Saeculum / Ursula Poznanski

Titel: Saeculum

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 493

Woher ich es habe: bei Ebay ersteigert

„Saeculum“ ist nach „Erebos“ der zweite Jugendthriller der Österreicherin Ursula Poznanski, die zuvor bereits einige Kinderbücher veröffentlicht hatte. Ihren ersten Erwachsenenthriller „Fünf“ werde ich auf Fall auch noch lesen, denn ich habe sowohl „Saeculum“ als auch „Erebos“ verschlungen.

Handlung:

Bastian, Sohn aus gutem Hause und fleißiger Medizinstudent, hat vor kurzem die hübsche Sandra an der Uni kennengelernt. Schon bald erzählt diese ihm von ihrer Rollenspielgruppe „Saeculum“ und lädt ihn zu einem Live-Rollenspiel in einer verlassenen Gegend in Österreich ein. Gemeinsam mit 11 anderen jungen Rollenspielern machen sich die beiden auf, um 5 Tage in der Wildnis zu verbringen: ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne Handy und völlig eins mit ihrer Rolle, denn während des Spiels ist jede Erwähnung der modernen Welt verboten. Am Spielort angekommen entwickelt sich jedoch alles anders als geplant: Sandra ist auf einmal seltsam abweisend zu Bastian und zu allem Überfluss scheint auf der Landschaft auch noch ein Fluch zu lasten. Als nach und nach immer mehr Gruppenmitglieder verschwinden, muss Bastian sich fragen, wem er noch vertrauen kann und ob es sich bei dem unsichtbaren Feind tatsächlich um einen Geist oder doch um einen Verräter aus Fleisch und Blut handelt.

Eigene Meinung:

„Saeculum“ ist für einen Thriller einfach perfekt gestaltet. Das Cover ist mit seinen dunklen, laublosen Bäumen auf weißem Grund recht simpel, aber doch sehr passend, denn es fängt die Stimmung, die unter den Rollenspielern im Buch herrscht, sehr gut ein. Auffallend ist auch der schwarze Schnitt und der leicht erhöht eingestanzte Buchtitel. Schlägt man die ersten Seiten auf, so wird der Blick sofort auf die verzierten Anfangsbuchstaben eines jeden Kapitels und auf die weiß auf schwarz gedruckten Einschübe gelenkt, in denen immer wieder Dialoge zweier unbekannter Personen eingeflochten werden. Diese ergeben jedoch erst ganz am Ende des Romans einen Sinn, zumindest mir konnten sie während des Lesens keine brauchbaren Hinweise geben.

Bastian ist ein Protagonist, der mir von Beginn an sehr sympathisch war. Äußerlich und auch charakterlich ist er (zumindest am Anfang) der Inbegriff eines Strebers: ein fleißiger Medizinstudent mit guten Noten und einem wohlhabenden Vater, der sich natürlich wünscht, dass der Sohn später einmal in seine Fußstapfen tritt. Dabei ist ihm jedoch gleichgültig, was sein Sohn eigentlich mit seinem Leben anfangen möchte – Bastians Vater ist ein wirklich unangenehmer, eiskalter Geschäftsmann, dem ich nur ungern begegnen würde. Als Bastian Sandra und damit auch ihre Rollenspielclique kennenlernt, ist er sofort fasziniert. Der Gedanke, 5 Tage völlig frei in der Natur zu verbringen, ohne Pflichten und ohne Zwänge, gefällt ihm und so nimmt er Sandras Einladung zu dem Rollenspielwochenende an. In einem Telefonat mit seinem Vater, der von dieser Idee alles andere als begeistert ist, wagt Bastian zum ersten Mal in seinem Leben den Schritt, sich dafür zu entscheiden, was er selbst gerne möchte. Hier bekommt der Leser schon einen kurzen Blick darauf, was noch so alles hinter der Fassade des folgsamen Strebers steckt. Ebenso interessant war für mich Iris. Zu Beginn teilte ich Sandras Meinung über die verschlossene, oft schroffe junge Frau, die so verletzlich wirkt, wenn sie auf ihrer Harfe spielt. Im Verlauf der Handlung entwickelte sie sich aber zu einem meiner liebsten Charaktere. Ich bewundere die Stärke, die trotz allem, was sie erlebt hat, noch in ihr wohnt und dass sie es schafft, all das hinter sich zu lassen und neu anzufangen.

Der Autorin ist es gelungen, mich von der ersten Seite an in ihren Bann zu ziehen, denn ihr Roman hat wirklich alles, was ein guter Jugendthriller haben muss. Die Personen sind alle sehr gut durchdacht – einige von ihnen, so wie Steinchen, wachsen einem sofort ans Herz, andere lernt man erst im Verlauf der Handlung lieben bzw. hassen. Die Atmosphäre auf Mittelalterjahrmärkten und in einer solchen Rollenspielgruppe hat Ursula Poznanski wirklich gut eingefangen, man merkt, dass hier ausführlich und sauber recherchiert wurde. Ich hatte immer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, mit den Spielern durch den Wald zu pirschen und Aufgaben und Rätsel zu lösen.

Als die ersten Personen aus dem Lager verschwinden, scheint ein Ruck durch die Gruppe zu gehen. Einige sind völlig entsetzt und vor Angst beinahe gelähmt, andere wachsen über sich hinaus und wagen viel, um die Gruppe zu schützen. Freunde werden zu Verrätern, es werden Allianzen gebildet und Pläne geschmiedet. Bei den Spielern liegen die Nerven blank, sie misstrauen einander und beschuldigen sich gegenseitig. Jede Bewegung, jede Handlung, jede Aussage wird kritisch beäugt, denn die Spieler müssen befürchten, den Täter mitten unter sich zu haben. Als Leser ist man fasziniert und schockiert zu gleich, wie weit einige Personen gehen, um sich selbst zu retten und wie manipulierbar einige der jungen Leute sind. Doch ich habe mich selbst auch immer wieder gefragt: wie würde ich handeln? Was würde ich glauben? Wem würde ich noch vertrauen?

Ein exzellenter Schachzug der Autorin ist auf jeden Fall das Einbauen der Legende um die verfluchte Blutgruft. Den kompletten Roman über tappte ich wie Bastian im Dunkeln. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Überzeugung, dass alle Ereignisse doch wohl eine völlig logische Erklärung haben müssten und dem Glauben an den Fluch, der so plastisch in die Geschichte eingewebt war. Zwischendurch hatte ich zwar immer wieder meine Verdächtigungen und Theorien, doch erst ganz am Ende setzten sich all die Mosaiksteinchen für mich zu einem Gesamtbild zusammen. Die Auflösung hat mir überaus gut gefallen, auch wenn ich mit ihr am allerwenigsten gerechnet hatte. Was für mich aber den Roman noch lesenswerter macht, sind 2 Dinge: einmal die Beschreibung der Dynamik, die eine solche Gruppe in extremen Situationen entwickelt und auf der anderen Seite Bastians unglaubliche Entwicklung von einem Ja-Sager hin zu einem jungen Mann, der weiß, was er will.

Fazit: Ein toller Jugendthriller, der Erwachsene gleichermaßen begeistern wird und Lust auf weiteren Lesestoff von Ursula Poznanski macht.

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4 Kommentare zu “Saeculum / Ursula Poznanski

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