Deadlocked / Charlaine Harris

Titel: Deadlocked

Autor: Charlaine Harris

Seitenzahl: 327

Woher ich es habe: bei Book Depository bestellt

“Deadlocked” ist bereits der 12. Band in der Sookie Stackhouse-Reihe und bis jetzt ist noch kein wirkliches Ende in Sicht. Zumindest ein dreizehnter Band soll noch erscheinen, aber bei Charlaine Harris weiß man ja nie…Ich hoffe jedoch sehr, dass die Reihe mit “Deadlocked” wieder zu ihrer eigentlichen Größe zurückfinden kann. Die Bände davor waren alles andere als Meisterwerke, trotzdem freue ich mich schon darauf, Sookie, Eric und Sam wieder zu begegnen. (Bill hingegen hätte meinetwegen schon lange endgültig das Zeitliche segnen können, aber nun gut…)

Handlung:

It’s vampire politics as usual around the town of Bon Temps, but never before have they hit so close to Sookie’s heart…

Growing up with telepathic abilities, Sookie Stackhouse realized early on there were things she’d rather not know. And now that she’s an adult, she also realizes that some things she knows about, she’d rather not see—like Eric Northman feeding off another woman. A younger one.

There’s a thing or two she’d like to say about that, but she has to keep quiet—Felipe de Castro, the Vampire King of Louisiana (and Arkansas and Nevada), is in town. It’s the worst possible time for a human body to show up in Eric’s front yard—especially the body of the woman whose blood he just drank.

Now, it’s up to Sookie and Bill, the official Area Five investigator, to solve the murder. Sookie thinks that, at least this time, the dead girl’s fate has nothing to do with her. But she is wrong. She has an enemy, one far more devious than she would ever suspect, who’s set out to make Sookie’s world come crashing down.

Die Toten von Sandhamn / Viveca Sten

Titel: Die Toten von Sandhamn (I grunden utan skult)

Autor: Viveca Sten

Seitenzahl: 349

Woher ich es habe: bei Vorablesen gewonnen

“Die Toten von Sandhamn” ist nach “Tödlicher Mittsommer” und “Tod im Schärengarten” der dritte Band der Reihe um den Kommissar Thomas Andreasson und seine Jugendfreundin Nora Linde. Immer, wenn ich einen neuen Band der Reihe nach dem Lesen zuschlage, wünsche ich mir, ich würde die schwedische Sprache beherrschen, denn im Original sind bereits 4 Bände erschienen und die Autorin schreibt an Band 5.

Handlung:

Auf Sandhamn verschwindet eines Winterabends die 20-jährige Lina. Thomas nimmt mit seinen Kollegen die Ermittlungen auf, doch die junge Frau bleibt verschwunden. Einige Monate später machen ausgerechnet Noras Söhne beim Spielen im Wald eine grausame Entdeckung: Linas abgetrennten Arm. Während Nora nun neben der Trennung von Henrik auch noch mit den Ängsten ihrer Kinder zurechtkommen muss, folgt Thomas der Spur des Täters, die ihn weit in die Vergangenheit zurückführen wird. Und auch im Privatleben des sympathischen Kriminalkommissars geht es turbulent zu, denn ihm steht das erste Treffen mit seiner Ex-Frau Pernilla bevor, seit die beiden ihre gemeinsame Tochter zu Grabe tragen mussten.

Eigene Meinung:

Endlich gibt es neuen Lesestoff von Thomas und Nora! Die beiden sind mir im Verlauf der Reihe wirklich ans Herz gewachsen, weil sie keine Übermenschen sind, sondern wie Du und Ich mit alltäglichen Problemen zu kämpfen haben. So muss Nora beispielweise in diesem Band erfahren, dass ihr Ehemann Henrik sie ganz klischeehaft mit einer Krankenschwester betrügt. Das versetzt der Beziehung, die bereits seit Band 2 gebröckelt hatte, den Gnadenstoß und Nora sieht sich bereits als allein erziehende Mutter. Zu allem Überfluss mischt sich auch noch Noras herrische Schwiegermutter in alles ein – ich fühle wirklich mit ihr! Thomas hingegen hatte sich schon im letzten Band von seiner Freundin Carina getrennt. Noch immer hat er unter dem Tod seiner kleinen Tochter zu leiden, für den er indirekt seine Ex-Frau verantwortlich macht. Doch als er Pernilla bei einem gemeinsamen Essen zum ersten Mal seit Jahren wiedersieht, muss er sich eingestehen, dass er ihr gegenüber vieles falsch gemacht hat. Und auch Pernilla kann Thomas einfach nicht vergessen. Es ist den beiden wirklich zu wünschen, dass sie wieder zueinander finden, auch wenn ich noch nicht recht daran glauben kann.

Die Kriminalhandlung ist dieses Mal relativ unspektakulär: ein Mädchen aus gutem Elternhaus verschwindet und Monate später wird ein Körperteil von ihr vergraben im Wald gefunden. Die Ermittlungen stagnieren jedoch, das Team um Thomas findet einfach nicht die richtigen Hinweise und ausgerechnet der Hauptverdächtige hat ein Alibi für die Tatzeit. In Einschüben wird außerdem die Geschichte des jungen Gottfrid und seiner Frau Vendela erzählt. Vom Tod seines Vaters an begleitet der Leser Gottfrid durch die Jahre und muss erleben, wie dieser seine Frau und seinen Sohn misshandelt, die Tochter aber vergöttert. Lange Zeit werden die Handlungsstränge parallel geschildert und erst am Schluss des Romanes wird eine Verbindung zur Gegenwart hergestellt.

Persönlich fand ich die Reise in die Vergangenheit Sandhamns zwar interessant, aber irgendwie fehlte mir der Charme und die einzigartige Atmosphäre auf der kleinen Schäreninsel. In den ersten beiden Bänden war diese so perfekt eingefangen, dass man als Leser das Gefühl hatte, selbst dort zu sein und jeden Bewohner und jedes Fleckchen der Insel zu kennen. In diesem Band bleibt Sandhamn für mich sehr blass und wenig greifbar. Eigentlich ist die Insel auch nur schmückendes Beiwerk, denn die Handlung hätte so an jedem Ort der Welt geschehen können und das ist leider nicht das, was ich von Viveca Sten gewohnt bin. Bei der Stange hielt mich so vor allem die Neugier, wer für Linas Tod verantwortlich ist und wo die Verbindung zu den Einschüben aus der Vergangenheit liegt. Und natürlich wollte ich ebenso wissen, wie es Thomas und Nora weiter ergehen würde.

Die Auflösung war für mich dann auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Erzählte tatsächlich der Grund für solch ein grausames Verbrechen sein kann, aber vielleicht kann ich mich auch nicht ausreichend in die Figuren hineinversetzen. Ihr Leben ist mir doch recht fremd. Und natürlich ist es auch wieder Nora, die die entscheidenden Impulse gibt, den Täter zu stellen. Manchmal fragt man sich doch, wozu die Kriminalpolizei noch gebraucht wird, wenn es doch immer Laien sind, die die Lösung des Falles herbeiführen. Was meine beiden Lieblingsprotagonisten angeht, so endet der Roman zumindest für einen von beiden mit einem riesigen Cliffhanger, der mich verzweifeln lässt, denn auf die deutsche Übersetzung von Band 4 werde ich wohl noch ein gutes Jahr warten müssen. Und dann hoffe ich auch, dass Viveca Sten zu ihrer alten Form zurückgefunden hat.

Fazit: Der schwächste Band der Reihe, der Fans der Reihe aber sicherlich trotzdem in seinen Bann ziehen wird.

Stöckchen: Bücher, die zu wenig Beachtung bekommen

Auf dem Blog der lieben Alice habe ich heute ein Stöckchen gefunden, an dem ich gerne teilnehmen möchte. (Nachdem ich es diese Woche leider nicht geschafft habe, an ihrem Top Ten Thursday mitzumachen, sorry!) Hier sind die Regeln:

  1. Verlinke denjenigen, der dich getaggt hat.
  2. Geh durch dein Bücherregal und überlege dir, welche Bücher, deiner Meinung nach, nicht bekannt genug sind.
  3. Gib zu jedem Buch eine kurze Begründung an (es reicht ein Satz), wenn ihr möchtet wäre es schön, wenn du den Klappentext oder eine Mini-Inhaltsangabe dazu angibst.
  4. Tagge die Leute, von denen ihr diesen TAG gerne lesen würdet.
  5. Sag den Leuten Bescheid, die du getaggt hat.
  6. Freu dich auf die Antworten.

Nachdem ich mein Bücherregal ein wenig durchforstet hatte, sind mir 2 Bücher in die Hände gefallen, die ihr vielleicht noch nicht kennt, die ich euch aber unbedingt ans Herz legen möchte:

1. Vurt / Jeff Noon

Auf dieses Buch bin ich durch Zufall gestoßen, als ich vor Jahren in der Bibliothek herumstöberte, auf der Suche nach neuem Lesestoff. Das Cover stach mir sofort ins Auge und ich nahm das Buch mit nachhause. Bis heute ist mir noch nie jemand begegnet, der den Autor Jeff Noon kannte, aber ich denke, das wird wohl in England anders sein. Hier der Klappentext zu “Vurt”, das im Deutschen übrigens “Gelb” heißt:

Vurt is a feather–a drug, a dimension, a dream state, a virtual reality. It comes in many colors: legal Blues for lullaby dreams. Blacks, filled with tenderness and pain, just beyond the law. Pink Pornovurts, doorways to bliss. Silver feathers for techies who know how to remix colors and open new dimensions. And Yellows–the feathers from which there is no escape. The beautiful young Desdemona is trapped in Curious Yellow, the ultimate Metavurt, a feather few have ever seen and fewer still have dared ingest. Her brother Scribble will risk everything to rescue his beloved sister. Helped by his gang, the Stash Riders, hindered by shadowcops, robos, rock and roll dogmen, and his own dread, Scribble searches along the edges of civilization for a feather that, if it exists at all, must be bought with the one thing no sane person would willingly give.

2. Der Fall Jane Eyre / Jasper Fforde

Ein Muss für Literaturfans! Das Buch ist so voller Humor und Anspielungen auf den Literaturbetrieb und auf bestimmte Romane – ein wahres Feuerwerk! Die Reihe um die Protagonistin mit dem wundervollen Namen Thursday Next umfasst übrigens schon 6 Bände:

Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der Literatur so wichtig genommen wird, dass es eine Spezialpolizei gibt, um sie vor Fälschern zu schützen? Als Geheimagentin Thursday Next ihre neue Stelle in Swindon antritt, ahnt sie schon, daß ihr die größte Herausforderung ihrer Karriere bevorsteht: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Brontë entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England, das mit dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg schon genug Sorgen hat. Aber Thursday Next ist eine Superagentin: clever und unerschrocken. Und wenn sie wirklich mal in die Klemme gerät, kommt aus dem Nichts ihr von den Chronoguards desertierter, ziemlich anarchistischer Vater, um für ein paar Minuten die Zeit anzuhalten.

Vielleicht ist ja ein Buch für euch dabei? Taggen möchte ich niemand bestimmten, macht doch einfach mit, wenn ihr Lust dazu habt!

Saeculum / Ursula Poznanski

Titel: Saeculum

Autor: Ursula Poznanski

Seitenzahl: 493

Woher ich es habe: bei Ebay ersteigert

“Saeculum” ist nach “Erebos” der zweite Jugendthriller der Österreicherin Ursula Poznanski, die zuvor bereits einige Kinderbücher veröffentlicht hatte. Ihren ersten Erwachsenenthriller “Fünf” werde ich auf Fall auch noch lesen, denn ich habe sowohl “Saeculum” als auch “Erebos” verschlungen.

Handlung:

Bastian, Sohn aus gutem Hause und fleißiger Medizinstudent, hat vor kurzem die hübsche Sandra an der Uni kennengelernt. Schon bald erzählt diese ihm von ihrer Rollenspielgruppe “Saeculum” und lädt ihn zu einem Live-Rollenspiel in einer verlassenen Gegend in Österreich ein. Gemeinsam mit 11 anderen jungen Rollenspielern machen sich die beiden auf, um 5 Tage in der Wildnis zu verbringen: ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne Handy und völlig eins mit ihrer Rolle, denn während des Spiels ist jede Erwähnung der modernen Welt verboten. Am Spielort angekommen entwickelt sich jedoch alles anders als geplant: Sandra ist auf einmal seltsam abweisend zu Bastian und zu allem Überfluss scheint auf der Landschaft auch noch ein Fluch zu lasten. Als nach und nach immer mehr Gruppenmitglieder verschwinden, muss Bastian sich fragen, wem er noch vertrauen kann und ob es sich bei dem unsichtbaren Feind tatsächlich um einen Geist oder doch um einen Verräter aus Fleisch und Blut handelt.

Eigene Meinung:

“Saeculum” ist für einen Thriller einfach perfekt gestaltet. Das Cover ist mit seinen dunklen, laublosen Bäumen auf weißem Grund recht simpel, aber doch sehr passend, denn es fängt die Stimmung, die unter den Rollenspielern im Buch herrscht, sehr gut ein. Auffallend ist auch der schwarze Schnitt und der leicht erhöht eingestanzte Buchtitel. Schlägt man die ersten Seiten auf, so wird der Blick sofort auf die verzierten Anfangsbuchstaben eines jeden Kapitels und auf die weiß auf schwarz gedruckten Einschübe gelenkt, in denen immer wieder Dialoge zweier unbekannter Personen eingeflochten werden. Diese ergeben jedoch erst ganz am Ende des Romans einen Sinn, zumindest mir konnten sie während des Lesens keine brauchbaren Hinweise geben.

Bastian ist ein Protagonist, der mir von Beginn an sehr sympathisch war. Äußerlich und auch charakterlich ist er (zumindest am Anfang) der Inbegriff eines Strebers: ein fleißiger Medizinstudent mit guten Noten und einem wohlhabenden Vater, der sich natürlich wünscht, dass der Sohn später einmal in seine Fußstapfen tritt. Dabei ist ihm jedoch gleichgültig, was sein Sohn eigentlich mit seinem Leben anfangen möchte – Bastians Vater ist ein wirklich unangenehmer, eiskalter Geschäftsmann, dem ich nur ungern begegnen würde. Als Bastian Sandra und damit auch ihre Rollenspielclique kennenlernt, ist er sofort fasziniert. Der Gedanke, 5 Tage völlig frei in der Natur zu verbringen, ohne Pflichten und ohne Zwänge, gefällt ihm und so nimmt er Sandras Einladung zu dem Rollenspielwochenende an. In einem Telefonat mit seinem Vater, der von dieser Idee alles andere als begeistert ist, wagt Bastian zum ersten Mal in seinem Leben den Schritt, sich dafür zu entscheiden, was er selbst gerne möchte. Hier bekommt der Leser schon einen kurzen Blick darauf, was noch so alles hinter der Fassade des folgsamen Strebers steckt. Ebenso interessant war für mich Iris. Zu Beginn teilte ich Sandras Meinung über die verschlossene, oft schroffe junge Frau, die so verletzlich wirkt, wenn sie auf ihrer Harfe spielt. Im Verlauf der Handlung entwickelte sie sich aber zu einem meiner liebsten Charaktere. Ich bewundere die Stärke, die trotz allem, was sie erlebt hat, noch in ihr wohnt und dass sie es schafft, all das hinter sich zu lassen und neu anzufangen.

Der Autorin ist es gelungen, mich von der ersten Seite an in ihren Bann zu ziehen, denn ihr Roman hat wirklich alles, was ein guter Jugendthriller haben muss. Die Personen sind alle sehr gut durchdacht – einige von ihnen, so wie Steinchen, wachsen einem sofort ans Herz, andere lernt man erst im Verlauf der Handlung lieben bzw. hassen. Die Atmosphäre auf Mittelalterjahrmärkten und in einer solchen Rollenspielgruppe hat Ursula Poznanski wirklich gut eingefangen, man merkt, dass hier ausführlich und sauber recherchiert wurde. Ich hatte immer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, mit den Spielern durch den Wald zu pirschen und Aufgaben und Rätsel zu lösen.

Als die ersten Personen aus dem Lager verschwinden, scheint ein Ruck durch die Gruppe zu gehen. Einige sind völlig entsetzt und vor Angst beinahe gelähmt, andere wachsen über sich hinaus und wagen viel, um die Gruppe zu schützen. Freunde werden zu Verrätern, es werden Allianzen gebildet und Pläne geschmiedet. Bei den Spielern liegen die Nerven blank, sie misstrauen einander und beschuldigen sich gegenseitig. Jede Bewegung, jede Handlung, jede Aussage wird kritisch beäugt, denn die Spieler müssen befürchten, den Täter mitten unter sich zu haben. Als Leser ist man fasziniert und schockiert zu gleich, wie weit einige Personen gehen, um sich selbst zu retten und wie manipulierbar einige der jungen Leute sind. Doch ich habe mich selbst auch immer wieder gefragt: wie würde ich handeln? Was würde ich glauben? Wem würde ich noch vertrauen?

Ein exzellenter Schachzug der Autorin ist auf jeden Fall das Einbauen der Legende um die verfluchte Blutgruft. Den kompletten Roman über tappte ich wie Bastian im Dunkeln. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Überzeugung, dass alle Ereignisse doch wohl eine völlig logische Erklärung haben müssten und dem Glauben an den Fluch, der so plastisch in die Geschichte eingewebt war. Zwischendurch hatte ich zwar immer wieder meine Verdächtigungen und Theorien, doch erst ganz am Ende setzten sich all die Mosaiksteinchen für mich zu einem Gesamtbild zusammen. Die Auflösung hat mir überaus gut gefallen, auch wenn ich mit ihr am allerwenigsten gerechnet hatte. Was für mich aber den Roman noch lesenswerter macht, sind 2 Dinge: einmal die Beschreibung der Dynamik, die eine solche Gruppe in extremen Situationen entwickelt und auf der anderen Seite Bastians unglaubliche Entwicklung von einem Ja-Sager hin zu einem jungen Mann, der weiß, was er will.

Fazit: Ein toller Jugendthriller, der Erwachsene gleichermaßen begeistern wird und Lust auf weiteren Lesestoff von Ursula Poznanski macht.

Gastrezension: Du / Zoran Drvenkar

So, hier ist sie nun: die versprochene 2. Gastrezension von Martina von Buchstabenträume. Ich freue mich sehr, dass sie ein Buch ausgewählt hat, das so gar nicht in mein Beuteschema fällt. Denn so kann ich euch  - wie auch schon bei H.P. Lovecraft – Bücher vorstellen, die ich selbst nicht unbedingt lesen würde. Viel Spaß mit Martinas Rezension!

Titel: Du

Autor: Zoran Drvenkar

Seitenzahl: 576

Von Zoran Drvenkar hatte ich bereits „Du bist zu schnell“ gelesen, bevor sein neuestes Werk „DU“ erschienen ist. Da ich seinen Stil und seine Art, Bücher und Geschichten zu erfinden, sehr interessant finde, stand für mich fest, dass ich auch an „DU“ nicht vorbei komme. Wie mir das Buch letztlich gefallen hat, lest ihr in der folgenden Rezension.

Klappentext:

DU KANNST DIR NICHT TRAUEN

Nimm einen Mann, der durch ganz Deutschland reist und keine Gnade kennt. Wo er hinkommt, bleibt niemand am Leben. Nenn ihn Der Reisende, mach ihn zum Mythos und fürchte ihn.

Nimm fünf Freundinnen, die erst dem Chaos die Tür öffnen und dann die Flucht ergreifen. Nenn sie Die süßen Schlampen und meide sie.

Nimm einen Vater, der verfolgt wird von seiner Vergangenheit und über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen. Und jetzt stell dir vor, er will die fünf Freundinnen aufhalten. Um jeden Preis. Nenn ihn Der Logist und meide auch ihn.

Sie alle bewegen sich aufeinander zu, sie sind voller Rache und haben keine Ahnung, dass DU sie beobachtest.

Über den Autor:

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Berlin. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller und lebt jetzt in einer alten Kornmühle in der Nähe von Berlin. Er ist der Autor vielfach ausgezeichneter Kinder- und Jugendbücher, unter anderem schrieb er unter Pseudonym den Bestseller “Die Kurzhosengang”. Zwei seiner Thriller, “Du bist zu schnell” und “Sorry”, werden derzeit verfilmt.

Mehr Infos unter: www.drvenkar.de

Allgemeines zum Buch und dessen Aufbau:

Zunächst etwas zum Cover des Buches und dessen farblicher Gestaltung: Wenn man das Buch im Buchladen sieht, wird man wohl magisch vom Cover angezogen, denn von diesem geht eine mystische Atmosphäre aus. Ein Mann mit geschlossenen Augen strahlt irgendwie doch so viel aus, dass man wohl gar nicht anders kann, als das Buch in die Hand zu nehmen. Die bestimmenden Farben sind Schwarz, Weiß und Rot und dies ist auch der Fall, wenn man den Schutzumschlag entfernt. Das Buch selbst ist Schwarz, der Autorenname und das Symbol des Ullstein Verlags sind in Rot abgedruckt, während der Titel des Buches, der aus zwei simplen Buchstaben besteht, in weißer Schrift abgebildet ist. Das Lesebändchen ist ebenfalls rot, genauso wie das Vorsatzpapier. Ich äußere mich deshalb so ausführlich zur farblichen Gestaltung des Buches, weil sie mich sehr beeindruckt hat. Das tiefe Rot wirkt einfach sehr anziehend auf mich, strahlt schon eine gewisse unheimliche Stimmung aus und bei jedem Öffnen des Buches musste ich das Vorsatzpapier für eine Weile betrachten.

Nun aber mehr zum Inhalt des Buches:

Mit seinen 575 Seiten ist das Buch sehr umfangreich, was mir sehr gut gefällt, denn ich finde es toll, dicke Bücher in der Hand zu halten. Je dicker, je besser, könnte man fast sagen.

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Innerhalb dieser Teile gliedert es sich wiederum in kleinere Teile sowie Kapitel und Abschnitte. Jeder der Teile wird von einem Zitat aus einem Liedtext eingeleitet.

Sehr bezeichnend ist die Widmung des Autors, die aus den zwei Wörtern “für dich” besteht und mir aus irgendeinem Grund Gänsehaut verursacht. Vielleicht deshalb, weil ich dadurch das Gefühl habe, der Autor hätte das Buch extra und allein für mich geschrieben. Ist irgendwie etwas Besonderes!

Ergänzt und abgerundet wird das Buch durch eine Danksagung des Autors. Diese habe ich sehr erfreut gelesen, denn auch mein Name taucht in dieser Danksagung auf mit dem Zusatz “… ihr habt wie besessen gelesen…” und in diesen wenigen Worten erkenne ich mich durchaus wieder. Natürlich bin damit nicht ich persönlich gemeint, sondern irgendeine andere Frau mit dem gleichen Namen. Aber trotzdem – ich finde das toll!

In diesem Buch gibt es drei große Handlungsstränge. Zu zwei der drei Handlungssträngen gehören mehrere Personen, während ein Handlungsstrang allein von einer einzigen Person bestimmt wird. Im Laufe des Buches begegnen sich alle Handlungsstränge nach und nach. Das Besondere und Einzigartige an diesem Buch ist, dass jedes Kapitel mit dem Namen des Charakters überschrieben ist, der im jeweiligen Kapitel die Hauptperson darstellt. Der Charakter wird jedoch nicht namentlich erwähnt oder mit “Er” oder “Sie” beschrieben, sondern mit “Du”, denn der Leser übernimmt die Rolle des jeweiligen Charakters.

Das Buch spielt in den Städten Berlin und Hamburg sowie in Norwegen.

Geschrieben ist es aus der Sicht eines allwissenden Erzählers in der Gegenwartsform. Allein Szenen, die in der Vergangenheit spielen, eine Erinnerung eines Charakters darstellen und nicht ausdrücklich mit einer Jahreszahl überschrieben sind, sind in der Vergangenheitsform geschrieben.

Meine Meinung zum Buch:

Wie bereits erwähnt, hat die Widmung bei mir Gänsehaut verursacht und sollte nicht der einzige Auslöser dafür bleiben. Schon nach den ersten Seiten stand für mich fest, dass dieses Buch mich gefangen hat. Gefangen in einer Welt, die düster und unheimlich ist, in der ich mich aber doch wohl fühle, weil ich den Autor an meiner Seite spüre, der mir schnell so vertraut wird, dass es mich nicht stört, von ihm mit einem persönlichen und intimen “Du” angesprochen zu werden.

Die Idee des Autors, den Leser die verschiedensten Rollen des Buches übernehmen zu lassen, finde ich großartig. Teilweise liest sich das Buch so wie ein Drehbuch. Man fühlt sich wie in einem Gedankenexperiment, bei dem man die Identität eines anderen Menschen annimmt. Der Autor beschreibt dem Leser, welche Rolle man übernimmt und führt ihn dann durch die Handlung, sagt ihm, wie er sich zu verhalten hat und legt ihm Wörter in den Mund. Der Autor gibt Anweisungen, denen man als Leser zu folgen hat. Ich fand es einfach genial, die verschiedensten Rollen anzunehmen und jeder Charakter wurde so greifbar und real, dass ich schon allein beim Lesen der jeweiligen Kapitelüberschrift, die ja den Hauptcharakter des jeweiligen Kapitels angibt, wusste, wie ich mich im jeweiligen Kapitel zu verhalten hatte. Das Gedankenexperiment ist also geglückt, denn die Rollen sind alle vollkommen in mir aufgegangen und jeder Charakter war so detailliert und facettenreich beschrieben, dass es mir keine Mühe gemacht hat, sie zu unterscheiden. Ich habe ihr Wesen in mir gespürt und konnte ihre Gedanken und Handlungen problemlos nachvollziehen.

Dennoch verlangt das Buch Aufmerksamkeit von seinem Leser. Dies liegt vor allem daran, dass man die vielen Charaktere zunächst einmal kennenlernen muss. Es ist also wichtig, sich in die verschiedenen Rollen hineinzuversetzen und sich mit jedem neuen Kapitel darüber klar zu werden, welche Rolle man übernimmt. Dazu kommt, dass das Buch auf mehreren unterschiedlichen Zeitebenen spielt, die ebenfalls durchschaut werden müssen. Zwar umfasst das Buch einen Zeitraum von weniger als einer Woche, doch werden manche Ereignisse zeitversetzt erzählt.

Für mich war es ein großartiges Vergnügen, den drei Handlungssträngen zu folgen und nach und nach viele kleine Puzzleteile zu einem großen Bild zusammenzusetzen. Denn alle Handlungsstränge laufen irgendwann zusammen und für mich sind diese Zusammenhänge ganz großartig und genial ausgedacht. Nichts wirkt hier konstruiert, alles ist nachvollziehbar und logisch und wunderbar durchdacht. Es sind viele Kleinigkeiten, die man vielleicht als gar nicht so wichtig erachtet, die letztlich aber notwendig sind, um das Puzzle zu lösen. Zoran Drvenkar hat hier tolle Arbeit geleistet, den Leser von Zeit zu Zeit auf eine falsche Fährte gelockt und ihn verwirrt, aber letztlich ergibt alles Sinn.

Einmal angefangen, fiel es mir sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Denn die Geschichte hat mich sofort gefangen genommen. Die Handlung ist durchweg fesselnd und spannend. Es gab für mich während des Lesens keinerlei Längen – im Gegenteil! Jede Seite konnte nicht schnell genug erfasst werden, jeder Absatz nicht schnell genug gelesen werden, jedes Kapitel nicht schnell genug durchblättert werden. Und am Ende bleibe ich zurück und wünsche mir noch mehr Seiten, noch mehr Absätze, nur noch ein weiteres Kapitel. Doch wenn ich ganz ehrlich zu mir bin und den Sog, den das Buch auf mich ausgeübt hat, etwas abschüttele, gebe ich auch zu, dass das Ende an der richtigen Stelle kam. Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören. Auch wenn es schwer fällt. Und das tut es. Denn ich hatte in letzter Zeit selten ein solches Lesevergnügen.

Das Buch ist ein Thriller, deshalb sollte man sich auf Tote und Verletzte einstellen. Denn die gibt es in diesem Buch zuhauf. Dazu kommen Drogendelikte, Erpressungen, Folterungen. Es ist nicht immer schön, was dem Leser hier geboten wird, aber es passt in das Gesamtwerk. Und es gibt Szenen, die die düstere und unheimliche Stimmung ausgleichen. Aber dazu sage ich hier nicht mehr – lest am besten selbst!

Stilistisch ist das Buch einzigartig. Jedes Wort sitzt, kein Satz ist überflüssig. Die Besonderheit des Autors ist es, bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen zu verwenden, sondern Bindestriche. Aber daran gewöhnt man sich schnell und dies tut dem Lesefluss keinen Abbruch.

Toll fand ich, dass die Handlungsorte greifbar werden, indem der Autor Straßennamen oder bekannte Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Städte einfügt. So können Leser, die sich in Hamburg oder Berlin gut auskennen, die Handlung noch genauer verfolgen.

Kleine Rechtschreib- und Grammatikfehler fallen zwar auf, können meiner Begeisterung für dieses Buch aber keinen Abbruch tun.

Mein Fazit: Zoran Drvenkar, für dieses Buch danke ich DIR!