Die Toten von Sandhamn / Viveca Sten

Titel: Die Toten von Sandhamn (I grunden utan skult)

Autor: Viveca Sten

Seitenzahl: 349

Woher ich es habe: bei Vorablesen gewonnen

„Die Toten von Sandhamn“ ist nach „Tödlicher Mittsommer“ und „Tod im Schärengarten“ der dritte Band der Reihe um den Kommissar Thomas Andreasson und seine Jugendfreundin Nora Linde. Immer, wenn ich einen neuen Band der Reihe nach dem Lesen zuschlage, wünsche ich mir, ich würde die schwedische Sprache beherrschen, denn im Original sind bereits 4 Bände erschienen und die Autorin schreibt an Band 5.

Handlung:

Auf Sandhamn verschwindet eines Winterabends die 20-jährige Lina. Thomas nimmt mit seinen Kollegen die Ermittlungen auf, doch die junge Frau bleibt verschwunden. Einige Monate später machen ausgerechnet Noras Söhne beim Spielen im Wald eine grausame Entdeckung: Linas abgetrennten Arm. Während Nora nun neben der Trennung von Henrik auch noch mit den Ängsten ihrer Kinder zurechtkommen muss, folgt Thomas der Spur des Täters, die ihn weit in die Vergangenheit zurückführen wird. Und auch im Privatleben des sympathischen Kriminalkommissars geht es turbulent zu, denn ihm steht das erste Treffen mit seiner Ex-Frau Pernilla bevor, seit die beiden ihre gemeinsame Tochter zu Grabe tragen mussten.

Eigene Meinung:

Endlich gibt es neuen Lesestoff von Thomas und Nora! Die beiden sind mir im Verlauf der Reihe wirklich ans Herz gewachsen, weil sie keine Übermenschen sind, sondern wie Du und Ich mit alltäglichen Problemen zu kämpfen haben. So muss Nora beispielweise in diesem Band erfahren, dass ihr Ehemann Henrik sie ganz klischeehaft mit einer Krankenschwester betrügt. Das versetzt der Beziehung, die bereits seit Band 2 gebröckelt hatte, den Gnadenstoß und Nora sieht sich bereits als allein erziehende Mutter. Zu allem Überfluss mischt sich auch noch Noras herrische Schwiegermutter in alles ein – ich fühle wirklich mit ihr! Thomas hingegen hatte sich schon im letzten Band von seiner Freundin Carina getrennt. Noch immer hat er unter dem Tod seiner kleinen Tochter zu leiden, für den er indirekt seine Ex-Frau verantwortlich macht. Doch als er Pernilla bei einem gemeinsamen Essen zum ersten Mal seit Jahren wiedersieht, muss er sich eingestehen, dass er ihr gegenüber vieles falsch gemacht hat. Und auch Pernilla kann Thomas einfach nicht vergessen. Es ist den beiden wirklich zu wünschen, dass sie wieder zueinander finden, auch wenn ich noch nicht recht daran glauben kann.

Die Kriminalhandlung ist dieses Mal relativ unspektakulär: ein Mädchen aus gutem Elternhaus verschwindet und Monate später wird ein Körperteil von ihr vergraben im Wald gefunden. Die Ermittlungen stagnieren jedoch, das Team um Thomas findet einfach nicht die richtigen Hinweise und ausgerechnet der Hauptverdächtige hat ein Alibi für die Tatzeit. In Einschüben wird außerdem die Geschichte des jungen Gottfrid und seiner Frau Vendela erzählt. Vom Tod seines Vaters an begleitet der Leser Gottfrid durch die Jahre und muss erleben, wie dieser seine Frau und seinen Sohn misshandelt, die Tochter aber vergöttert. Lange Zeit werden die Handlungsstränge parallel geschildert und erst am Schluss des Romanes wird eine Verbindung zur Gegenwart hergestellt.

Persönlich fand ich die Reise in die Vergangenheit Sandhamns zwar interessant, aber irgendwie fehlte mir der Charme und die einzigartige Atmosphäre auf der kleinen Schäreninsel. In den ersten beiden Bänden war diese so perfekt eingefangen, dass man als Leser das Gefühl hatte, selbst dort zu sein und jeden Bewohner und jedes Fleckchen der Insel zu kennen. In diesem Band bleibt Sandhamn für mich sehr blass und wenig greifbar. Eigentlich ist die Insel auch nur schmückendes Beiwerk, denn die Handlung hätte so an jedem Ort der Welt geschehen können und das ist leider nicht das, was ich von Viveca Sten gewohnt bin. Bei der Stange hielt mich so vor allem die Neugier, wer für Linas Tod verantwortlich ist und wo die Verbindung zu den Einschüben aus der Vergangenheit liegt. Und natürlich wollte ich ebenso wissen, wie es Thomas und Nora weiter ergehen würde.

Die Auflösung war für mich dann auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Erzählte tatsächlich der Grund für solch ein grausames Verbrechen sein kann, aber vielleicht kann ich mich auch nicht ausreichend in die Figuren hineinversetzen. Ihr Leben ist mir doch recht fremd. Und natürlich ist es auch wieder Nora, die die entscheidenden Impulse gibt, den Täter zu stellen. Manchmal fragt man sich doch, wozu die Kriminalpolizei noch gebraucht wird, wenn es doch immer Laien sind, die die Lösung des Falles herbeiführen. Was meine beiden Lieblingsprotagonisten angeht, so endet der Roman zumindest für einen von beiden mit einem riesigen Cliffhanger, der mich verzweifeln lässt, denn auf die deutsche Übersetzung von Band 4 werde ich wohl noch ein gutes Jahr warten müssen. Und dann hoffe ich auch, dass Viveca Sten zu ihrer alten Form zurückgefunden hat.

Fazit: Der schwächste Band der Reihe, der Fans der Reihe aber sicherlich trotzdem in seinen Bann ziehen wird.

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