Tag-Archiv | Dystopie

Zersplittert / Teri Terry

Titel: Zersplittert (Fractured)

Autor: Teri Terry

Seitenzahl: 317

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch als Ebook zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich beim Coppenrath Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Reihenfolge der Trilogie:

1. Gelöscht (Slated)

2. Zersplittert (Fractured)

3. Shattered (im Original bereits erhältlich)

Da es sich bei „Zersplittert“ um den zweiten Teil einer Trilogie handelt, kann meine Rezension natürlich auch Spoiler zum ersten Band enthalten. Wer also „Gelöscht“ noch nicht kennt, sollte vielleicht auf die Lektüre dieses Blogposts verzichten, sofern er sich nicht die Überraschung verderben möchte. 😉

SAM_2340_1Handlung:

Teil 2 schließt genau an die Geschehnisse von „Gelöscht“ an. Kyla hat soeben einen Menschen getötet, obwohl ihr das als Slater eigentlich gar nicht möglich sein sollte. Ihre große Liebe und Vertrauter Ben ist verschwunden, nachdem er versucht hatte, sich selbst von seinem Levo zu befreien. Kyla weiß nicht, wie sie nun mit dieser Situation umgehen soll und gibt abwechselnd sich selbst und anderen die Schuld an Bens Verlust. Außerdem stürmen auch immer mehr Erinnerungen auf das junge Mädchen ein, an die Vergangenheit mit Nico, weshalb sie geslatet wurde, was mit ihrer Familie geschehen ist – all das kommt Stück für Stück ans Licht und stellt alles in Frage, was Kyla bisher zu wissen glaubte.

Eigene Meinung:

Die Handlung kreist, wie auch schon im ersten Band, völlig um Kyla und ihre Vergangenheit und wird daher auch aus ihrer Perspektive in der ersten Person erzählt.  Durch all die Dinge, die man als Leser über die Protagonistin erfährt, erhält man einen ganz anderen Bezug zu ihr, als noch im letzten Teil der Reihe. Das verwendete Präsens und die eingeschobenen Träume und Erinnerungen lassen die Handlung zusätzlich noch unmittelbarer wirken und so fiebert man von Beginn an mit Kyla mit und weiß selbst bald nicht mehr, was Realität ist und was nicht. Nach Bens Verschwinden wirkt sie zu Beginn sehr isoliert und verzweifelt, an ihre „Familie“ kann und will sie sich nicht wenden, denn sie kann sich nicht sicher sein, wem sie trauen kann und wer vielleicht mit den verhassten Lordern zusammenarbeitet. Doch dann lernt Kyla Cameron kennen, der zu seinem Onkel und seiner Tante ins Nachbarhaus gezogen ist. Hier wird sehr bald deutlich, in welchem Konflikt sie sich nun befindet: auf der einen Seite wünscht sich Kyla einen Freund an ihrer Seite, mit dem sie ihre Gedanken teilen kann, auf der anderen Seite fühlt sich das wie ein Verrat an Ben an. Es hat mir wirklich gut gefallen, dass den beiden so kurz nach den Ereignissen von Band 1 nicht einfach eine Liebesgeschichte angedichtet wird. Das wäre doch zu schnell und zu leicht gewesen.

Über ihr vergangenes Leben macht sich Kyla noch viel mehr Gedanken als es in Band 1 der Fall war. Ausgelöst durch ein einziges Ereignis beginnt sie sich auf einmal an ihre früheren Leben zu erinnern: das als Lucy als Tochter eines liebevollen Vaters und das als Rain, einer Terroristin im Kampf gegen die Lorder. Auch Nico, der Kyla gefolgt ist und sich an ihrer Schule als Lehrer tarnt, bekommt eine immer deutlichere Rolle in ihren Träumen und es ist nicht länger klar, ob er wirklich dem Guten verpflichtet ist oder eigentlich nur für sich selbst kämpft. Überhaupt ist der schmale Grat zwischen dem Wunsch nach politischer Veränderung und gewalttätigem Terrorismus sehr gut dargestellt. Es wird nicht nur schwarz und weiß gezeichnet, sondern es gibt auf beiden Seiten ehrliche und gnadenlose Menschen, so dass es auch dem Leser schwer fällt, sich einer der Parteien zuzuwenden. Dass auch Kyla hier ihre Zweifel hegt und versucht, immer moralisch zu handeln, macht sie zu einer ungemein sympathischen Protagonistin.

Allerdings gab es auch eine Sache, die mich an „Zersplittert“ gestört hat: nach Bens Verschwinden stellt Kyla zwar auf der einen Seite ihre Beziehung auf ein sehr hohes Podest, zumindest wenn man bedenkt, dass die beiden sich eigentlich nur zum Laufen getroffen und sich hin und wieder geküsst haben. Auf der anderen Seite interessieren sich dann aber gleich mehrere Männer für sie. Da ist Nico, zu dem sie wohl in der Vergangenheit eine spezielle Bindung hatte und bei dem sie zwischen Bewunderung und blanker Furcht hin- und herpendelt. Dann natürlich Cameron, der ihr zwar nicht näher kommen, ihr aber doch immerhin die Zeit vertreiben und ihr aus Notsituationen helfen darf. Dann Katran, der sich zwischen der Loyalität zu Nico und zu ihr entscheiden muss und mit dem sie offensichtlich in der Vergangenheit auch irgendeine Art von Verbindung hatte. Nicht zu vergessen die Wache im Krankenhaus, die Kyla auf einmal unvermittelt anflirtet, dabei war bei all den anderen Versuchen vorher nie so etwas geschehen. Neben den Gefühlen für Ben erscheint mir das doch alles etwas übertrieben. Es ist zwar nicht so, als würde Kyla mit all diesen jungen Männern etwas anfangen wollen, doch muss man sich schon fragen, wo diese plötzliche Anziehungskraft herrührt, denn in Band 1 wurde nichts dergleichen angedeutet. Und eine Freundin aus der Vergangenheit hätte es doch auch sein dürfen, warum müssen es etliche Männergeschichten sein?

Die Haupthandlung verläuft hingegen aber sehr spannend und entwickelt sich schließlich in eine Richtung, die ich zwar vermutet hatte, in all ihren Details aber so nicht vorhersehen konnte. So geschehen allein im letzten Drittel zahlreiche überraschende Wendungen, die der Geschichte einen völlig neuen Anstrich geben. Die Seiten fliegen nur noch so dahin, von Längen oder Nichtigkeiten keine Spur – ein absoluter Pageturner! Und natürlich endet der Roman auch an einer so bedeutsamen Stelle, dass man unbedingt wissen muss, wie es mit Kyla, ihrer Familie und all den anderen Personen weitergeht. So war „Zersplittert“ auf keinen Fall ein schwacher Mittelband, wie man es sonst oft von Trilogien kennt, sondern eine würdige Fortsetzung, die sogar noch etwas besser ist als „Gelöscht“.

Fazit: ein sehr guter, spannender zweiter Teil mit einem kleinen Kritikpunkt

4K

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Das Herbst-Programm des IVI-Verlags

Auf seiner Facebook-Seite hat der IVI-Verlag heute die 4 neuen Titel des Herbst-Programms angekündigt. Die Frühjahrstitel hatte ich euch ja schon hier präsentiert, deswegen dürfen natürlich auch die 4 Neuankündigungen für den Herbst nicht fehlen:

   

Die Cover gefallen mir schon mal wieder alle sehr gut. Definitiv einziehen wird „Enders“, denn der 1. Band der Reihe – „Starters“ – hatte mir ja bereits sehr gut gefallen. Meine Rezension findet ihr hier. „Libellenfänger“ klingt auch sehr spannend, aber was mich wirklich interessiert ist „Renegade. Tiefenrausch“. Eine Dystopie, die auf dem Meeresgrund spielt, das ist doch mal was! Tja, und ob „Frostfluch“ in meinem Regal landen wird, das kann ich erst nach der Lektüre des Vorgängers „Frostkuss“ sagen. Der steht aber schon auf meiner Wunschliste.

Hier nochmal für euch die Zusammenfassungen, worum es geht. Aber Achtung: „Enders“ und „Frostfluch“ sind jeweils der zweite Band einer Reihe. Wer den ersten noch nicht gelesen hat, sollte die Zusammenfassung vielleicht nicht unbedingt lesen. Ich persönlich finde zwar, dass die Beschreibung von „Enders“ nicht allzu viel über „Starters“ verrät, aber man will ja niemanden spoilern.

Enders / Lissa Price

Die 16-jährige Callie lebt in einer Welt, in der eine unheimliche Katastrophe alle getötet hat, die nicht schnell genug geimpft werden konnten – nur sehr junge und sehr alte Menschen haben überlebt. Während die Alten ihren Reichtum seitdem stetig mehren, verfallen die Jungen einer anscheinend ausweglosen Armut. Die einzige Möglichkeit für die jugendlichen Starters, an Geld zu kommen, war bislang die Body Bank. Dort konnten sie ihre Körper an alte Menschen vermieten, um so ihr Überleben zu sichern. Callie ist es gelungen, die Machenschaften des skrupellosen Instituts zu stoppen. Doch nun sieht sie sich einer viel größeren Gefahr gegenüber: Der Old Man, der mysteriöse Leiter der Body Bank, ist entkommen und trachtet Callie nach dem Leben. In einer erbarmungslosen Jagd wird ihr klar, dass das Geheimnis des Old Man dunkler ist, als sie es jemals erahnen konnte. Denn der Schlüssel dazu liegt in ihrer eigenen Vergangenheit verborgen.

Libellenfänger / Katja Brandis

Nicht einmal ihre engsten Freunde wissen, dass die 16-jährige Ricky Mayer im Gefängnis zur Welt kam und dort mit ihrer inhaftierten Mutter ihre Kindheit verbringen musste. Am liebsten würde Ricky ihre Vergangenheit vergessen. Doch als ihre Mitschülerin Antonia auf mysteriöse Weise stirbt, aktiviert sie ihre Kontakte zur Unterwelt. Bald ist sie sicher – Antonia wurde umgebracht. Aber was bedeuten die Libellenflügel, die seit Antonias Tod überall auftauchen? Ausgerechnet sie bringen Ricky schließlich auf eine heiße Spur – und damit tappt sie dem Mörder genau in die Falle …

Renegade. Tiefenrausch / J. A. Souders

Elysium liegt am Grund des Meeres, abgeschirmt vom Rest der Welt. Dort hat Mutter ein Paradies für jene Menschen geschaffen, die vor den Kriegen an der Oberfläche fliehen konnten. Allein ihr Gesetz garantiert das friedliche Zusammenleben in der Unterwasserstadt. Doch diese Ruhe ist teuer erkauft – Gefühle sind verboten, Berührungen unter Liebenden werden mit dem Tod bestraft. Die 16-jährige Evie vertraut auf das Wort von Mutter, denn schon bald soll sie über Elysium herrschen. Doch als Gavin, ein Mensch der Oberwelt, in Elysium eindringt, weckt der junge Mann Zweifel in ihr: Warum plagen sie Erinnerungslücken? Evie erkennt, dass sie Teil eines erbarmungslosen Plans ist, aus dem es für sie nur mit Gavin zusammen ein Entkommen gibt …

Frostfluch / Jennifer Estep

Das Abenteuer von Gwen Frost geht weiter: Ausgerechnet Logan Quinn soll der jungen Frau den Kampf mit Waffen beibringen. Denn Gwen schwebt, seit sie den »Schnittern des Chaos« in die Quere gekommen ist, in höchster Gefahr. Doch sie ist nicht nur an Logans Kampfkünsten interessiert … Als sie dann den attraktiven Preston kennenlernt, ist Gwens Gefühlschaos perfekt – und ihre lebensbedrohliche Lage fast vergessen. Die »Schnitter des Chaos« folgen Gwen jedoch überall hin. Sie wollen die junge Gypsy lieber tot als lebendig sehen – koste es, was es wolle …

Na, ist für euch etwas dabei? Habt ihr schon Bücher aus dem IVI-Verlag gelesen?

Starters / Lissa Price

Titel: Starters (Starters)

Autor: Lissa Price

Seitenzahl: 396

Woher ich es habe: bei Vorablesen gewonnen

„Starters“ ist der Debütroman der Amerikanerin Lissa Price und gleichzeitig eine der ersten Neuerscheinungen des neuen Piper-Imprints IVI. Die Autorin arbeitet bereits am zweiten Band „Enders“, der im Dezember 2012 erscheinen und die Geschichte um Callie, Michael und Blake abschließen soll. Wer einen Kindle besitzt kann hier außerdem die Kurzgeschichte „Portrait of a Starter“ erwerben, die aus Michaels Perspektive erzählt wird.

Handlung:

Die 16-jährige Callie muss sich mit ihrem 7-jährigen Bruder Tyler allein in Los Angeles durchschlagen. Jeden Tag kämpfen die beiden zusammen mit ihrem Freund Michael um das nackte Überleben, denn Hunger und Angst regieren die Stadt und Marshals patroullieren nachts die Straßen auf der Suche nach obdachlosen Jugendlichen. Ihre Eltern haben Callie und Tyler, wie auch die meisten anderen Kinder und Jugendlichen, beim Ausbruch einer Sporeninfektion verloren, die alle Menschen zwischen 40 und 60 getötet hat. Nun gibt es also nur noch ganz junge (die Starters) und ganz alte Menschen (die Enders). Während die Starters beinahe rechtelos entweder unter der Obhut eines Enders leben oder auf der Straße bedingungslos gejagt werden, leben die Enders in Bequemlichkeit und Reichtum. Um sich und Tyler durchzubringen, muss Callie nun eine folgenreiche Entscheidung treffen: sie beschließt, einen Vertrag mit einer so genannten Body Bank abzuschließen, bei der ältere Menschen sich einen jüngeren Körper mieten können. Was für Callie zunächst wie schnell verdientes Geld aussieht, entpuppt sich jedoch bald als ein wahrer Alptraum…

Eigene Meinung:

Mit ihrem Debutroman schwimmt Lissa Price auf der beliebten Welle des dystopischen (Jugend-)Romans mit. Da ich selbst bisher nur wenige Dystopien gelesen habe, kann ich nur schlecht beurteilen, inwiefern der Autorin hier innerhalb des Genres etwas Neues gelingt. Mir persönlich hat die Idee einer Gesellschaft, in der nur junge und alte Menschen leben, aber sehr gut gefallen und ich hatte noch nichts vergleichbares gelesen. Das Cover der deutschen Ausgabe passt, meiner Meinung nach, ausgezeichnet zum Inhalt – mit seinen düsteren Farben und dem schemenhaften, anonym wirkenden, weiblichen Gesicht, das genau das ausdrückt, was den Mädchen und Jungen in der Body Bank passiert: sie werden ihrer Identität beraubt. Die Handlung wird nun aus der Perspektive eines dieser Opfer, Callie, in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt.

Callie ist ein sehr charismatischer Charakter, mit dem ich sofort Sympathie empfand. Selbst noch ein Teenager trägt sie die Verantwortung für ihren kleinen Bruder Tyler, dem sie ein sicheres Leben bieten will. Ihre eigene Trauer um die geliebten Eltern muss Callie zurückstellen, um stattdessen das tägliche Überleben zu sichern. Mit Michael zusammen bilden die drei schon fast eine kleine Familie und wenn beschrieben wird, wie Callie, Michael und Tyler zusammen in den heruntergekommenen, verlassenen Häusern der Gegend leben, dann ist das schockierend und rührend zu gleich. Als Tylers Gesundheitszustand sich nach und nach verschlimmert, ist seine große Schwester gezwungen, eine Entscheidung zu treffen und ihn gleichzeitig allein mit Michael zurückzulassen.

Die Idee der Body Bank war für mich faszinierend und abstoßend zugleich. Ich habe mich gefragt, was für Menschen sich wohl den Körper eines anderen mieten und wie sie das vor sich selbst rechtfertigen können. Dennoch war ich enorm gespannt, was Callie wohl erleben würde. Und dann geschah auch schon das Unausweichliche: Callie bleibt im Körper ihren dritten und eigentlich letzten Kundin Helena oft für Stunden und Tage gefangen und muss so erfahren, dass die einen Mord begehen will – sozusagen mit Callies Körper als Mordwaffe. Nach einer Weile können die beiden Frauen sogar miteinander kommunizieren und Helena erzählt Callie schreckliche Dinge über die Body Bank und deren Besitzer, so dass diese bald nicht mehr weiß, wem sie vertrauen kann und auf welche Seite sie sich stellen soll.

Natürlich kommt auch die Liebe in dem Roman nicht zu kurz, denn in dem reichen Jungen Blake findet Callie einen tröstenden Anker, wenn sie Tyler und Michael vermisst und sich in Helenas Welt so einsam und verloren fühlt.  Und in den Wochen und Monaten, die Callie in dem fremden Körper verbringen muss, hat auch Michael in der obdachlosen Florina eine neue Verbündete gefunden. Und so schwankt unsere Protagonistin zwischen der Liebe zu Blake und der tiefen Dankbarkeit und Freundschaft zu Michael, zwischen Freude über das eigene zarte Glück mit Blake und Eifersucht, weil sie nicht länger ein Teil von Michaels Leben sein kann. Dabei rutscht der Roman aber nie ins Kitschige oder Schnulzige ab – die Liebesgeschichte ergänzt die Handlung, stört oder unterbricht sie jedoch nicht.

Die grobe Rahmenhandlung ist mit dem ersten Band abgeschlossen, aber dennoch wird eine Vielzahl von Fragen aufgeworfen, die in „Enders“ noch beantwortet werden müssen. Der Schluss an sich hat mich zwiegespalten zurückgelassen, weil er Happy End und Schlag in die Magengrube zugleich ist. Man weiß nicht, ob man sich freuen soll, weil ein Teil der Handlung gut ausgegangen ist oder weinen soll, weil sich im Laufe der Handlung ein paar wirklich furchtbare Dinge ereignet haben. „Starters“ ist auf jeden Fall ein Buch, das zum Nachdenken anregt und die eine oder andere moralische Frage im Raum stehen lässt. Ich für meinen Teil bin begeistert und freue mich schon sehr auf Band 2.

Fazit: Ein starker Debütroman, der aus einer beklemmenden Welt erzählt und zum Nachdenken anregt.

Alterra. Die Gemeinschaft der Drei / Maxime Chattam

Titel: Alterra. Die Gemeinschaft der Drei (L‘ Alliance de Trois)

Autor: Maxime Chattam

Seitenzahl: 390

Woher ich es habe: gebraucht gekauft

„Die Gemeinschaft der Drei“ ist der erste Band der Alterra-Jugendbuchreihe des Franzosen Maxime Chattam. Mit den beiden Folgebänden „Im Reich der Königin“ und „Der Krieg der Kinder“ ist die erste Trilogie bereits vollständig auf Deutsch erschienen. Im Original erschien im November 2011 „Entropia“, der Auftakt zu einem neuen Zyklus um Alterra; ein deutscher Titel ist noch nicht bekannt. Fraglich ist wohl auch, wann und in welchem Verlag die Reihe in Deutschland überhaupt fortgesetzt werden kann, schließt doch das Imprint „PAN“ schon bald seine Pforten.

Handlung:

Matt, Tobias und Newton sind die besten Freunde, ein unschlagbares Trio. Doch eines Tages zieht ein schweres Unwetter über New York auf und blaue Blitze zucken aus den Wolken herab. Als Matt seine Eltern warnen will, dass mit diesem Unwetter etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, ist es bereits zu spät: Matt wird von einem der Blitze getroffen und verliert das Bewusstsein. Als er erwacht, sind seine Eltern verschwunden. Dort, wo sie sich zuvor befanden, liegen nur noch ihre zurückgelassenen Kleidungsstücke und auch der Rest von Matts Wohnhaus ist zu einem Geisterhaus geworden. So macht Matt sich durch die Schneemassen auf den Weg zu Tobias. Gemeinsam mit seinem Freund muss er feststellen, dass alle Erwachsenen entweder verschwunden oder in seelenlose Zombies verwandelt wurden, dass große, seltsame Kreaturen auf Stelzen in den Straßen patroullieren und Newton in all dem Chaos verschwunden bleibt. Matt und Tobias beschließen, auf der Flucht um ihr Leben nach Süden zu ziehen und erreichen schon bald die Carmichael-Insel, auf der eine Gruppe Jugendlicher ihre eigene Siedlung errichtet hat. Matt und Tobias werden in die Gemeinschaft der Pans, wie sie sich nennen, aufgenommen und lernen schon bald Ambre kennen, mit der das Trio wieder komplett ist. Nun könnten sie ein friedliches Leben auf der Insel führen, wäre da nicht das Heer der gefährlichen Zyniks, der Torvaderon, der Matt in seinem Träumen zu sich ruft und ein Verräter, der sich noch unerkannt auf der Insel aufhält.

Meine Meinung:

„Alterra. Die Gemeinschaft der Drei“ ist ein Jugendbuch mit dystopischen Elementen, die ja im Moment sehr beliebt sind. Der Gedanke einer Welt, in der nur noch Jugendliche, aber keine Erwachsenen mehr leben, ist zwar nicht unbedingt neu, aber für mich dennoch sehr interessant. Zudem spielt der Umweltschutz in diesem Roman eine große Rolle, denn der Sturm, der über die Welt hereinbricht, wird als „Reinigungsaktion“ der Erde beschrieben, die sich so aller Erwachsener und aller Technik entledigt. Die überlebenden Jugendlichen müssen zu ihren Wurzeln zurückkehren, das Jagen und den Ackerbau neu lernen und sich Wissen aneignen, dass sie in einem Zeitalter, in dem beinahe alles mit Hilfe von Technik erledigt werden kann, gar nicht mehr benötigt haben. So wird die Kritik an unserer heutigen Gesellschaft in den Handlungsverlauf eingeflochten, ohne allzu sehr mit erhobenem Zeigefinger zu predigen.

Der Schreibstil des Autors ist einfach und klar, aber keinesfalls plump. Seine Protagonisten lässt er authentisch fühlen und sprechen, so wie es Jugendliche eben tun. Sie sind keine Kinder mehr, aber doch noch nicht erwachsen. Sie schwanken zwischen Abenteuerlust und Selbstständigkeit auf der einen und dem Bedürfnis, sich in die Arme ihrer Eltern zu werfen, auf der anderen Seite. Mit den Lebensläufen der Jugendlichen werden auch andere ernste Themen angeschnitten, ohne dabei zu viel Raum einzunehmen. Matt, zum Beispiel, ist ein Scheidungskind, Tobias hat aufgrund seiner dunklen Hautfarbe oft mit Anfeindungen zu kämpfen und Ambre wurde vom ihren Vater geschlagen. Und natürlich spielen auch Themen wie Freundschaft und Verrat, Liebe und Eifersucht eine Rolle.

Die Tatsache, dass die Freunde von Beginn an wissen, dass sie es auf Insel mit einem Verräter zu tun haben, ist ein wichtiges Element für die Handlung. Gemeinsam schmieden die drei Pläne, um den Verräter zu finden, beschatten die anderen Jugendlichen und verdächtigen hin und wieder auch mal den Falschen. Wer auf der Insel tatsächlich Gutes und wer Böses im Schilde führt, wurde für mich erst an einer sehr späten Stelle im Roman deutlich, was die Handlung unheimlich spannend machte. Weitere Elemente wie ein Haus, in dem es zu spuken scheint und ein Turm, den niemand betreten darf, tragen noch zusätzlich zu dieser Spannung bei. Außerdem entwickeln einige der Jugendlichen spezielle Fähigkeiten. Matt hat extrem an Stärke gewonnen, Tobias ist übernatürlich schnell und Ambre kann Dinge mit Hilfe ihrer Gedanken bewegen. Dennoch wirken die Pans mit ihren Fähigkeiten nicht wie Superhelden, sondern müssen erst langsam lernen, ihre Fähigkeiten zu kontrollieren. Das und die Tatsache, dass die Fähigkeiten sich aus der jeweiligen Arbeit und dem Charakter der Person heraus bilden, hat mir gut gefallen und lies den Roman nicht abdriften.

Worüber ich allerdings gerne noch mehr gelesen hätte, sind der Torvaderon und seine unheimlichen Stelzenläufer. Was will er von Matt, warum sieht ausgerechnet er ihn in seinen Träumen? Das ist nur eine der vielen Fragen, die offen geblieben sind. Ebenso hätte ich gerne erfahren, warum Newton im Gegensatz zu seinen Freunden verschwunden ist, was aus den Eltern der Protagonisten geworden ist und warum die Zyniks so geworden sind, wie sie sind. Insgesamt ist „Die Gemeinschaft der Drei“ aber ein würdiger Auftakt zu einer Trilogie, der Lust auf die Folgebände macht. Deswegen ist „Im Reich der Königin“ auch schon unterwegs zu mir.

Lobend erwähnen möchte ich auch noch die Covergestaltung. In Kupferfarben ist vor schwarzem Grund die Silhouette von New York zu sehen, überall auf dem Umschlag ranken sich Pflanzen, die alles zu überwuchern scheinen und Fledermäuse kreisen in Schwärmen über der Stadt. Die Gestaltung wird in den folgenden Bänden in anderen Farben fortgesetzt – ein echter Blickfang im Regal!

Fazit:

Ein durch und durch gelungener Auftakt einer Trilogie, der zwar viele Fragen offen lässt, dafür aber umso mehr zum Weiterlesen anregt.

Top Ten Thursday #52

Diese Woche ist das Thema bei Alice wieder ein bißchen schwieriger für mich, es lautet nämlich:

Eure 10 liebsten Dystopien

Ich erlaube mir jetzt einfach mal ein wenig zu schummeln, denn allzu viele Dystopien habe ich noch nicht gelesen. Dafür sind umso mehr auf meiner Wunschliste, die ich jetzt gerne miteinbeziehen möchte.

Gelesen:

1. Die Tribute von Panem-Trilogie von Suzanne Collins

2. Die Stadt der Blinden / José Saramago

3. Alterra 1. Die Gemeinschaft der Drei / Maxime Chattam (lese ich gerade)

4. Brave New World / Aldous Huxley

Ungelesen:

5. Matched / Ally Condie (Cassia & Ky 1)

6. Gone 1: Verloren / Michael Grant

Auf der Wunschliste:

7. Die Welt, wie wir sie kannten / Susan Beth Pfeffer

8. A long, long sleep / Anna Sheehan

9. Delirium / Lauren Oliver

10. Die Stadt der verschwundenen Kinder / Caragh O‘ Brien

Auf das Thema der nächsten Woche freue ich mich extrem, es heißt nämlich „Eure 10 liebsten Märchen“ und ich liebe Märchen einfach! Das Thema war eines meiner Masterthemen und bin schon von klein auf ein großer Fan von Märchen, egal ob es sich um die schriftliche Form, um Langspielplatten / Kassetten oder Märchenfilme handelt.