Rabenschwarz / Alexander Felden

Cover Titel: Rabenschwarz

Autor: Alexander Felden

Seitenzahl: 331

Woher ich es habe: im Rahmen einer Wanderbuch-Runde erhalten

Auf den Autor Alexander Felden wurde ich bereits vor einigen Jahren aufmerksam, als er eine Leserunde in meinem Stammforum, dem Bücher Treff, zu seinem ersten Jugendbuch „Rabenschwarz“ begleitete. Leider hatte ich damals nicht die Zeit, mich der Leserunde anzuschließen, behielt die Beiträge und vor allem das Buch aber lange Zeit im Auge. Und als vor einigen Monaten, gute 2,5 Jahre später eben dieser Roman als Wanderbuch auf die Reise gehen sollte, war mir sofort klar: ich will dabei sein! Versehen mit einer sympathischen Widmung des Autors traf das Buch letzte Woche bei mir ein und wurde in wenigen Tagen verschlungen. Geplant sind wohl noch weitere Teile, so dass der Leser gespannt sein darf, was Ian und seine Freunde noch alles erleben werden.

Handlung:

Ian und seine Klassenkameraden sind zunächst gar nicht begeistert, als ihr Lehrer – Mister Schwarz – für den nächsten Schulausflug Blackrock Manor vorschlägt, die Ruine eines alten Hotels, das in der Umgebung schon seit langem als Spukhaus bekannt ist. Zu allem Überfluss wird die Klasse auch noch von der verhassten Lehrerin Miss Parks begleitet, einer verbitterten alten Jungfer, die den Jugendlichen gerne das Schülerleben zur Hölle macht. In Blackrock Manor angekommen passieren schließlich die seltsamsten Dinge: Stimmen sind in der Ruine zu hören, ein seltsamer Rabe umkreist immer wieder das Hotel und außerdem scheint ein mysteriöser Orden sein Unwesen an diesem gruseligen Ort zu treiben. Ian und seine Freunde haben sich fest vorgenommen, all diesen Dingen auf den Grund zu gehen, doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Rabenschwarz“ empfinde ich als sehr gelungen. Auf dem Titel schlängelt sich ein Fluss durch eine finstere Waldschlucht; vor dem gespenstischen Mond fliegt der Rabe, welcher der Geschichte ihren Namen gab. Auf dem Rücken erwartet den Leser ein gut geschriebener, außergewöhnlich langer Klappentext, der neugierig auf die Handlung macht, aber auch nicht zu viel verrät. Im Inneren wartet das Buch mit verschnörkelt gestalteten Kapitelüberschriften auf und passender Weise ist dem Roman ein Auszug aus Edgar Allan Poes berühmten Gedicht „Der Rabe“ vorangestellt. Einzig die Eigenart des Autors, wörtliche Rede durch Kursivschreibung zu kennzeichnen, hat mir weniger gefallen, störte sie doch phasenweise den Lesefluss. Auch hätte ich mir zum Teil eine etwas weniger gestelzte Sprache für die Jugendlichen gewünscht, denn außer Terry und seinen Kumpanen drücken sich alle Schüler extrem kultiviert aus. Das ehrt natürlich Alexander Felden natürlich und zeigt, dass er sein Handwerk beherrscht, war aber im Hinblick auf das Alter der Charaktere manchmal etwas unglaubhaft.

Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler in der Vergangenheitsform geschildert, was sehr gut zu dieser Art von Jugendbuch passt. Der Leser kann die Geschichte so aus verschiedenen Perspektiven erleben und ist nicht allein auf die Entdeckungen des Protagonisten angewiesen. Im Zentrum der Geschichte steht Ian, ein leicht verträumter und sensibler junger Mann, der sehr empfänglich für Übersinnliches zu sein scheint. Er ist der Erste, der in den Ruinen Blackrocks Manors Stimmen hört und Dinge sieht, die seine Klassenkameraden zunächst nicht wahrnehmen können. Immer in Ians Nähe sind seine Freunde Ben, Amber und Fiona. Die Beschreibung der 3 Jugendlichen um Ian ist dabei doch sehr stereotyp. Da gibt es den Kenianer Ben, stets vernünftig und der Ruhepol der Gruppe. Amber, in die sich Ian verliebt hat, ist waghalsig und mutig, aber auch ein wenig starrköpfig. Fiona, die zu allem Überfluss ein Auge auf Ben geworfen hat, ist die kluge im Freundeskreis, quasi die Hermine Granger unter den Vieren. Hier hätte ich mir doch etwas individuellere Charaktere gewünscht, auf der anderen Seite findet sich so wohl jeder jugendliche Leser in einem der 4 Protagonisten wieder.

In der ersten Hälfte liest sich „Rabenschwarz“ wie ein ganz normales Jugendbuch mit einigen wenigen Thrillerelementen. Der Fokus liegt bis dahin eher auf der Dynamik innerhalb der Klasse, denn kurz vor dem Ausflug gehörte auch noch der kleine David zu der Clique um Ian. Doch seit dieser vom Klassenrabauken Terry verprügelt wurde, hat er sich extrem verändert und will mit seinem ehemaligen Freunden nichts mehr zu tun haben. Immer wieder geraten er und Ian aneinander, sogar vor Gewalt schreckt David nun selbst nicht mehr zurück. Geschickt bindet Alexander Felden so Themen wie Gewalt und Mobbing an Schulen ein, ohne dem Leser gegenüber den Zeigefinger zu erheben. Außerdem geben die Auseinandersetzungen mit David auch teilweise ein Rätsel auf, denn irgendjemand scheint seine Finger im Spiel zu haben und versucht, die beiden Jungen gegeneinander auszuspielen.

Etwa ab dem Beginn der zweiten Häfte des Buches ging es dann auf einmal Schlag auf Schlag und die Handlung nahm eine überraschende Wendung. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber mit dieser Entwicklung hatte ich wirklich nicht gerechnet – auch wenn sich einige Elemente im Verlauf schon allzu deutlich angekündigt hatten – und ich wusste zunächst auch nicht, wie ich die Geschehnisse einordnen sollte. Den Ausschlag gab dann schließlich meine Liebe zu Autoren wie Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft, in deren Tradition sich Alexander Felden verstanden sehen möchte – und das gelingt ihm auch. Seine Geschichte ist ähnlich gruselig und subtil in der Art, wie sie erzählt wird. Das Ende ist an sich abgeschlossen, allerdings bleiben doch so einige Dinge offen, die neugierig auf die Fortsetzung machen.

Fazit: ein toller Roman für Jugendliche mit einigen kleineren Schwächen

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4 Kommentare zu “Rabenschwarz / Alexander Felden

  1. Das klingt wirklich nicht übel. Sollte ich wohl auch im Auge behalten. … Was machst du nur mit meinem Sub/Geldbeutel? O.o

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