiden und an der Seite ihrer neu gewonnenen Freunde zu kämpfen.

Die zauberhafte Welt von „Wildwood“ zieht den Leser sofort in seinen Bann und die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin. Die Sprache ist einem Jugendbuch angepasst, dabei aber auch wundervoll bildhaft und klar. Im Verlauf der Handlung gibt es noch die ein oder andere Überraschung, zum Beispiel was Prues Familie und ihre Herkunft betrifft; zu viel will ich hier aber nicht verraten. Das Ende des Romans ist – obwohl es sich hier um Band 1 einer Reihe handelt – in sich abgeschlossen und das gefällt mir sehr gut. Dennoch macht auch gerade der Schluss enorme Lust darauf, noch mehr von den Bewohnern des Walds und vor allem von Prue und Curtis zu lesen.

Fazit: ein zauberhaftes Jugendbuch, das sich mit seinen liebevollen Illustrationen von anderen Vertretern des Genres abhebt

Noir / Jenny-Mai Nuyen

Titel: Noir

Autor: Jenny-Mai Nuyen

Seitenzahl: 377

Woher ich es habe: auf Vorablesen.de gewonnen

„Noir“ ist der neuste Roman aus der Feder von Jenny-Mai Nuyen; Erscheinungstag ist eigentlich der 1. Oktober, aber dank Vorablesen durfte ich das Buch schon ein wenig früher in den Händen halten. Von der Autorin hatte ich bisher nur „Nocturna“ und „Nijura“ gelesen und obwohl ich beide Romane schon sehr mochte, hat „Noir“ mich doch extrem überrascht. Übrigens bin ich auch jedes Mal extrem neidisch, wenn ich Jenny-Mai Nuyens Geburtsjahr auf ihren Büchern lese – immerhin ist sie gute 7 Jahre jünger als ich. Bei der Veröffentlichung ihres ersten Romans war sie gerade einmal 18.

Handlung:

Im Alter von fünf Jahren sterben Nino Sorokins Eltern bei einem Autounfall. Er selbst hatte sich ebenfalls schon auf den Weg ins Jenseits gemacht, wurde aber ins Leben zurückgeholt. Fortan wächst Nino bei seiner Schwester Katjuscha auf. Doch schon bald wird allzu deutlich, dass er nicht wie andere Kinder ist, denn Nino hat eine Begabung: er kann sehen, wann andere Menschen sterben werden. Und weil er auch bei sich selbst das Alter wahrnehmen kann, in dem er aus dem Leben scheiden wird, beschließt Nino im Alter von 19 Jahren, diese Wahrnehmung zu testen. Nach seinem versuchten Suizid hat er nun die Gewissheit, wird aber im Gegenzug von Katjuscha stets kritisch beäugt und muss Medikamente gegen Depressionen schlucken. Doch eine Tages begegnet Nino Noir, einem Mädchen, das außer ihm niemand zu sehen scheint, denn Noir bewegt sich wie ein Geist zwischen dem Jenseits und dem Diesseits.

Eigene Meinung:

Bereits das Cover von „Noir“ hebt sich deutlich von den bisherigen Romanen der Autorin ab. Der vordere Titel ist in einem zarten weiß-türkis gehalten und zeigt zersplittertes Glas, das wohl an den Autounfall der Sorokins erinnern soll. Streicht man mit der Hand über den vorderen Einband, so erkennt man, dass die Sprünge im Glas als Furchen in das Cover eingeprägt sind. Auch der hintere Einband zeigt dieselben Sprünge, jedoch ohne die Einprägungen und dafür in düsteren Grautönen. Allein durch die äußere Gestaltung wird hier also klar, dass wir etwas völlig Neues von Jenny-Mai Nuyen zu lesen bekommen werden. Eine Geschichte, die düsterer ist, als alles, was sie bisher geschrieben hat. Eine Geschichte, die nicht mehr vorrangig Jugendliche ansprechen soll.

Nino ist ein Charakter, mit dem man als Leser sofort Mitleid hat. Er ist ohne seine Eltern, aber mit einer großen Bürde aufgewachsen. Über seine unheimliche Gabe kann er mit niemandem sprechen. Seine Schwester will er nicht belasten und wer sonst würde ihm wohl glauben? Und so muss Nino allein mit dem Wissen zurechtkommen, dass er im Alter von 24 Jahren sterben wird und keine Affäre, keine Droge, keine Medikamente ihn davor bewahren können. All das verändert sich jedoch von einem Tag auf den anderen, als Nino zum ersten Mal Noir sieht. Noir, das geheimnisvolle Mädchen, das um ihn herum keiner sehen kann. Über Noir lernt er Monsieur Samedi kennen, der ihm Erstaunliches offenbart: er ist ein Mentor und in der Lage, Nino eine neue Seele und damit ein neues Leben zu geben. Doch dafür müsste er all seine Liebe aufgeben; die Liebe zu seiner Schwester Katjuscha und die seltsame, neu aufkeimende Liebe zu der geheimnisvollen Noir, einer Seelenlosen, die schon an der Schwelle zum Jenseits steht.

„Noir“ ist ein düsterer, sehr erwachsener Roman und auch die Sprache der Autorin ist deutlich gereift, seit sie Bestseller wie „Nijura“ oder „Nocturna“ verfasste. Die Welt von Nino und Noir ist eine dunkle Welt, voller Einsamkeit und Verzweiflung. Gemeinsam treiben die beiden hilflos durch den Strudel der Handlung und klammern sich dabei aneinander wie Ertrinkende. Kapitel, in denen das bereits Vergangene aus Ninos Perspektive nacherzählt wird und Kapitel aus dem „Jetzt“ wechseln sich dabei ab, bis sich am Ende beide Zeitstränge wieder vereinen. So erfährt man zwar bruchstückhaft, was geschehen wird, kann sich aber erst am Schluss einen Reim darauf machen. Ein stilistischer Kniff, der Jenny-Mai Nuyen wirklich gut gelungen ist.

Das Ende des Romans ist abgeschlossen und offen zugleich. So erhält der Leser zwar die Antwort auf die Frage nach Noirs Herkunft, gleichzeitig werden aber zahlreiche neue Fragen aufgeworfen und ein gewisser Unwille darüber bleibt zurück. Vieles bleibt unausgesprochen oder unerklärt. Ob das daran liegt, dass die Autorin die Geschichte fortsetzen möchte oder ob sie sie absichtlich an dieser Stelle und auf diese Weise enden lassen wollte, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Persönlich würde ich mir aber wünschen, hier noch weiterlesen und mehr über die Mentorenschaft erfahren zu können.

Fazit: Eine ungewohnt düstere Jenny-Mai Nuyen, die nicht länger nur für Jugendliche schreibt