Erebos / Ursula Poznanski

Titel: Erebos

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 486

Woher ich es habe: gebraucht bei Ebay ersteigert

„Erebos“ ist nach „Saeculum“ nun schon mein zweiter Roman von Ursula Poznanski und ich muss sagen, dass mich beide gleichermaßen begeistert haben. Sie waren packend von der ersten Seite an und deswegen freue ich mich schon wahnsinnig auf „Fünf“ und muss dann auf weitere spannende Lektüre von Frau Poznanski warten und hoffen.

Handlung:

Nick Dunmore ist ein typischer Jugendlicher. Er trifft sich mit seinen Freunden, spielt leidenschaftlich gern Basketball und ist unglücklich verliebt in seine Mitschülerin Emily Carver. Doch diese Normalität verändert sich schlagartig, als eine geheimnisvolle CD die Runde an der Schule macht. Denn darauf befindet sich Erebos, ein ganz besonderes Computerspiel mit einer Vielzahl von Regeln. Alle Mitspieler müssen über Erebos schweigen, sie dürfen sich nicht untereinander austauschen und müssen stets nur allein spielen. Schon bald ist Nick, wie die meisten seiner Mitschüler, von Erebos regelrecht besessen. Mit seinem Dunkelelf Sarius zieht er durch die düstere Onlinewelt, trifft an Lagerfeuern neue Verbündete und schlägt tapfere Kämpfe. Doch dann beginnt Erebos, sich auch in die reale Welt einzumischen.

Eigene Meinung:

Wie bei „Saeculum“ gefällt mir auch das Cover von „Erebos“ sehr gut. Vom Titel blickt den Leser ein schwarzes Auge auf rotem Grund an, ganz wie Erebos seine Spieler zu beobachten scheint. Autoren- und Romanname sind in den Buchdeckel eingestanzt, wirken aber durch die „verwaschene“ Gestaltung des Covers eher geheimnisvoll als klar und deutlich. Generell kann man sagen, dass Titel und Inhalt eine gelungene Einheit bilden. „Erebos“ wird in der dritten Person aus Nicks Perspektive erzählt. So bleibt der Leser immer ganz nah beim Protagonisten und weiß daher selbst immer nur so viel, wie dieser bereits über Erebos herausgefunden hat. Nur hin und wieder finden sich Einschübe, die eindeutig nicht von Nick stammen, doch erst ganz gegen Ende kann der Leser diese sicher einer bestimmten Quelle zuordnen.

Nick als Protagonist war mir weder sympathisch noch unsympathisch. Er ist ein ganz normaler Jugendlicher, mit einer normalen Familie ohne tragischen Hintergrund, wie es ihn in so vielen anderen Jugendbüchern stets zu geben scheint. Auf der einen Seite gefiel mir dieser Umstand sehr gut, auf der anderen Seite führt diese Durchschnittlichkeit dazu, dass Nick für mich lange Zeit sehr flach blieb und erst gegen Ende des Romans etwas an Profil gewann. Interessanter waren da für mich Charaktere wie Emily, Jamie, Victor oder sogar der unausstehliche Colin, denn sie alle hatten Ecken und Kanten, Macken und Vorzüge. Vor allem die stets etwas traurig wirkende Emily, die Gedichte und Geschichten schreibt und sich vehement von Erebos fernhält, hat es mir angetan. Sie hat eine eigene, gefestigte Persönlichkeit und Prinzipien, an denen sie sich festhält.

Die Onlinewelt von Erebos ist sehr detailreich geschildert und es wird deutlich, dass Ursula Poznanski hier genau recherchiert hat. Von der grundsätzlichen Idee und der enormen Sogwirkung, die das Spiel entwickelt, erinnert es an Rollenspiele der Gegenwart und an die immer wieder geführte Debatte über die Gefahr von Computerspielen, seien es nun Shooter oder Fantasy-Rollenspiele. Doch Erebos hat diesen Spielen etwas voraus: es greift in die Realität ein, verteilt Aufgaben, belohnt den einen und bestraft den anderen Spieler. Auch Nick erhält nach und nach Aufträge. Mal soll er eine versiegelte Kiste von A nach B befördern, mal eine ihm unbekannte Person beschatten und Fotos davon schießen. Nick wundert sich zwar und fühlt sich auch zunehmend beobachtet und verfolgt, doch Skrupel machen sich bei ihm erst bemerkbar, als das Spiel von ihm verlangt, einen Menschen zu töten.

„Erebos“ ist nicht nur ein Roman über die Welt der Computerspiele, sondern auch darüber, wie einfach vor allem junge Menschen zu manipulieren sind. Getarnt als Quests im Spiel müssen Nick und seine Mitschüler andere bespitzeln, bedrohen und sogar Gewalt ausüben. Nur wenige haben den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen Erebos zur Wehr zu setzen. Alle anderen verhalten sich wie Herdentiere und tun das, was die anderen um sie herum eben auch tun. Denn eines schafft Erebos: es verbindet die Jugendlichen. Obwohl sie nicht miteinander über das Spiel kommunizieren dürfen, wird deutlich, dass allein das Wissen um Erebos einen zu einem gefragten, beliebten Menschen macht, wer ablehnt oder – noch schlimmer – gar nicht erst ins Spiel eingeladen wird, ist als Außenseiter abgestempelt. Diese Spaltung in 2 Gruppen ist so deutlich, dass sogar beste Freunde wie Nick und Jamie sich darüber entzweien. Trotz all dieser Themen, die angesprochen werden, ist „Erebos“ kein moralisches Buch. Es will nicht warnen oder appellieren, es zeichnet einfach nur nach, was geschehen könnte und zwar überall, nicht nur in London, wo der Roman spielt.

Der Schluss des Buches kam für mich nicht unerwartet, auch wenn ich die Details im Verlauf nicht voraussehen konnte. Und obwohl mir klar war, was hinter Erebos stecken muss, war ich von der Auflösung doch etwas ernüchtert. Außerdem ergaben sich für mich nach dem Lesen einige Ungereimtheiten, die nicht erklärt wurden, auf die ich hier aber auch nicht näher eingehen kann, ohne zu viel zu verraten. Trotz dieser kleinen Kritikpunkte ist „Erebos“ aber ein Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Fazit: Ein Jugendbuch, das von der ersten Seite an in seinen Bann zieht!

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7 Kommentare zu “Erebos / Ursula Poznanski

  1. Erebos hatte ich innerhalb weniger Stunden aufgesaugt! Ein geniales Buch, dass jedem Jungen im Alter von ca. 14 Jahren in die Hand drücken würde. 😉

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