Tag-Archiv | Agententhriller

Books & Braun. Das Zeichen des Phönix / Pip Ballantine & Tee Morris

Titel: Books & Braun. Das Zeichen des Phönix (Phoenix Rising – A Ministry of Peculiar Occurences Novel)

Autoren: Pip Ballantine & Tee Morris

Seitenzahl: 506

Woher ich es habe: selbst gekauft

„Das Zeichen des Phönix“ ist der erste Band der Steampunk-Reihe um die Agentin Eliza D. Braun und den Archivar Wellington Books. Sowohl die Neuseeländerin Pip Ballantine, die eigentlich Philippa  heißt, als auch der US-Amerikaner Tee Morris haben beide bereits Romane veröffentlicht, bevor sie sich an ihr erstes gemeinsames Werk wagten. Nach langer Suche fand ich übrigens heraus, dass die beiden verheiratet sind – das scheint aber mehr oder minder ein Geheimnis zu sein, denn weder in der Autorenvorstellung im Buch selbst, noch bei Wikipedia oder auf Philippas Website ist davon auch nur eine Silbe zu lesen. Band 2 der Reihe wird übrigens „Die Janus-Affäre“ heißen und im Dezember in Deutschland erscheinen. Im Original ist er bereits veröffentlicht und ich muss doch sagen, dass die Versuchung für mich extrem groß ist.

Handlung:

Die Agentin Eliza D. Braun reist mit dem Auftrag nach Sibirien, den dort gefangenen Archivar Wellington Books zu eliminieren. Doch als sie ihm begegnet, beschließt sie stattdessen, ihn zu befreien und unter Einsatz einer großen Menge Dynamit gelingt den beiden die Flucht. Zur Strafe für ihr rebellisches Verhalten wird Agentin Braun in den Innendienst versetzt. Und den muss sie nicht irgendwo ableisten, sondern ausgerechnet in Books Archiv. Der ist zunächst empört und fühlt sich von der direkten Art der Kolonistin – denn Eliza stammt aus Neuseeland – und ihrer Vorliebe für Abenteuer abgestoßen. Auch Agentin Braun sieht zu Beginn in Wellington Books nur einen langweiligen Bücherwurm. Doch als die beiden gemeinsam einen ungelösten Fall aufrollen und Eliza ihren „Welly“ dazu überreden kann, sich mit ihr in die Ermittlungen zu stürzen, wachsen die beiden immer mehr zu einem (wenn auch ungleichen) Team zusammen.

Eigene Meinung:

Als ich das Buch in den Neuerscheinungen des Lyx-Verlages entdeckte, fiel mir zunächste das Cover auf, dass sich doch sehr von den üblichen „Nackenbeißern“ unterscheidet. (Das meine ich übrigens nicht böse, ich lese ja auch wahnsinnig gerne die Midnight-Reihe von Lara Adrian. Dennoch ist man vom Lyx-Verlag doch eher andere Cover gewohnt.) Vor allem der Big Ben in Kombination mit dem Zahnrad und dem Paar in viktorianisch anmutender Kleidung weckten sofort mein Interesse. Schon lange wollte ich den Einstieg in das Genre des Steampunk wagen und mit „Books & Braun“ habe ich eine wirklich gute Wahl getroffen. Gut gefallen mir auch die warmen Brauntöne des Covers, ein rundum gelungenes Titelbild!

Die Handlung kommt als eine Mischung zwischen Kriminalroman und Agententhriller daher. Gleich zu Beginn ist der Leser mitten im Geschehen und begleitet Eliza D. Braun auf ihrem waghalsigen Rettungsmanöver, in guter James Bond-Manier mit einer Menge Waffen und Sprengstoff. Wellington Books ist eher für die Kopfarbeit zuständig und darf auf der Flucht nach draußen zumindest ein kompliziertes Schloss knacken, dennoch stiehlt Agentin Braun ihm eindeutig die Show. Im Verlauf der Handlung, als immer wieder ausgeblutete und verstümmelte Leichen am Ufer der Themse angespült werden und unsere beiden Helden sich wilde Verfolgungsjagden und Duelle mit ihren Feinden liefern, erinnert der Roman eher an eine guten alte Sherlock Holmes-Geschichte. Überhaupt finden sich im Buch so einige literarische Anspielungen, so zum Beispiel auf Kapitän Nemo und seine Nautilus.

Was „Books & Braun“ aber Leben einhaucht, sind eindeutig die beiden Protagonisten. Eliza Braun ist eine absolut starke Persönlichkeit, die das Abenteuer und vor allem den Umgang mit Waffen und Sprengstoff liebt. Fern von ihrer Heimat Neuseeland, die sie schmerzlich vermisst, muss sie allein unter ihren vorwiegend männlichen Kollegen zurechtkommen. An ihr gefiel mir besonders, dass sie zum einen niemals aufgibt, zum anderen aber durchaus verletzliche Moment hat, die sie sich auch selbst zugesteht. Wellington Books ist das genaue Gegenteil von seiner unfreiwilligen Partnerin. Seine Liebe gilt dem Archiv, seinen verschiedensten technischen Wunderwerken und natürlich der englischen Krone. Die Sicherheit seines Archivs verlässt er nun selten und auch zur Teamarbeit ist er nicht wirklich gemacht. Im Verlauf der Handlung wird jedoch deutlich, dass auch in ihm das Herz eines Löwen steckt; wenn es darauf ankommt, kann man sich zu 100 Prozent auf „Welly“ verlassen.

So gegensätzlich diese beiden Protagonisten erscheinen mögen, so sehr ergänzen sie sich. Wo Eliza gerne kopf- und planlos vorprescht, behält Books in jeder Situation einen kühlen Kopf. Seine Erfindungen sind den beiden in ihren Ermittlungen eine große Hilfe; überhaupt verfügt der Archivar über ein unglaubliches Wissen und technisches Geschick. Und mit Agentin Braun an seiner Seite traut er sich selbst auch immer mehr zu und findet Gefallen an der Welt außerhalb seinen kleinen Archivs. Es ist wirklich schön anzusehen, wie die beiden sich immer mehr annähern, sich kennenlernen und aufeinander zugehen. Dabei rechne ich es den Autoren hoch an, dass der Roman nicht zu einer Liebes- oder Bettgeschichte verkommt, hier ist ihnen wirklich eine gute Ballance zwischen Action und Momenten fürs Herz gelungen.

Der eigentliche Haupthandlungsstrang ist spannend und mitreißend erzählt, so dass man als Leser eigentlich nur mitfiebern kann. Grob ist der erste Teil auch in sich abgeschlossen, deutet aber bereits darauf hin, womit wir es im zweiten Band zu tun haben werden. Ich für meinen Teil bin schon sehr gespannt und freue mich sehr auf „Die Janus-Affäre“, denn Eliza und „Welly“ sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Fazit: Ein Muss für alle Steampunk-Fans oder solche, die es noch werden wollen!

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Dame, König, As, Spion / John le Carré

Titel: Dame, König, As, Spion (Tinker, Tailor, Soldier, Spy)

Autor: John le Carré

Seitenzahl: 416

Woher ich es habe: Im Büchertreff gewonnen

„Dame, König, As, Spion“ ist der fünfte Roman der Reihe um den Agenten George Smiley und ich muss gestehen, dass ich mir während der Lektüre mehrfach gewünscht habe, ich hätte mit Band 1 angefangen.

Handlung:

George Smiley wurde aus dem Geheimdienst entlassen, nachdem das ominöse Projekt „Testify“ seinen Vorgesetzten, der von allen nur Control genannt wurde, zu Fall gebracht hatte. Zu allem Überfluss hat ihn auch noch seine bildhübsche Frau Ann verlassen und das nicht zum ersten Mal. So gibt sich Smiley dem Trübsal und Selbstmitleid hin, bis eines Tages einige alte Kollegen mit einer Bitte an ihn herantreten: In ihren Reihen gibt es einen Maulwurf und Smiley soll ihn finden. So stürzt sich dieser in Berge von Akten, um dem Verräter auf die Spur zu kommen und bringt nach und nach Vergangenes ans Licht.

Meine Meinung:

Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler in verschiedenen Handlungssträngen erzählt. Zum einen verfolgt er die Aktivitäten der Männer um George Smiley auf der Suche nach dem Maulwurf in den eigenen Reihen, zum anderen wird aber auch von dem ehemaligen Geheimdienstler Jim Prideaux erzählt, der an einer Schule als Aushilfslehrer untergetaucht ist. In zahlreichen Rückblenden, die zum Teil nur schwer vom Erzählstrang der Gegenwart zu unterscheiden sind, werden außerdem die Ereignisse geschildert, die zu der Ausgangssituation des Romans geführt haben. Es wird erzählt, wie Jim Prideaux bei einer Operation angeschossen wurde und wie es zu Smileys Entlassung kam. Dabei wurde für mich relativ schnell deutlich, wer in diesem Spiel die guten und wer die schlechten Figuren sind. Ich habe deshalb immer wieder während des Lesens gehofft, dass sich alles doch nicht etwa so einfach darstellen würde, doch das tat es tatsächlich, was im Endeffekt kaum Spannung aufkommen lässt.

Mit der Sprache und dem Erzählstil le Carrés wurde ich nur schwer bis gar nicht warm. Zwar ist jedes Kapitel mit einer kurzen Handlungszusammenfassung überschrieben, aber dennoch fiel es mir schwer nachzuvollziehen, was gerade geschah und wohin der aktuelle Handlungsstrang führen sollte. Die Dramaturgie des Romans war für mich schlichtweg nicht erkennbar, die Szenen schienen teilweise wahllos aufeinander zu folgen und nichts, aber auch gar nichts zum Fortgang der Handlung beizutragen. Auch die Vielzahl an Personen und komplizierten Namen, an verdeckten Operationen und den verschiedensten Handlungsorten machte dies alles nicht leichter. Darüber hinaus scheint der Autor eine Vorliebe für lange, verschachtelte Sätze zu haben, die mir meine Deutschlehrerin allesamt mit dem Rotstift angestrichen hätte. Kurz gesagt: Ich musste mich zeilen- und kapitelweise durch den Roman quälen, so leid es mir auch tut, das über einen der größten Schriftsteller von Spionageromanen zu sagen. Aber vielleicht ist das auch einfach nicht mein Genre? Wer weiß…

Hin und wieder hatte der Roman jedoch durchaus seine Momente, vor allem was die Figurenzeichnung betrifft. Jim Prideaux beispielsweise mochte ich von der ersten Seite an, mit Smiley hatte ich eher Mitleid, wenn er mit abwesendem Blick aus dem Fenster der kleinen Pension starrt, in der er sich tagelang durch alte Akten wühlt. Sehr sympathisch war mir auch Peter Guillaum, ein richtiger Draufgänger mit einer Vorliebe für schnelle Autos. Das ist aber auch eine der wenigen, wenn nicht die einzige positive Aussage, die ich über den Roman treffen kann. Denn auch der Schluss und damit die Enttarnung des Maulwurfs kamen für mich nur wenig überraschend. Vielleicht sollte ich es in diesem Fall doch lieber mit dem Film versuchen?!

Fazit: Ein, meiner Meinung nach, dramaturgisch schlecht angelegter Roman, für den mir vielleicht auch ein gewisses Grundwissen oder generell das Interesse am Genre des Agententhrillers fehlte.