Noir / Jenny-Mai Nuyen

Titel: Noir

Autor: Jenny-Mai Nuyen

Seitenzahl: 377

Woher ich es habe: auf Vorablesen.de gewonnen

„Noir“ ist der neuste Roman aus der Feder von Jenny-Mai Nuyen; Erscheinungstag ist eigentlich der 1. Oktober, aber dank Vorablesen durfte ich das Buch schon ein wenig früher in den Händen halten. Von der Autorin hatte ich bisher nur „Nocturna“ und „Nijura“ gelesen und obwohl ich beide Romane schon sehr mochte, hat „Noir“ mich doch extrem überrascht. Übrigens bin ich auch jedes Mal extrem neidisch, wenn ich Jenny-Mai Nuyens Geburtsjahr auf ihren Büchern lese – immerhin ist sie gute 7 Jahre jünger als ich. Bei der Veröffentlichung ihres ersten Romans war sie gerade einmal 18.

Handlung:

Im Alter von fünf Jahren sterben Nino Sorokins Eltern bei einem Autounfall. Er selbst hatte sich ebenfalls schon auf den Weg ins Jenseits gemacht, wurde aber ins Leben zurückgeholt. Fortan wächst Nino bei seiner Schwester Katjuscha auf. Doch schon bald wird allzu deutlich, dass er nicht wie andere Kinder ist, denn Nino hat eine Begabung: er kann sehen, wann andere Menschen sterben werden. Und weil er auch bei sich selbst das Alter wahrnehmen kann, in dem er aus dem Leben scheiden wird, beschließt Nino im Alter von 19 Jahren, diese Wahrnehmung zu testen. Nach seinem versuchten Suizid hat er nun die Gewissheit, wird aber im Gegenzug von Katjuscha stets kritisch beäugt und muss Medikamente gegen Depressionen schlucken. Doch eine Tages begegnet Nino Noir, einem Mädchen, das außer ihm niemand zu sehen scheint, denn Noir bewegt sich wie ein Geist zwischen dem Jenseits und dem Diesseits.

Eigene Meinung:

Bereits das Cover von „Noir“ hebt sich deutlich von den bisherigen Romanen der Autorin ab. Der vordere Titel ist in einem zarten weiß-türkis gehalten und zeigt zersplittertes Glas, das wohl an den Autounfall der Sorokins erinnern soll. Streicht man mit der Hand über den vorderen Einband, so erkennt man, dass die Sprünge im Glas als Furchen in das Cover eingeprägt sind. Auch der hintere Einband zeigt dieselben Sprünge, jedoch ohne die Einprägungen und dafür in düsteren Grautönen. Allein durch die äußere Gestaltung wird hier also klar, dass wir etwas völlig Neues von Jenny-Mai Nuyen zu lesen bekommen werden. Eine Geschichte, die düsterer ist, als alles, was sie bisher geschrieben hat. Eine Geschichte, die nicht mehr vorrangig Jugendliche ansprechen soll.

Nino ist ein Charakter, mit dem man als Leser sofort Mitleid hat. Er ist ohne seine Eltern, aber mit einer großen Bürde aufgewachsen. Über seine unheimliche Gabe kann er mit niemandem sprechen. Seine Schwester will er nicht belasten und wer sonst würde ihm wohl glauben? Und so muss Nino allein mit dem Wissen zurechtkommen, dass er im Alter von 24 Jahren sterben wird und keine Affäre, keine Droge, keine Medikamente ihn davor bewahren können. All das verändert sich jedoch von einem Tag auf den anderen, als Nino zum ersten Mal Noir sieht. Noir, das geheimnisvolle Mädchen, das um ihn herum keiner sehen kann. Über Noir lernt er Monsieur Samedi kennen, der ihm Erstaunliches offenbart: er ist ein Mentor und in der Lage, Nino eine neue Seele und damit ein neues Leben zu geben. Doch dafür müsste er all seine Liebe aufgeben; die Liebe zu seiner Schwester Katjuscha und die seltsame, neu aufkeimende Liebe zu der geheimnisvollen Noir, einer Seelenlosen, die schon an der Schwelle zum Jenseits steht.

„Noir“ ist ein düsterer, sehr erwachsener Roman und auch die Sprache der Autorin ist deutlich gereift, seit sie Bestseller wie „Nijura“ oder „Nocturna“ verfasste. Die Welt von Nino und Noir ist eine dunkle Welt, voller Einsamkeit und Verzweiflung. Gemeinsam treiben die beiden hilflos durch den Strudel der Handlung und klammern sich dabei aneinander wie Ertrinkende. Kapitel, in denen das bereits Vergangene aus Ninos Perspektive nacherzählt wird und Kapitel aus dem „Jetzt“ wechseln sich dabei ab, bis sich am Ende beide Zeitstränge wieder vereinen. So erfährt man zwar bruchstückhaft, was geschehen wird, kann sich aber erst am Schluss einen Reim darauf machen. Ein stilistischer Kniff, der Jenny-Mai Nuyen wirklich gut gelungen ist.

Das Ende des Romans ist abgeschlossen und offen zugleich. So erhält der Leser zwar die Antwort auf die Frage nach Noirs Herkunft, gleichzeitig werden aber zahlreiche neue Fragen aufgeworfen und ein gewisser Unwille darüber bleibt zurück. Vieles bleibt unausgesprochen oder unerklärt. Ob das daran liegt, dass die Autorin die Geschichte fortsetzen möchte oder ob sie sie absichtlich an dieser Stelle und auf diese Weise enden lassen wollte, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Persönlich würde ich mir aber wünschen, hier noch weiterlesen und mehr über die Mentorenschaft erfahren zu können.

Fazit: Eine ungewohnt düstere Jenny-Mai Nuyen, die nicht länger nur für Jugendliche schreibt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s