The man who rained / Ali Shaw

Titel: The man who rained

Autor: Ali Shaw

Seitenzahl: 264

Woher ich es habe: selbst gekauft

„The man who rained“ ist nach „The girl with glass feet“ der 2. Roman des Briten Ali Shaw. Nachdem ich von seinem Debütroman bereits so begeistert war, konnte und wollte ich auf keinen Fall auf die Übersetzung warten und so zog das englische Original vor einigen Wochen in mein Bücherregal ein.

Handlung:

Nach dem Tod ihres Vaters fühlt sich die 29-jährige Elsa in New York nicht mehr wohl. Sie sehnt sich immer mehr nach einem Ort, an dem sie noch nie zuvor gewesen ist, einem Ort, den sie nur einmal aus dem Fenster eines Flugzeugs gesehen hat: Thunderstown. Und so lässt Elsa tatsächlich eines Tages ihren Freund, der ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht hat, und ihre Mutter zurück und folgt ihrem Schicksal in den kleinen Ort mit den extremen Wetterschwankungen. Bei einer Wanderung durch die Berge begegnet Elsa schließlich Finn und ist sofort von ihm fasziniert. Doch Finn ist kein normaler junger Mann – er trägt einen Sturm in sich.

Meine Meinung:

Mit „The man who rained“ begibt sich Ali Shaw inhaltstechnisch nicht unbedingt auf neues Terrain. Auch in seinem zweiten Roman sind Außenseiter Dreh- und Angelpunkt der Handlung, die aus einer auktorialen Erzählperspektive geschildert wird. Elsa erinnert dabei ein wenig an Ida aus „The girl with glass feet“. Auch sie hat ein Elternteil verloren und befindet sich auf der Suche nach einem neuen Leben und sich selbst. Getrieben wird sie dabei immer von der Angst, eingesperrt zu sein und sich zu sehr auf jemanden einzulassen. Deshalb flieht sie aus der Enge New Yorks in das fiktive Thunderstown. Dem Autor gelingt es gut, ein Bild des kleinen Ortes zu erzeugen, mit seinen zahlreichen engen Gassen, die stets auf die düstere, etwas unheimliche Kathedrale zuführen. Mit seinen mißtrauischen und abergläubischen Einwohnern und seinem wechselhaften Wetter.

Unter den Dorfbewohnern stechen besonders 3 Charaktere heraus: Daniel, der wortkarge Wildhüter Thunderstowns und Finns Ziehvater, Kenneth, der Elsa in seinem Haus aufnimmt und wie sie den Verlust eines geliebten Menschens zu verwinden hat und Dot, eine ältere, wetterbegeisterte Nonne mit großer Menschenkenntnis und einem noch größeren Herz. Und gerade diese liebevolle Gestaltung der Personen ist es, die für mich einen großen Teil des Reizes an diesem Buch ausmacht. Der andere Teil ist das Leitmotiv des Wetters, es verbindet eigentlich alle Handlungsteile und Charaktere miteinander. Ali Shaw entwirft dabei wundervolle Stimmungsbilder von zerstörerischen Tornados, sich auftürmenden, dunklen Wolkenbergen, von prasselndem Regen und dichtem, alles verbergenden Nebel. Die Besessenheit vom Wetter bringt Elsas Vater den Tod und schenkt ihr selbst ein neues Leben: mit Finn.

Die Liebesgeschichte zwischen Elsa und Finn wird sehr vorsichtig erzählt. Die beiden bewegen sich wie scheue Kleinkinder aufeinander zu. Dabei haben sie so vieles gemeinsam; Elsa wuchs ohne Vater auf, Finn ohne Mutter. Beide fühlen sich unwohl in der großen, weiten Welt da draußen, sind eigentlich gar kein Teil von ihr. Und weil Elsa das Wetter so sehr liebt, fühlt sie sich erst recht zu Finn hingezogen. Doch die Beziehung der beiden wird überschattet: Finn kann den Sturm in sich nicht kontrollieren und muss deshalb fürchten, Elsa ohne es zu wollen zu verletzen. Währendessen beginnen die Bewohner von Thunderstown mit einer Hetzjagd auf Finn, denn sie halten ihn für „Old Man Thunder“, eine Gestalt ihrer Legenden. Nur wenn er getötet wird, ist Thunderstown nicht länger der Willkür des Wetters ausgeliefert.

Und damit komme ich zu meinem einzigen Kritikpunkt an dem Roman: dem Ende. Es fiel mir  – wie bei „The girl with glass feet“ auch – nicht schwer, die übernatürlichen, fantastischen Elemente der Handlung als gegeben hinzunehmen. Dennoch finde ich, dass der Autor mit seinem Schluss doch etwas zu sehr ins Absurde abdriftet und damit seine in sich stimmige Geschichte ins Wanken bringt. Zumal man sich trotz dieser Wendung unweigerlich fragen muss, wie es denn nun weitergehen soll. Ich hätte mir für Elsa und Finn einfach ein anderes Ende gewünscht. Und das hätte nicht einmal ein Happy End sein müssen, nur ein Ende, dass dieser eigentlich wunderschönen Geschichte würdig ist.

Fazit:

Ein wirklich schöner Roman mit tollen sprachlichen Bildern, der es jedoch nicht ganz mit der Magie seines Vorgängers aufnehmen kann.

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3 Kommentare zu “The man who rained / Ali Shaw

  1. Das ist gut. Dann werde ich den Autor wohl wirklich im Original lesen. Die Covergestaltung der englischen und deutschen Ausgabe von „The Girl with Glass Feet“ ist ja zum Glück gleich. Das Cover ist sooo toll!!

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