Trix Solier. Odyssee im Orient / Sergej Lukianenko

Titel: Trix Solier. Odyssee im Orient (Neposeda / Непоседа)

Autor: Sergej Lukianenko

Seitenzahl: 589

Woher ich es habe: von Blogg dein Buch zur Rezension erhalten.

Ich möchte mich recht herzlich beim Beltz Verlag für die Übersendung des Buches bedanken. Bestellen könnt ihr es übrigens hier.

„Trix Solier“ ist der zweite Teil der Reihe um den jungen Zauberlehrling Trix und seine Freunde. Leider scheint dieser Band die Reihe auch schon abzuschließen, so lauten zumindest die Quellen, die ich im Internet dazu finden konnte. Schade, ich hätte gerne noch mehr von Trix, Tiana, Klaro und all den anderen gelesen. Aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist, nicht wahr?

Handlung:

Nach seinen Abenteuern in Band 1 ist Trix inzwischen wieder in den Turm seines Mentors Radeon Sauerampfer zurückgekehrt. Die Handlung setzt zur Jahreswende ein, genauer gesagt kurz vor dem Alten Neuen Jahr. Während Sauerampfer zu einer Neujahrsfeier gegangen und sogar Annette, Trix Blumenfee, ausgeflogen ist, um das Neue Jahr gebührend zu begrüßen, findet sich Trix allein und verlassen wieder. Doch diese Einsamkeit ist nur von kurzer Dauer, denn schon wenige Augenblicke später landet ein echter, wenn auch noch recht junger Drache auf dem Turmdach. Ilin Badulla Mummrich, so der wahre Name des Drachen, hat sich von zuhause fortgestohlen, um den großen Magier Sauerampfer um Hilfe zu bitten. Und da dieser verhindert ist, liegt es nun an seinem Lehrling Trix, an dessen Stelle nach Samarschan und den Drachen zur Hilfe zu heilen, denn der böse Zauberer Abrakadasab, genannt der Mineralisierte Prophet, will die gesamte Welt unterwerfen. So macht Trix sich auf Ilins Rücken auf eine abenteuerliche Reise, auf der er alte Freunde aber auch Feinde wiedersehen wird. Eine Reise, die ihn durch Wüsten und Oasen führen wird, auf der er sich auf Drachen, Kamelen, Besen und sogar in einem Automobil fortbewegt, eine Reise, die ihn so manchem Gegenspieler, aber vor allem sich selbst näherbringt.

Eigene Meinung:

Band 2 der Reihe um Trix setzt kurz nach den Geschehnissen von Band 1 ein und führt die Geschichte in gewohnter, wenn nicht noch höherer Qualität fort. Die liebevolle äußere Gestaltung der Bände spiegelt sich auch im Inneren wider und ich muss gestehen, dass ich keine Jugendbuchreihe kenne, deren Sprache und Stil mit „Trix Solier“ zu vergleichen sind. Sprachlich anspruchsvoll, gespickt mit Fremdworten und einem durchaus komplexen, kunstvollen Satzbau hebt sie sich deutlich von dem ab, was man als Leser dieses Genres sonst gewohnt ist. Ein Lob an die Übersetzerin Christiane Pöhlmann, der es gelungen ist, Lukinanenkos Wortwitz und seine phantasievollen Ideen so gekonnt ins Deutsche zu übertragen. Denn davon lebt „Trix Solier“ in meinen Augen, von den Anspielungen an das Fantasy-Genre, sei es an gängige Klischees oder bekannte Werke wie Tolkiens „Herr der Ringe“ oder Rowlings „Harry Potter“. Mit einem herrlich ironischen, humorvollen Unterton nimmt der Autor die phantastische Literatur aufs Korn, zeigt aber auch in jeder Szene, in jedem Satz gleichzeitig seine Liebe zum Genre. Einzig einige Fremd- bzw. etwas altmodisch anmutende Wörter wie „polken“, „bullern“ oder „barmen“ hätten doch durch etwas modernere Ausdrücke ersetzt werden können. Denn sie können zwar mehr oder minder aus dem Zusammenhang erschlossen werden, jedoch ist die eigentlich Zielgruppe des Romanes ja doch etwas jünger und wird vermutlich über diese Formulierungen stolpern. Zumindest ein Glossar am Ende des Romans wäre wünschenswert gewesen.

Neben Sprache und Stil ist ein weiteres großes Plus, dass nahezu alle lieb gewonnen Figuren aus dem ersten Band wieder auftauchen, seien es die Fürstin Tiana, der freche kleine Hallenberry oder der grausame Vitamant Gavar. Hinzukommt eine Reihe neuer Charaktere, die man ebenso sofort ins Herz schließt wie den Drachen Ilin, die Zwergin Gruja oder den Händler Wasab. Jede Figur ist bis ins Detail ausgearbeitet und so lebhaft beschrieben, dass man sie als Leser klar vor Augen hat. Darüber hinaus versteht Lukianenko es auch, seine Figuren nicht nur schwarz-weiß zu zeichnen, sondern auch Grautöne zuzulassen. So gibt es im Verlauf des Romans immer wieder Momente, in denen man Trix, einem absoluten Sympathieträger, gerne einmal einen Tritt verpassen möchte, denn seine intelligente, wortgewaltige Art schlägt doch leicht ins Besserwisserische um. Auf der anderen Seite ist es ein Leichtes, an eigentlich „bösen“ Protagonisten wie Gavar, Abrakadasab oder Trixs Cousin Derrick etwas Liebens- und Bewundernswertes zu finden. So bleibt die Geschichte stets spannend und abwechslungsreich.

Die Verlagerung der Handlung in das orientalische, wüstenhafte Samarschan gibt ihr einen Anstrich von Tausendundeiner Nacht. Man fühlt sich wie in ein Märchen versetzt und möchte gerne selbst durch Dachrians Basare streifen, sich mit einer Karawane auf die Reise begeben und einen echten Dschinn kennen lernen. Und die Geschichte hat ja auch wirklich alles, was ein guter Abenteuerroman braucht: verschiedene Völker (Drachen, Gnome, Nixen, Dschinns und Minotauren), Gegenspieler und echte Freunde, kluge Herrscher und Despoten, Kämpfe, Rätsel und natürlich auch ein wenig Liebe. Im Verlauf der Handlung ist jedoch deutlich zu spüren, dass unser Protagonist sich weiterentwickelt hat. War Trix noch im ersten Band ein verwöhnter, extrem selbstverliebter kleiner Zauberlehrling aus gutem Hause, so beginnt er sich doch auf seiner Reise zu verändern – und das liegt nicht nur an seiner zarten Liebe für die Fürstin Tiana. Trix ist erwachsener geworden, er beginnt sich über die Welt und ihre Zusammenhänge Gedanken zu machen.  Nicht umsonst hat Sergej Lukianenko „Trix Solier“ in einem Interview einmal einen Adoleszenzroman genannt und ich muss gestehen: der ernste, der bedachtere Trix, der bedingungslos für seine Freunde einsteht und auch einmal Fehler zugeben kann, gefällt mir klar besser.

Mit „Trix Solier. Odyssee im Orient“ ist dem Autor wirklich eine Fortsetzung gelungen, die dem Vorgängerband in nichts nachsteht – im Gegenteil; für mich war Band 2 noch phantasievoller, noch witziger, noch intelligenter als Band 1 und sogar mit dem Ende des Romans war ich vollauf zufrieden, obwohl ich da doch immer sehr kritisch bin. Schon lange nicht mehr habe ich über ein Jugendbuch so gelacht, vor allem die Szene vor den Toren der alten Hauptstadt (Wer den Roman bereits gelesen hat, wird wissen, was ich meine!) und die Geschehnisse in der Assassinenschule sind einfach grandios. Ich wünschte wirklich, es gäbe noch weitere Bände, denn ich bin so gespannt, was weiter mit Trix und seinen Freunden, aber auch seinen Feinden geschieht.

Fazit: ein außergewöhnliches Jugendbuch, das mit seinem Humor und seinen Charakteren begeistert!

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4 Kommentare zu “Trix Solier. Odyssee im Orient / Sergej Lukianenko

  1. Ich habe den ersten Teil abgebrochen. Irgendwie komme ich mit Lukianenko nicht klar. Das ist mir schon bei seiner Wächter-Reihe aufgefallen… Schade eigentlich, da seine Bücher alle so interessant klingen…

    • Die Wächter-Reihe habe ich nicht gelesen, ich habe nur Band 1 als Film gesehen und den fand ich doch recht unterirdisch. Aber mein Freund mag die Wächter sehr, vielleicht wage ich mich da irgendwann noch ran.

      Schade, dass Trix Dir nicht gefallen hat!

  2. Ich habe mich mit Band eins auch sehr, sehr schwer getan. Ich habe ihn zuende gelesen, fand aber die Geschichte wirklich zäh.
    Das Einzige, wovon ich wirklich begeistert war, war die Sprache. Das scheint hier ja wieder so wunderbar zu sein,

    Mir ist sogar aufgefallen, dass ich die Personen, die du so aufzählst gar nicht mehr wirklich einordnen kann. Siehst du mal, wie wenig mich das Buch interessiert hat.

    Von deinen drei aufgezählten Wörtern, kenne ich nur „bullern“. Und das auch nur in der Bedeutung „aggressiv klopfen“. Also dass man gegen eine Wand bullert, wenn es bei Nachbars zu laut ist. Aber das kann hier ja auch schon wieder anders gemeint sein.

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