Tag-Archiv | Engel

Schattenblüte. Die Erwählten / Nora Melling

SAM_1986_1Titel: Schattenblüte. Die Erwählten

Autor: Nora Melling

Seitenzahl: 398

Woher ich es habe: bei Lovelybooks für eine Leserunde gewonnen – vielen Dank! (Übrigens auch an die Autorin für die schöne Leserunde!)

„Schattenblüte. Die Erwählten“ ist nach „Schattenblüte. Die Verborgenen“ und „Schattenblüte. Die Wächter“ nun der dritte und abschließende Band der Trilogie um Thursen und Luisa. Nora Melling selbst lebt in Berlin und hat so einen sehr speziellen und detailverliebten Blick auf die Handlungsorte ihrer Romane. Die meisten Schauplätze existieren tatsächlich und machen so Lust auf einen spontanen Ausflug in den Grunewald und seine Umgebung. Ich bin sehr gespannt, was wir nach dem Abschluss der Schattenblüte-Reihe als nächstes von der Autorin erwarten dürfen!

Band 1 und 2 setze ich in meiner Rezension übrigens als bekannt voraus. Wer die beiden Vorgängerromane also noch nicht gelesen hat, sollte jetzt lieber wegklicken. 😉

Handlung:

Nach einer schweren Verletzung durch Elias‘ Bruder Nick ist Luisa zur Werwölfin geworden. Und das ausgerechnet jetzt, wo Thursen für sie endgültig zum Menschsein zurückgekehrt ist und sich nie wieder in einem Wolf verwandeln kann. Das neue Leben ist ungewohnt und seltsam für Luisa – so viele neue Geräusche und Gerüche, neue Instinkte, die erwachen und Erinnerungen aus einem anderen Leben, die nach und nach verblassen. Doch das Wolfsein übt auf sie auch eine unbändige Anziehungskraft aus. Kann Luisa auf Dauer dem Drang, sich zu verwandeln, widerstehen oder wird sie für immer zum Wolf werden? Doch auch dem Rudel droht Gefahr, denn die Shinanim haben sich auf die Jagd nach den Wölfen gemacht; mit nur einem Ziel: sie ein für alle Mal auszurotten.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Schattenblüte. Die Erwählten“ ist, wie bereits die beiden vorherigen Bände, ein echter Augenschmaus und macht neugierig auf den Inhalt des Romans. Es ist wieder das Gesicht einer Frau abgebildet, die düster und – aufgrund ihrer Augen – auch ein wenig animalisch wirkt. Im Vordergrund ist eine Kerze zu sehen und egal, ob man diese als „letzten Hoffnungsschimmer“ oder konkret als eine der Kerzen deutet, die an den Trauerbäumen der Wölfe brennen – so oder so passt das Bild perfekt. Auch der haptische Effekt, den bereits die ersten beiden Cover hatten, ist wieder vorhanden. Streicht man mit der Hand über den vorderen oder hinteren Einband, so spürt man dort leicht erhabene Wassertropfen und auch der Titel selbst ist aufgeprägt. Mit der Titelgebung, die nun – nach der Lektüre aller 3 Bände – einen tieferen Sinn ergibt, und den schön gestalteten Kapitelanfängen ist das Gesamtkunstwerk komplett. So muss ein Buch aussehen, Hut ab!

Die Handlung knüpft quasi nahtlos an Band 2 an und setzt mit Luisas Verwandlung zum Wolf ein. Nora Melling gelingt es hier auf wunderbare Weise, die Gedanken des Mädchens in seiner Wolfsform einzufangen. Man spürt förmlich die erwachten Instinkte, die Verbundenheit zur Natur und den ungebrochenen Drang nach Freiheit. Auch im Sprachstil schlägt sich das nieder, die Sätze werden kürzer, abgehackter, assoziativer. Generell ist es der Autorin wirklich gut gelungen, den Wölfen im Grunewald ihre eigene Welt zu schaffen – eine Welt, wie sie eben nicht schon mehrfach in anderen Werwolfromanen erzählt wurde. So ist zum Beispiel ihre Idee der Wolf-  – oder wie Nora Melling sie nennt – der Nichtnamen besonders schön und innovativ, denn bei der Verwandlung zum Wolf vergisst der Mensch seinen alten, wirklichen Namen, erhält dafür aber intuitiv einen neuen, der oft lautmalerisch an Töne erinnert, wie sie auch Wölfe produzieren können; sei es ein Knurren oder ein Heulen. Und auch die Idee der Trauerbäume finde ich wunderschön.

Leider jedoch liegt der Fokus in Band 3 nicht länger auf der Geschichte von Thursen und Luisa bzw. des Rudels, sondern dreht sich zu einem Großteil um das Ränkespiel in den Reihen der Shinanim. Die Handlung wird nämlich dieses Mal entweder aus Elias Perspektive oder der von Thursen oder Luisa geschildert. Während mir der Shinan in Band 2 noch recht sympathisch war, konnte ich sein Handeln in diesem Band zum großen Teil nicht nachvollziehen. Der liebenswerte junge Mann, der sich hingebungsvoll um kranke Kinder kümmert, will für mich nicht recht zu einem Halbengel passen, der seinen gewalttätigen Bruder beschützt – selbst wenn der das Mädchen beinahe tödlich verletzt hat, in das er verliebt ist. Und auch die Machtspiele und das zum Teil fanatische Verhalten in den Reihen der Shinanim zerstörten für mich ein wenig den Zauber des Grunewalds und des Wolflebens, der mich in Band 1 so gefangen nahm.

Einige Dinge, vor allem in dem Handlungsstrang um Elias und die Ratsmitglieder, werden sehr stark elaboriert, andere Ereignisse haben eine dermaßen schnelle Abfolge, dass alles nur noch so am Leser vorbeifliegt. Gerade am Ende hätte ich mir mehr Ausführlichkeit gewünscht und einige Geschehnisse wurden nur in der Mauerschau erzählt, obwohl ich da doch gerne „dabei“ gewesen wäre. Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden: ich bin ein glühender Fan von Band 1 der Trilogie und auch Band 2 konnte mich durchaus begeistern, doch manchmal denke ich, die Geschichte um Thursen und Luisa hätte auch eine solche bleiben können. Ich weiß nicht, ob die Handlung an den Shinanim wirklich gewinnt, denn obwohl sie ja eigentlich die Guten sein sollten, kann ich an ihnen nicht viel Positives entdecken. Nur der Charakter von Edgar bildet hier eine Ausnahme – ein starke Figur, von der ich gerne noch mehr gelesen hätte. Das Ende des Romans kommt dann auch recht plötzlich und überraschend. In einem bestimmten Punkt gefällt mir der Schluss ausgesprochen gut (kleiner Tipp: der Titel!), andere Aspekte waren mir doch zu einfach gelöst. Insgesamt kann ich „Schattenblüte. Die Erwählten“ jedoch zufrieden zuschlagen, auch wenn mir Thursen, Luisa, Edgar und das Wolfsrudel wirklich fehlen werden!

Fazit: ein durchaus runder Abschluss der Trilogie, der an einigen Stellen ausführlicher sein dürfte

3K

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Unearthly / Cynthia Hand

Titel: Unearthly

Autor: Cynthia Hand

Seitenzahl: 433

Woher ich es habe: selbst gekauft

Auf „Unearthly“ wurde ich durch eine Leseprobe von Vorablesen aufmerksam. Bei der Verlosung selbst hatte ich dann leider kein Glück, aber da hatte mich das Buch schon so gepackt, dass ich es unbedingt lesen musste und so fiel meine Wahl auf die englische Version. (Was sich als Vorteil erweisen sollte, da ich anschließend gleich mit Band 2 fortfahren konnte.) „Unearthly“ ist das Debüt der Amerikanerin Cynthia Hand und Band 1 meiner allerersten Reihe über Engel. Auf Englisch ist Band 2 – „Hallowed“ – schon erschienen, Band 3 soll „Boundless“ heißen und im Januar 2013 erhältlich sein.

Handlung:

Die sechzehnjährige Clara ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Ihre Eltern leben schon seit einigen Jahren getrennt und so ganz kann Clara ihrem Vater nicht verzeihen, dass er ihre Mutter, ihren 13-jährigen Bruder Jeremy und sie selbst so plötzlich verlassen hat. Was nach einer ganz normalen Familiengeschichte klingt, wird durch eine Sache jedoch kompliziert: Claras Mutter ist eine Nephilim und auch in ihrem Adern und denen ihres Bruders fließt Engelblut. Schon als Teenager muss Clara also nicht nur damit leben, anders zu sein, sondern sie erfährt auch, dass jeder Engel einen bestimmten Zweck auf Erden zu erfüllen, sozusagen eine Mission vor sich hat. Diese Aufgabe kündigt sich in Visionen an und so muss Clara mit ansehen, wie in ihrer ein junger Mann von einem Feuer bedroht wird. Kann es ihr Zweck sein, diesen Unbekannten zu retten?

Eigene Meinung:

Die Handlung setzt genau zu der Phase in Claras Leben ein, als ihre Visionen beginnen. Und diese sind letztendlich auch der Grund, weshalb sie und ihre Familie von einem Tag auf den anderen alles verlassen müssen, was ihnen lieb und bekannt ist. Während Clara noch versucht, sich mit ihrem Schicksal und der großen Veränderung in ihrem Leben zu arrangieren, ist ihr Bruder Jeremy über den Umzug aus dem sonnigen Kalifornien ins verschneite Wyoming geschockt und wütend zugleich. Die beiden Teenager Clara und Jeremy sind dabei sehr authentisch gezeichnet. Ich konnte mich in beide gut hineinversetzen, auch wenn sie sehr unterschiedlich reagieren. Wie unendlich schwer muss es für einen jungen Menschen sein, eine so große Verantwortung auf den Schultern zu spüren? Gerade wenn man so jung ist, möchte man doch tun und lassen, was man will – für Clara und ihre Familie ist das unmöglich.

Bereits am ersten Tag in ihrer neuen Schule trifft Clara auf Christian, den Unbekannten aus ihrer Vision. Wie es sich für so einen Jugendroman gehört, ist er nicht nur unglaublich gut aussehend, sondern scheint zugleich von einem Geheimnis umgeben zu sein. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, nähert Clara sich ihm an und zieht damit nicht nur den Hass seiner Freundin auf sich, sondern fühlt sich auch mehr und  mehr zu ihm hingezogen. Schon bald kann sie den Wunsch, die Geschehnisse in der Vision zu verhindern, nicht mehr von ihren wahren Gefühlen unterscheiden. Und dann ist da noch Tucker, der so ganz anders ist als Christian: bodenständig, loyal, herzlich – ein Charakter, bei dem man sich wünscht, er wäre real. Eine Figur, bei der man sich glücklich schätzen würde, ihn zu kennen. Auch wenn die Ausgestaltung der Figuren (vor allem durch das Liebesdreieck) etwas klischeehaft anmuten mag, so fand ich doch alles sehr glaubwürdig geschildert. Gut gefallen hat mir auch, dass Clara mit dieser Situation so ganz anders umgeht, als man es aus ähnlichen Geschichten gewohnt ist. Sie bleibt sich selbst treu, hat ihre Prinzipien und lässt sich auch nicht verbiegen.

Der Schreibstil des Romanes ist sehr angenehm und leicht verständlich, dabei stellenweise aber auch sehr bildhaft und beinahe poetisch. Man hat als Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, dieselbe Luft zu atmen und dieselben Landschaften vor sich zu sehen. Geschickt baut die Autorin auch von der ersten Seite an Spannung auf, denn Claras Vision wird nur nach und nach deutlicher und gibt Details frei. Dennoch hat die Geschichte auch ihre humorvollen, selbstironischen Seiten, zum Beispiel dann, wenn Clara erzählt, dass sie am liebsten „Ein Engel auf Erden“ im Fernsehen sieht. Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser auch immer mehr über die Welt der Engel, ihre verschiedenen Arten, wie sie leben und dass es sowohl gute (weiße) als auch böse (schwarze) Engel gibt. Ob Cynthia Hand hier nur bereits Vorhandenes aufgegriffen hat, das kann ich nicht beurteilen, da „Unearthly“ für mich – wie gesagt – mein erster Engelroman war. Für mich waren die Hintergründe aber sehr interessant und stimmig.

Das Ende des ersten Bandes schließt einen der Handlungsstränge zwar ab, wirft aber gleichzeitig so viele Fragen auf, dass man unweigerlich einfach weiterlesen muss. „Unearthly“ war für mich eine der größten Überraschungen 2012; ich habe das Buch in einer Nacht zu Ende gelesen, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen wollte. In einigen Rezension wurde immer wieder der Vergleich mit der Bis(s)-Reihe gezogen, was inzwischen schon fast zum Standard geworden zu sein scheint. Dazu kann ich nur sagen, dass – bis auf ganz wenige Parallelen – beide Werke nichts miteinander gemein haben und solche Vereinfachungen dem Roman wirklich nicht gerecht werden. Ich hoffe deshalb stark, dass Fans des Genres „Unearthly“ trotzdem eine Chance geben: es lohnt sich!

Fazit: Eine gelungener Auftakt einer Trilogie über Liebe, Freundschaft und das Gefühl, dass eigene Leben nicht selbst in die Hand nehmen zu können.

Top Ten Thursday #55

Auch diese Woche will ich wieder beim Top Ten Thursday von Alice mitmachen. Das Thema ist dieses Mal wirklich schwierig für mich, denn es lautet:

10 Bücher (am besten aus dem Bücherregal) zum Thema Engel


Scheinbar lebe ich, was das Thema „Engel“ betrifft, noch hinter dem Mond, denn meine Auswahl an Romanen ist extrem gering:

1. Lucian / Isabel Abedi

Eines meiner Lieblingsbücher der Autorin, ich finde es ganz toll!

2.  Die Luzie & Leander-Reihe / Bettina Belitz

Eine Jugendbuchserie der Autorin für etwas jüngere Leser, vielleicht zwischen 12 und 15, mit einer tollen Protagonistin. (Ich sage nur: Stichwort Parcours)

Und das waren auch schon die Bücher, die ich dazu im Regal habe. Vielleicht finde ich ja nächste Woche wieder mehr als 2 Titel, dann heißt das Thema nämlich „10 Bücher (am besten aus dem Bücherregal) zum Thema Feen und Hexen“.