Night Beach / Kirsty Eagar

Titel: Night Beach

Autor: Kirsty Eagar

Seitenzahl: 315

Woher ich es habe: bei fishpond.com bestellt

„Night Beach“ ist nach „Raw Blue“ schon mein zweiter Roman aus der Feder der Australierin Kirsty Eagar. Es ist ihr insgesamt dritter Roman, den zweiten – „Saltwater Vampires“  – hatte ich auch schon hier gezeigt, er ist allerdings noch ungelesen. Die Bücher von Kirsty Eagar sind leider immer noch nicht in Deutschland zu beziehen, deswegen habe ich auch wieder auf fishpond.com bestellt. Wen das aber nicht abschreckt, den erwarten wirklich wunderschöne Romane, die ganz anders sind, als alles, was ich bisher aus diesem Bereich gelesen habe. Weitere Informationen zu „Night Beach“ gibt es hier und hier.

Handlung:

Die 17-jährige Abbie lebt abwechselnd bei ihren geschiedenen Eltern. Beiden haben bereits einen neuen Partner und Abbies Vater und seine Freundin Michelle erwarten sogar ein Baby. Abbie fühlt sich einsam und isoliert: Ihre Schwester Anna studiert in einer 4 Stunden entfernten Stadt, ihre beste Freundin hat nur noch Augen für ihren neuen Freund und auch mit Abbies bestem Freund Hollywood steht nicht alles zum Besten. Doch es gibt immerhin 3 Dinge, denen Abbies ganze Leidenschaft gilt: die Kunst, das Meer und Kane, ihr Stiefcousin, der mit ihr den Sommer über bei Abbies Mutter und ihrem Partner Brian verbringt. Doch dieses Jahr ist Kane erstaunlich früh zurückgekehrt und erscheint vollkommen verändert. Schon bald wird Abbie klar, dass Kane von seiner letzten Surfreise etwas mit zurück gebracht hat, ein dunkles Wesen, das ihm wie ein Schatten folgt. Und dieses Geschöpf streckt seine Klauen nun nach Abbie aus…

Meine Meinung:

„Night Beach“ erinnert von seinen Grundelementen her zunächst stark an „Raw Blue“. Auch Abbie ist ein Surfer Girl; sie liebt das Meer, egal ob bei Sonnenschein oder Regen stürzt sie sich am Strand in die Fluten. Und wie Carly musste auch Abbie sich ihren Platz unter den Surfern hart erkämpfen, denn die Surfergemeinschaft hat ihre eigenen Regeln und Fremde wie Kane sind dort ungern gesehen. Abbie hat ebenfalls kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Ihr Vater scheint völlig auf seine neue Familie fixiert und ihre Mutter erlebt der Leser als eine sehr kaltherzige Frau, die ihre Töchter mit Mißachtung straft. Ihren Großvater hingegen hat Abbie abgöttisch geliebt, doch leider ist er schon vor einiger Zeit verstorben. So bleiben ihr nur einige Erinnerungsstücke an die Zeit mit ihm, allen voran ein Kerzenhalter, den er ihr vor seinem Tod geschenkt hatte. Abbie ist, wie Carly auch, eine Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt, die man aber auch oft genug an den Schultern rütteln möchte. Vor allem die Beziehung zu ihrer Mutter und die fast schon krankhafte Liebe zu Kane belasten die junge Frau extrem und es war mir unverständlich, was sie sich alles von den beiden gefallen lässt. Kane hingegen blieb mir den gesamten Roman über fremd, er ist sehr verschlossen und kalt, die schönen Momente, in denen er Abbie respektvoll behandelt, sind an einer Hand abzuzählen. Im Prinzip stammen Abbie und Kane aus 2 verschiedenen Welten, aber vielleicht macht das auch für sie die Faszination aus.

Während „Raw Blue“ jedoch immer im Rahmen der Realität bleibt, kommen in „Night Beach“ fantastische, fast schon surreale Handlungselemente hinzu. Denn von seiner letzten Reise hat Kane unwillentlich ein dunkles Geschöpf mitgebracht, das ihm wie ein Schatten folgt. Die Beschreibung dieser Kreatur, ihres Aussehens und Verhaltens, wie es sich mit seinen Klauen in die Schultern seiner Opfer gräbt, hat mich stark an die Darstellung von Nachtmahren erinnert. Dieses Wesen wirkt, als sei es einem Alptraum entsprungen und bereits bevor Abbie es zum ersten Mal sieht, lassen mir bereits die Vorboten seiner Ankunft die Haare zu Berge stehen. Schatten scheinen sich zu verselbstständigen, Kane versinkt oft in einer Trance und kann sich später nicht mehr erinnern, was er gesagt oder getan hat, es verschwinden Gegenstände aus Abbies Zimmer und geheimnisvolle Botschaften tauchen am Strand auf. Abbie vertraut sich zwar ihrer Schwester an, muss aber letztendlich doch mit allem selbst fertig werden, denn obwohl Kane das dunkle Geschöpf ebenfalls zu sehen scheint, ist er nicht bereit, mit ihr darüber zu sprechen.

Besonders berührt und gefesselt haben mich die Szenen, in denen Abbie dem geheimnisvollen Wesen begegnet. Diese Begegnungen finden am Night Beach statt, dem Ort, dem der Roman seinen Titel verdankt. Dieser Strand ist ein düsterer Ort, der sich bei jedem Besuch von Abbie verändert, ein Ort, an dem niemals die Sonne scheint und an dem man immer allein ist. Abbie gelangt auf unterschiedliche Weise dort hin und was sie dort erlebt, das geht einem zu Herzen und man wünscht sich unweigerlich, jemand möge die junge Frau aus diesem Apltraum befreien. Doch das kann Abbie nur ganz allein und vor allem darf sie nicht zu lange am Night Beach bleiben, sonst gibt es von dort kein Zurück mehr.

Es fällt mir wirklich schwer, „Night Beach“ zu beschreiben. Wie „Raw Blue“ ist es ein besonderes Buch, das einen nach dem Lesen lange nicht loslässt. Ein Buch, das zwar in sich abgeschlossen ist, aber so viele Fragen offen lässt und so viele Gedanken heraufbeschwört. Die Sprache der Autorin macht dabei einen großen Teil dieser Faszination aus. Kirsty Eagar gelingt es, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Auch wenn sie scheinbar nur alltägliche Dinge schildert, hänge ich an jedem einzelnen Buchstaben. Aus jedem Satz, jedem Wort, jeder ihrer großartigen Beschreibungen spricht dabei die Liebe zum Meer, es ist Ort des Geschehens, Handlungsmotor und Protagonist zugleich. Und jeder, der diese Leidenschaft mit der Autorin teilt, wird ihre Bücher lieben. Ich freue mich deshalb jetzt schon auf meine Lektüre der „Saltwater Vampires“ und wünsche mir noch weitere Romane dieser großartigen Autorin.

Fazit: Ein grandioses Buch über die Reise einer jungen Frau zu sich selbst.

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2 Kommentare zu “Night Beach / Kirsty Eagar

  1. Das klingt wirklich total interessant. Welches der beiden Bücher würdest du mir denn als Einstieg empfehlen? Mit deinen Rezis hast du mich richtig neugierig gemacht 🙂 Ich mag Fantasy-Elemente eigentlich recht gerne, soll ich mich dann vielleicht einfach an diesem Buch hier versuchen?

    • Also, wenn Du eher etwas mit übernatürlichen Elementen lesen möchtest, dann würde ich Dir „Night Beach“ empfehlen, „Raw Blue“ ist eher ein Roman über ein persönliches Schicksal. Je nachdem, worauf Du im Moment mehr Lust hast.

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