Das glühende Grab / Yrsa Sigurðardóttir


Titel:  Das glühende Grab (Aska)

Autor: Yrsa Sigurðardóttir

Seitenzahl: 363

Woher ich es habe: Selbst gebraucht gekauft

„Das glühende Grab“ ist schon der dritte Band in der Reihe um die  isländische Anwältin Dóra Guðmundsdóttir. Nachdem ich von den ersten beiden Bänden – „Das letzte Ritual“ und „Das gefrorene Licht“ – bereits begeistert war, habe ich mich auf die Fortsetzung sehr gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Handlung:

Dóra hat sich gerade erst von ihren letzten Fall erholt. Inzwischen ist ihr Sohn Gylfi mit 15 Jahren Vater geworden und die junge Anwältin kümmert sich neben ihren beiden Kindern nun auch noch um ihren kleinen Enkel. Die Beziehung zu dem Deutschen Matthias Reich, die sie seit dem ersten Band pflegt, steht indes unter einem unsicheren Stern, denn Matthias hat ein Jobangebot seiner Bank erhalten, für das er nach Island ziehen möchte. Dóra steht jetzt also vor der Entscheidung, ob sie sich ein Leben mit dem Deutschen in Island vorstellen kann. So sieht also die private Situation der Anwältin aus, als sie ihren Mandanten Markús auf den isländischen Westmännerinseln zu einer Ausgrabungsstätte begleitet. Markús versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass sein bei einem Vulkanausbruch vor mehr als 30 Jahren verschüttetes Elternhaus ausgegraben wird. Und als Dóra gemeinsam mit ihm den Keller des Hauses betritt, wird auch klar, weshalb: Dort unten finden die beiden einen abgetrennten Kopf und drei Leichen. Markús schwört, nichts von all dem gewusst zu haben und bittet Dóra, ihn zu verteidigen. Er beschuldigt sogar seine Jugendfreundin Alda, für den abgetrennten Kopf verantwortlich zu sein, doch noch bevor Dóra Alda befragen kann, wird die Krankenschwester ermordet.

Meine Meinung:

Im Verlauf der Handlung gerät Dóra bereits wie in den vorherigen Romanen in einen Strudel aus Lügen, Intrigen und Gewalt. Vor allem die Atmosphäre auf den Westmännerinseln hat die Autorin gut eingefangen. Die Menschen erscheinen als ruhig und zurückgezogen, manche von ihnen schon fast eigenbrödlerisch. Und obwohl einige von ihnen sich feindlich gesinnt zu sein scheinen, bilden sie doch eine fast undurchdringliche Mauer gegen die junge Anwältin. Nur nach und nach kann sie sich das Vertrauen einiger Inselbewohner erkämpfen und das Geschehen aufklären. Gut gefallen hat mir an diesem Band, dass Matthias seiner Freundin nicht wie ein Schatten folgt. Es war interessant, Dóra mal wieder ganz auf eigene Faust ermitteln zu sehen. Aufgrund seiner Sprachprobleme konnte der Deutsche bisher nur wenig in die Handlung eingreifen und erschien so oft fehl am Platz.

Auch in diesem Band gelingt es der Autorin, die Figuren greifbar zu machen. Es sind Menschen wie Du und Ich, mit ganz normalen alltäglichen Problemen. Dóra zum Beispiel ist geschieden, weiß oft nicht, wie sie die Miete aufbringen und die Betreuung ihrer beiden Kinder organisieren soll. Nun ist sie auch noch Oma geworden und muss den Spagat zwischen Familie und Beruf wagen, ohne dabei ihre eigenen Bedürfnisse zu vergessen. Ich fand es auch sehr angenehm, dass wieder die grimmige Sekretärin Bella mit auf die Reise gehen durfte. Musste man über sie in den ersten beiden Bänden noch verständnislos den Kopf schütteln, nimmt ihr Charakter jetzt immer mehr Form an und man fragt sich unweigerlich, was hinter der Fassade dieser jungen Frau steckt.

Die Haupthandlung des Romans besteht auch dieses Mal aus einigen losen Fäden, die erst am Ende miteinander verknüpft werden. Und ich muss zugeben, dass ich der Autorin auf den Leim gegangen bin und den wahren Täter nicht durchschaut habe. Ich habe also wenig zu beanstanden, was „Das glühende Grab“ betrifft. Nur eines wirkt auf mich schon seit Band 1 etwas befremdlich: wieso ist eine junge Anwältin der Polizei immer einen Schritt voraus? Warum findet sie allein Beweise, wo zahlreiche Polizisten im Dunkeln tappen? Warum sind wichtige Zeugen immer nur bereit, Dóra ihre Geschichte anzuvertrauen, nicht aber der Polizei? Und wie schafft sie es, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein? Nun, das muss als wichtiges Handlungsmoment wohl einfach so hingenommen werden – schließlich waren auch Miss Marple, Hercule Poirot und Sherlock Holmes der Polizei stets überlegen.

Fazit:

Ein solider, unterhaltsamer Kriminalroman, der den Zauber Islands einzufangen vermag und mit seinen aus dem Leben gegriffen Charakteren überzeugt.

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