Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet / Alan Bradley

Titel: Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet (The sweetness at the bottom of the pie)

Autor: Alan Bradley

Seitenzahl: 379

Woher ich es habe: gebraucht gekauft

„Mord im Gurkenbeet“ ist der erste Teil der Reihe um die kleine Giftmischerin Flavia de Luce. Auf Deutsch sind inzwischen schon 2 weitere Teile erschienen – „Mord ist kein Kinderspiel“ und „Halunken, Tod und Teufel“ – im Original sind es schon vier Bände, geplant sind aber noch einige weitere.

Handlung:

Die 11-jährige Flavia ist anders als andere Kinder im selben Alter, denn sie hegt ein großes Interesse für die Chemie und verbringt am liebsten den ganzen Tag in ihrem eigenen Labor. Mit ihren beiden Schwestern Ophelia und Daphne verbindet sie eine leidenschaftliche Hassliebe. Während die beiden Flavia regelmäßig gefesselt und geknebelt in den Wandschrank sperren, experimentiert die kleine Giftmischerin gerne mit Ophelias Lippenstift oder macht sich über die Leseratte Daphne lustig. Harriet, die Mutter der drei Mädchen ist leider bereits gestorben, und so leben sie nur mit ihrem schweigsamen und unnahbaren Vater und dem Angestellten Dogger auf dem Anwesen Buckshaw. Als Flavia eines Nachts einen Sterbenden im hauseigenen Gurkenbeet findet und der Verdacht sofort auf ihren Vater fällt, ist ihr eines klar: sie selbst muss den Mörder dingfest machen, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen.

Meine Meinung:

Als erstes möchte ich auf das Cover der deutschen Ausgabe eingehen, denn die gefällt mir wirklich gut. Genau so wie das Mädchen auf dem Titel habe ich mir Flavia vorgestellt, ein wenig wie Wednesday aus der „Addams Family“ – unscheinbar, fast schon ein wenig gruselig mit dunklen Haaren und definitiv ein kleines Mädchen, das man gerne unterschätzt. Und mit diesem kleinen Mädchen steht und fällt die gesamte Handlung. Ich denke, man kann die altkluge, sehr erwachsene und intelligente Flavia nur lieben oder hassen, etwas dazwischen gibt es wohl nicht. Ich für meinen Teil liebe Flavia – ich liebe ihre trockene Art, ihre Begeisterung für alles Chemische und ihre bedingungslose Loyalität zu denen, die sie liebt. In anderen Rezensionen habe ich immer wieder gelesen, dass sie vielen  zu intelligent, zu wagemutig war, aber für mich macht gerade das den Reiz des Buches aus. Und es geht ja nun nicht darum, wie realistisch es ist, dass sich eine 11-Jährige so verhält. Da muss man sich  – meiner Meinung nach – einfach auf die Handlung einlassen.

„Mord im Gurkenbeet“ ist, wie der Titel schon verrät, ein Kriminalroman, der sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche geeignet ist. Und an Flavia ist wirklich eine Detektivin verloren gegangen, denn als sie eines Nachts völlig überraschend einen Unbekannten im Gurkenbeet findet, der ihr nur noch das Wort „Vale“ zuraunen kann, erschreckt oder ekelt sie sich nicht. Im Gegenteil: Sie ist fasziniert und beginnt auf der Stelle in guter alter Sherlock Holmes-Manier zu ermitteln. Sie ist es auch, die den zum Tatort gerufenen Inspektor Hewitt zur Leiche führt und ihn mit dem Geständnis überrascht, sie habe den mysteriösen Mann getötet. Denn der hatte sich am Tag zuvor heftig mit ihrem Vater gestritten und Flavia versucht nun, ihren Vater vor einer Mordanklage zu beschützen. Überhaupt zeigt sich immer wieder deutlich in der Geschichte, dass Flavia nicht immer nur die kluge, kleine Giftmischerin ist, sondern auch ein ganz normales Mädchen, das seine Nase gerne in Dinge steckt, die es nichts angehen, sich aber manchmal auch am liebsten in den Arm ihres Vater werfen möchte. Doch der scheint in seiner eigenen Welt zu leben, was vielleicht erklärt, warum Flavia sich eben mit anderen Dingen beschäftigen musste.

Die Sprache des Romans ist einfach herrlich. Vor allem Flavia hat eine sehr ehrliche, trockene und witzige Sprache. Sie analysiert gerne Menschen und Situationen um sich herum und gibt dann die passenden Kommentare dazu ab. Aber auch die anderen Charaktere sind wundervoll gestaltet, vor allem die Bewohner von Buckshaw. Egal, ob das die eitle Ophelia oder die ruhigere Daphne ist, der wenig intelligente Dogger oder die Haushälterin Mrs. Mullet, deren Backkünste gefürchtet sind – alle sind authentisch und ab der ersten Zeile sympathisch. Die Handlung an sich ist sehr spannend erzählt, wie es sich eben für einen richtigen Krimi gehört. Da die Geschichte aus Flavias Perspektive in Ich-Form geschildert wird, weiß man als Leser immer nur genau so viel, wie diese inzwischen aufgedeckt hat. Man sieht sich selbst auf ihrem geliebten Fahrrad, das sie Gladys nennt, die Hügel hinabrasen, recherchiert mit ihr in alten Zeitungen und befragt die Dorfbewohner. Am meisten hat mich die Szene bewegt, als Flavia ihren inzwischen als Hauptverdächtigen festgenommenen Vater im Gefängnis besucht und er ihr seine Lebensgeschichte erzählt. Hier lernt man eine ganz andere Seite der kleinen Chemikerin kennen, mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Die Auflösung des Kriminalfalls in der Geschichte kam für mich nicht allzu überraschend, denn sie hatte sich in den letzten Kapitel doch recht deutlich abgezeichnet. Aber das ist ja auch nicht ausschlaggebend – wichtig war für mich nämlich eher zu erfahren, wie Flavia es schaffen würde, den wahren Täter zu finden und ihn dingfest zu machen. Gut gefallen hat mir auch, dass es sich bei „Mord im Gurkenbeet“ zwar um den ersten Teil einer Reihe handelt, die Geschichte an sich aber in sich abgeschlossen ist. Dennoch liegt bereits der zweite Teil auf meinem SUB, denn ich möchte unbedingt wissen, wie es mit Flavia und ihrer Familie weitergeht und welche mörderischen Abenteuer sie noch erlebt.

Fazit: Ein wundervoller Kriminalroman für Erwachsene und Jugendliche, der von seiner charmanten Protagonistin lebt.

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2 Kommentare zu “Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet / Alan Bradley

  1. Vielen Dank für die schöne Rezi! Das Buch streiche ich regelmäßig von meiner Wunschliste, nur um es dann wieder drauf zu setzen 😉 Aber so wie du das beschreibst werde ich ihm jetzt wohl endgültig eine Chance geben. Ich mag eigentlich Bücher mit jungen Hauptpersonen nicht (mehr) so gerne, aber Flavia hört sich sehr sympathisch an. Das ist bestimmt einen Versuch wert.

    • Es freut mich, dass ich Dir mit meiner Rezension helfen konnte. 😉 Inzwischen gibt es ja Band 1 und 2 auch im Taschenbuch. Man muss also gar nicht mehr so viel Geld ausgeben, um die Reihe mal auszuprobieren. Ich bin gespannt, wie Du es finden wirst.

      PS: Darf ich Deinen Blog bei mir verlinken? 🙂

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