Archiv | April 2012

Top Ten Thursday #61

Ja, ich gebe es zu, ich bin mal wieder einen Tag zu spät dran! Trotzdem möchte ich gerne noch an Alices Top Ten Thursday teilnehmen. Diese Woche ist folgendes gefragt:

10 Sach- bzw. Fachbücher aus eurem Bücherregal

In meinem Regal stehen tatsächlich gar nicht mal so wenige Sach- bzw. Fachbücher, natürlich je nachdem, was man genau dazu zählt. Ich wähle bei mir jetzt einfach mal 10 Titel aus, die nicht zur erzählenden Literatur gehören, querbeet durch alle Sachgebiete:

  1. Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt / Umberto Eco (Studium)
  2. Die deutsche Literatur des Barock / Marian Szyrocki (Studium)
  3. Das große Welttheater / Richard Alewyn (Studium)
  4. Brecht-Handbuch in 5 Bänden (Studium, für mich als Brecht-Fan ein Muss!)
  5. Vogelspinnen / Peter Klaas (Haustiere, das Standardwerk, falls sich jemand von euch eine Vogelspinne zulegen möchte. ;))
  6. Taggeckos / Hans-Peter Berghof (Haustiere)
  7. Ihr Hobby: Zwerghamster / Christine Wilde (Haustiere, eines der wenigen Hamsterbücher auf dem Markt, das auch etwas taugt)
  8. Genial italienisch / Jamie Oliver
  9. Alles in Butter. Rezepte zum Glücklichsein / Horst Lichter
  10. Schnelle Sterneküche / Gordon Ramsay

So, das wären meine 10 Bücher für heute, womit ihr jetzt auch wisst, dass ich mein Studium geliebt habe, welche Haustiere ich halte und welches meine liebsten Köche sind. (Wobei ich eigentlich eher meinen Verlobten kochen lasse, ich backe lieber.) Nächste Woche fragt Alice übrigens nach „10 Büchern, die ihr innerhalb von einem Tag verschlungen habt (oder max. 2 Tage)“. Da fallen mir bestimmt einige ein, ich habe nämlich bei meinen letzten beiden Romanen seit langem mal wieder Nachtschichten eingelegt. Die kommen auf jeden Fall auf die Liste!

Tribute von Panem – Die Verfilmung

Am Sonntag habe ich es auch endlich mal wieder ins Kino geschafft und mir dort natürlich die „Tribute von Panem“ angesehen. Zusammenfassend hat mir der Film recht gut gefallen, ich möchte aber noch auf einige Dinge gesondert eingehen.

Die Schauspieler

Zum größten Teil fand ich die Rollen grandios besetzt. Ich muss ja gestehen, dass ich zunächst mit Lenny Kravitz als Cinna nichts anfangen konnte, aber er passt wirklich perfekt zu seiner Rolle. Auch Katniss, Snow, Effi und die restlichen Tribute finde ich gut so. Haymitch war mir hingegen aber noch zu „schön“, ich hatte ihn mir weitaus ungepflegter und beleibter vorgestellt und seine aüßerst einnehmende Persönlichkeit (*zwinker*) kam in der Verfilmung nicht wirklich rüber. Er durfte sich ja noch nicht mal auf Effis Schuhe übergeben. Noch unzufriedener war ich mit Gale – warum musste das denn bitte so ein Surferboy-Typ von Mann sein? Gale jagt, er ist den ganzen Tag draußen, da müsste sein Gesicht doch etwas wettergegerbter sein und generell hat er auf mich nicht erwachsen genug gewirkt. Im Buch hatte ich immer das Gefühl, Gale ist bereits ein Mann, während Peeta noch ein richtiger Bubi ist. Im Film sind mir beide zu bubihaft.

Die Kulisse

Mit der Darstellung der Distrikte und des Kapitols mit ihren jeweiligen Bewohnern bin ich sehr zufrieden. In meiner Vorstellung waren die Menschen im Kapitol zwar nicht alle solch bunte Vögel, ich finde das aber durchaus passend. Es symbolisiert, was für eine Gesellschaft das ist, die sich dem Leid der anderen ergötzt und selbst auf großem Fuße lebt, während in den Distrikten der Hunger regiert. Auch die Arena ist sehr gut gelungen, eine perfekte Mischung aus modernster Technik und unberührter Natur.

Die Umsetzung der Handlung

An sich ist der Film ja sehr nah an der Textvorlage und das schätze ich auch an ihm. Einige Dinge wurden aber dennoch weggelassen oder verändert – und während mich manche Änderungen nicht gestört haben, stören mich einige Details umso mehr. Zunächst hätte ich mir ein wenig mehr Hintergrundgeschichte gewünscht, etwas mehr Informationen darüber, warum die Hungerspiele entstanden sind und wie die Situation der Menschen in den Distrikten ist. Es wurde zum Beispiel in einem Nebensatz erwähnt, dass Gale 42 Lose im Topf hat, aber dabei nicht erklärt, dass er den Großteil dieser Lose gegen Waren getauscht hat, um seiner Familie das Überleben zu sichern. Katniss schärft Prim zwar ein, auf keinen Fall Dinge gegen Lose zu handeln, aber deutlich wird die verzweifelte Situation der Familien nicht. Schade fand ich auch, dass in der Verfilmung nicht erzählt wird, wie Katniss eigentlich an die Spotttölpelbrosche kam, denn dass die Tochter des Bürgermeisters und damit eine Person, die dem Kapitol treu ergeben sein sollte, ihr diese schenkt, das ist ja bereits eine erste und sehr wichtige Form des Widerstands.

Und mein größter Kritikpunkt: Die Dreiecksgeschichte um Katniss, Gale und Peeta. Im Buch werden Katniss verwirrte Gefühle und ihre Zweifel daran, ob Peeta nun die Wahrheit sagt oder nur ein Spiel für die Zuschauer mit ihr treibt, sehr detailliert dargestellt. Im Film wirkt es so, als würde Katniss Gale einfach durch Zufall im Wald treffen. Es wird nicht deutlich, wie lange und wie tief sie befreundet sind, dass sie in der Schuld des jeweils anderen stehen und dass ihre Beziehung kurz davor steht, sich für immer zu verändern. Stattdessen wird uns eine Liebesgeschichte zwischen Katniss und Peeta präsentiert, die aus dem Nichts heraus entsteht. Nur am Ende, als Katniss und Peeta in ihr Distrikt zurückkehren, wird in dem Blick, den sie Gale zuwirft wenigstens etwas deutlich, was sie wohl fühlen mag. Von dem Bruch, der zwischen Katniss und Peeta am Ende von Band 1 entsteht, weil sie zugibt, die Liebesgeschichte nur „mitgespielt“ zu haben, ist nichts zu sehen.

Fazit

Eine durchaus gelungene Umsetzung, die ich mir an einigen Stellen noch etwas buchtreuer gewünscht hätte.

Gastrezension: Chronik des Cthulu-Mythos / H.P. Lovecraft

Hier ist also meine allererste Gastrezension für Euch, geschrieben von meinem Verlobten. Ich hoffe, sie gefällt euch!

Titel: Chronik des Cthulu-Mythos I und II

Autor: H.P. Lovecraft

Seitenzahl: 512 (Band I) und 460 (Band II)

Liebe Leser/innen des Seitengeflüsters, 

bevor wir an das Eingemachte gehen, möchte ich mich erst einmal bedanken, mit der folgenden Rezension die Rubrik der Gastrezensionen eröffnen zu dürfen und wünsche weiterhin viel Spaß mit fantastischen Büchern und Geschichten. Euer Ansgar

Ausgabe und Formales:

Der Festa-Verlag, welcher sich seit seiner Gründung 2001 mit seinem Portfolio aus Autoren wie Brian Lumley, Dan Simmons und Clark Ashton Smith im Segment für Horror, Thriller und Fantasy etablieren konnte, hat am 20.10. und 12.12.2011 die vollständigen Werke von Howard Phillips Lovecraft (* 20. August 1890 in Providence, Rhode Island, USA; † 15. März 1937 ebenda) zum Cthulu-Mythos in zwei Bänden a 13,95 Euro verlegt. Band 1 enthält elf, Band 2 sechs Geschichten von jeweils unterschiedlicher Länge. Gerade in Band 1 sind viele der kürzeren Werke zu finden. Nicht enthalten sind andere Arbeiten Lovecrafts, wie z.B. seine Prosa und Essays, da sich der Verlag, wie später dargelegt, hingebungsvoll um jene Geschichten der Fantastik gekümmert hat, die einst Lovecrafts Ruhm begründeten.

Die Bücher wurden im Paperback verlegt, werden beide sowohl auf der Front als auch auf der Rückseite von Kreaturen aus Lovecrafts Werken geziert und machen somit die Zuordnung zum Genre des Horrors einfach. Die Struktur des Einbandes ahmt in seiner Haptik Leder nach, das Material ist jedoch Kunststoff und lässt, im Gegensatz zu den Bildern, die doch leicht kitschig geraten sind, das Buch wertiger erscheinen. Grandios finde ich dagegen, dass die Buchrücken mit einem auf die Bände aufgeteilten Bild eines aus einem aufgeschlagenen Buch lesenden Lovecraft verziert sind, das sich natürlich nur ergibt, wenn man die Bücher nebeneinander ins Regal stellt.

Inhalt:

Ich bitte an dieser Stelle zu verzeihen, dass ich eher weniger auf die Inhalte der einzelnen Geschichten eingehen werde, als auf die Gesamtkomposition des Buches. Jeder der zwei Bände, sowie jede einzelne der Geschichten innerhalb eines Bandes, werden von einem Vorwort des deutschen Lovecraft-Forschers Marco Frenschkowski eingeleitet, wodurch man viel zum Leben von Lovecraft und zur Entstehung der einzelnen Geschichten erfährt. Mal erzählt Frenschkowski, wie es zu der Veröffentlichung einer Geschichte kam, mal entschlüsselt er Anspielungen in der Erzählung. Jedenfalls gibt er dem geneigten Leser ein ungeheures Hintergrundwissen, wobei er jedoch wissenschaftlich bleibt, so dass man nicht das Gefühl hat, er plaudere aus dem Nähkästchen. Dabei räumt er sogar jenen Lovecraftforschern Raum ein, mit deren Thesen er nicht unbedingt einverstanden ist, was Frenschkowski meiner Meinung nach hoch anzurechnen ist, da er sich für den Leser um alle Facetten des Wissens um Lovecraft bemüht. Was mir gut gefällt, ist die chronologische Anordnung der Erzählungen, da man so auch die Weiterentwicklung Lovecrafts als Autor verfolgen kann.

In allen Geschichten Lovecrafts, die dem Cthulu-Mythos zuzuordnen sind, geht es um den Einbruch des Fantastischen, des Unheimlichen, ja sogar des Grauenhaften in die reale Welt, bis auf einige Ausnahmen dargestellt an fiktiven oder realen Orten in der US-amerikanischen Region Neuengland an der nördlichen Ostküste, welche die heutigen Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont umfasst. Hier lassen sich unter anderem „Schatten über Innsmouth“ und „Der Fall des Charles Dexter Ward“ als Beispiele anführen. Lovecraft konnte sich Zeit seines Lebens aufgrund seiner beschränkten finanziellen Mittel nie weit von seiner Heimatstadt Providence entfernen, auch wenn er von Reisen an fremde, abenteuerliche Orte träumte, was er auch zuweilen in seinen Erzählungen verarbeitet. Zu nennen wären hier die Geschichten „Die Berge des Wahnsinns“(Antarktis), „Stadt ohne Namen“ (Ruinen in der Wüste) und „Die Musik des Erich Zann“ (Paris, respektive Frankreich im Allgemeinen). Der oben erwähnte Einbruch des Fremden wird von Geschichte zu Geschichte variiert dargestellt. Mal berichtet ein Schiffbrüchiger von fremdartigen Erlebnissen, die letztlich ein sonnenstichbedingtes Delirium gewesen sein könnten. Mal wird von einen jungen Mann erzählt, der Ahnenforschung betreibt und eine schreckliche Entdeckung über seine Abstammung macht. Dann wieder geht es um einen kleinen Asteroid der vom Himmel fällt und die grausamen Folgen des Einschlages für einen Bauernhof. Oft versuchen die Protagonisten, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen, was letztlich Folgen für ihre geistige Gesundheit hat, wenn sie die unausweichliche Wahrheit akzeptieren müssen.

Die Geschichten sind meist in der Berichtsform geschrieben und passen sich sprachlich in gewissem Rahmen dem jeweiligen Berichterstatter an. Anzuführen wäre hier wiederum „Die Berge des Wahnsinns“ in dem ein Wissenschaftler von einer Expedition in die Antarktis berichtet. Lovecraft lässt hier immer wieder in Beschreibungen von Orten, Objekten oder Geschehnissen den wissenschaftlichen Hintergrund des Protagonisten durchscheinen, in dem er ihn sehr nüchtern und wissenschaftlich, aber dennoch spannend, berichten lässt. Lovecrafts Sprache ist allgemein gesehen sehr adjektivreich, aber meiner Meinung nach ist diese Menge an Adjektiven wohlüberlegt platziert, um Gefühle des Lesers zu wecken oder Eindrücke zu verstärken. Der heutige Leser sei daran erinnert, das Lovecraft für ein anderes Publikum, in einer anderen Zeit schrieb. So mag uns die teils häufige Verwendung von Adjektiven wie „zyklopisch“ oder „hadesartig“ befremden, aber möglicherweise waren diese Ausdrücke zur Zeit Lovecrafts einfach geläufiger als heute. Dies spiegelt sich auch in der Art der Geschehnisse wieder. So mag früher ein Nekromant, der Tote erweckt, noch tatsächlich eine grausige Vorstellung in der Horrorliteratur gewesen sein, heutzutage ist eine solche Thematik selbst für Fantasyliteratur vergleichsweise unspektakulär. Verstehen Sie mich nicht falsch, liebe Leser, die Geschichten sind durch die grandiose Sprache Lovevrafts sehr spannend und oft tatsächlich gruselig, aber die heutige Horrorliteratur sieht sich, gerade wegen Pionieren wie Lovecraft, dazu genötigt, deutlich härter zugange zu sein, weswegen ich ihn aktuell eher der Fantasy als dem Horror zuordnen würde.

Solche semantischen Spitzfindigkeiten sollten sie jedoch nicht von dem unglaublichen Lesevergnügen, das Lovecraft, Frenschkowski und der Festa-Verlag hier bieten, abhalten. Ich selbst hatte mit den anfänglich kürzeren Geschichten einen etwas langsameren Start, muss aber zugeben, dass Lovecraft sich spätestens mit meinem „Kurzgeschichten“-Favoriten „Die Musik des Erich Zann“ (dicht gefolgt von „Die Farbe aus dem All“) zu einem Page-Turner entwickelt. Von den längeren Geschichten möchte ich ausdrücklich „Der Fall des Charles Dexter Ward“ sowie „Schatten über Innsmouth“ empfehlen. Am gerechtesten wird man dem Werk jedoch, wenn man es in der vorgegebenen Reihenfolge liest.

Neu bei mir: Gastrezensionen

Schon seit einiger Zeit trage ich die Idee mit mir herum, hin und wieder auf meinem Blog Gastrezensionen zu veröffentlichen. Entstanden ist der Gedanke, weil mein Verlobter und ich zwar Lesen als gemeinsames Hobby teilen, er aber doch immer wieder Bücher liest, die ich zwar interessant finde, aber selbst nicht unbedingt lesen möchte. Deshalb fragte ich ihn, ob er nicht das eine oder andere ausgewählte Buch hier auf meinem Blog vorstellen möchte und er hat „ja“ gesagt. Ihr könnt also noch dieses Wochenende die erste Gastrezension auf Seitengeflüster lesen. Wenn es nach mir geht, soll das aber nur der Anfang sein…

Wer sich also unter euch vorstellen kann, Gastrezensent auf meinem Blog zu werden, der darf sich gerne bei mir melden. Das könnte man natürlich auch gut mit einer Blogvorstellung oder einem kleinen Interview verbinden. Uns fällt da sicher etwas ein! 😉

Sixteen Moons / Kami Garcia & Margaret Stohl

Titel: Sixteen Moons. Eine unsterbliche Liebe (Beautiful Creatures)

Autoren: Kami Garcia & Margaret Stohl

Seitenzahl: 544

Woher ich es habe: bei Arvelle gekauft

„Sixteen Moons“ ist Band 1 der Reihe um Ethan und Lena. Auf Deutsch ist auch schon der zweite mit dem Titel „Seventeen Moons“ erschienen, im Original sind bereits 3 Bände erhältlich.

Handlung: 

Nach dem Tod seiner Mutter lebt der 16-jährige Ethan allein mit seinem Vater in dem kleinen amerikanischen Städtchen Gatlin. Ethans Vater, ein Schriftsteller, kann den Verlust seiner Frau einfach nicht ertragen und zieht sich deshalb tagelang in sein Arbeitszimmer zurück. Seinen Sohn nimmt er kaum noch wahr. Ethans Halt und seine einzigen festen Bezugspersonen sind die Haushälterin Amma, die für Ethan wie eine Großmutter ist, und sein bester Freund Link. Nachts träumt der Junge immer wieder denselben Traum, in dem er versucht, ein ihm unbekanntes Mädchen zu retten. Eines Tages sieht sich Ethan überraschender Weise genau diesem Mädchen gegenüber, denn Lena ist seine neue Mitschülerin. Doch Lena scheint etwas zu verbergen…

Eigene Meinung:

Die Handlung wird aus Ethans Perspektive in der Ich-Form erzählt. Er ist ein starker Charakter mit einer sehr sympathischen Art, die den Leser sofort für ihn einnimmt. Man kann aus jedem Wort, aus jeder Zeile einen intelligenten, jungen Mann herauslesen, der sich in seinem momentanen Leben gefangen fühlt. Denn Gatlin, die Kleinstadt, in der er lebt, bietet nicht gerade ein ereignisreiches Leben. Neuen Gesichtern begegnen die Bewohner grundsätzlich mit Argwohn. Das muss auch Lena feststellen, der noch dazu der Makel anhaftet, die Nichte des „verrückten“ Macon zu sein, der am Stadtrand in einer düsteren Villa haust. Mit Lenas Auftauchen wird Ethan noch deutlicher, wie unwohl er sich eigentlich in Gatlin fühlt und wie lange er die Grüppchenbildung und die Ablehnung Menschen gegenüber, die anders sind, schweigend hingenommen hat. Also stellt er sich auf die Seite von Lena und ihrer Familie und wird damit in der Kleinstadt immer mehr zum Außenseiter.

Ich muss gestehen, dass die Konstruktion der Handlung für mich doch etwas klischeehaft anmutet. Ethan lebt in einer amerikanischen Kleinstadt, in der es vor verbohrten und ignoranten Bewohnern nur so wimmelt. Noch dazu hat er seine Mutter unter seltsamen Bedingungen verloren, der Kontakt zu seinem Vater ist nahezu unmöglich. In dieser Situation beginnen auch seine Träume von Lena, aus denen er nachts oft aufschreckt, nur um dann festzustellen, dass Spuren des Traums in seinem Zimmer und an seiner Kleidung zurückgeblieben sind. Ein gängiges Motiv, das ich so oder so ähnlich schon in einer Vielzahl von Jugendbüchern gelesen habe. Noch dazu weiß Ethan natürlich schon bei der ersten Begegnung, dass Lena die Liebe seines Lebens ist, auch wenn die mit ihrem Verhalten und Charakter im Allgemeinen nicht unbedingt besticht.

Die Idee der hellen und dunklen Caster, die ihr Schicksal nicht selbst in die Hand nehmen können, war für mich zwar interessant, dennoch wurde für mich nur wenig greifbar, was einen Caster nun ausmacht und was ihn von anderen Fantasygestalten wie den Magiern oder Zauberern unterscheidet. Wie sind die Caster entstanden? Woher kommen sie? Was ist ihre Aufgabe in der Welt? All diese Fragen drängten sich mir im Verlauf der Handlung geradezu auf – beantwortet wurde nicht eine davon! Ebenfalls gestört hat mich, wie in der gesamten Handlung über Ethan gesprochen und wie er beurteilt wird. Immer wieder wird von den unterschiedlichsten Personen betont, dass Ethan im Gegensatz zu Lena „nur ein normaler Sterblicher“ sei, dass er zu schwach sein könnte, um Lenas Schicksal zu tragen. Eine Aussage, die mich wahnsinnig geärgert hat, zumal Ethan derjenige ist, der am meisten Aktion zeigt. Er ist derjenige, der handelt, wenn die versammelten Caster mit einer Situation überfordert sind. Er ist es, der Lena mit allen Mitteln zu schützen versucht, wenn die sich mal wieder in ein Häufchen Selbstmitleid verwandelt hat. Meiner Meinung nach sind es auch gerade die menschlichen Charaktere wie Link, Amma oder Marian, die die Handlung tragen und bestimmen, wenn man einmal von Macon absieht.

Der Schluss des Romans hat mich natürlich traurig gestimmt, auf der anderen Seite war ich aber auch enttäuscht. Ich hatte gehofft, dass das eine oder andere Rätsel der Handlung aufgeklärt wird, doch an sich haben die beiden Autorinnen das Meiste einfach nur in den nächsten Band aufgeschoben. Denn im Detail betrachtet hat sich die Situation der beiden Protagonisten nicht sehr verändert. Falls ich Band 2 also noch lesen werde, dann hoffe ich auf einige Erklärungen und auf eine stärkere Wertschätzung Ethans.

Fazit: Ein solides Jugendbuch, das jedoch an einigen Klischees krankt und nur durch einige starke Charaktere aufgewertet wird.