Archiv | Mai 2013

Vier Beutel Asche / Boris Koch

Titel: Vier Beutel Asche

Autor: Boris Koch

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: Innerhalb der NotizBuch-Aktion von der lieben Hannah erhalten – danke nochmal! 🙂

Für die „Contemporary Young Adult-Challenge“ fehlte mir noch ein Buch für meine Leseliste und da kam mir die NotizBuch-Aktion von Hannah gerade recht. „Vier Beutel Asche“ ist nun schon mein drittes NotizBuch und jedes Mal hatte ich viel Spaß daran. Es ist unglaublich interessant zu lesen, welche Gedanken sich die anderen zu einer bestimmten Person oder Situation gemacht haben. Manchmal sind da alle einer Meinung, manchmal entwickelt sich aber auch eine richtige kleine Diskussion im Buch – wirklich toll! Den Autor Boris Koch kannte ich übrigens vor der Aktion noch nicht, aber ich werde ab jetzt seine Veröffentlichungen im Auge behalten und  mir auch mal seine vorherigen Veröffentlichungen ansehen.

Handlung:

Seit Jan seinen besten Freund Christoph bei einem Unfall verloren hat, ist er voller Wut. Auf den Fahrer des Unfallautos, auf Christophs Eltern, auf die Welt im Allgemeinen und auf sich selbst. An Christophs Geburtstag beschließt er, die Party zu dessen Ehren früh zu verlassen und stattdessen dem Grab seines besten Freundes einen Besuch abzustatten. Dort trifft er tatsächlich, mitten in der Nacht, noch 3 weitere Menschen aus Christophs Leben: seine Freundin Selina, seinen Kumpel Maik und die geheimnisvolle Lena, von der niemand weiß, in welcher Beziehung sie eigentlich zu Christoph stand. Gemeinsam beschließen die 4 Jugendlichen, sich mit 2 Motorrollern auf den Weg nach Frankreich zu machen, an die Küste. Denn Christoph wollte seine Asche über dem Meer ausgestreut und nicht auf dem düsteren Dorffriedhof begraben wissen.

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans passt hier extrem gut zum Inhalt. Es zeigt die verschwommene Silhouette eines jungen Mannes, der sich in voller Bewegung zu befinden scheint. Hier könnte es sich um Christoph auf seinem Fahrrad handeln oder auch um Jan auf einer der beiden Motorroller. Diese Bewegung und auch die Farben suggerieren auf der einen Seite eine gewisse Lebendigkeit, auf der anderen Seite strahlt das Cover auch etwas Unruhiges aus. Die Geschichte wird aus Jans Perspektive in der Ich-Form erzählt, so dass man als Leser ganz dicht an dem Protagonisten klebt. Man weiß selbst also immer nur so viel, wie Jan in der Geschichte bereits erfahren hat. Mit ihm als Protagonisten hatte ich zunächst auch meine Schwierigkeiten. Jan ist am Anfang so voller Wut und Aggression, dass niemand wirklich einen Zugang zu ihm findet. Am liebsten würde er sich an dem Verursacher des Unfalls rächen, denn der trägt – das findet zumindest Jan – die alleinige Schuld an dem Unfall. Doch letztendlich kann er hierzu nie den Mut finden und reagiert seinen Zorn daher in kindischen kleinen Drohbriefchen ab. Generell ist er ein sehr unnahbarer, unsympathischer Charakter, mit dem man sich als Leser nur schwer identifizieren kann.

Auch die Reise der 4 Jugendlichen nach Frankreich erweist sich als schwierig. Anstatt Christophs letzten Wunsch in Frieden zu erfüllen, gibt es ständig Streit. Vor allem Christophs Freundin Selina lässt ihren Unmut an den anderen aus und zeigt sich vor allem von Lenas Anwesenheit verunsichert und provoziert. Hatte Christoph etwa eine Affäre? Doch auch Jan ist enttäuscht, weil sein bester Freund ihm nie erzählt hat, dass er näher mit Lena zu tun hatte. Allein der übermütige Maik ist immer zu Mutproben und Dummheiten aufgelegt und raubt den anderen 3 den letzten Nerv. Zu allem Überfluss werden die 4 in Frankreich schließlich noch ausgeraubt und die Küste scheint in unendliche Ferne gerückt.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite ist das Thema ein sehr trauriges und man hätte aus der Grundidee der Handlung wirklich einiges machen können. Doch anstatt einer sensibel erzählten Geschichte zum Thema Trauer erwarten den Leser zunächst nur Jans Hasstiraden und kindische Streitereien darüber, wer nun Christophs Asche transportieren und wer überhaupt das Recht hat, an dieser irrsinnigen Fahrt nach Frankreich teilzunehmen. Auch die Reise selbst hätte ich mir ein wenig ausführlicher beschrieben gewünscht bzw. wäre es angenehmer gewesen, anstatt von den 4 Streithähnen mehr von der Landschaft zu lesen, durch die sie fahren. Denn eigentlich bin ein großer Fan von Roadtrips, aber hier hat mir einfach das nötige Flair gefehlt.

An Tiefe gewinnt der Roman erst, als die 4 sich am Lagerfeuer nach und nach erzählen, wie sie Christoph kennengelernt haben. Es wird viel geweint, aber auch gelacht und endlich, so scheint es, ist der Schmerz für jeden von ihnen etwas einfacher zu tragen. Danach hat man als Leser nicht nur einen besseren Bezug zu den 4 Jugendlichen, sondern auch der verstorbene Christoph nimmt Profil an. Erst jetzt konnte ich richtig nachvollziehen, was ihn als Freund ausgemacht hat und warum die anderen so um ihn trauern. Und auch Jan kann etwas von seiner Wut ablegen und sich wieder dem Leben zuwenden. Auf einmal tritt hinter der harten Schale ein sensibler, freundlicher Kern zu Tage, der mich mit dem unsympathischen Hauptcharakter aussöhnt. Das Ende ist hoffnungsvoll und verdeutlicht die Botschaft des Buches: Egal wie groß die Trauer auch ist, es lohnt sich immer weiterzuleben!

Fazit: nach anfänglichen Schwierigkeiten ein durchaus berührendes Buch über die Hilflosigkeit der Hinterbliebenen und darüber, wie man mit so einem schrecklichen Verlust weiterleben kann

3K

Mein Lesemonat April

Der April stand ganz im Zeichen des Jugendbuchs. Auf der einen Seite mag ich dieses Genre im Moment einfach am liebsten, auf der anderen Seite lese ich jetzt ja auch immer ein wenig mit Blick auf die Arbeit. Man will den Kunden ja schließlich auch was empfehlen können, nicht wahr? Mit der Qualität der Bücher bin ich eigentlich auch ganz zufrieden, nur die Quantität hätte besser sein können. Naja, vielleicht nächsten Monat. 😉 Mein Highlight ist auf jeden Fall „Mein Sommer nebenan“ – eine ganz tolle Liebesgeschichte mit wunderbaren Charakteren!

Gelesen:

The opposite of invisible / Liz Gallagher
4K

Delirium / Lauren Oliver
5K

Pandemonium / Lauren Oliver
4K

Requiem / Lauren Oliver
3K

Mein Sommer nebenan / Huntley Fitzpatrick
5K

Vier Beutel Asche / Boris Koch
3K

= 6 Bücher mit insgesamt 2243 Seiten und einer Durchschnittsbewertung von 4,0 Kirschen.

The opposite of invisible / Liz Gallagher

Cover The opposite of invisibleTitel: The opposite of invisible

Autor: Liz Gallagher

Seitenzahl: 151

Woher ich es habe: selbst gekauft

„The opposite of invisible“ ist der Debutroman der Amerikanerin Liz Gallagher. Inzwischen ist noch ein zweites Buch mit dem Titel „My not-so-still life“ von ihr erschienen – definitiv eine Autorenneuentdeckung, die es sich lohnt, im Auge zu behalten.

Handlung:

Alice und Jewel sind schon seit Jahren die besten Freunde. Der aufgeweckte, leicht durchgeknallte Jewel ist immer da, wenn Alice ihn braucht. Gemeinsam besuchen sie Kunstausstellungen, suchen sich ihre Kostüme für den nächsten Schulball aus und reden bis tief in die Nacht hinein. Doch in der Schule ist alles anders, dort gehen Alice und Jewel regelrecht unter. Mit niemandem haben sie so recht Kontakt, sie sind quasi „unsichtbar“ – keinen von beiden hat diesen Außenseiterrolle jedoch bisher gestört. Dann, eines Tages, verliebt Alice sich in Simon, einen der beliebtesten Jungen der Schule und will auf einmal nicht mehr unsichtbar sein. Für Jewel hingegen ist Alice „the opposite of invisible“ und so gerät ihre Welt völlig aus dem Gleichgewicht, als er sie zum ersten Mal küsst. Und das ausgerechnet an dem Tag, als Simon sie endlich zum Schulball einlädt. Wie wird Alice sich entscheiden und was wird nun aus der Freundschaft zu Jewel?

Eigene Meinung:

Ich muss gestehen, dass ich zunächst ein ganz anderes Buch erwartet hatte. Das Cover ist mit seinem schwarzen Untergrund sehr düster gehalten und auch das Mädchen, das zu sehen ist, wirkt nicht unbedingt glücklich. Sie hat die Arme ausgestreckt und scheint sehnsüchtig auf etwas außerhalb des Bildes zu blicken. Es soll sich hier wohl um Alice selbst handeln, denn die hat ebenfalls rote Haare und wird damit auch oft aufgezogen. Für ihr Hexenkostüm zum Schulball trägt sie ihre kupferfarbene Mähne jedoch zum ersten Mal mit Stolz, denn aufzufallen, das möchte sie eigentlich um jeden Preis vermeiden.

Alice und Jewel sind definitiv das Highlight des Romans. Vor allem der lebensfrohe Jewel ist eine Figur, wie man sie selbst gern kennen lernen würde. Wie Seth aus „The coincidence of Callie & Kayden“ ist er ein Freund, wie man sich keinen besseren wünschen kann. Treu steht er zu Alice, kennt sie besser als jeder andere, vielleicht besser als sie sich selbst kennt. Umso trauriger und manchmal auch unverständlicher ist es für den Leser, mit anzusehen, wie die beiden voneinander wegdriften, wie Äste in zu starker Strömung.

Alice, die bisher ihre Zeit lieber mit ihrer Kunst und intensiven Gesprächen mit Jewel verbracht hat, findet auf einmal Interesse an Simon, seines Zeichens Footballstar und einer der beliebtesten Jungs der Highschool. Ihre Wirkung auf andere unterschätzend war Alice immer der Meinung, einer wie er würde sowieso niemals auf sie aufmerksam werden und so befindet sie sich auf einmal in einer schwierigen Situation, die alles verändern wird. Eigentlich hatte sie Jewel versprochen, mit ihm zum Schulball zu gehen, doch der Wunsch, endlich einmal dazu zu gehören, ist stärker. Sie entscheidet sich gegen ihren besten Freund und das obwohl der eben erst den Mut gefunden hat, sie zum ersten Mal zu küssen. Anstatt zu malen begleitet sie Simon nun auf Parties, betrinkt sich dort zum ersten Mal und tut und sagt Dinge, die sie vorher nicht einmal gedacht hätte.

Als Leser leidet man mit Alice und vor allem mit Jewel fürchterlich mit. Man möchte vor allem Alice an den Schultern rütteln und auf sie einreden, wie perfekt sie zu Jewel passt und wie wenig zu Simon. Doch auf der anderen Seite kann man sie auch ein wenig verstehen, diese Angst, den besten Freund für immer zu verlieren, den Wunsch, Teil einer Clique zu sein und nicht immer nur „die seltsame Rothaarige mit ihrem komischen besten Freund“. Aber wenn Alice und Jewel aneinander vorbeigehen, ohne miteinander zu reden, wenn man miterlebt, wie Jewel sich einem anderen Mädchen nähert, dann bricht einem das fast das Herz. Das Ende des Romans ist dann nur noch eine logische Konsequenz der Ereignisse, auch wenn vieles offen und ungesagt bleibt. Für mich war es auf jeden Fall erfrischend, mal wieder eine Liebesgeschichte zu lesen, die ganz ohne Krankheit, Tod und große Dramen auskommt. Dafür ist „The opposite of invisible“ eine glaubhafte Geschichte über den Wunsch in uns, aus unserer Rolle auszubrechen und wenigstens einmal jemand ganz anderes zu sein.

Fazit: eine zarte Liebesgeschichte, die mit leiseren Tönen und ohne den großen Knall überzeugt

4K