Tag-Archiv | Alkoholismus

Für immer Ella & Micha / Jessica Sorensen

SAM_2387_1Titel: Für immer Ella & Micha (The forever of Ella and Micha)

Autor: Jessica Sorensen

Seitenzahl: 349

Woher ich es habe: bei einem Gewinnspiel des Verlages gewonnen

Ich möchte mich ganz herzlich beim Heyne Verlag für die Übersendung des Buches bedanken!

Reihenfolge:
1. Das Geheimnis von Ella & Micha
2. Für immer Ella & Micha
3. The ever after of Ella and Micha

Handlung:

Ella und Micha waren schon immer die besten Freunde, doch inzwischen sind sie weit mehr als das. Vieles haben sie gemeinsam durchgestanden, aber nun müssen sie es eine Weile ohne einander aushalten. Während Ella ihre Ausbildung am College weiterführt, tourt Micha mit seiner Band durch die Staaten. Da natürlich Bandkollegin Naomi immer mit von der Partie ist und dabei kein gutes Haar an Ella lässt, sind Eifersucht und Streitereien vorprogrammiert. Und dann sind da noch die Dämonen aus ihrer Vergangenheit, die Ella nicht loslassen und so trifft sie eine folgenschwere Entscheidung: sie muss Micha gehen lassen, um ihm ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Eigene Meinung:

„Für immer Ella & Micha“ schließt direkt an seinen Vorgänger an und ist – wie auch die anderen Bücher der Autorin – abwechselnd aus Ellas und Michas Perspektive in der Ich- und Gegenwartsform erzählt. So kann der Leser beide Blickwinkel der Geschichte kennen lernen und ist immer mitten im Geschehen. Schon zu Beginn der Handlung merkt man, dass Ella und Micha nicht so glücklich sind, wie sie es nach dem Ende von Band 1 eigentlich sein müssten. Ella fühlt sich ohne Micha auf dem College einsam, ihre Gedanken sind meistens bei ihm. Und auch Micha vermisst seine Ella May schmerzlich auf Tour. Außerdem ist er mit seiner Karriere als Musiker unzufrieden, wäre er doch lieber als Solokünstler denn mit seiner Band unterwegs. Dass es da zwischen den beiden zu Spannungen kommen muss, ist nicht weiter verwunderlich.

Ella leidet auch in diesem zweiten Band noch immer unter dem Tod ihrer Mutter und fühlt sich verantwortlich. Ihr Vater, der dem Alkohol völlig verfallen ist, unterstützt sie in diesen Gefühlen auch noch und versucht seine eigenen Fehler und Schwächen auf die eigene Tochter abzuwälzen. Gegen diese Angriffe kann sich Ella nur schwer zur Wehr setzen und so kommt es regelmäßig zu Zusammenbrüchen. Nach einem von diesen beschließt Ella, Micha nicht länger eine Last sein zu wollen und sich erst einmal ihren eigenen Problemen zu widmen. Unterstützt wird sie dabei von Anna, ihrer Therapeutin. Micha reagiert natürlich geschockt auf diese Entscheidung, bemüht sich aber weiterhin, Ella ein guter Freund zu sein. Dabei hat auch er sein Päckchen zu tragen: nach Jahren des Schweigens hat sich sein Vater endlich bei ihm gemeldet und bittet ihn um einen Gefallen.

Ich muss es meiner Meinung vorweg nehmen: ich mag Jessica Sorensens Bücher wirklich. Ich liebe Callie und Kayden! Aber manchmal denke ich mir doch, die Autorin sollte sich mal an einem anderen Thema versuchen. Denn im Prinzip ist jedes Buch nur eine Abwandlung des vorherigen. Und wo Callie und Kayden noch Tiefe haben, sind Ella und Micha einfach nur anstrengend. Ständig hält einer den anderen auf Distanz und fühlt sich nicht wertvoll genug, dem anderen ein liebevoller Partner zu sein. Anstatt ehrlich miteinander umzugehen, fallen beide in kindische Verhaltensmuster zurück. Ich bin ja auch wirklich nicht prüde, aber jeden Konflikt mit heißem Sex lösen zu wollen, das erscheint mir doch ein wenig zu einfach, oder nicht?

Der Schluss ist auch schon im Titel angedeutet und nachdem Band 3 eine Hochzeit vorweg nimmt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es in „Für immer Ella & Micha“ ein Happy End gibt. Zugegeben: Ella hat einige Fortschritte gemacht, ein großes  Problem ist zumindest auf dem Weg zu einer Lösung und sie und Micha haben noch einiges mehr gemeinsam geschafft. Dennoch wirkt dieser Schluss auf mich ein wenig aufgesetzt und erzwungen. Der Klappentext von Band 3 lässt außerdem vermuten, dass wir auch dort nur eine erneute Variation ein und desselben Themas wiederfinden werden: einer der beiden wird vor dem Traualtar kalte Füße bekommen und davon überzeugt sein, den anderen nicht zu verdienen. Und dennoch werden am Ende alle glücklich sein. Aber was spotte ich eigentlich? Trotz all dieser Kritikpunkte entwickeln die Bücher von Jessica Sorensen einen unglaublichen Sog. Man muss einfach wissen, wie es mit den Charakteren weitergeht, die einen zwar unbändig nerven, aber einem dennoch ans Herz gewachsen sind. Am meisten freue ich mich auf das Buch von Seth und Greyson – das könnte wirklich einmal etwas ganz anderes werden!

Fazit: ein typischer Jessica Sorensen-Roman, der einen stellenweise entnervt zurücklässt

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Drowning. Tödliches Element / Rachel Ward

SAM_2110_1Titel: Drowning. Tödliches Element (The Drowning)

Autor: Rachel Ward

Seitenzahl: 329

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich beim Carlsen Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Nach ihrer erfolgreichen Numbers-Reihe ist „Drowning. Tödliches Element“ nun das neuste Jugendbuch aus der Feder der Britin Rachel Ward. „Numbers – Den Tod im Blick“, für das sie 2011 sogar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, steht schon seit langem dringend auf meiner Wunschliste. Im Gegensatz zu der Vorgängerreihe ist „Drowning. Tödliches Element“ aber nun ein abgeschlossener Roman, der ganz für sich steht.

Handlung:

Als Carl zu sich kommt, ist er völlig entkräftet und durchnässt. Rettungskräfte kümmern sich um ihn. Doch wer ist der Junge, der leblos neben ihm aus dem Wasser gezogen wird? Und warum reagiert das Mädchen im Rettungswagen so verängstigt auf ihn? An all das kann sich der 15-Jährige nicht mehr erinnern. Nur nach und nach kehrt sein Gedächtnis zurück und die unfassbare Wahrheit kommt ans Licht: Carl und sein großer Bruder Rob waren mit dessen Freundin Neisha im See schwimmen, als ein großes Unwetter aufzog. Rob ertrank und seitdem scheint Neisha unglaubliche Angst vor Carl zu haben. Doch ist das wirklich die ganze Geschichte? Carl selbst ist zwischen Trauer und Erleichterung hin- und hergerissen, denn zumindest an eines erinnert er sich: Rob war nicht immer nur der liebe große Bruder für ihn.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Drowning“ ist durchaus ansprechend gestaltet. Die Wellen passen gut zum Thema des Buches und auch die halb im Wasser versinkende Schrift des Titels ist gelungen. Unterstützt wird der Effekt von leicht erhöhten Buchstaben und einer sehr glatten und glänzenden Oberfläche, die tatsächlich an Wasser erinnert. Im Inneren hingegen kommt das Buch mit klaren, schnörkellosen Kapitelüberschriften und Seitenzahlen recht nüchtern daher. Generell ist dem Carlsen Verlag hier aber ein Gesamtbild gelungen, das junge Leser sehr wohl ansprechen dürfte; auch (oder vor allem) männliche.

Die Geschichte wird aus Carls Sicht und in der Ich-Perspektive erzählt. Der Leser bleibt so immer ganz nah bei seiner Hauptfigur, was die Handlung natürlich sehr spannend macht, denn man weiß immer nur genau so viel, wie Carl selbst. Der erinnert sich nur langsam an den schrecklichen Unfall und muss das Geschehene aus seinen Erinnerungen und mit Hilfe anderer mühsam zusammen puzzlen. Seine Mutter ist ihm dabei leider keine große Hilfe. Überhaupt wird im Verlauf der Geschichte schnell deutlich, dass wir es hier mit einer zerrütteten Familie zu tun haben: eine allein erziehende Mutter, die viel zu häufig dem Alkohol zuspricht, ein gewalttätiger großer Bruder und dazwischen Carl, der sich danach sehnt, geliebt zu werden. Er selbst ist schon seit längerem unglücklich in Neisha verliebt, die Freundin seines großen Bruders Rob.

Mit dem Tod seines Bruders weiß Carl nicht so recht umzugehen. Seine Erinnerungen sind bruchstückhaft, ja, er hält es sogar für möglich, seinen eigenen Bruder getötet zu haben. Denn warum sollte Neisha sonst so viel Angst vor ihm haben? Es gibt niemanden, mit dem Carl diese Gedanken und Ängste teilen kann, niemanden, der für ihn da ist. Und so entwickelt er Wahnvorstellungen. Immer, wenn er nass ist, sieht er seinen Bruder Rob vor sich, der ihm Dinge zuruft. Am liebsten würde er sich nicht einmal mehr die Hände waschen, geschweige denn baden, doch irgendwann muss Carl sich all dem stellen. Und auch zu seiner Mutter und Neisha knüpft er vorsichtig neue Bande.

Die Grundidee der Geschichte hat mir gut gefallen und am Anfang ist sie auch noch recht spannend. Doch dann beginnen sich die immer gleichen Szenen zu wiederholen: Carl wird aus irgendeinem Grund nass, sieht dann überall seinen toten Bruder und rastet völlig aus. Er pendelt wild zwischen Schuldgefühlen gegenüber seiner Mutter und Rob und seiner Zuneigung zu Neisha hin und her. Immer häufiger wiederholt er die selben Fragen: Habe ich meinen Bruder getötet? Oder bin ich zumindest für seinen Tod verantwortlich? Darf ich Gefühle für die Freundin meines Bruders haben? Das ermüdet nach kurzer Zeit schon ungemein, weil einfach nichts Neues mehr passiert. Der Schluss war, in meinen Augen, dann völlig absurd und brachte keinerlei spannende Erkenntnisse. Dafür, dass die gesamte Zeit über eine gewisse Spannung aufgebaut wurde, verlief alles doch sehr unspektakulär im Sande. Zum Glück liegt hier keine Reihe vor – mehr muss man hiervon wirklich nicht lesen!

Fazit: eine spannende Grundidee, leider schlecht umgesetzt

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Die eisblaue Spur / Yrsa Sigurðardóttir

Titel: Die eisblaue Spur (Auðnin)

Autor: Yrsa Sigurðardóttir

Seitenzahl: 339

Woher ich es habe: gebraucht bei Rebuy gekauft

„Die eisblaue Spur“ ist nach „Das letzte Ritual“, „Das gefrorene Licht“ und „Das glühende Grab“ der vierte Band der Reihe um die isländische Anwältin Dóra und ihren deutschen Lebensgefährten Matthias Reich. Auf Deutsch ist noch ein weiterer Band mit dem Titel „Feuernacht“ erschienen.

Handlung:

In ihrem vierten Fall muss Dóra gemeinsam mit Matthias und der immer schlecht gelaunten Sekretärin Bella nach Grönland reisen. Dort soll sie herausfinden, warum und wohin in einem entlegenen Forschungscamp mehrere Menschen verschwunden sind. Das Team um die Anwältin wird in der eisigen Weite Grönlands nicht gut aufgenommen. Die Einheimischen stehen ihnen mißtrauisch gegenüber, niemand will mit den Fremden sprechen und so tappen sie weiter im Dunkeln. Zu allem Überfluss werden im Lager dann noch menschliche Knochen gefunden und die Teammitglieder wissen bald nicht mehr, ob sie sich gegenseitig noch vertrauen können oder ob der Feind ihnen draußen vor den Fenstern auflauert.

Eigene Meinung:

Ich habe mich wirklich auf den nächsten Band der Dóra Guðmundsdóttir-Reihe gefreut, denn bis jetzt mochte ich alle Teile sehr gerne. Bei „Die eisblaue Spur“ hatte ich jedoch das Gefühl, dass die Ereignisse sich wie Kaugummi ziehen und eine rechte Spannung wollte bei mir nicht aufkommen. Zunächst beginnt der Band mit endlosen Informationen über das Forschungscamp, die letzten Ereignisse und die beteiligte Firma. Nebenbei wird noch ein wenig aus Dóras Privatleben einschließlich Kinder, Enkelkind, Ex-Mann usw. erzählt. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, eine Ermittlerin vor sich zu haben, die ein ganz normales Familienleben führt, nicht zu perfekt und nicht zu tragisch. Dennoch wirken die Schilderungen irgendwie blass und können mich nicht richtig überzeugen. So vergehen also einige Seiten, bis sich das bunt zusammengewürfelte Team endlich nach Grönland aufmacht. Darüber, dass auch Bella erneut den Schreibtisch verlassen und ihrer Chefin den letzten Nerv rauben durfte, habe ich mich sehr gefreut. Denn trotz aller schlechten Laune und bissigen Kommentare ist die resolute Sekretärin mir doch ein wenig ans Herz gewachsen. Oft spricht sie einfach das aus, was der Leser denkt und das schätze ich an ihr.

Im Forschungscamp angekommen baut die Autorin schließlich einige gewollt gruselige Elemente in die Handlung ein. Natürlich fällt der Strom aus und natürlich schleicht jemand um die beiden Hütten herum. Noch dazu muss das Team fürchten, ein schrecklicher Virus hätte die verschwundenen Kollegen dahingerafft und so scheint die Szenerie perfekt zu sein. Nicht für mich, leider! Ich empfand das Geschilderte an keiner Stelle als gruselig und dabei bin ich jemand – mein armer Verlobter kann das bestätigen – der bei jeder kleinen gruseligen Szene aufschreckt. Alles wirkte für mich so aufgesetzt, so als habe die Autorin in einem Baukasten für Gruselstimmung gekramt. Und auch unsere Heldin Dóra verhält sich in meinen Augen wieder unrealistisch. Sobald der erste Schatten um das Gebäude schleicht, stürmt sie sofort nach draußen, um den Täter zu stellen. Und dabei ist sie doch einfach nur eine ganz durchschnittliche Anwältin und nun wirklich keine Privatdetektivin oder Hobbypolizistin.

In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wir den ehemaligen Campbewohner Arnar in seinem täglichen Leben. Er ist – zum wiederholten Mal – in einer Entzugsklinik, denn er ist Alkoholiker. Geschickt erhält der Leser so noch einen anderen Blick auf die Ereignisse, die sich vor einigen Wochen im Camp abgespielt haben. Vor allem von Mobbing unter Arbeitskollegen ist hier die Rede und Arnar deutet immer wieder an, dass er etwas getan hat, das niemand wissen darf und das sein Gewissen schwer belastet. So rätselt man natürlich von Anfang an mit, welcher Tat der Forscher sich schuldig gemacht hat und wann beide Handlungsstränge sich kreuzen werden.

Gut gefallen haben mir die Nebenfiguren: eine sehr interessante und durchaus explosive Mischung, die im Verlauf der Handlung und abgeschnitten von der Zivilisation natürlich zu Streitereien führt. Ebenfalls positiv und wichtig war in meinen Augen die Darstellung der Einheimischen und ihrer Probleme, wie sie mit dem Alkoholismus und dem Wegzug ihrer Kinder aus der Gegend zu kämpfen haben und an was sie glauben. Die gesamte Hintergrundgeschichte um die mysteriöse Auslöschung eines ihrer Dörfer war eines meiner Highlights im gesamten Roman.

Überrascht war ich vom Schluss des Romans, denn ich hatte mich die ersten 300 Seiten in der Sicherheit gewähnt, den Täter längst entlarvt zu haben und doch war am Ende alles ganz anders, als ich es erwartet hatte. Für mich ist aber genau dieser Effekt ein weiterer Pluspunkt dieses ansonsten nicht allzu spannenden Island-Krimis. Ich hoffe und wünsche mir, dass der fünfte Band wieder zur alten Qualität zurückfindet, denn eigentlich ist diese Reihe einer meiner liebsten unter den Krimis.

Fazit: Ein Roman mit einigen Schwächen, den sich Fans der Reihe aber nicht entgehen lassen sollten.