Tag-Archiv | Familie

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß / Christoph Wortberg

SAM_3054_1Titel: Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Autor: Christoph Wortberg

Seitenzahl: 190

Woher ich es habe: Für eine autorenbegleitete Leserunde im Büchertreff von Beltz & Gelberg erhalten. Vielen Dank!

Handlung: 

Bisher wurde Lenny immer von seinem großen Bruder Jakob beschützt, doch dann, eines Tages, ist Jakob nicht mehr da. Ein tragischer Unfall, so heißt es. Aber Lenny will sich mit dieser Wahrheit nicht einfach so abfinden und forscht weiter. Dabei stößt er bei seinen Eltern, die in der eigenen Trauer völlig erstarrt sind, auf Unverständnis und Ablehnung. Trotzdem wagt der Junge sich daran, die letzten Geheimnisse im Leben seines Bruders zu lüften: Was machte Jakob so ganz allein in den Bergen? Und wer ist das mysteriöse Mädchen, das einfach so auf seiner Beerdigung auftaucht?

Eigene Meinung:

Äußerlich kommt der Roman recht einfach daher – der Titel prangt in einer Art Handschrift orangefarben vor einem blauen Hintergrund. Die Silhouette einer Bergkette ist zu sehen. Auch im Inneren ist alles eher schmucklos gehalten, die Kapitel sind einfach mit der jeweiligen Zahl überschrieben. Doch dafür wird mit dem Inhalt umso mehr gesagt. Gleich zu Beginn wird der Leser mitten in die Geschichte geworfen und begleitet die Familie zum geplanten Tod ihres ältesten Sohnes, der nach einem Unfall im Koma liegt. Schon diese erste Szene ist bezeichnend für den Rest der Handlung, denn ausgerechnet der kleine Bruder Lenny ist es, der die finale Anweisung geben muss, die lebenserhaltenden Instrumente abzuschalten. Denn beide Elternteile sind dazu nicht in der Lage.

Überhaupt erleben wir im Buch eine schwierige Familiensituation. Auf Jakob, dem Älteren und Liebling der Eltern, lastete sein Leben lang ein enormer Druck. Alles war für ihn bereits verplant, seine gesamte berufliche Zukunft und auch in der Liebe hatte die Mutter ein Wörtchen mitzureden. Jetzt, da Jakob fort ist, werden die beiden Erwachsenen völlig von ihrer Trauer zerfressen. Während die Mutter sich mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln betäubt, reagiert der Vater mit Wut und Aggression gegen den noch verbleibenden Sohn.

Doch Lenny zeigt, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist, als sein Bruder. Denn neben einer Geschichte über Tod und Verlust ist „Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ die Geschichte einer Emanzipation. Eine Geschichte über den Mut eines ewigen Zweiten, sich aus dem Schatten des Bruders zu kämpfen und für die Wahrheit einzustehen. Denn der will sich in der Familie sonst keiner stellen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dabei sprechen bald alle Anzeichen eine deutliche Sprache: Jakob hat sich das Leben genommen.

Was auf den ersten Blick wie eine knappe Kurzgeschichte daherkommt, entwickelt in kurzen klaren Sätzen eine unglaubliche Tiefe. Die Emotionen schlagen einem quasi aus den Seiten entgegen: enttäuschte Liebe, vereitelte Freiheit, geraubte Hoffnung – all das ist hier zu spüren. Die Handlung an sich gibt dabei jede Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren her. War Jakob, wie sein Bruder ihn am Anfang nennt, ein Held, der sich aus einem goldenen Käfig befreit hat? Oder ist er einfach nur ein Teenager, der den Mut nicht aufbringen konnte, seinen fordernden und wenig liebevollen Eltern entgegenzutreten? Wir alle spielen im Leben eine Rolle, aber es ist an uns, wie wir sie anlegen wollen.

Fazit: ein kurzer Roman, der einen lange Zeit nicht mehr loslässt

5K

 

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So oder so / Anja Kömmerling & Thomas Brinx

SOS_DualCover_1Titel: So oder so

Autoren: Anja Kömmerling & Thomas Brinx

Seitenzahl: 230

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich ganz herzlich bei Beltz & Gelberg für die Übersendung des Buches bedanken!

Handlung:

Jella und ihre beste Freundin Bella haben schon seit langem ihr erstes Festivalwochenende bei Rock am Ring geplant. Auch Lasse, Mc Fitti, Bellas Cousine Soleil und die zahme Ratte Sportsfreund sind mit von der Partie. Doch dann kommt auf einmal alles anders und es ist die Wahl zwischen Salami und Marmelade auf Jellas Frühstückstoast, die das Wochenende völlig verändern soll. Entscheidet sie sich für die Salami, fährt Jella mit ihren Freunden im Zug zu Rock am Ring und trifft dort auf den gutaussehenden Goran. Wählt sie aber die Marmelade, muss sie auf einmal mit ihrer nervigen kleinen Halbschwester Violetta im Schlepptau zum Festival trampen – ungewiss, ob sie überhaupt pünktlich zum Konzert ihrer Lieblingssängerin PerLe dort ankommen wird.

Eigene Meinung:

„So oder so“ ist wirklich ansprechend und vor allem passend zum Inhalt gestaltet. Das Buch lässt sich von beiden Seiten her lesen – die beiden unterschiedlichen Versionen der Handlung treffen sich in der Mitte des Buches, wo Schemen einer begeisterten Menge bei einem Konzert zu sehen sind. Und auch die Cover sind dem Inhalt des Buches angepasst: auf dem einen ist Jellas Frühstücksbrot mit Salami, auf dem anderen das mit Marmelade zu sehen. Die Herzform macht nochmal deutlich, worum es in dieser Geschichte hauptsächlich geht: die Liebe. Diese Gestaltung dürfte der Zielgruppe sicher gefallen und auch auf mich wirkt sie sehr stimmig.

Jellas Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven in der Gegenwartsform erzählt. Meistens ist es Jella, die wir als Leser begleiten, aber auch andere Charaktere wie Soleil oder Violetta kommen zu Wort. Dabei wird auch auf vieles eingegangen, was sich nur im Inneren der Figuren abspielt: Gedanken und Gefühle werden unvermittelt eingeflochten – so weiß man stets, was in ihnen vorgeht und durch das Präsens wirkt alles so, als geschehe es jetzt gerade, in diesem Moment. Sprachlich ist alles an die jeweiligen Personen angepasst. Jella spricht also nur von ihrer „Sis“ und kreischt ständig „Wir sind Ringrocker“. Das soll wohl authentisch wirken und den Schulterschluss zu den Teenie-Lesern bringen, aber ganz ehrlich: auf mich wirkt es einfach nur aufgesetzt. Aber vielleicht bin ich einfach nur alt und spießig und will es nicht wahrhaben, dass 16-Jährige alle so reden und denken.

Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist tatsächlich die Wahl des Toastbelags, mit der sich für Jella das ganze Wochenende ändert. Die Salami-Geschichte verläuft, alles in allem, etwas harmonischer, auch wenn Jella erstmal vor ihrer Mutter fliehen muss, die ihr zu gerne Violetta aufs Auge drücken würde. Überhaupt macht Mutter Stine auf mich einen recht überforderten und selbst wenig erwachsenen Eindruck – in beiden Geschichten ist sie kein Vorbild. Violetta hingegen war mir sofort sympathisch, auch wenn sie natürlich eine kleine Nervensäge ist. Die Marmeladen-Geschichte schlägt dann doch deutlich ernstere Töne an und mir persönlich wäre es lieber gewesen, ich hätte diese zuerst gelesen. (Wer das Buch liest, dem wird vielleicht auffallen, was ich meine. Ich sage nur so viel: Johannes.)

In „So oder so“ werden durchaus einige ernste Themen angesprochen: es geht um Alkoholismus, um psychische Krankheiten, aber auch um Homosexualität. Das alles wird recht geschickt in die Handlung verpackt, ohne dass zu sehr die moralische Keule geschwungen wird. Dennoch bleibt die Geschichte darüber hinaus ziemlich belanglos und verliert sich in Teeniesprache und banalen Handlungselementen. Nur der Strang über Jella und Soleil konnte mich wirklich überzeugen, davon hätte ich gerne mehr gelesen. Doch an der spannendsten Stelle ist dann auch schon Schluss. Naja, immerhin umfasst jede Version auch nur 115 Seiten – da kann schon fast von Kurzgeschichten gesprochen werden. Und dafür hat das Buch mit 12,95 Euro einen mehr als stolzen Preis!

Fazit: Grundsätzlich eine nette Idee, an deren Umsetzung es dann aber deutlich hapert

2K

My favorite mistake / Chelsea M. Cameron

SAM_2514_1Titel: My favorite mistake. Der beste Fehler meines Lebens

Autor: Chelsea M. Cameron

Seitenzahl: 402

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich ganz herzlich beim Mira Taschenbuch Verlag für die Übersendung des Buches bedanken!

Handlung:

Als Taylor Caldwell mit ihren Freundinnen Darah und Renee die gemeinsame Wohnheim-WG bezieht, ahnt sie noch nicht, dass schon bald jemand ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Dieser Jemand erscheint in Gestalt von Musiker und Bad Boy Hunter Zaccadelli, der als Ersatz für die abgesprungene vierte Mitbewohnerin mit in die Studentenbude einziehen soll. Taylor ist geschockt – sie soll sich mit einem Mann ein Zimmer teilen? Dabei ist sie doch lieber für sich und hütet zurückgezogen ein großes Geheimnis, das sie schon seit Jahren verfolgt. Doch auch Hunter verbirgt hinter seiner harten Schale einen weichen Kern und die beiden fühlen sich schon nach kurzer Zeit zueinander hingezogen. Kann Taylor ihre Angst vor Beziehungen dieses Mal überwinden? Und kann sie Hunter wenigstens einmal ganz und gar auf eine Frau einlassen?

Eigene Meinung:

Das Cover von „My favorite mistake“ ist leider nur teilweise gelungen. Gut gefällt mir der Collegeblock als Hintergrund und der schraffierte Titel. Passend dazu ist auch der Autorenname als angehefteter Notizzettel gestaltet. Ob man allerdings solche Dinge wie „New York Times Bestseller Autorin“ hinzufügen muss, das erscheint mir doch fraglich. So weckt man beim Leser unter Umständen Erwartungen, die das Buch nicht zu halten vermag, aber dazu später mehr. Weniger gut gefallen hat mir die farbliche Gestaltung des Covers und die Kritzeleien auf dem Block. Das mutet doch ein wenig kindlich an, wenn man bedenkt, dass hier Frauen und Mädchen angesprochen werden sollen, die dem Teenageralter bereits entwachsen sind. Aber grundsätzlich lässt sich bei dieser Titelgestaltung sagen: What you see, is what you get, nämlich eine zarte, bitter-süße Liebesgeschichte.

Inhaltlich bietet die Geschichte nichts wahnsinnig Neues, im Gegenteil: leicht schüchternes, verklemmtes Mädchen mit Vergangenheit trifft auf musikalischen Bad Boy mit Geheimnis. Natürlich kommen die beiden zu Beginn nicht gut miteinander klar. Zumindest mag sie ihn nicht und versucht ihn auf Distanz zu halten. Er sieht das Ganze am Anfang nur als Spiel, als Herausforderung, entwickelt dann aber doch – zum ersten Mal in seinem Leben – tiefe Gefühle. Dann folgt die unvermeidliche Wette, gefolgt von einem mehrere hundert Seiten langen Katz- und Mausspiel. Und natürlich wissen bereits alle anderen, dass Taylor und Hunter füreinander bestimmt sind, nur die beiden selbst nicht. Oder zumindest gilt das für Taylor für die nicht sein kann, was nicht sein darf. Hm, wo hab‘ ich das ganze schon mal gelesen? Ach ja, in fast jedem neu erscheinenden New Adult-Titel, so zum Beispiel in „Beautiful Disaster“ von Jamie McGuire.

Zugegeben: die Protagonisten sind wirklich sympathisch. So sympathisch, dass man am liebsten selbst in die Chaos-WG einziehen möchte und mit ihnen abendliche Kochsessions abhalten möchte. Mit Taylor leidet man sofort mit, möchte sie abwechselnd wachrütteln und tröstend in den Armen nehmen. Und Hunter ist natürlich so charmant wie nervtötend mit seiner oft herablassenden, dann aber auch überraschen sanften Art. Wenn es ihm dann nach einer ganzen Weile dann endlich gelingt, die Mauer, die Taylor all die Jahre um sich gebaut hat, einzureißen, dann nimmt einen das schon mit. Ergänzt wird dieses Pärchen von großartigen Nebenfiguren, allen voran Meg, die wohl beste Freundin, die man sich als Frau wünschen kann. Aber auch Taylors Schwester Tawny ist einfach klasse!

Zur eigentlichen Handlung gibt es dann nicht mehr viel zu sagen – die ist an sich ja schon vorprogrammiert. Was mich nur immer wieder fasziniert ist die Tatsache, dass Frauen, die so ein schweres Trauma mit sich herumtragen, dann doch bei der ersten Gelegenheit in den Armen des Mannes dahinschmelzen und der Sex natürlich sofort wundervoll ist. Das entspricht wohl kaum der Realität, aber nun ja… Trotz all dieser Kritikpunkte ging es mir mit „My favorite mistake“ wie bei allen ähnlichen Romanen dieser Art, die ich zuvor gelesen hatte. Sie entwickeln einfach einen wahnsinnigen Sog – die Seiten fliegen nur so dahin. Man leidet mit den Protagonisten mit und muss natürlich wissen, wie alles (hoffentlich gut) ausgeht. Das wird sicher nicht mein letzter New Adult-Roman gewesen sein, aber ich denke, ich mache diesbezüglich erstmal eine Pause.

Fazit: ein durchschnittlicher New Adult-Roman, der die Erwartungen an das Genre voll erfüllt

3K

 

Für immer Ella & Micha / Jessica Sorensen

SAM_2387_1Titel: Für immer Ella & Micha (The forever of Ella and Micha)

Autor: Jessica Sorensen

Seitenzahl: 349

Woher ich es habe: bei einem Gewinnspiel des Verlages gewonnen

Ich möchte mich ganz herzlich beim Heyne Verlag für die Übersendung des Buches bedanken!

Reihenfolge:
1. Das Geheimnis von Ella & Micha
2. Für immer Ella & Micha
3. The ever after of Ella and Micha

Handlung:

Ella und Micha waren schon immer die besten Freunde, doch inzwischen sind sie weit mehr als das. Vieles haben sie gemeinsam durchgestanden, aber nun müssen sie es eine Weile ohne einander aushalten. Während Ella ihre Ausbildung am College weiterführt, tourt Micha mit seiner Band durch die Staaten. Da natürlich Bandkollegin Naomi immer mit von der Partie ist und dabei kein gutes Haar an Ella lässt, sind Eifersucht und Streitereien vorprogrammiert. Und dann sind da noch die Dämonen aus ihrer Vergangenheit, die Ella nicht loslassen und so trifft sie eine folgenschwere Entscheidung: sie muss Micha gehen lassen, um ihm ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Eigene Meinung:

„Für immer Ella & Micha“ schließt direkt an seinen Vorgänger an und ist – wie auch die anderen Bücher der Autorin – abwechselnd aus Ellas und Michas Perspektive in der Ich- und Gegenwartsform erzählt. So kann der Leser beide Blickwinkel der Geschichte kennen lernen und ist immer mitten im Geschehen. Schon zu Beginn der Handlung merkt man, dass Ella und Micha nicht so glücklich sind, wie sie es nach dem Ende von Band 1 eigentlich sein müssten. Ella fühlt sich ohne Micha auf dem College einsam, ihre Gedanken sind meistens bei ihm. Und auch Micha vermisst seine Ella May schmerzlich auf Tour. Außerdem ist er mit seiner Karriere als Musiker unzufrieden, wäre er doch lieber als Solokünstler denn mit seiner Band unterwegs. Dass es da zwischen den beiden zu Spannungen kommen muss, ist nicht weiter verwunderlich.

Ella leidet auch in diesem zweiten Band noch immer unter dem Tod ihrer Mutter und fühlt sich verantwortlich. Ihr Vater, der dem Alkohol völlig verfallen ist, unterstützt sie in diesen Gefühlen auch noch und versucht seine eigenen Fehler und Schwächen auf die eigene Tochter abzuwälzen. Gegen diese Angriffe kann sich Ella nur schwer zur Wehr setzen und so kommt es regelmäßig zu Zusammenbrüchen. Nach einem von diesen beschließt Ella, Micha nicht länger eine Last sein zu wollen und sich erst einmal ihren eigenen Problemen zu widmen. Unterstützt wird sie dabei von Anna, ihrer Therapeutin. Micha reagiert natürlich geschockt auf diese Entscheidung, bemüht sich aber weiterhin, Ella ein guter Freund zu sein. Dabei hat auch er sein Päckchen zu tragen: nach Jahren des Schweigens hat sich sein Vater endlich bei ihm gemeldet und bittet ihn um einen Gefallen.

Ich muss es meiner Meinung vorweg nehmen: ich mag Jessica Sorensens Bücher wirklich. Ich liebe Callie und Kayden! Aber manchmal denke ich mir doch, die Autorin sollte sich mal an einem anderen Thema versuchen. Denn im Prinzip ist jedes Buch nur eine Abwandlung des vorherigen. Und wo Callie und Kayden noch Tiefe haben, sind Ella und Micha einfach nur anstrengend. Ständig hält einer den anderen auf Distanz und fühlt sich nicht wertvoll genug, dem anderen ein liebevoller Partner zu sein. Anstatt ehrlich miteinander umzugehen, fallen beide in kindische Verhaltensmuster zurück. Ich bin ja auch wirklich nicht prüde, aber jeden Konflikt mit heißem Sex lösen zu wollen, das erscheint mir doch ein wenig zu einfach, oder nicht?

Der Schluss ist auch schon im Titel angedeutet und nachdem Band 3 eine Hochzeit vorweg nimmt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es in „Für immer Ella & Micha“ ein Happy End gibt. Zugegeben: Ella hat einige Fortschritte gemacht, ein großes  Problem ist zumindest auf dem Weg zu einer Lösung und sie und Micha haben noch einiges mehr gemeinsam geschafft. Dennoch wirkt dieser Schluss auf mich ein wenig aufgesetzt und erzwungen. Der Klappentext von Band 3 lässt außerdem vermuten, dass wir auch dort nur eine erneute Variation ein und desselben Themas wiederfinden werden: einer der beiden wird vor dem Traualtar kalte Füße bekommen und davon überzeugt sein, den anderen nicht zu verdienen. Und dennoch werden am Ende alle glücklich sein. Aber was spotte ich eigentlich? Trotz all dieser Kritikpunkte entwickeln die Bücher von Jessica Sorensen einen unglaublichen Sog. Man muss einfach wissen, wie es mit den Charakteren weitergeht, die einen zwar unbändig nerven, aber einem dennoch ans Herz gewachsen sind. Am meisten freue ich mich auf das Buch von Seth und Greyson – das könnte wirklich einmal etwas ganz anderes werden!

Fazit: ein typischer Jessica Sorensen-Roman, der einen stellenweise entnervt zurücklässt

3K

Alice, wie Daniel sie sah / Sarah Butler

SAM_2372_1Titel: Alice, wie Daniel sie sah (Ten things I’ve learnt about love)

Autor: Sarah Butler

Seitenzahl: 315

Woher ich es habe: bei Vorablesen gewonnen

Handlung:

Daniel ist obdachlos. Tag für Tag zieht er durch die Straßen von London und sammelt dort alle möglichen Dinge vom Boden auf. Denn was für andere bloß Abfall ist, hat für Daniel eine ganz eigene Bedeutung. Sein Blick auf die Welt ist besonders, denn jeder Buchstabe hat für ihn eine ganz bestimmte Farbe. Und so sucht er nach eisblauen, goldenen, rosafarbenen, dunkelblauen und grauen Dingen, weil sie den Namen seiner Tochter bilden: Alice. Schon seit Jahren hat Daniel Alice nicht mehr gesehen, doch vor vielen, vielen Jahren hatte er eine kurze, aber unbeschwerte Zeit mit ihrer Mutter. Jeden Tag wartet er seitdem darauf, dass ihm Alices Name in einer Zeitung begegnet und ihm so vielleicht ihren Aufenthaltsort verrät. Inzwischen hat seine Tochter selbst mit anderen Dingen zu kämpfen.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans ist sehr stimmungsvoll und passt gut zum Inhalt der Geschichte. Vor der Silhouette Londons ist ein junges Mädchen zu sehen, das mit ausbereiteten Armen den Kopf in den Nacken wirft, um einem Schwarm Vögel nachzusehen. Das erinnert an eine der letzten Szenen im Roman und verdeutlicht gut, wie Alice im Buch beschrieben wird. Im Inneren des Buches fällt auf, dass jedem Kapitel eine Liste von 10 Dingen vorangeht. Diese Aufzählungen erklären nicht nur den englischen Titel, sondern sind auch ein besonders geschickter Kniff, um die Protagonisten zu charakterisieren oder bestimmte Handlungselemente zu erzählen, ohne sie tatsächlich in den Fließtext einbauen zu müssen. Diese Technik ist mir bisher noch nicht begegnet, ich finde sie aber einfach grandios. Denn gerade in diesen 10-Punkte-Listen erfahren wir sehr viel über Daniel und seine Tochter Alice, die abwechselnd die Geschichte in der Ich-Form erzählen.

Vater und Tochter sind sich, obwohl sie einander nicht kennen, unglaublich ähnlich. Beide sind von einem großen Freiheitsdrang geprägt. Daniel lebt aus diesen Gründen inzwischen auf der Straße, doch als er damals die Beziehung zu Alice Mutter hatte, war es eben diese Eigenschaft, die ihn für sie so attraktiv machte. Daniel war genau das Gegenteil des einengenden, immer in gleichen Bahnen verlaufenden Familienlebens, das sie bis dahin kannte. Doch am Ende entschied sie sich doch für die Sicherheit und Daniel blieb allein zurück. Auch Alice wirkt in ihrer Familie isoliert, weil sie anders ist, als ihre beiden Schwestern. Erst vor kurzem ist sie aus der Mongolei zurückgekehrt, wohin sie aus einer vertrackten Beziehung geflohen war. Die Weite, der Himmel, das einfache Nomadenleben – all das zog Alice magisch an, was niemand außer ihr nachvollziehen kann. Und jetzt steht sie vor ihrer schwierigsten Aufgabe: sich von dem todkranken Mann zu verabschieden, den sie ihr ganzes Leben als Vater gekannt hat.

Im Laufe der Handlung nähern sich Alice und Daniels Wege immer mehr an. Die ausweglos anmutende Suche des Obdachlosen hat eines Tages tatsächlich ein Ende, als der Zufall ihm Alice Adresse zuspielt. Doch soll er sich seiner Tochter tatsächlich offenbaren? Was hat er ihr schon zu bieten? Und immerhin hatte sie doch ihr ganzes Leben lang einen Vater, der gut zu ihr war – warum sollte sie ihn an ihrer Seite brauchen? Das sind Fragen, die sich Daniel zurecht stellt, seine Zweifel und Bedenken konnte ich gut nachvollziehen. Auf der anderen Seite hat es mich im Verlauf der Handlung sehr wütend gemacht, dass offensichtlich jeder außer Alice bescheid wusste, dass Cee und Tilly nur ihre Halbschwestern und ihr Vater gar nicht ihr richtiger Vater ist. Jeder Mensch hat doch ein Recht darauf, die Wahrheit zu finden – und vielleicht hätte Alice sich dann nicht so lange als Außenseiterin gefühlt.

Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin und dennoch behält die Geschichte ihr ganz eigenes, sachtes Tempo. „Alice, wie Daniel sie sah“ ist einer der wenigen Romane für Erwachsene, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Und immer wieder fallen mir deutlich die Unterschiede auf. Vieles im Roman bleibt ungesagt und unabgeschlossen – eine Sache, die mich eigentlich gar nicht zufrieden stellt. Im Allgemeinen bin ich kein Fan offener Enden, aber im Falle dieses Romanes will ich da mal eine Ausnahme machen. Denn trotz der Offenheit ist es ein gutes Ende. Ein Ende, das zwar eine Menge Fragen offen lässt, aber dafür etwas ganz Wichtiges im Raum stehen lässt: die Hoffnung.

Fazit: ein Roman der leisen Töne, der dennoch (oder gerade deswegen?) zu überzeugen weiß

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