Archiv | Dezember 2013

Drowning. Tödliches Element / Rachel Ward

SAM_2110_1Titel: Drowning. Tödliches Element (The Drowning)

Autor: Rachel Ward

Seitenzahl: 329

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich herzlich beim Carlsen Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Nach ihrer erfolgreichen Numbers-Reihe ist „Drowning. Tödliches Element“ nun das neuste Jugendbuch aus der Feder der Britin Rachel Ward. „Numbers – Den Tod im Blick“, für das sie 2011 sogar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, steht schon seit langem dringend auf meiner Wunschliste. Im Gegensatz zu der Vorgängerreihe ist „Drowning. Tödliches Element“ aber nun ein abgeschlossener Roman, der ganz für sich steht.

Handlung:

Als Carl zu sich kommt, ist er völlig entkräftet und durchnässt. Rettungskräfte kümmern sich um ihn. Doch wer ist der Junge, der leblos neben ihm aus dem Wasser gezogen wird? Und warum reagiert das Mädchen im Rettungswagen so verängstigt auf ihn? An all das kann sich der 15-Jährige nicht mehr erinnern. Nur nach und nach kehrt sein Gedächtnis zurück und die unfassbare Wahrheit kommt ans Licht: Carl und sein großer Bruder Rob waren mit dessen Freundin Neisha im See schwimmen, als ein großes Unwetter aufzog. Rob ertrank und seitdem scheint Neisha unglaubliche Angst vor Carl zu haben. Doch ist das wirklich die ganze Geschichte? Carl selbst ist zwischen Trauer und Erleichterung hin- und hergerissen, denn zumindest an eines erinnert er sich: Rob war nicht immer nur der liebe große Bruder für ihn.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Drowning“ ist durchaus ansprechend gestaltet. Die Wellen passen gut zum Thema des Buches und auch die halb im Wasser versinkende Schrift des Titels ist gelungen. Unterstützt wird der Effekt von leicht erhöhten Buchstaben und einer sehr glatten und glänzenden Oberfläche, die tatsächlich an Wasser erinnert. Im Inneren hingegen kommt das Buch mit klaren, schnörkellosen Kapitelüberschriften und Seitenzahlen recht nüchtern daher. Generell ist dem Carlsen Verlag hier aber ein Gesamtbild gelungen, das junge Leser sehr wohl ansprechen dürfte; auch (oder vor allem) männliche.

Die Geschichte wird aus Carls Sicht und in der Ich-Perspektive erzählt. Der Leser bleibt so immer ganz nah bei seiner Hauptfigur, was die Handlung natürlich sehr spannend macht, denn man weiß immer nur genau so viel, wie Carl selbst. Der erinnert sich nur langsam an den schrecklichen Unfall und muss das Geschehene aus seinen Erinnerungen und mit Hilfe anderer mühsam zusammen puzzlen. Seine Mutter ist ihm dabei leider keine große Hilfe. Überhaupt wird im Verlauf der Geschichte schnell deutlich, dass wir es hier mit einer zerrütteten Familie zu tun haben: eine allein erziehende Mutter, die viel zu häufig dem Alkohol zuspricht, ein gewalttätiger großer Bruder und dazwischen Carl, der sich danach sehnt, geliebt zu werden. Er selbst ist schon seit längerem unglücklich in Neisha verliebt, die Freundin seines großen Bruders Rob.

Mit dem Tod seines Bruders weiß Carl nicht so recht umzugehen. Seine Erinnerungen sind bruchstückhaft, ja, er hält es sogar für möglich, seinen eigenen Bruder getötet zu haben. Denn warum sollte Neisha sonst so viel Angst vor ihm haben? Es gibt niemanden, mit dem Carl diese Gedanken und Ängste teilen kann, niemanden, der für ihn da ist. Und so entwickelt er Wahnvorstellungen. Immer, wenn er nass ist, sieht er seinen Bruder Rob vor sich, der ihm Dinge zuruft. Am liebsten würde er sich nicht einmal mehr die Hände waschen, geschweige denn baden, doch irgendwann muss Carl sich all dem stellen. Und auch zu seiner Mutter und Neisha knüpft er vorsichtig neue Bande.

Die Grundidee der Geschichte hat mir gut gefallen und am Anfang ist sie auch noch recht spannend. Doch dann beginnen sich die immer gleichen Szenen zu wiederholen: Carl wird aus irgendeinem Grund nass, sieht dann überall seinen toten Bruder und rastet völlig aus. Er pendelt wild zwischen Schuldgefühlen gegenüber seiner Mutter und Rob und seiner Zuneigung zu Neisha hin und her. Immer häufiger wiederholt er die selben Fragen: Habe ich meinen Bruder getötet? Oder bin ich zumindest für seinen Tod verantwortlich? Darf ich Gefühle für die Freundin meines Bruders haben? Das ermüdet nach kurzer Zeit schon ungemein, weil einfach nichts Neues mehr passiert. Der Schluss war, in meinen Augen, dann völlig absurd und brachte keinerlei spannende Erkenntnisse. Dafür, dass die gesamte Zeit über eine gewisse Spannung aufgebaut wurde, verlief alles doch sehr unspektakulär im Sande. Zum Glück liegt hier keine Reihe vor – mehr muss man hiervon wirklich nicht lesen!

Fazit: eine spannende Grundidee, leider schlecht umgesetzt

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Love, Chill & Grill / Frank Heppner

SAM_2090_1Titel: Love, Chill & Grill

Autor: Frank Heppner

Seitenzahl: 192

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten.

Ich möchte mich herzlich bei Rösle für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es hier.

Der Münchner Frank Heppner gilt als absoluter Fachmann für die leichte, asiatisch beeinflusste Küche. Die Inspirationen für seine Rezeptkreationen fand er bei seinen Asienaufenthalten, unter anderem in Korea, auf den Philippinen oder in Hongkong. „Love, Chill & Grill“ ist sein erstes Buch, indem er sich nur dem Grillen widmet. Insgesamt sind aber bereits 3 weitere Kochbücher von ihm erschienen. Aktuell kocht er im „Vincent und Paul“ in Essen.

Eigene Meinung:

„Love, Chill & Grill“ besticht zunächst einmal durch seine Aufmachung. Das Layout des Covers ist stimmig, sowohl von der Auswahl der Schriftarten, als auch des Titelfotos. Die Hummer sind ein gelungener Farbklecks, deuten aber auch gleichzeitig darauf hin, dass uns hier nicht nur pure Hausmannskost erwartet. Im Inneren wird die Gestaltung dann konsequent fortgesetzt. Vor allem die tollen Fotos stechen direkt ins Auge und machen das Buch zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Dabei ist nicht nur das eigentliche Endprodukt ins rechte Licht gerückt, Bilder von Landschaften, Tieren oder Küchenzubehör ergänzen das Kochbuch zusätzlich und lockern das Konzept auf.

Zu Beginn des Buches gibt Frank Heppner dem Leser zunächst ein paar nützliche Listen zur Hand. In seinen verschiedenen „Top Tens“ beschäftigt er sich mit Themen wie den Grundzügen des Grillens, dem richtigen Fleisch, aber auch mit Saucen, Beilagen oder Getränken. Diese Listen sind durchaus hilfreich, für den versierten Koch bzw. Griller ist hier aber nicht viel Neues zu entdecken. Zudem sind einige widersprüchliche und leider auch falsche Angaben zu finden. Ein Koch sollte doch eigentlich wissen, dass Fleisch keine „Poren“ besitzt, sondern aus Muskelzellen besteht. Und auf der einen Seite werden Rezepte für beispielsweise Stockbrot geliefert, auf der anderen dann aber gekaufte Burgerbrötchen verwendet. Hier lässt sich für mich keine klare Linie erkennen. Zu den oben bereits genannten Saucen und Beilagen sind außerdem keine Rezepte angegeben, sie werden nur aufgezählt.

SAM_2091_1Nach dem Informationsteil geht das Buch in den Rezepteteil über. Diese sind nach den vier Elementen gruppiert, eine wirklich schöne und stimmungsvolle Idee, auch wenn mir die Zuordnung manchmal nicht ganz klar ist. Die Rezepte sind dafür gut und übersichtlich gegliedert und werden hin und wieder durch Profitipps oder so genannten „Smalltalk“ ergänzt. Wie die Top Ten-Listen sind auch die Tipps des Profis von wechselhafter Qualität. So wird sich der Normalbürger wohl kaum Wagyu leisten können, um damit eine Menge Burger zu braten. Dann doch lieber drei mal gewolftes Hackfleisch mit einem höheren Fettanteil vom Metzger nebenan nehmen. Das ist zwar weniger elitär, dafür aber deutlich preiswerter und nicht unbedingt weniger lecker. Der „Smalltalk“ bleibt weitestgehend sinnfrei. Wirklich praktisch sind dafür die QR-Codes am Ende des Buches, mit deren Hilfe sich die Einkaufsliste für jedes Rezept schnell und einfach downloaden lässt.

Überhaupt ist es schwierig einzuschätzen, an wen sich Frank Heppner mit „Love, Chill & Grill“ eigentlich wendet. Die Rezepte sind oft eher für erfahrene bis Profigriller geeignet, die Tipps zu Beginn wenden sich hingegen an absolute Anfänger. Vieles ist auch schlicht und ergreifend zu hochpreisig und ich persönlich verbinde Grillen mit asiatischem Einfluss nicht unbedingt mit Hummer, Kaviar und Wagyu-Rind. Aber hier unternimmt der Koch wohl den Versuch, das Grillen auf eine luxuriösere Ebene zu heben, was in meinen Augen nicht notwendig ist. Auch Einfachheit kann bestechend sein und der Fokus sollte mehr auf dem Produkt an sich liegen als auf teurem Schnickschnack. Natürlich kann der interessierte Hobbykoch für sich zuhause auch eine Vielzahl von neuen Inspirationen entdecken – ein allumfassendes Standardwerk zum (asiatischen) Grillen ist dieses Buch aber leider nicht. Wer sich auf der Suche nach einem solchen befindet, ist mit Stephen Raichlen und seiner „Barbecue-Bibel“ besser bedient.

Fazit: ein Kochbuch, dass die Gratwanderung zwischen Grundwissen und Haute Cuisine versucht und daran (zumindest teilweise) scheitert

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