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Linkshänderland. Der Auftrag / Lara de Simone

SAM_3055_1Titel: Linkshänderland. Der Auftrag

Autor: Lara de Simone

Seitenzahl: 351

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten.

Ich bedanke mich herzlich bei Bastei Lübbe für die Übersendung des Buches!

Handlung:

Liam ist gerade einmal 16 Jahre alt, als sein Mentor Francis ihm angekündigt, dass er selbst einen Schützling unter seine Fittiche nehmen soll. Sein „Mentee“ ist die 13-jährige Trix, ein aufgewecktes, mutiges Mädchen. Und dann ist da noch Jannick, ein junger Medizinstudent, der von einem alten Freund zu einem Treffen in eine zwielichtige Kneipe bestellt wird. Alle drei haben eines gemeinsam: sie sind Linkshänder und haben somit Zugang zu einer Computersimulation, die das „Linkshänderland“ genannt wird. Eine Welt, parallel zu der unseren, in der nicht weniger Geheimnisse und Verrat existieren.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans fiel mir zuerst ins Auge und war, ehrlich gesagt, auch der Grund, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte. Noch begeisterter war ich, als sich nach etwa der Hälfte der Lektüre die doppelte Bedeutung des Bildes offenbarte. Im Gegensatz dazu kommt das Innere eher schlicht daher, mit einer klaren Schrift und Überschriften in Großbuchstaben. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und somit auch aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Da ist die lebenslustige, freche Trix, der nachdenkliche, aber mutige Liam und der zurückhaltende, manchmal etwas ängstliche Jannick. Leider bleiben die Charaktere etwas blass, ich hätte mir hier mehr Tiefe, mehr Emotionen gewünscht.

Die Grundidee des Romans ist nicht schlecht, dennoch blieb für mich die Frage nach der Motivation offen. Es wird zwar erklärt, dass die „Bestimmung“ und damit das Gründungsdokument des Linkshänderlands verloren gegangen ist, aber dennoch hätte ich mir etwas mehr Hintergrund gewünscht. Schön und gut: es gibt da also eine zweite Welt neben der unseren, in der dieselben Regeln gelten und in der es dieselben Probleme gibt. Zugänglich ist sie nur den Linkshändern. Aber warum genau ist das so? Da muss man sich schon wie Trix fragen, ob sich denn die Linkshänder für überlegen halten oder warum sie eigentlich diesen Ort des Austausches brauchen. Denn wenn ich, ganz naiv, meinen Freundeskreis betrachte, erschließt sich mir nicht, was Links- und Rechtshänder so sehr unterscheiden soll, dass es das Linkshänderland rechtfertigt. Vermutlich erfahren wir in einem weiteren Band mehr darüber, aber dieses Fehlen eines für mich wichtigen Handlungselements führt dazu, dass ich Teil 2 schon nicht mehr lesen mag.

Überhaupt erscheint mir einiges an dieser Computersimulation fragwürdig. Allein die Tatsache, dass Menschen gegen ihren Willen zwei Computerchips implantiert werden, stört mich doch gewaltig. Und dann soll ich als Leser noch hinnehmen, dass eine 13-Jährige, die bisher nicht mal wusste, dass sie Linkshänderin ist, das einfach so hinnimmt? Noch dazu führt das zweite Leben im LHL dazu, das anderes vernachlässigt wird. Es ist ja sehr schön für Trix, dass sie in Liam einen neuen Mentor und Freund erhält, aber dass sie darüber beinahe ihre Freundin Maike und ihre Familie vergisst, das kann und will ich auch gar nicht verstehen. Und wozu? Um in einer Simulation eine Art Hogwarts für Agenten zu besuchen.

Auch die Sprache konnte mich leider nur wenig überzeugen. Mal sprechen die Figuren so geschwollen, dass man ihnen ihr junges Alter nicht abnehmen kann, mal so schnodderig, dass es kaum zu ertragen ist. Und bei Sätzen wie „Das Wenige, das diese matten, beschädigten oder vollgekritzelten Scheiben noch reflektieren konnten, war ebenfalls matt, beschädigt oder vollgekritzelt.“ (Seite 50) muss ich mich doch etwas gruseln. Nach etwa der Hälfte des Romans werden dann endlich die Handlungsstränge zusammengeführt und die Frage nach dem „Was soll das eigentlich alles?“ beantwortet. Fortan werden Waffen gekauft, Treffen mit der Mafia abgehalten und spioniert und infiltriert, was das Zeug hält und wo Agenten sind, ist natürlich James Bond auch nicht weit. (Wenn auch nur in Gestalt von Jannick, dem man diese Rolle nun wirklich nicht abkauft.) Kurz gefasst: hier wurde viel gewollt, aber leider mangelhaft umgesetzt.

Fazit: eine halbgare Agentengeschichte mit blassen Charakteren – schade!

2K

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Knochenfinder / Melanie Lahmer

Titel: Knochenfinder

Autor: Melanie Lahmer

Seitenzahl: 459

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Bastei Lübbe-Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Knochenfinder“ ist der erste Roman der Autorin Melanie Lahmer; er wurde von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen mit einem Stipendium ausgezeichnet. In der Autorenbeschreibung vorne im Roman konnte ich außerdem lesen, dass sie selbst Geocacherin ist, Frau Lahmer weiß also, wovon sie spricht.

Handlung:

Im Rothaargebirge verschwindet der 17-jährige Schüler René spurlos. Noch während sich die Kommissarin Natascha Krüger auf die Suche nach dem jungen Mann macht, werden in 2 Geocaching-Verstecken in der Gegend abgetrennte Finger entdeckt. Schon bald darauf ist klar, dass zwischen beiden Ereignissen eine Verbindung besteht und Renés Leben ernsthaft in Gefahr ist. Natascha und ihre Kollegen Lorenz und Winterberg dringen immer tiefer in die Geocaching-Szene vor, machen aber auch an der Schule des verschwundenen Jungen grausige Entdeckungen. Vor allem Winterberg belastet der Fall sehr, schließlich gehen seine beiden Söhne auf die selbe Schule wie René und so fühlt er sich zwischen seiner Rolle als Vater und seinem Beruf hin- und hergerissen. Weiß sein älterer Sohn Niklas mehr als er zugeben will? Und wird das Team den verschwundenen Schüler rechtzeitig finden können, bevor der Täter sein schreckliches Werk vollenden kann?

Eigene Meinung:

„Knochenfinder“ wird in personaler Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mal erlebt der Leser hautnah die polizeilichen Ermittlungen mit, mal nimmt der Erzähler die Perspektive des Opfers oder des Täters ein. So gewinnt die Handlung zwar auf der einen Seite an Dimension, auf der andere Seite ist so aber auch schnell das Geschlecht des Täters verraten und der Verdächtigenkreis zumindest um einige wenige Personen verringert. Mit dem Schreibstil hatte ich zu Beginn meine Probleme. Einige Szenen waren in meinen Augen recht unbeholfen und nicht stimmig beschrieben, an anderen Stellen waren die verwendeten Begrifflichkeiten fast schon stereotyp. Auch die wörtliche Rede ist zum Teil nur wenig authentisch, so dass ich oft das Gefühl hatte, die betreffende Person würde so einfach nicht sprechen. Trotz allem liest sich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten aber flüssig und die Handlung nimmt an Fahrt auf.

Die Kommissarin Natascha Krüger ist zwar durchaus sympathisch beschrieben, dennoch blieb sie für mich den Roman über recht blass. Auf der einen Seite mochte ich ihren tierlieben Charakter, auf der anderen Seite fiel es mir aber schwer, darüber hinaus eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Generell gilt das leider für die meisten Personen: Winterbergs Umgang mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen konnte ich nicht nachvollziehen, ebenso war für mich die Stimmung im Team nicht greifbar. Handelt es sich hier tatsächlich um treu sorgende Kollegen oder um einen bunt zusammengewürfelten Haufen, in dem sich keiner für den anderen interessiert? Ein wenig Emotion kommt eigentlich erst in den Handlungsverlauf, als auch eines der Teammitglieder verschwindet.

Im Großen und Ganzen hatte Melanie Lahmer wohl einfach das Pech, dass ich kurz vor ihrem „Knochenfinder“ Ursula Poznanskis Geocaching-Roman „Fünf“ gelesen hatte. Das Grundgerüst ist nun wirklich sehr ähnlich: in Geocaching-Verstecken werden Körperteile gefunden, eine Ermittlerin macht sich mit ihrem Team auf die Suche, eine zarte Liebesgeschichte bahnt sich an usw. Natürlich geht die Handlung an vielen Punkten auch stark auseinander; so erweitert Melanie Lahmer ihren Roman noch um das Themengebiet „Gewalt(verherrlichung) an Schulen“, während Ursula Poznanski sich ganz auf das Geocaching konzentriert. Dennoch fällt mir im direkten Vergleich deutlich auf, dass in „Fünf“ einiges besser gelungen ist, so zum Beispiel die Tiefe der Charaktere oder der aufgebaute Spannungsbogen.

Am Schluss des Romans folgt dann auch der obligatorische Showdown, leider wurde ich aber auch hier enttäuscht. Im Verlauf der Handlung hatte ich die verschiedensten Theorien entwickelt, wer der Täter sein könnte und aus welchen Gründen er handeln könnte. Dabei war für mich grundsätzlich jeder verdächtig, denn von Sebastian Fitzek und ähnlichen Autoren bin ich gewohnt, dass alles immer ganz anders ist, als es erscheint. Deshalb war ich von der Auflösung des „Knochenfinders“ auch recht ernüchtert und auch das Motiv des Täters schien mir nur bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Wäre der Roman vielleicht meine erste Lektüre zu diesem Thema gewesen, hätte ich möglicherweise einen größerem Lesespaß verspürt – so hält sich meine Begeisterung aber leider in Grenzen.

Fazit: ein durchschnittlicher Lesegenuss für Geocaching-Fans