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Vier Beutel Asche / Boris Koch

Titel: Vier Beutel Asche

Autor: Boris Koch

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: Innerhalb der NotizBuch-Aktion von der lieben Hannah erhalten – danke nochmal! 🙂

Für die „Contemporary Young Adult-Challenge“ fehlte mir noch ein Buch für meine Leseliste und da kam mir die NotizBuch-Aktion von Hannah gerade recht. „Vier Beutel Asche“ ist nun schon mein drittes NotizBuch und jedes Mal hatte ich viel Spaß daran. Es ist unglaublich interessant zu lesen, welche Gedanken sich die anderen zu einer bestimmten Person oder Situation gemacht haben. Manchmal sind da alle einer Meinung, manchmal entwickelt sich aber auch eine richtige kleine Diskussion im Buch – wirklich toll! Den Autor Boris Koch kannte ich übrigens vor der Aktion noch nicht, aber ich werde ab jetzt seine Veröffentlichungen im Auge behalten und  mir auch mal seine vorherigen Veröffentlichungen ansehen.

Handlung:

Seit Jan seinen besten Freund Christoph bei einem Unfall verloren hat, ist er voller Wut. Auf den Fahrer des Unfallautos, auf Christophs Eltern, auf die Welt im Allgemeinen und auf sich selbst. An Christophs Geburtstag beschließt er, die Party zu dessen Ehren früh zu verlassen und stattdessen dem Grab seines besten Freundes einen Besuch abzustatten. Dort trifft er tatsächlich, mitten in der Nacht, noch 3 weitere Menschen aus Christophs Leben: seine Freundin Selina, seinen Kumpel Maik und die geheimnisvolle Lena, von der niemand weiß, in welcher Beziehung sie eigentlich zu Christoph stand. Gemeinsam beschließen die 4 Jugendlichen, sich mit 2 Motorrollern auf den Weg nach Frankreich zu machen, an die Küste. Denn Christoph wollte seine Asche über dem Meer ausgestreut und nicht auf dem düsteren Dorffriedhof begraben wissen.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans passt hier extrem gut zum Inhalt. Es zeigt die verschwommene Silhouette eines jungen Mannes, der sich in voller Bewegung zu befinden scheint. Hier könnte es sich um Christoph auf seinem Fahrrad handeln oder auch um Jan auf einer der beiden Motorroller. Diese Bewegung und auch die Farben suggerieren auf der einen Seite eine gewisse Lebendigkeit, auf der anderen Seite strahlt das Cover auch etwas Unruhiges aus. Die Geschichte wird aus Jans Perspektive in der Ich-Form erzählt, so dass man als Leser ganz dicht an dem Protagonisten klebt. Man weiß selbst also immer nur so viel, wie Jan in der Geschichte bereits erfahren hat. Mit ihm als Protagonisten hatte ich zunächst auch meine Schwierigkeiten. Jan ist am Anfang so voller Wut und Aggression, dass niemand wirklich einen Zugang zu ihm findet. Am liebsten würde er sich an dem Verursacher des Unfalls rächen, denn der trägt – das findet zumindest Jan – die alleinige Schuld an dem Unfall. Doch letztendlich kann er hierzu nie den Mut finden und reagiert seinen Zorn daher in kindischen kleinen Drohbriefchen ab. Generell ist er ein sehr unnahbarer, unsympathischer Charakter, mit dem man sich als Leser nur schwer identifizieren kann.

Auch die Reise der 4 Jugendlichen nach Frankreich erweist sich als schwierig. Anstatt Christophs letzten Wunsch in Frieden zu erfüllen, gibt es ständig Streit. Vor allem Christophs Freundin Selina lässt ihren Unmut an den anderen aus und zeigt sich vor allem von Lenas Anwesenheit verunsichert und provoziert. Hatte Christoph etwa eine Affäre? Doch auch Jan ist enttäuscht, weil sein bester Freund ihm nie erzählt hat, dass er näher mit Lena zu tun hatte. Allein der übermütige Maik ist immer zu Mutproben und Dummheiten aufgelegt und raubt den anderen 3 den letzten Nerv. Zu allem Überfluss werden die 4 in Frankreich schließlich noch ausgeraubt und die Küste scheint in unendliche Ferne gerückt.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite ist das Thema ein sehr trauriges und man hätte aus der Grundidee der Handlung wirklich einiges machen können. Doch anstatt einer sensibel erzählten Geschichte zum Thema Trauer erwarten den Leser zunächst nur Jans Hasstiraden und kindische Streitereien darüber, wer nun Christophs Asche transportieren und wer überhaupt das Recht hat, an dieser irrsinnigen Fahrt nach Frankreich teilzunehmen. Auch die Reise selbst hätte ich mir ein wenig ausführlicher beschrieben gewünscht bzw. wäre es angenehmer gewesen, anstatt von den 4 Streithähnen mehr von der Landschaft zu lesen, durch die sie fahren. Denn eigentlich bin ein großer Fan von Roadtrips, aber hier hat mir einfach das nötige Flair gefehlt.

An Tiefe gewinnt der Roman erst, als die 4 sich am Lagerfeuer nach und nach erzählen, wie sie Christoph kennengelernt haben. Es wird viel geweint, aber auch gelacht und endlich, so scheint es, ist der Schmerz für jeden von ihnen etwas einfacher zu tragen. Danach hat man als Leser nicht nur einen besseren Bezug zu den 4 Jugendlichen, sondern auch der verstorbene Christoph nimmt Profil an. Erst jetzt konnte ich richtig nachvollziehen, was ihn als Freund ausgemacht hat und warum die anderen so um ihn trauern. Und auch Jan kann etwas von seiner Wut ablegen und sich wieder dem Leben zuwenden. Auf einmal tritt hinter der harten Schale ein sensibler, freundlicher Kern zu Tage, der mich mit dem unsympathischen Hauptcharakter aussöhnt. Das Ende ist hoffnungsvoll und verdeutlicht die Botschaft des Buches: Egal wie groß die Trauer auch ist, es lohnt sich immer weiterzuleben!

Fazit: nach anfänglichen Schwierigkeiten ein durchaus berührendes Buch über die Hilflosigkeit der Hinterbliebenen und darüber, wie man mit so einem schrecklichen Verlust weiterleben kann

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Contemporary Young Adult Challenge

Nachdem ich ja schon in diesem Jahr (mehr oder minder) erfolgreich an 2 Challenges teilgenommen habe, möchte ich das auch 2013 wieder tun. Auf der Suche nach einer für mich passenden Herausforderung stieß ich auf die „Contemporary Young Adult Challenge“. Ins Leben gerufen wurde sie von der Bücherdiebin und von Hannah von Paper Trail.

Banner Contemporary Young Adult Challenge

Aktionszeitraum: 01. Dezember 2012 bis 31. Mai 2013

Worum geht es: Im o.g. Zeitraum sollen insgesamt 8 Bücher aus dem Genre Contemporary Young Adult gelesen und rezensiert werden. Fantasy und Science Fiction ist nicht erlaubt! Für mich eine tolle Challenge, da ich das Genre sowieso mag und auch noch einige Vertreter auf dem SuB habe. Außerdem zwingt mich das auch, noch regelmäßiger Rezensionen zu schreiben, denn im Moment rezensiere ich längst nicht alles, was ich lese.

Ich hab‘ mir auch schon mal eine Liste zusammengestellt – so sieht mein Leseplan aus:

  1. Dash & Lily’s book of dares / Rachel Cohn & David Levithan
  2. The opposite of invisible / Liz Gallagher
  3. Wunder wie diese / Laura Buzo
  4. Perfect chemistry / Simone Elkeles
  5. Vier Beutel Asche / Boris Koch
  6. The coincidence of Callie & Kayden / Jessica Sorensen
  7. Nur eine Liste / Siobhan Vivian
  8. Just one day / Gayle Forman

Vielleicht ist die Challenge ja auch etwas für euch? Dann meldet euch doch an und wir können uns ein wenig über unsere Fortschritte austauschen.