Knochenfinder / Melanie Lahmer

Titel: Knochenfinder

Autor: Melanie Lahmer

Seitenzahl: 459

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Bastei Lübbe-Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Knochenfinder“ ist der erste Roman der Autorin Melanie Lahmer; er wurde von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen mit einem Stipendium ausgezeichnet. In der Autorenbeschreibung vorne im Roman konnte ich außerdem lesen, dass sie selbst Geocacherin ist, Frau Lahmer weiß also, wovon sie spricht.

Handlung:

Im Rothaargebirge verschwindet der 17-jährige Schüler René spurlos. Noch während sich die Kommissarin Natascha Krüger auf die Suche nach dem jungen Mann macht, werden in 2 Geocaching-Verstecken in der Gegend abgetrennte Finger entdeckt. Schon bald darauf ist klar, dass zwischen beiden Ereignissen eine Verbindung besteht und Renés Leben ernsthaft in Gefahr ist. Natascha und ihre Kollegen Lorenz und Winterberg dringen immer tiefer in die Geocaching-Szene vor, machen aber auch an der Schule des verschwundenen Jungen grausige Entdeckungen. Vor allem Winterberg belastet der Fall sehr, schließlich gehen seine beiden Söhne auf die selbe Schule wie René und so fühlt er sich zwischen seiner Rolle als Vater und seinem Beruf hin- und hergerissen. Weiß sein älterer Sohn Niklas mehr als er zugeben will? Und wird das Team den verschwundenen Schüler rechtzeitig finden können, bevor der Täter sein schreckliches Werk vollenden kann?

Eigene Meinung:

„Knochenfinder“ wird in personaler Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mal erlebt der Leser hautnah die polizeilichen Ermittlungen mit, mal nimmt der Erzähler die Perspektive des Opfers oder des Täters ein. So gewinnt die Handlung zwar auf der einen Seite an Dimension, auf der andere Seite ist so aber auch schnell das Geschlecht des Täters verraten und der Verdächtigenkreis zumindest um einige wenige Personen verringert. Mit dem Schreibstil hatte ich zu Beginn meine Probleme. Einige Szenen waren in meinen Augen recht unbeholfen und nicht stimmig beschrieben, an anderen Stellen waren die verwendeten Begrifflichkeiten fast schon stereotyp. Auch die wörtliche Rede ist zum Teil nur wenig authentisch, so dass ich oft das Gefühl hatte, die betreffende Person würde so einfach nicht sprechen. Trotz allem liest sich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten aber flüssig und die Handlung nimmt an Fahrt auf.

Die Kommissarin Natascha Krüger ist zwar durchaus sympathisch beschrieben, dennoch blieb sie für mich den Roman über recht blass. Auf der einen Seite mochte ich ihren tierlieben Charakter, auf der anderen Seite fiel es mir aber schwer, darüber hinaus eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Generell gilt das leider für die meisten Personen: Winterbergs Umgang mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen konnte ich nicht nachvollziehen, ebenso war für mich die Stimmung im Team nicht greifbar. Handelt es sich hier tatsächlich um treu sorgende Kollegen oder um einen bunt zusammengewürfelten Haufen, in dem sich keiner für den anderen interessiert? Ein wenig Emotion kommt eigentlich erst in den Handlungsverlauf, als auch eines der Teammitglieder verschwindet.

Im Großen und Ganzen hatte Melanie Lahmer wohl einfach das Pech, dass ich kurz vor ihrem „Knochenfinder“ Ursula Poznanskis Geocaching-Roman „Fünf“ gelesen hatte. Das Grundgerüst ist nun wirklich sehr ähnlich: in Geocaching-Verstecken werden Körperteile gefunden, eine Ermittlerin macht sich mit ihrem Team auf die Suche, eine zarte Liebesgeschichte bahnt sich an usw. Natürlich geht die Handlung an vielen Punkten auch stark auseinander; so erweitert Melanie Lahmer ihren Roman noch um das Themengebiet „Gewalt(verherrlichung) an Schulen“, während Ursula Poznanski sich ganz auf das Geocaching konzentriert. Dennoch fällt mir im direkten Vergleich deutlich auf, dass in „Fünf“ einiges besser gelungen ist, so zum Beispiel die Tiefe der Charaktere oder der aufgebaute Spannungsbogen.

Am Schluss des Romans folgt dann auch der obligatorische Showdown, leider wurde ich aber auch hier enttäuscht. Im Verlauf der Handlung hatte ich die verschiedensten Theorien entwickelt, wer der Täter sein könnte und aus welchen Gründen er handeln könnte. Dabei war für mich grundsätzlich jeder verdächtig, denn von Sebastian Fitzek und ähnlichen Autoren bin ich gewohnt, dass alles immer ganz anders ist, als es erscheint. Deshalb war ich von der Auflösung des „Knochenfinders“ auch recht ernüchtert und auch das Motiv des Täters schien mir nur bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Wäre der Roman vielleicht meine erste Lektüre zu diesem Thema gewesen, hätte ich möglicherweise einen größerem Lesespaß verspürt – so hält sich meine Begeisterung aber leider in Grenzen.

Fazit: ein durchschnittlicher Lesegenuss für Geocaching-Fans

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