Archiv | Juli 2012

Fünf / Ursula Poznanski

Titel: Fünf

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 380

Woher ich es habe: selbst gebraucht gekauft

„Fünf“ ist nun schon mein drittes Buch der Österreicherin Ursula Poznanski und nach 2 Jugendbüchern ihr erster Roman für Erwachsene. Was das Genre betrifft, scheiden sich ja die Geister. Die Autorin selbst bezeichnet „Fünf“ als Thriller, während einige treue Fans des Genres bemerken, man könne hier maximal von einem Krimi besprechen; es gäbe einfach zu wenig Thrillerelemente. Ich als zart besaitete Leserin kann aus meiner Sicht jedoch nur sagen, dass „Fünf“ für mich stellenweise wirklich gruselig genug war und ich doch etwas schlechter geschlafen habe. (Mag sein, dass solche Schilderungen den hart gesottenen Cody McFadyen-Fan nicht hinter dem Ofen hervorlocken können – mir haben sie aber durchaus gereicht.)

Handlung:

Auf einer Kuhweide im Salzburger Umland wird die Leiche einer Frau entdeckt. Das herbeigerufene Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger entdeckt auf den nackten Füßen des Opfers seltsame eintätowierte Zahlen, die sich schon bald als Koordinaten herausstellen. Der Täter scheint ein perfides Geocaching-Spiel mit der Polizei zu spielen, denn am angegebenen Ort finden die Ermittler ein menschliches Ohr und ein Rätsel, das den Weg zum nächsten Cache weisen soll. Auf der Suche nach dem Täter geraten Beatrice und Florin an ihre Grenzen: es tauchen immer weitere Leichenteile auf, Zeugen verschwinden nach ihrer Befragung und schließlich geraten sie selbst ins Kreuzfeuer, denn der Täter nimmt Kontakt zu Beatrice auf.

Eigene Meinung:

Obwohl „Fünf“ einem anderen Genre als „Erebos“ und „Saeculum“ angehört, ist Ursula Poznanskis Handschrift im Roman sofort zu erkennen. Wie in ihren beiden Jugendbüchern schafft sie auch hier von Seite 1 an eine spannende Atmosphäre, die den Leser in seinen Bann zieht. Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler in der dritten Person geschildert. Geschickt streut die Autorin so immer wieder Passagen ein, die berichten, was parallel zu den Ermittlungen der Polizei geschieht. Sie geben einen Einblick in die Denkweise des Täters, zeigen aber  auch die letzten Momente der gefangenen Opfer. Erst nach und nach wird so ein Licht in die Geschichte gebracht und obwohl man sich als Leser so oft sogar einen Schritt voraus glaubt, bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten.

Die beiden Ermittler Beatrice und Florin (nein, das ist kein Schreibfehler) sind wirklich angenehme und authentische Charaktere. Beatrice hat als allein erziehende Mutter nicht nur mit ihrem penetranten Ex-Mann und ihrer Familie zu kämpfen, sondern es lastet auch die Erinnerung an ein schreckliches Ereignis vor vielen Jahren auf ihr. Dieses Ereignis ist es, das die Ermittlerin dazu brachte, ihr Psychologie-Studium aufzugeben und sich bei der Kriminalpolizei zu bewerben. Nach all diesen Jahren hat sie immer noch furchtbare Schuldgefühle – eine Tatsache, die den Täter anzuziehen scheint, denn immer wieder kontaktiert er Beatrice, gibt ihr versteckte Hinweise, quält sie aber auch mit seinen Bemerkungen. Florin hingegen ist es fröhlicher, hilfsbereiter Kollege, der seiner Partnerin aus der Klemme hilft, wo immer er kann. Und obwohl er sich gerade am Beginn einer neuen Beziehung befindet, wird man als Leser doch den Gedanken nicht los, dass Beatrice und er ein schönes Paar abgeben würden. Hier rechne ich es der Autorin übrigens hoch an, dass sie den beiden keine heiße Affäre angedichtet hat, sondern es bei kleinen Gesten und kurzen Szenen einer tiefen Verbundenheit zueinander belassen hat.

Geocaching als Thema des Romanes fand ich sehr interessant und gelungen. Für mich als jemanden, der nur ein paar kurze Artikel darüber gelesen hat, war trotz des doch sehr spezifischen Wortschatzes alles gut verständlich. Mit Hilfe des Computer- und Geocachingexperten Stefan, eines Kollegen von Beatrice und Florin, gelingt es der Autorin geschickt zu erklären, wie Geocaching funktioniert, welche Begrifflichkeiten es gibt und wie die Cacher untereinander vernetzt sind. Die Suche nach dem Täter wird im Roman somit zu einer einzigen gruseligen Schnitzeljagd und die eingebauten Rätsel laden zum Mitdenken ein. Ursula Poznanski schafft es so trotz aller Grausamkeit der Taten auch das einzufangen, was für Fans den Reiz von Geocaching ausmacht. Man möchte am liebsten gleich morgen selbst mit dem Navigationsgerät losziehen und nach versteckten Caches suchen.

Der Schluss des Romanes war für mich überraschend, aber auch durch und durch schlüssig. Endlich waren alle kleinen Mosaiksteinchen des Falles an ihrem Platz und ergaben ein Gesamtbild, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. „Fünf“ ist in sich abgeschlossen, die Geschichte um Beatrice und Florin bleibt aber an vielen Stellen offen. Mir ist leider nicht bekannt, ob Ursula Poznanski möglicherweise hier eine Reihe plant, ich würde es mir aber wünschen, denn ich möchte gern mehr von dem sympathischen Ermittlerduo lesen. Aber auch so warte ich gespannt auf den nächsten Roman der Autorin. Egal welchem Genre er angehören wird, ich werde ihn lesen!

Fazit: Ein grandioser Thriller, der Lust auf Geocaching macht.

Gewinnspiel zu „Die Besessene“

Der dtv-Verlag hat auf seiner Website ein Gewinnspiel zu „Die Besessene“, einem Jugendbuch der Autorin S.B. Hayes gestartet. 40 Exemplare werden verlost und wer weiß, vielleicht bin ich ja eine der glücklichen Gewinnerinnen. Wenn ihr auch mitmachen  möchtet, könnt ihr das hier tun.

Worum es geht:

Wer ist die geheimnisvolle Genevieve, die wie aus dem Nichts in Katys Leben tritt und alles an sich reißen will, was Katy etwas bedeutet? Die sich kleidet wie Katy, deren beste Freundinnen umgarnt und selbst vor Katys Freund Merlin nicht haltmacht? Schnell ist klar: Genevieve scheint besessen von dem Gedanken, Katys Leben zu zerstören. Doch während Genevieve offenbar bestens über Katy Bescheid weiß, hat diese nicht die leiseste Ahnung, mit wem sie es zu tun hat. Sie beginnt nachzuforschen und stößt auf eine Wahrheit, die ihr Leben schlagartig verändert …

Über die Autorin:

S.B. Hayes wurde in Liverpool geboren. Bereits in ihrer Kindheit kaufte sie sich von ihrem Taschengeld Notizbücher, die sie mit Gedichten füllte. Später studierte sie Englisch und arbeitete in verschiedenen Positionen im Öffentlichen Dienst, doch das Erfinden von Kurzgeschichten lag ihr immer näher, als Formulare auf den Weg zu bringen. S.B. Hayes hat drei Söhne und lebt in Crosby, Liverpool. ›Die Besessene‹ ist ihr erster Roman.

Unearthly / Cynthia Hand

Titel: Unearthly

Autor: Cynthia Hand

Seitenzahl: 433

Woher ich es habe: selbst gekauft

Auf „Unearthly“ wurde ich durch eine Leseprobe von Vorablesen aufmerksam. Bei der Verlosung selbst hatte ich dann leider kein Glück, aber da hatte mich das Buch schon so gepackt, dass ich es unbedingt lesen musste und so fiel meine Wahl auf die englische Version. (Was sich als Vorteil erweisen sollte, da ich anschließend gleich mit Band 2 fortfahren konnte.) „Unearthly“ ist das Debüt der Amerikanerin Cynthia Hand und Band 1 meiner allerersten Reihe über Engel. Auf Englisch ist Band 2 – „Hallowed“ – schon erschienen, Band 3 soll „Boundless“ heißen und im Januar 2013 erhältlich sein.

Handlung:

Die sechzehnjährige Clara ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Ihre Eltern leben schon seit einigen Jahren getrennt und so ganz kann Clara ihrem Vater nicht verzeihen, dass er ihre Mutter, ihren 13-jährigen Bruder Jeremy und sie selbst so plötzlich verlassen hat. Was nach einer ganz normalen Familiengeschichte klingt, wird durch eine Sache jedoch kompliziert: Claras Mutter ist eine Nephilim und auch in ihrem Adern und denen ihres Bruders fließt Engelblut. Schon als Teenager muss Clara also nicht nur damit leben, anders zu sein, sondern sie erfährt auch, dass jeder Engel einen bestimmten Zweck auf Erden zu erfüllen, sozusagen eine Mission vor sich hat. Diese Aufgabe kündigt sich in Visionen an und so muss Clara mit ansehen, wie in ihrer ein junger Mann von einem Feuer bedroht wird. Kann es ihr Zweck sein, diesen Unbekannten zu retten?

Eigene Meinung:

Die Handlung setzt genau zu der Phase in Claras Leben ein, als ihre Visionen beginnen. Und diese sind letztendlich auch der Grund, weshalb sie und ihre Familie von einem Tag auf den anderen alles verlassen müssen, was ihnen lieb und bekannt ist. Während Clara noch versucht, sich mit ihrem Schicksal und der großen Veränderung in ihrem Leben zu arrangieren, ist ihr Bruder Jeremy über den Umzug aus dem sonnigen Kalifornien ins verschneite Wyoming geschockt und wütend zugleich. Die beiden Teenager Clara und Jeremy sind dabei sehr authentisch gezeichnet. Ich konnte mich in beide gut hineinversetzen, auch wenn sie sehr unterschiedlich reagieren. Wie unendlich schwer muss es für einen jungen Menschen sein, eine so große Verantwortung auf den Schultern zu spüren? Gerade wenn man so jung ist, möchte man doch tun und lassen, was man will – für Clara und ihre Familie ist das unmöglich.

Bereits am ersten Tag in ihrer neuen Schule trifft Clara auf Christian, den Unbekannten aus ihrer Vision. Wie es sich für so einen Jugendroman gehört, ist er nicht nur unglaublich gut aussehend, sondern scheint zugleich von einem Geheimnis umgeben zu sein. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, nähert Clara sich ihm an und zieht damit nicht nur den Hass seiner Freundin auf sich, sondern fühlt sich auch mehr und  mehr zu ihm hingezogen. Schon bald kann sie den Wunsch, die Geschehnisse in der Vision zu verhindern, nicht mehr von ihren wahren Gefühlen unterscheiden. Und dann ist da noch Tucker, der so ganz anders ist als Christian: bodenständig, loyal, herzlich – ein Charakter, bei dem man sich wünscht, er wäre real. Eine Figur, bei der man sich glücklich schätzen würde, ihn zu kennen. Auch wenn die Ausgestaltung der Figuren (vor allem durch das Liebesdreieck) etwas klischeehaft anmuten mag, so fand ich doch alles sehr glaubwürdig geschildert. Gut gefallen hat mir auch, dass Clara mit dieser Situation so ganz anders umgeht, als man es aus ähnlichen Geschichten gewohnt ist. Sie bleibt sich selbst treu, hat ihre Prinzipien und lässt sich auch nicht verbiegen.

Der Schreibstil des Romanes ist sehr angenehm und leicht verständlich, dabei stellenweise aber auch sehr bildhaft und beinahe poetisch. Man hat als Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, dieselbe Luft zu atmen und dieselben Landschaften vor sich zu sehen. Geschickt baut die Autorin auch von der ersten Seite an Spannung auf, denn Claras Vision wird nur nach und nach deutlicher und gibt Details frei. Dennoch hat die Geschichte auch ihre humorvollen, selbstironischen Seiten, zum Beispiel dann, wenn Clara erzählt, dass sie am liebsten „Ein Engel auf Erden“ im Fernsehen sieht. Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser auch immer mehr über die Welt der Engel, ihre verschiedenen Arten, wie sie leben und dass es sowohl gute (weiße) als auch böse (schwarze) Engel gibt. Ob Cynthia Hand hier nur bereits Vorhandenes aufgegriffen hat, das kann ich nicht beurteilen, da „Unearthly“ für mich – wie gesagt – mein erster Engelroman war. Für mich waren die Hintergründe aber sehr interessant und stimmig.

Das Ende des ersten Bandes schließt einen der Handlungsstränge zwar ab, wirft aber gleichzeitig so viele Fragen auf, dass man unweigerlich einfach weiterlesen muss. „Unearthly“ war für mich eine der größten Überraschungen 2012; ich habe das Buch in einer Nacht zu Ende gelesen, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen wollte. In einigen Rezension wurde immer wieder der Vergleich mit der Bis(s)-Reihe gezogen, was inzwischen schon fast zum Standard geworden zu sein scheint. Dazu kann ich nur sagen, dass – bis auf ganz wenige Parallelen – beide Werke nichts miteinander gemein haben und solche Vereinfachungen dem Roman wirklich nicht gerecht werden. Ich hoffe deshalb stark, dass Fans des Genres „Unearthly“ trotzdem eine Chance geben: es lohnt sich!

Fazit: Eine gelungener Auftakt einer Trilogie über Liebe, Freundschaft und das Gefühl, dass eigene Leben nicht selbst in die Hand nehmen zu können.

Das Herbst-Programm des IVI-Verlags

Auf seiner Facebook-Seite hat der IVI-Verlag heute die 4 neuen Titel des Herbst-Programms angekündigt. Die Frühjahrstitel hatte ich euch ja schon hier präsentiert, deswegen dürfen natürlich auch die 4 Neuankündigungen für den Herbst nicht fehlen:

   

Die Cover gefallen mir schon mal wieder alle sehr gut. Definitiv einziehen wird „Enders“, denn der 1. Band der Reihe – „Starters“ – hatte mir ja bereits sehr gut gefallen. Meine Rezension findet ihr hier. „Libellenfänger“ klingt auch sehr spannend, aber was mich wirklich interessiert ist „Renegade. Tiefenrausch“. Eine Dystopie, die auf dem Meeresgrund spielt, das ist doch mal was! Tja, und ob „Frostfluch“ in meinem Regal landen wird, das kann ich erst nach der Lektüre des Vorgängers „Frostkuss“ sagen. Der steht aber schon auf meiner Wunschliste.

Hier nochmal für euch die Zusammenfassungen, worum es geht. Aber Achtung: „Enders“ und „Frostfluch“ sind jeweils der zweite Band einer Reihe. Wer den ersten noch nicht gelesen hat, sollte die Zusammenfassung vielleicht nicht unbedingt lesen. Ich persönlich finde zwar, dass die Beschreibung von „Enders“ nicht allzu viel über „Starters“ verrät, aber man will ja niemanden spoilern.

Enders / Lissa Price

Die 16-jährige Callie lebt in einer Welt, in der eine unheimliche Katastrophe alle getötet hat, die nicht schnell genug geimpft werden konnten – nur sehr junge und sehr alte Menschen haben überlebt. Während die Alten ihren Reichtum seitdem stetig mehren, verfallen die Jungen einer anscheinend ausweglosen Armut. Die einzige Möglichkeit für die jugendlichen Starters, an Geld zu kommen, war bislang die Body Bank. Dort konnten sie ihre Körper an alte Menschen vermieten, um so ihr Überleben zu sichern. Callie ist es gelungen, die Machenschaften des skrupellosen Instituts zu stoppen. Doch nun sieht sie sich einer viel größeren Gefahr gegenüber: Der Old Man, der mysteriöse Leiter der Body Bank, ist entkommen und trachtet Callie nach dem Leben. In einer erbarmungslosen Jagd wird ihr klar, dass das Geheimnis des Old Man dunkler ist, als sie es jemals erahnen konnte. Denn der Schlüssel dazu liegt in ihrer eigenen Vergangenheit verborgen.

Libellenfänger / Katja Brandis

Nicht einmal ihre engsten Freunde wissen, dass die 16-jährige Ricky Mayer im Gefängnis zur Welt kam und dort mit ihrer inhaftierten Mutter ihre Kindheit verbringen musste. Am liebsten würde Ricky ihre Vergangenheit vergessen. Doch als ihre Mitschülerin Antonia auf mysteriöse Weise stirbt, aktiviert sie ihre Kontakte zur Unterwelt. Bald ist sie sicher – Antonia wurde umgebracht. Aber was bedeuten die Libellenflügel, die seit Antonias Tod überall auftauchen? Ausgerechnet sie bringen Ricky schließlich auf eine heiße Spur – und damit tappt sie dem Mörder genau in die Falle …

Renegade. Tiefenrausch / J. A. Souders

Elysium liegt am Grund des Meeres, abgeschirmt vom Rest der Welt. Dort hat Mutter ein Paradies für jene Menschen geschaffen, die vor den Kriegen an der Oberfläche fliehen konnten. Allein ihr Gesetz garantiert das friedliche Zusammenleben in der Unterwasserstadt. Doch diese Ruhe ist teuer erkauft – Gefühle sind verboten, Berührungen unter Liebenden werden mit dem Tod bestraft. Die 16-jährige Evie vertraut auf das Wort von Mutter, denn schon bald soll sie über Elysium herrschen. Doch als Gavin, ein Mensch der Oberwelt, in Elysium eindringt, weckt der junge Mann Zweifel in ihr: Warum plagen sie Erinnerungslücken? Evie erkennt, dass sie Teil eines erbarmungslosen Plans ist, aus dem es für sie nur mit Gavin zusammen ein Entkommen gibt …

Frostfluch / Jennifer Estep

Das Abenteuer von Gwen Frost geht weiter: Ausgerechnet Logan Quinn soll der jungen Frau den Kampf mit Waffen beibringen. Denn Gwen schwebt, seit sie den »Schnittern des Chaos« in die Quere gekommen ist, in höchster Gefahr. Doch sie ist nicht nur an Logans Kampfkünsten interessiert … Als sie dann den attraktiven Preston kennenlernt, ist Gwens Gefühlschaos perfekt – und ihre lebensbedrohliche Lage fast vergessen. Die »Schnitter des Chaos« folgen Gwen jedoch überall hin. Sie wollen die junge Gypsy lieber tot als lebendig sehen – koste es, was es wolle …

Na, ist für euch etwas dabei? Habt ihr schon Bücher aus dem IVI-Verlag gelesen?

Funkensommer / Michaela Holzinger

Titel: Funkensommer

Autor: Michaela Holzinger

Seitenzahl: 249

Woher ich es habe: Von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten

Ich möchte mich recht herzlich beim Verlag Freies Geistesleben für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Funkensommer“ ist nach 4 bereits erschienenen Kinderbüchern das erste Jugendbuch der Österreicherin Michaela Holzinger und übrigens auch mein erstes Buch des Verlags Freies Geistesleben. Und beides würde ich einen vollen Erfolg nennen, denn Autorin und Verlag haben mich vollkommen überzeugt.

Handlung:

Hannah und Jelly sind seit dem Kindergarten die besten Freundinnen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Jelly mit ihrer allein erziehenden Mutter zusammenlebt und tolle Klamotten und ausgefallene Frisuren liebt, legt Hannah als Tochter eines Landwirts auf solche Dinge überhaupt keinen Wert. Sie selbst bezeichnet sich als graue Maus, die lieber ihre Tage an dem idyllischen Waldsee in ihrer Nähe verbringt als mit Ausgehen. Als die beiden noch klein waren, erzählte Hannahs Großmutter ihnen die Geschichte des kleinen Sees, in dem die Moorhexe ihr Unwesen treiben soll. In diesem Sommer, einem Sommer voller Liebe und Wut, harter Arbeit und Freude am Leben müssen Hannah und Jelly erkennen, dass hinter dieser Erzählung mehr steckt, als sie denken. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Eigene Meinung:

„Funkensommer“ besticht als erstes durch seine wunderschöne Gestaltung. Das Coverfoto ist sehr stimmungsvoll und ist perfekt auf Titel, Inhalt und Zielgruppe des Buches abgestimmt. Besonders ins Auge fällt der knallig gelbe Buchschnitt, der die farbenfroh-sommerliche Aufmachung noch unterstreicht. Nimmt man den Schutzumschlag ab, so kommt der petrolblaue Leineneinband zum Vorschein, dessen Verzierung im Inneren des Buches an jedem Kapitelanfang wieder aufgenommen wird. Hier hat man sich im Verlag wirklich Gedanken über die Präsentation des Buches gemacht, was mir sehr gut gefällt. Oft sind Titel und Innenleben so lieb- und einfallslos gestaltet; da ist es umso schöner, wenn ein Roman sich so von der Masse abhebt.

Der Roman wird aus Hannahs Perspektive in der Ich-Form und im Präsens erzählt. Das und eine sehr leichte, aber dennoch poetische, an die Zielgruppe angepasste Sprache geben dem Leser das Gefühl, sich mitten in der Geschichte zu befinden. Wie Hannah selbst eröffnet sich auch mir erst nach und nach das gesamte Ausmaß und die unglaubliche Tiefe der Handlung. Was wie ein locker-leichter Liebesroman für Teenies beginnt, wandelt sich im Verlauf der Handlung zu einer Geschichte über die verschiedensten Themen. So wird zum Beispiel das Leben auf einem Bauernhof geschildert, wie es wirklich ist. Hier wird keine ländliche Idylle gemalt, sondern davon erzählt, wie die Bauern im täglichen Konkurrenzkampf miteinander ihre Ernte einbringen müssen, wie abhängig sie vom Wetter und der Mithilfe ihrer Kinder sind. Und mir als Stadtkind wurde auch sehr schnell bewusst, wie Hannah sich fühlen muss. Für eine 16-Jährige muss sie schon viel Verantwortung übernehmen, denn ihr älterer Bruder Raphael kann seit einem Unfall vor einigen Monaten nicht mehr auf dem elterlichen Hof mithelfen.

Trost findet Hannah, neben der Freundschaft zu Jelly, vor allem in der aufkeimenden Liebe zu Finn. Als Sohn eines Vaters, der erwartet, dass der Sprössling einmal den elterlichen Betrieb übernimmt, kann er nachempfinden, wie sie sich fühlt. In zahlreichen Treffen an dem kleinen Waldsee nähern die beiden sich an, doch irgendwie scheint es eine Menge unerwarteter Hindernisse zu geben, die den beiden das Leben schwer machen. Da wäre zunächst Lena mit ihren blonden Engelslocken, die sich ebenfalls in Finn verliebt hat und zu allem Überfluss arbeitet Raphael, der seit seinem Unfall zu Jähzorn neigt, auch noch im Betrieb von Finns Vater und zieht die Beziehung der beiden gar nicht gern. So wird die Zuneigung der beiden immer wieder aufs Neue auf die Probe gestellt – eine Belastung, an der die Liebe zu zerbrechen droht.

Die Zeichnung der Charaktere ist Michaela Holzinger gut gelungen. Hannah war mir sofort sympathisch, ihre Trotzreaktionen gegenüber ihren Eltern und ihre Unsicherheit im Umgang mit ihrer ersten großen Liebe Finn waren für mich sehr glaubhaft dargestellt. Auch Raphael ist eine Figur, die ich gut nachvollziehen kann. Seit seinem Unfall ist er für die eigenen Eltern jemand, der Sorge und Mitleid zugleich auslöst. Er fühlt sich pausenlos kritisch beäugt; der Traum vom eigenen Bauernhof ist für ihn wie eine Seifenblase zerplatzt. Hilflos muss er zusehen, wie seine kleine Schwester Hannah nun seinem Platz einnehmen muss, obwohl sie die Arbeit auf dem Hof hasst und lieber Tierärztin als Bäuerin werden möchte.

Und dann ist da noch die Jelly, die eigentlich Jellena heißt und aus Bosnien stammt. Sie und ihre Mutter sind es, die mit ihrer Geschichte eine ungeahnte Tiefe in die Handlung bringen. Bereits im Prolog wird angedeutet, dass die beiden ein Geheimnis umgibt, das eng mit der Legende von der Moorhexe verknüpft ist. Für den Leser – wie für Hannah auch – ergibt diese eine Szene zwischen den beiden Mädchen erst am Ende des Romans einen Sinn. Es ist eine traurige Szene, mit einem ernsten Thema, die verdeutlicht, wie wichtig Familie und Freundschaft sind. Ins Detail geht die Autorin hier nicht, vermutlich auch mit dem Blick auf ihre Zielgruppe, aber dennoch bleibt man als Leser nachdenklich und heiter zugleich zurück, denn trotz aller Probleme ist „Funkensommer“ eben auch die Geschichte einer zarten ersten Liebe. Ich werde die Autorin und die Neuerscheinungen des Verlags jetzt auf jeden Fall im Auge behalten.

Fazit: Ein sommerlich-leichter Jugendroman mit einem ernsten Unterton, der ein wenig an die Romane von Isabel Abedi erinnert.