Archiv | Januar 2013

Rabenschwarz / Alexander Felden

Cover Titel: Rabenschwarz

Autor: Alexander Felden

Seitenzahl: 331

Woher ich es habe: im Rahmen einer Wanderbuch-Runde erhalten

Auf den Autor Alexander Felden wurde ich bereits vor einigen Jahren aufmerksam, als er eine Leserunde in meinem Stammforum, dem Bücher Treff, zu seinem ersten Jugendbuch „Rabenschwarz“ begleitete. Leider hatte ich damals nicht die Zeit, mich der Leserunde anzuschließen, behielt die Beiträge und vor allem das Buch aber lange Zeit im Auge. Und als vor einigen Monaten, gute 2,5 Jahre später eben dieser Roman als Wanderbuch auf die Reise gehen sollte, war mir sofort klar: ich will dabei sein! Versehen mit einer sympathischen Widmung des Autors traf das Buch letzte Woche bei mir ein und wurde in wenigen Tagen verschlungen. Geplant sind wohl noch weitere Teile, so dass der Leser gespannt sein darf, was Ian und seine Freunde noch alles erleben werden.

Handlung:

Ian und seine Klassenkameraden sind zunächst gar nicht begeistert, als ihr Lehrer – Mister Schwarz – für den nächsten Schulausflug Blackrock Manor vorschlägt, die Ruine eines alten Hotels, das in der Umgebung schon seit langem als Spukhaus bekannt ist. Zu allem Überfluss wird die Klasse auch noch von der verhassten Lehrerin Miss Parks begleitet, einer verbitterten alten Jungfer, die den Jugendlichen gerne das Schülerleben zur Hölle macht. In Blackrock Manor angekommen passieren schließlich die seltsamsten Dinge: Stimmen sind in der Ruine zu hören, ein seltsamer Rabe umkreist immer wieder das Hotel und außerdem scheint ein mysteriöser Orden sein Unwesen an diesem gruseligen Ort zu treiben. Ian und seine Freunde haben sich fest vorgenommen, all diesen Dingen auf den Grund zu gehen, doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Eigene Meinung:

Das Cover von „Rabenschwarz“ empfinde ich als sehr gelungen. Auf dem Titel schlängelt sich ein Fluss durch eine finstere Waldschlucht; vor dem gespenstischen Mond fliegt der Rabe, welcher der Geschichte ihren Namen gab. Auf dem Rücken erwartet den Leser ein gut geschriebener, außergewöhnlich langer Klappentext, der neugierig auf die Handlung macht, aber auch nicht zu viel verrät. Im Inneren wartet das Buch mit verschnörkelt gestalteten Kapitelüberschriften auf und passender Weise ist dem Roman ein Auszug aus Edgar Allan Poes berühmten Gedicht „Der Rabe“ vorangestellt. Einzig die Eigenart des Autors, wörtliche Rede durch Kursivschreibung zu kennzeichnen, hat mir weniger gefallen, störte sie doch phasenweise den Lesefluss. Auch hätte ich mir zum Teil eine etwas weniger gestelzte Sprache für die Jugendlichen gewünscht, denn außer Terry und seinen Kumpanen drücken sich alle Schüler extrem kultiviert aus. Das ehrt natürlich Alexander Felden natürlich und zeigt, dass er sein Handwerk beherrscht, war aber im Hinblick auf das Alter der Charaktere manchmal etwas unglaubhaft.

Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler in der Vergangenheitsform geschildert, was sehr gut zu dieser Art von Jugendbuch passt. Der Leser kann die Geschichte so aus verschiedenen Perspektiven erleben und ist nicht allein auf die Entdeckungen des Protagonisten angewiesen. Im Zentrum der Geschichte steht Ian, ein leicht verträumter und sensibler junger Mann, der sehr empfänglich für Übersinnliches zu sein scheint. Er ist der Erste, der in den Ruinen Blackrocks Manors Stimmen hört und Dinge sieht, die seine Klassenkameraden zunächst nicht wahrnehmen können. Immer in Ians Nähe sind seine Freunde Ben, Amber und Fiona. Die Beschreibung der 3 Jugendlichen um Ian ist dabei doch sehr stereotyp. Da gibt es den Kenianer Ben, stets vernünftig und der Ruhepol der Gruppe. Amber, in die sich Ian verliebt hat, ist waghalsig und mutig, aber auch ein wenig starrköpfig. Fiona, die zu allem Überfluss ein Auge auf Ben geworfen hat, ist die kluge im Freundeskreis, quasi die Hermine Granger unter den Vieren. Hier hätte ich mir doch etwas individuellere Charaktere gewünscht, auf der anderen Seite findet sich so wohl jeder jugendliche Leser in einem der 4 Protagonisten wieder.

In der ersten Hälfte liest sich „Rabenschwarz“ wie ein ganz normales Jugendbuch mit einigen wenigen Thrillerelementen. Der Fokus liegt bis dahin eher auf der Dynamik innerhalb der Klasse, denn kurz vor dem Ausflug gehörte auch noch der kleine David zu der Clique um Ian. Doch seit dieser vom Klassenrabauken Terry verprügelt wurde, hat er sich extrem verändert und will mit seinem ehemaligen Freunden nichts mehr zu tun haben. Immer wieder geraten er und Ian aneinander, sogar vor Gewalt schreckt David nun selbst nicht mehr zurück. Geschickt bindet Alexander Felden so Themen wie Gewalt und Mobbing an Schulen ein, ohne dem Leser gegenüber den Zeigefinger zu erheben. Außerdem geben die Auseinandersetzungen mit David auch teilweise ein Rätsel auf, denn irgendjemand scheint seine Finger im Spiel zu haben und versucht, die beiden Jungen gegeneinander auszuspielen.

Etwa ab dem Beginn der zweiten Häfte des Buches ging es dann auf einmal Schlag auf Schlag und die Handlung nahm eine überraschende Wendung. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber mit dieser Entwicklung hatte ich wirklich nicht gerechnet – auch wenn sich einige Elemente im Verlauf schon allzu deutlich angekündigt hatten – und ich wusste zunächst auch nicht, wie ich die Geschehnisse einordnen sollte. Den Ausschlag gab dann schließlich meine Liebe zu Autoren wie Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft, in deren Tradition sich Alexander Felden verstanden sehen möchte – und das gelingt ihm auch. Seine Geschichte ist ähnlich gruselig und subtil in der Art, wie sie erzählt wird. Das Ende ist an sich abgeschlossen, allerdings bleiben doch so einige Dinge offen, die neugierig auf die Fortsetzung machen.

Fazit: ein toller Roman für Jugendliche mit einigen kleineren Schwächen

4K

Wunder wie diese / Laura Buzo

Cover Titel: Wunder wie diese (Good Oil)

Autor: Laura Buzo

Seitenzahl: 300

Woher ich es habe: gebraucht gekauft

„Wunder wie diese“ ist der Debütroman der Australierin Laura Buzo. Im Original ist bereits ihr zweites Buch „Holier than thou“ erschienen und auch eine Fortsetzung von „Wunder wie diese“ schließt die Autorin zumindest nicht vollkommen aus, auch wenn sie – laut eigener Aussage – im Moment an anderen Projekten arbeitet.

Handlung:

Die 15-jährige Amelia arbeitet seit kurzem nach der Schule und an Wochenenden bei Woolworth an der Kasse. Sie hat das Gefühl, nirgendwo hinzugehören. Mit ihren Mitschülern kann sie, abgesehen von ihrer besten Freundin Penny, nicht viel anfangen und auch zuhause findet sie nur wenig Beachtung. Auch bei Woolworth, von allen Angestellten nur „das Land der Träume“ genannt, hat sie nur wenig Kontakt zu ihren Kollegen. Die rotten sich lieber in kleinen Grüppchen zusammen und strafen Amelia mit Missachtung. Nur mit Chris, ihrem Ausbildungsleiter, hat die Schülerin engeren Kontakt. Mit ihm führt sie lange Gespräch über Literatur und über das Leben an sich und auch Chris bemerkt, dass Amelia etwas ganz Besonderes ist. Da gibt es nur ein großes Problem: Chris ist 21.

Eigene Meinung:

Ich gebe es zu: dieses Buch war ein absoluter Coverkauf. So etwas kann mir schon einmal passieren, wenn mir ein Cover so gut gefällt und der Klappentext zumindest einigermaßen interessant klingt. Und „Wunder wie diese“ ist nun einmal ein wirklich toll gestaltetes Jugendbuch mit den Silhouetten eines Mädchens und eines Jungens, die sich um den Titel schmiegen. Einen schönen Kontrast bilden die Skyline einer Großstadt – ich nehme an, es handelt sich um  Sydney – und die Blütenzweige, die sich über das gesamte Cover ranken. Das ist wirklich einer der wenigen Fälle, in denen mir das deutsche Titelbild besser gefällt, als das des Originals. Hätte der Inhalt nur gehalten, was das Äußere verspricht…, aber dazu gleich mehr.

„Wunder wie diese“ wird aus verschiedenen Perspektiven und mit den unterschiedlichsten Mitteln erzählt. Zu Beginn erlebt der Leser die Handlung aus Amelias Blickwinkel in der Ich-Form. Dieser Einstieg ist gut gewählt, denn so fällt es ein wenig leichter, sich in die Protagonistin hineinzuversetzen. Im Laufe der Handlung wechselt die Sicht aber auch zu Chris oder wird in Briefen und Tagebucheinträgen geschildert. Diese Methode hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen, weil man die Geschichte so von beiden Seiten kennen lernt und durch die verschiedenen Erzählformen etwas Abwechslung in die Handlung kommt.

Die Charaktere blieben mir persönlich leider ziemlich fremd. In vielen Dingen ist Amelia eine ganz normale 15-Jährige, die ihre große Schwester vermisst, die seit kurzem aufs College geht und sich wünscht, ihr Vater würde sie stärker beachten. Für Chris schwärmt sie schon nach kurzer Zeit so heftig, wie es nur ein Teenager tun kann. Auf der anderen Seite ist Amelia die geborene Philosophin, die sich leidenschaftlich über den Plot von „Große Erwartungen“ oder „Der große Gatsby“ ereifern kann und mit Chris heftig über den Feminismus diskutiert. Für mich ließ sich das nur schwer zusammenbringen, Amelia als Figur erschien mir ein wenig unrund. Chris hingegen war mir von Beginn an unsympathisch. Er ist ein richtiger Frauenheld, immer auf der Suche nach seiner Traumpartnerin, dabei aber unglaublich oberflächlich. Auf Amelia sieht er oft genug herab und behandelt sie wie ein kleines Mädchen. Im Verlauf der Handlung betont er immer wieder, dass er Amelia „auf den rechten Weg“ bringen will, ihr helfen will, eine starke Person zu werden und man fragt sich unweigerlich, warum gerade er sich dazu als qualifiziert erachtet. Zwar erfährt man nach und nach mehr über Chris, dennoch blieb die Liebesgeschichte für mich recht blass, da ich einfach nicht nachvollziehen konnte, was ein Mädchen wie Amelia an Chris findet. Aber nun ja, die Liebe geht ja bekanntlich seltsame Wege.

Generell war es für mich schwierig, eine Position zu dieser „Liebe“ zwischen Amelia und Chris zu finden. Schließlich ist Amelia erst 15 und auch wenn das Alter in einer Beziehung keine Rolle spielen sollte, ist das bei einem Teenager und einem (zumindest auf dem Papier) Erwachsenen schon etwas anderes. Aber ich kam auch gar nicht dazu, einen tieferen Bezug zu den beiden zu finden, weil die Handlung an sich einfach unsagbar langweilig war. Dabei geht es mir gar nicht darum, dass Amelia und Chris eigentlich nichts anderes tun, als entweder zur Arbeit oder auf eine Party zu gehen. Im Gegenteil: wer mich kennt, der weiß, dass ich ein Fan von Romanen bin, die ohne große Action auskommen, in denen sich viel in Dialogen abspielt. Doch leider sind eben letztere in „Wunder wie diese“ genauso öde, wie der Handlungsverlauf. Nur weil Amelia gerne Klassiker liest und Chris sich seitenlang über seinen Alkoholkonsum auslässt, macht das dieses Buch noch lange nicht zu etwas Besonderem. Vielleicht bin ich aber auch nur so streng, weil ich vor „Wunder wie diese“ den neuesten Roman von Gayle Forman gelesen habe. Denn die beherrscht die leisen Töne nun mal in Perfektion. Vielleicht bin aber auch in diesem Fall einfach schon zu alt und kann mich deshalb nicht mehr mit Amelia identifizieren. Vom Schreibstil her ist das Buch wirklich sehr einfach gehalten und dürfte daher auch wohl eher jüngeren Leserinnen Spaß machen, die möglicherweise gerade genauso unglücklich verliebt sind, wie Amelia.

Fazit: ein recht durchschnittliches Jugendbuch, das eine gewisse Tiefe vermissen lässt

3K

bloomoon – das neue Imprint aus dem Hause arsEdition

Logo bloomoon

Aus dem Zusammenschluss von arsEdition und Bloomsbury ist ein neues Imprint entstanden, das sich den Büchern für „Preteens“ und Jugendliche verschrieben hat. Hier einmal eine kurze Eigenvorstellung von bloomoon:

bloomoon ist das neue Imprint für Jugendliteratur aus dem Hause arsEdition für Preteens ab zehn Jahren sowie für Junge Erwachsene. Ob einfühlsame ‚Coming of Age‘-Geschichte oder Liebesroman mit Social Media-Bezug, Humoriges aus dem Jungenalltag oder mitreißender Thriller mit Gänsehaut-Effekt – bloomoon ist bewusst vielfältig. Unsere Autoren beschreiben die Dinge aus ihrer jeweils eigenen Perspektive und öffnen dem Leser damit Türen zu anderen Erfahrungswelten. Durch welche er geht, ist ihm selbst überlassen – er kann sich mit unseren Büchern wegträumen in entlegene und skurrile Welten oder hierbleiben, ganz nah dran an der Wirklichkeit. Denn sowohl atemberaubende Biografien, fesselnde Thriller, leise Töne oder lautes Herzklopfen haben im neuen Imprint von arsEdition Platz.

Mehr Informationen und tolle Aktionen findet ihr auf www.bloomoon-verlag.de und www.facebook.com/bloomoonVerlag!

Aus dem aktuellen bloomoon-Verlagsprogramm wünsche ich mir aus allen Februar-Titeln, dass „Drei Songs Später“ von Lola Renn demnächst bei Blogg dein Buch präsentiert wird. Aber es sind noch eine ganze Reihe weitere spannende Titel dabei – ich werde das Imprint also sicher im Auge behalten!

Just one day / Gayle Forman

Cover Titel: Just one day

Autor: Gayle Forman

Seitenzahl: 369

Woher ich es habe: selbst gekauft

„Just one day“ ist der neueste Young Adult-Roman aus der Feder der Amerikanerin Gayle Forman. Insgesamt hat sie bereits 3 Bücher für junge Erwachsene veröffentlicht: „Sisters in Sanity“ und den wesentlich bekannteren Zweiteiler um Mia & Adam, bestehend aus „If I stay“ und „Where she went“ – beide sind inzwischen auch auf Deutsch erschienen. Da ich die Bücher von Gayle Forman liebe, kann ich nur hoffen, dass früher oder später alle ihre Werke in der deutschen Übersetzung vorliegen werden. Natürlich war „Just one day“ für mich ein absolutes Must-Read und so wartete ich seit dem Erscheinungstag, dem 10. Januar 2013, ungeduldig auf meine Ausgabe. Und ich wurde nicht enttäuscht. Auch dieses Buch ist übrigens Teil 1 eines Zweiteilers und während Band 1 aus der Sicht der Protagonistin Allyson erzählt wird, kommt in Band 2 der männliche Hauptcharakter Willem zu Wort. Das Buch wird „Just one year“ heißen und soll im September erscheinen. Ich kann es kaum erwarten!

Handlung:

Die 18-jährige Amerikanerin Allyson ist gemeinsam mit ihrer besten Freundin Melanie auf einer Tour durch Europa, die ihre Eltern ihr zum Schulabschluss geschenkt haben. In Stratford-upon-Avon, der Heimatstadt Shakespeares und vorletzten Station auf ihrer Reise, trifft Allyson den 20-jährigen Niederländer Willem. Der spielt gerade in einer besonderen Aufführung von Shakespeares „Twelfth Night“ mit und lädt die beiden Freundinnen in seine Vorstellung ein. Zwischen Allyson und Willem knistert es sofort und so trifft die zurückhaltende, stets rational denkende Ally eine überraschende Entscheidung: anstatt ihre Reise mit Melanie fortzusetzen, fährt sie gemeinsam mit Willem für einen Tag nach Paris. Die beiden wandern durch die Straßen der zauberhaften Stadt und führen viele lange Gespräche, doch als Allyson nach einer wunderschönen Nacht mit Willem aufwacht, ist dieser verschwunden. Hat er Allyson einfach so verlassen? Ist er tatsächlich so ein Herzensbrecher, wie einige seiner Bekannten in Paris andeuten? Oder ist ihm am Ende etwas zugestoßen? Und die bedeutendste Frage von allen: Wird Allyson Willem jemals wiedersehen?

Eigene Meinung:

Das Cover des Romans ist sehr zurückhaltend, aber passend gestaltet. Auf dem Titel ist ein junges Mädchen zu sehen, das ohne Weiteres Allyson sein könnte; die Haare, die Armbanduhr, der träumerische, aber auch leicht verlorene Ausdruck in den Augen – alles stimmt. Ich mag es, wenn die Gestaltung eines Buches so perfekt auf den Inhalt abgestimmt ist, leider ist das viel zu selten der Fall. Was mir auch sehr gut gefällt, und das stelle ich bei den meisten Originalausgaben des Young Adult-Genres fest, ist die Tatsache, dass das Cover auch der Zielgruppe gerecht wird. Wie oft hat man als deutscher Leser ein schreiend buntes Buch in großer Schrift und mit stereotypem Titelbild in der Hand, mit dem man sich als Erwachsener schon fast nicht mehr auf der Straße sehen lassen kann, weil es einem quasi ins Gesicht schreit: „Ich bin ein Buch für Teenies!“ Dabei sind die Werke aus diesem Genre genau das nicht. Sie wenden sich an eine Zielgruppe, die älter ist, als der klassische Jugendbuchleser und somit steht diesen Büchern ein schlichtes, aber stilvolles Cover, wie „Just one day“ es besitzt, wesentlich besser zu Gesicht.

Die Handlung wird in der Ich- und Gegenwartsform aus Allysons Perspektive erzählt. Für den Leser macht dies auch den Reiz der Geschichte aus, denn er weiß immer nur genau so viel, wie die Protagonistin selbst und so fiebert man unweigerlich das gesamte Buch über mit und rätselt, ob Willem es wohl ernst mit Ally gemeint hat oder nicht. Überhaupt ist die 19-Jährige eine Figur, mit der man sich gut identifizieren, deren Situation man auch selbst nachvollziehen kann. Schon seit sie klein ist, versucht Allyson stets, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen. Deshalb hat sie sich im College auch für alle Kurse eingeschrieben, die sie darauf vorbereiten sollen, Ärztin zu werden. Natürlich ist Allys Vater Arzt, ihre Mutter Krankenschwester und so wird ganz selbstverständlich auch von ihr erwartet, denselben Weg einzuschlagen. Egal, ob dieser Weg sie glücklich macht oder nicht. Auch in der Freundschaft mit Melanie ist sie die zurückhaltendere und nimmt den eher passiven Part ein. Während Melanie sich auf dem Trip durch Europa betrinkt und mit den anderen feiert, bleibt Allyson allein im Hotelzimmer zurück. Nur mit Willem, da fühlt sie sich anders. Mit Willem, der sie Lulu nennt – ein Name, der für Ally bald zum Symbol wird, zum Symbol einer Person, die sie einmal werden möchte. Denn Lulu ist all das, was Allyson nicht ist: spontan, witzig, abenteuerlustig und stark.

Willem hingegen bleibt das gesamte Buch über ein recht undurchsichtiger Charakter. Er ist gut aussehend und charmant, hat stets einen lockeren Spruch auf den Lippen und führt ein Leben, das Allyson völlig fremd ist. Als Schauspieler zieht er schon seit Jahren durch die Lande, in seiner Heimat Holland war er zum letzten Mal vor über 2 Jahren. Das lässt ihn zwar anziehend und interessant, aber auch unglaublich mysteriös erscheinen. Er gibt nur wenig von sich preis und scheint in Paris auch mehr als eine Frauenbekanntschaft zu pflegen. Da ist zum Beispiel die unglaublich schöne Clubmanagerin Céline, die Allsyon mit Ablehnung begegnet oder das Mädchen im Café, das Willem von früher zu kennen scheint und ihm wie selbstverständlich ihre Telefonnummer zusteckt. Nur ganz selten sieht man seine wahren Gefühle durchblitzen und das sind Momente, die zu Tränen rühren, zum Beispiel, wenn er seiner Lulu erklärt, was für ihn der Unterschied zwischen „to fall in love“ und „being in love“ ist.

– „Being in love is a birthmark?“ I joke as I retract my arm. But my voice has a tremble in it, and the place where his wet thumbprint is drying against my skin burns somehow.
– „It’s something that never comes off, no matter how much you might want it to.“ (Seite 64)

Dennoch ist es nicht weiter verwunderlich, dass für Allyson nach dem einsamen Aufwachen am nächsten Morgen feststeht: Willem hat sie verlassen. Wer nun denkt, die Geschichte sei damit beendet, der irrt sich. Denn genau hier beginnt die wahre Haupthandlung. Es ist die Geschichte einer todtraurigen Allyson, die sich durch ihr erstes Collegejahr quält und versucht, nach diesem harten und grausamen Fall wieder aufzustehen. Von vielen wird sie dabei nur belächelt, schließlich hat sie nur einen einzigen Tag mit Willem verbracht; andere hingegen werden in dieser Leidensphase zu wirklichen, ehrlichen Freunden. Vor allem Dee, ihr Partner in ihrem neuen Shakespeare-Kurs, ist mir dabei richtig ans Herz gewachsen. Von ihm ermutigt fasst Allyson endlich einen Entschluss: Sie muss Willem finden und sie muss wissen, warum er sie in Paris einfach zurückgelassen hat. Und auf dieser Suche nach ihm, findet Ally noch etwas viel Wichtigeres; sie findet zu sich selbst zurück.

He showed me how to get lost, and then I showed myself how to get found. (Seite 367)

„Just one day“ ist ein typisches Gayle Forman-Buch, das nicht von Actionsszenen oder großen Showdowns lebt. Es ist ein Roman der leisen Töne und diese leisen Töne sind es, die die Autorin in Perfektion beherrscht. Die Charaktere sind durch die Bank glaubwürdig, egal ob Protagonist oder Nebencharakter. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, es sind keine Übermenschen, sondern Menschen wie Du und Ich. Außerdem gibt es, wie auch in „If I stay“ und „Where she went“ unglaublich viele Gespräche. Die mögen für einige Leser vielleicht langweilig anmuten, für mich machen sie aber den Kern dieser Bücher aus. Es sind so wundervolle Gespräche und Gedanken über die Liebe, über Freundschaft, über das Leben. Worte, die einen tief im Inneren berühren, weil sie das ausdrücken, was man selbst nicht auszusprechen vermag: 

Maybe this is just life. When you open yourself up to it. When you put yourself in the path of it. When you say yes. (Seite 367)

Und so ist auch das Ende des Romans ein leises, es gibt keinen großen Paukenschlag. Ja, es lässt sich nicht einmal genau sagen, ob es ein gutes oder ein schlechtes Ende ist. Ich weiß nur, dass es zum Rest der Geschichte passt und dass es mich wünschen lässt, die Fortsetzung sei bereits erschienen.

Fazit: ein zarter Roman über die Liebe, der sich zu einer Geschichte über den beschwerlichen Weg zu sich selbst entwickelt

5K

Beltz & Gelberg sucht den Buchblogger 2013

Cover Beltz & Gelberg und Blogg dein Buch starten wieder ein neues Gewinnspiel. Diesmal wird der offizielle Buchblogger 2013 gekürt und dem Gewinner winkt eine Reise zur Leipziger Buchmesse.

Über das Buch:

Gute Freunde, ein schönes Zuhause und den tollsten Jungen der Welt zum Freund: Nach Jahren der Angst ist Maja endlich glücklich. Bis zu dem Tag, als der Mann aus dem Gefängnis entlassen wird, der Majas Familie einst brutal terrorisiert hatte. Er schreckt auch jetzt vor nichts zurück. Die Familie muss untertauchen: neue Stadt, neue Identität, alles auf Null. Nicht mal zu Lorenzo, ihrem Freund, darf Maja, die nun Alissa heißt, Kontakt haben. Ein neuer Albtraum beginnt: Wie soll sie Freunde finden, wenn sie nur Lügen erzählen darf und schon das kleinste Partybild auf Facebook ihr Leben in Gefahr bringen kann? Und wie könnte sie Lorenzo je vergessen? Einsam, voller Wut und Sehnsucht trifft Maja eine verhängnisvolle Entscheidung …

Über die Autorin:

Katja Brandis, geb. 1970, ist seit vielen Jahren begeisterte Taucherin. In den Meeren dieser Welt hat sie unvergessliche Begegnungen mit Haien, Rochen und Delfinen erlebt. An Land arbeitet sie als freie Autorin und hat bereits zahlreiche Abenteuer- und Fantasyromane für Jugendliche veröffentlicht. Sie lebt mit Mann und Sohn in der Nähe von München. (http://www.katja-brandis.de/)

Mehr zum Gewinnspiel erfahrt ihr über den folgenden Link: http://www.bloggdeinbuch.de/r/evbg3p/

Eine Leseprobe aus dem Buch könnt ihr hier finden.