Gastrezension: Chronik des Cthulu-Mythos / H.P. Lovecraft

Hier ist also meine allererste Gastrezension für Euch, geschrieben von meinem Verlobten. Ich hoffe, sie gefällt euch!

Titel: Chronik des Cthulu-Mythos I und II

Autor: H.P. Lovecraft

Seitenzahl: 512 (Band I) und 460 (Band II)

Liebe Leser/innen des Seitengeflüsters, 

bevor wir an das Eingemachte gehen, möchte ich mich erst einmal bedanken, mit der folgenden Rezension die Rubrik der Gastrezensionen eröffnen zu dürfen und wünsche weiterhin viel Spaß mit fantastischen Büchern und Geschichten. Euer Ansgar

Ausgabe und Formales:

Der Festa-Verlag, welcher sich seit seiner Gründung 2001 mit seinem Portfolio aus Autoren wie Brian Lumley, Dan Simmons und Clark Ashton Smith im Segment für Horror, Thriller und Fantasy etablieren konnte, hat am 20.10. und 12.12.2011 die vollständigen Werke von Howard Phillips Lovecraft (* 20. August 1890 in Providence, Rhode Island, USA; † 15. März 1937 ebenda) zum Cthulu-Mythos in zwei Bänden a 13,95 Euro verlegt. Band 1 enthält elf, Band 2 sechs Geschichten von jeweils unterschiedlicher Länge. Gerade in Band 1 sind viele der kürzeren Werke zu finden. Nicht enthalten sind andere Arbeiten Lovecrafts, wie z.B. seine Prosa und Essays, da sich der Verlag, wie später dargelegt, hingebungsvoll um jene Geschichten der Fantastik gekümmert hat, die einst Lovecrafts Ruhm begründeten.

Die Bücher wurden im Paperback verlegt, werden beide sowohl auf der Front als auch auf der Rückseite von Kreaturen aus Lovecrafts Werken geziert und machen somit die Zuordnung zum Genre des Horrors einfach. Die Struktur des Einbandes ahmt in seiner Haptik Leder nach, das Material ist jedoch Kunststoff und lässt, im Gegensatz zu den Bildern, die doch leicht kitschig geraten sind, das Buch wertiger erscheinen. Grandios finde ich dagegen, dass die Buchrücken mit einem auf die Bände aufgeteilten Bild eines aus einem aufgeschlagenen Buch lesenden Lovecraft verziert sind, das sich natürlich nur ergibt, wenn man die Bücher nebeneinander ins Regal stellt.

Inhalt:

Ich bitte an dieser Stelle zu verzeihen, dass ich eher weniger auf die Inhalte der einzelnen Geschichten eingehen werde, als auf die Gesamtkomposition des Buches. Jeder der zwei Bände, sowie jede einzelne der Geschichten innerhalb eines Bandes, werden von einem Vorwort des deutschen Lovecraft-Forschers Marco Frenschkowski eingeleitet, wodurch man viel zum Leben von Lovecraft und zur Entstehung der einzelnen Geschichten erfährt. Mal erzählt Frenschkowski, wie es zu der Veröffentlichung einer Geschichte kam, mal entschlüsselt er Anspielungen in der Erzählung. Jedenfalls gibt er dem geneigten Leser ein ungeheures Hintergrundwissen, wobei er jedoch wissenschaftlich bleibt, so dass man nicht das Gefühl hat, er plaudere aus dem Nähkästchen. Dabei räumt er sogar jenen Lovecraftforschern Raum ein, mit deren Thesen er nicht unbedingt einverstanden ist, was Frenschkowski meiner Meinung nach hoch anzurechnen ist, da er sich für den Leser um alle Facetten des Wissens um Lovecraft bemüht. Was mir gut gefällt, ist die chronologische Anordnung der Erzählungen, da man so auch die Weiterentwicklung Lovecrafts als Autor verfolgen kann.

In allen Geschichten Lovecrafts, die dem Cthulu-Mythos zuzuordnen sind, geht es um den Einbruch des Fantastischen, des Unheimlichen, ja sogar des Grauenhaften in die reale Welt, bis auf einige Ausnahmen dargestellt an fiktiven oder realen Orten in der US-amerikanischen Region Neuengland an der nördlichen Ostküste, welche die heutigen Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont umfasst. Hier lassen sich unter anderem „Schatten über Innsmouth“ und „Der Fall des Charles Dexter Ward“ als Beispiele anführen. Lovecraft konnte sich Zeit seines Lebens aufgrund seiner beschränkten finanziellen Mittel nie weit von seiner Heimatstadt Providence entfernen, auch wenn er von Reisen an fremde, abenteuerliche Orte träumte, was er auch zuweilen in seinen Erzählungen verarbeitet. Zu nennen wären hier die Geschichten „Die Berge des Wahnsinns“(Antarktis), „Stadt ohne Namen“ (Ruinen in der Wüste) und „Die Musik des Erich Zann“ (Paris, respektive Frankreich im Allgemeinen). Der oben erwähnte Einbruch des Fremden wird von Geschichte zu Geschichte variiert dargestellt. Mal berichtet ein Schiffbrüchiger von fremdartigen Erlebnissen, die letztlich ein sonnenstichbedingtes Delirium gewesen sein könnten. Mal wird von einen jungen Mann erzählt, der Ahnenforschung betreibt und eine schreckliche Entdeckung über seine Abstammung macht. Dann wieder geht es um einen kleinen Asteroid der vom Himmel fällt und die grausamen Folgen des Einschlages für einen Bauernhof. Oft versuchen die Protagonisten, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen, was letztlich Folgen für ihre geistige Gesundheit hat, wenn sie die unausweichliche Wahrheit akzeptieren müssen.

Die Geschichten sind meist in der Berichtsform geschrieben und passen sich sprachlich in gewissem Rahmen dem jeweiligen Berichterstatter an. Anzuführen wäre hier wiederum „Die Berge des Wahnsinns“ in dem ein Wissenschaftler von einer Expedition in die Antarktis berichtet. Lovecraft lässt hier immer wieder in Beschreibungen von Orten, Objekten oder Geschehnissen den wissenschaftlichen Hintergrund des Protagonisten durchscheinen, in dem er ihn sehr nüchtern und wissenschaftlich, aber dennoch spannend, berichten lässt. Lovecrafts Sprache ist allgemein gesehen sehr adjektivreich, aber meiner Meinung nach ist diese Menge an Adjektiven wohlüberlegt platziert, um Gefühle des Lesers zu wecken oder Eindrücke zu verstärken. Der heutige Leser sei daran erinnert, das Lovecraft für ein anderes Publikum, in einer anderen Zeit schrieb. So mag uns die teils häufige Verwendung von Adjektiven wie „zyklopisch“ oder „hadesartig“ befremden, aber möglicherweise waren diese Ausdrücke zur Zeit Lovecrafts einfach geläufiger als heute. Dies spiegelt sich auch in der Art der Geschehnisse wieder. So mag früher ein Nekromant, der Tote erweckt, noch tatsächlich eine grausige Vorstellung in der Horrorliteratur gewesen sein, heutzutage ist eine solche Thematik selbst für Fantasyliteratur vergleichsweise unspektakulär. Verstehen Sie mich nicht falsch, liebe Leser, die Geschichten sind durch die grandiose Sprache Lovevrafts sehr spannend und oft tatsächlich gruselig, aber die heutige Horrorliteratur sieht sich, gerade wegen Pionieren wie Lovecraft, dazu genötigt, deutlich härter zugange zu sein, weswegen ich ihn aktuell eher der Fantasy als dem Horror zuordnen würde.

Solche semantischen Spitzfindigkeiten sollten sie jedoch nicht von dem unglaublichen Lesevergnügen, das Lovecraft, Frenschkowski und der Festa-Verlag hier bieten, abhalten. Ich selbst hatte mit den anfänglich kürzeren Geschichten einen etwas langsameren Start, muss aber zugeben, dass Lovecraft sich spätestens mit meinem „Kurzgeschichten“-Favoriten „Die Musik des Erich Zann“ (dicht gefolgt von „Die Farbe aus dem All“) zu einem Page-Turner entwickelt. Von den längeren Geschichten möchte ich ausdrücklich „Der Fall des Charles Dexter Ward“ sowie „Schatten über Innsmouth“ empfehlen. Am gerechtesten wird man dem Werk jedoch, wenn man es in der vorgegebenen Reihenfolge liest.

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5 Kommentare zu “Gastrezension: Chronik des Cthulu-Mythos / H.P. Lovecraft

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