Fünf / Ursula Poznanski

Titel: Fünf

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: selbst gebraucht gekauft

„Fünf“ ist nun schon mein drittes Buch der Österreicherin Ursula Poznanski und nach 2 Jugendbüchern ihr erster Roman für Erwachsene. Was das Genre betrifft, scheiden sich ja die Geister. Die Autorin selbst bezeichnet „Fünf“ als Thriller, während einige treue Fans des Genres bemerken, man könne hier maximal von einem Krimi besprechen; es gäbe einfach zu wenig Thrillerelemente. Ich als zart besaitete Leserin kann aus meiner Sicht jedoch nur sagen, dass „Fünf“ für mich stellenweise wirklich gruselig genug war und ich doch etwas schlechter geschlafen habe. (Mag sein, dass solche Schilderungen den hart gesottenen Cody McFadyen-Fan nicht hinter dem Ofen hervorlocken können – mir haben sie aber durchaus gereicht.)

Handlung:

Auf einer Kuhweide im Salzburger Umland wird die Leiche einer Frau entdeckt. Das herbeigerufene Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger entdeckt auf den nackten Füßen des Opfers seltsame eintätowierte Zahlen, die sich schon bald als Koordinaten herausstellen. Der Täter scheint ein perfides Geocaching-Spiel mit der Polizei zu spielen, denn am angegebenen Ort finden die Ermittler ein menschliches Ohr und ein Rätsel, das den Weg zum nächsten Cache weisen soll. Auf der Suche nach dem Täter geraten Beatrice und Florin an ihre Grenzen: es tauchen immer weitere Leichenteile auf, Zeugen verschwinden nach ihrer Befragung und schließlich geraten sie selbst ins Kreuzfeuer, denn der Täter nimmt Kontakt zu Beatrice auf.

Eigene Meinung:

Obwohl „Fünf“ einem anderen Genre als „Erebos“ und „Saeculum“ angehört, ist Ursula Poznanskis Handschrift im Roman sofort zu erkennen. Wie in ihren beiden Jugendbüchern schafft sie auch hier von Seite 1 an eine spannende Atmosphäre, die den Leser in seinen Bann zieht. Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler in der dritten Person geschildert. Geschickt streut die Autorin so immer wieder Passagen ein, die berichten, was parallel zu den Ermittlungen der Polizei geschieht. Sie geben einen Einblick in die Denkweise des Täters, zeigen aber  auch die letzten Momente der gefangenen Opfer. Erst nach und nach wird so ein Licht in die Geschichte gebracht und obwohl man sich als Leser so oft sogar einen Schritt voraus glaubt, bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten.

Die beiden Ermittler Beatrice und Florin (nein, das ist kein Schreibfehler) sind wirklich angenehme und authentische Charaktere. Beatrice hat als allein erziehende Mutter nicht nur mit ihrem penetranten Ex-Mann und ihrer Familie zu kämpfen, sondern es lastet auch die Erinnerung an ein schreckliches Ereignis vor vielen Jahren auf ihr. Dieses Ereignis ist es, das die Ermittlerin dazu brachte, ihr Psychologie-Studium aufzugeben und sich bei der Kriminalpolizei zu bewerben. Nach all diesen Jahren hat sie immer noch furchtbare Schuldgefühle – eine Tatsache, die den Täter anzuziehen scheint, denn immer wieder kontaktiert er Beatrice, gibt ihr versteckte Hinweise, quält sie aber auch mit seinen Bemerkungen. Florin hingegen ist es fröhlicher, hilfsbereiter Kollege, der seiner Partnerin aus der Klemme hilft, wo immer er kann. Und obwohl er sich gerade am Beginn einer neuen Beziehung befindet, wird man als Leser doch den Gedanken nicht los, dass Beatrice und er ein schönes Paar abgeben würden. Hier rechne ich es der Autorin übrigens hoch an, dass sie den beiden keine heiße Affäre angedichtet hat, sondern es bei kleinen Gesten und kurzen Szenen einer tiefen Verbundenheit zueinander belassen hat.

Geocaching als Thema des Romanes fand ich sehr interessant und gelungen. Für mich als jemanden, der nur ein paar kurze Artikel darüber gelesen hat, war trotz des doch sehr spezifischen Wortschatzes alles gut verständlich. Mit Hilfe des Computer- und Geocachingexperten Stefan, eines Kollegen von Beatrice und Florin, gelingt es der Autorin geschickt zu erklären, wie Geocaching funktioniert, welche Begrifflichkeiten es gibt und wie die Cacher untereinander vernetzt sind. Die Suche nach dem Täter wird im Roman somit zu einer einzigen gruseligen Schnitzeljagd und die eingebauten Rätsel laden zum Mitdenken ein. Ursula Poznanski schafft es so trotz aller Grausamkeit der Taten auch das einzufangen, was für Fans den Reiz von Geocaching ausmacht. Man möchte am liebsten gleich morgen selbst mit dem Navigationsgerät losziehen und nach versteckten Caches suchen.

Der Schluss des Romanes war für mich überraschend, aber auch durch und durch schlüssig. Endlich waren alle kleinen Mosaiksteinchen des Falles an ihrem Platz und ergaben ein Gesamtbild, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. „Fünf“ ist in sich abgeschlossen, die Geschichte um Beatrice und Florin bleibt aber an vielen Stellen offen. Mir ist leider nicht bekannt, ob Ursula Poznanski möglicherweise hier eine Reihe plant, ich würde es mir aber wünschen, denn ich möchte gern mehr von dem sympathischen Ermittlerduo lesen. Aber auch so warte ich gespannt auf den nächsten Roman der Autorin. Egal welchem Genre er angehören wird, ich werde ihn lesen!

Fazit: Ein grandioser Thriller, der Lust auf Geocaching macht.

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